15 10/02

Dyke Hard

"Just another Swedish Action Comedy Musical Movie" steht auf dem Plakat des Films Dyke Hard von Regisseurin Bitte Andersson - und es ist eine Untertreibung: Dyke Hard ist ein bunter, trashiger B-Movie, in dem Roboter auf notgeile Wasserleichen treffen und am Ende nicht nur Ninjas, sondern auch böse Rollerderby-Girls zum finalen Schlusskampf herausfordern.


(Filmbild aus Dyke Hard, Copyright Nicklas Dennermal)

Der Film beginnt - wie es sich für einen Science-Fiction-Streifen gehört - mit der Entsendung eines Roboters in die Gegenwart. Dort hat sich die Lesben-Punk-Rockgruppe "Dyke Hard" aufgelöst. Sie konnte ohnehin nie an ihren ersten Hit anschließen und nun hat Leadsängerin und Hardcore-Lesbe Riff die Nase voll von ihren Bandkolleginnen, die sowie nur ein Haufen Verliererinnen sind, die sie aufhalten. Die vermeintlichen Verliererinnen sind gar nicht traurig, dass sie von der dominanten und herrschsüchtigen Riff befreit sind und wollen nun allein mit den Songs durchstarten, die sie immer schon machen wollten. Also machen sie sich auf den Weg zu einem Bandcontest, treffen unterwegs die Thai-Boxerin Dawn, landen in einem Spukhaus und Gefängnis, sehen sich Intrigen, Lesben-Motorradgangs und heimtückischen Hindernissen ausgesetzt.


(Trailer zu Dyke Hard)

Am Beginn der Produktion von Dyke Hard stand ein Trailer, den Bitte Andersson zusammen mit Martin Borell (Visual Effects) und Alexi Carpentieri (Kamera) drehte. Er war ein Teil einer Reihe - eine Art Wunschliste an die Filmindustrie -, mit der sie auf das Fehlen von starken weiblichen oder homosexuellen Figuren aufmerksam machen wollten. Die Resonanz auf diesen zweiminütigen Trailer ermunterte sie schließlich, statt weiterer Trailer einen Film zu drehen. Sie haben sich zusammengesetzt, ihre liebsten Plot-Elemente gesammelt und zusammen mit den Darstellern am Drehbuch gearbeitet. Und tatsächlich schöpft Dyke Hard aus bekannten Genrekonventionen sehr viel kreatives Potential, zumal bei jedem Bild dieses Films zu erkennen ist, dass die Macherinnen zwar kein Geld, dafür aber umso mehr Spaß hatten. Oftmals passen die Lippenbewegungen nicht zum Ton, alle sprechen ein sehr überzogen langsames und einfaches Englisch. Manchmal sind die Bilder unscharf oder leicht schief, einige Szenen sind zu lang geraten, aber dazwischen gibt es immer wieder herrlich übertriebene Gesangseinlagen, eine pinke Pudelband und Unmengen an Sexszenen. Deshalb ist Dyke Hard sicher nicht ein Film für jedermann, aber er bietet 90 Minuten Kurzweile - und erinnert vor allem daran, dass man für Kreativität nicht unbedingt ein großes Budget braucht. In diesem Sinn: "Get on the bike, dyke!"

(Sonja Hartl)