Die Berlinale würdigt Kameramann Michael Ballhaus mit dem goldenen Ehrenbären - Berlinale 2016 Blog - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
  • Blogs
  • )
  • Berlinale 2016
  • )
  • Die Berlinale würdigt Kameramann Michael Ballhaus mit dem goldenen Ehrenbären
16 18/02

Die Berlinale würdigt Kameramann Michael Ballhaus mit dem goldenen Ehrenbären

Der bekannteste deutsche Kameramann wird auf der Berlinale für seine herausragende Arbeit gewürdigt. Zuvor sprach er über seine lange Karriere und warum die Zusammenarbeit mit Fassbinder nicht immer einfach war.


(Michael Ballhaus und Jim Rakete; Copyright: Maria Wiesner)

"Aging is not for Sissies", das sei die wichtigste Lektion die er jemals gelernt habe, sagt Michael Ballhaus und lacht. Paul Newman habe ihm diese Lebensweisheit mitgegeben und man glaubt dem 80 Jahre alten Mann, dass er es bis jetzt berücksichtigt hat. Ballhaus ist eine Erscheinung, nicht nur weil er noch immer einer der am besten gekleideten Männer auf der Berlinale ist. Er kommt mit kleinen wackeligen Schritten auf die Bühne des Hebbel-Theaters, seine 80 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Aber sie konnten ihm das Distinguierte nicht nehmen: sein sandfarbenes Wollsakko sitzt perfekt und die cognacfarbenen Budapester spielen wie zufällig mit der Paillette an Brauntönen, die Ballhaus für den Auftritt angelegt hat. Stylish war der Kameramann schon immer, erinnert sich der Berliner Fotograf Jim Rakete, der durch die Hommage im Rahmen der Berlinale-Talents-Reihe führt. Als er ihn das erste Mal in Berlin bei einer Party sah, sei Ballhaus eine Erscheinung gewesen, die Stimmung der Party habe sich sofort geändert.

Dann rollte Rakete die lange Liste der Ballhaus-Filme aus. Sie bleibt über die Länge der Veranstaltung dekorativ auf der Bühne liegen. Selbst zwei Stunden werden nicht genügen, um überhaupt ein Drittel davon anzusprechen. Aber Ballhaus macht das mit guten Anekdoten wieder wett.

(Jim Rakete; Copyright: Maria Wiesner)

Zum Beispiel über seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder. Als der ihn das erste Mal sah, begrüßte er ihn mit: "Sie sind also dieser Fernseh-Heini." Denn Ballhaus hatte zuvor viele Fernsehfilme für den SWR gedreht. Fassbinder lernte ihn aber schnell schätzen, denn der Kameramann arbeitete nicht nur unglaublich schnell den Drehplan ab, er war auch mit ungewöhnlichen Ideen zur Hand, wenn Fassbinder welche brauchte. So schlug er für den Fassbinder-Film Martha vor, die Entfremdung des Paares in einer 360-Grad-Kamerafahrt einzufangen, bei der sich die Schauspieler mitdrehen mussten. Jedem anderen wäre dies wohl zu schwierig gewesen, doch Fassbinder war begeistert und so war Ballhaus' Markenzeichen geboren.

"Ich habe die 360-Grad-Fahrt auch in späteren Filmen genutzt, aber irgendwann haben das dann alle kopiert und da habe ich damit aufgehört", sagt er. Doch keiner seiner bekanntesten Filme wie Scorseses Goodfellas oder Petersens Air Force One kommt ohne die Kamerafahrt aus.

Dass es überhaupt zur Zusammenarbeit mit diesen großen amerikanischen Regisseuren kam, verdankte Ballhaus der Arbeit mit Fassbinder. An die erinnert er sich aber als mitunter sehr anstrengend. "Ich gehörte nicht zum engeren Zirkel Fassbinders. Ich hatte meine Familie, fuhr abends nach Hause und machte nicht bei den wilden Partys mit", sagt Ballhaus. Zudem sei die Clique um den Regisseur eine "Schlangengrube" gewesen: "Jeder versuchte da den anderen für das nächste Projekt auszustechen. Das hat keinen Spaß gemacht", erinnert sich Ballhaus. Doch immerhin lernte er so Martin Scorsese kennen. "Martin ist ein großer Filmfan, es vergeht kein Abend, an dem er nicht wenigstens einen Film schaut. Er hatte sicherlich einige Fassbinder-Filme gesehen, denn er kannte mich als dessen Kameramann und fragte dann, ob wir zusammenarbeiten könnten", sagt Ballhaus.

 

(Michael Ballhaus; Copyright: Maria Wiesner)

Mit Scorsese drehte er sieben Filme, darunter Klassiker wie Die Farbe des Geldes, Goodfellas und Gangs of New York. Für letzteren wurde seine Kameraarbeit zum dritten Mal für den Oscar nominiert. Erhalten hat er den Preis nicht. Und es scheint ihm auch nichts auszumachen. Es hat genug andere Preise bekommen. Am Donnerstagabend wird es dann einer mehr sein: Die Berlinale würdigt seine herausragenden Verdienste mit dem goldenen Ehrenbären.

(Maria Wiesner)