Kolumnen https://www.kino-zeit.de/news-features/themen/kolumnen de Andere Orte der Cinephilie https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/andere-orte-der-cinephilie <span>Andere Orte der Cinephilie</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>29.08.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Zwischen vollen Regalreihen und noch volleren Regalreihen, erfüllt vom leisen Flüsterrauschen gedämpfter Geschäftigkeit, liegt ein wunderbarer Ort, der all jene Menschen anzieht, deren Herzen für ein altes, staubiges und duftendes Medium schlagen: für das Buch. Die Bibliothek ist ein alter Ort für eine alte Leidenschaft, doch das gedruckte Buch hält sich wacker. So wie sich auch die DVD und die Blu-ray noch halten, während ihre vom materiellen Zwang befreite Online-Ablösung bereits ihren Eroberungszug angetreten hat.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-08/gabriel-sollmann-704393-unsplash.jpg?itok=VWsllftM" width="940" height="530" alt="Bibliothek" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Photo by Gabriel Sollmann on Unsplash</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Bibliothek</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Auf den ersten Blick scheint die Bibliothek mit den materiellen Film-Datenträgern nur einen gewissen Hang für das Analoge gemein zu haben, für das Greifbare im Regal, den nostalgischen Seufzer. Doch dieser Blick ist kurzsichtig: Gerade die Bibliothek ist auch ein Ort der Cinephilie, zwischen Videothek und algorithmischem Katalog, ein Ort, der zeitgemäßer ist als sein Ruf es vielleicht glauben macht. Es ist höchste Zeit für einen Besuch an diesem magischen und eigensinnigen Ort, für eine Entdeckungsreise durch seine Regalreihen und für ein Lob seiner Lebendigkeit.</p> <p> </p> <h4><strong>Zwischen den Regalen</strong></h4> <p>Im Herzen Berlins liegt mit der Amerika-Gedenkbibliothek eine einzigartige Bibliothek, nicht allein aufgrund ihrer Geschichte und Bedeutung, sondern vor allem aufgrund des riesigen Filmbestands von mehr als 65.000 Filmen, die auf DVD, Blu-ray und VHS verfügbar sind. Ist dies zwar der größte Filmbestand einer öffentlichen Bibliothek in Deutschland, so stellt er doch nur aufgrund seiner Größe eine Ausnahme dar: Denn selbst die kleinsten Stadtbüchereien bieten, würde man einmal den möglicherweise ungewohnten Schritt durch ihre Pforten wagen, ein beachtliches Filmangebot, ganz wie die umfangreichen Bibliotheken größerer Städte. Ich habe nun das Glück, keinen langen Weg zur Amerika-Gedenkbibliothek zurücklegen zu müssen, um von der Magie ihrer Filmregale erfasst zu werden, und mache mich auf, ihre Reihen zu durchstreifen.</p> <figure role="group"><img alt="Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin Kreuzberg; Copyright: Jörg Zägel CC BY-SA 3.0" data-entity-type="file" data-entity-uuid="9b627ddb-f820-431f-8036-a5dee5e1bdea" src="/sites/default/files/inline-images/2560px-Berlin%2C_Kreuzberg%2C_Bluecherplatz_1%2C_Amerika-Gedenk-Bibliothek.jpg" /><figcaption>Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin Kreuzberg; Copyright: Jörg Zägel CC BY-SA 3.0</figcaption></figure><p>Was also finde ich, wenn ich in einer Bibliothek Filme entdecke? Um nicht die Empfehlungen eines Algorithmus schlecht verpackt als eigene Entdeckung verkauft zu bekommen, sondern um tatsächlich über den mit robustem Teppich belegten Boden durch Gänge zu streifen, die Neues und Unerwartetes bereithalten, Bekanntes und Vergessenes. Willkürliche Zufallsfunde gibt es streng genommen natürlich nicht: Auch und gerade das Angebot einer Bibliothek braucht eine Ordnung, die hier alphabetisch nach den Namen der Regisseur*innen angelegt ist. Und doch: Mein Streifen kann sich der Entdeckung hingeben, mein Blick bleibt – selbst wenn ich etwas Bestimmtes suche – willkürlich hängen und findet dieses Cover, jenen Titel, angezogen von einer Farbe, einem Wort oder ohne jeden Grund. Abgesehen von den weißen Signaturstreifen bietet der Blick in die Regale wild verstreute Farbspiele der Rücken an Rücken aufgestellten Filmhüllen. Doch in den roten, schwarzen, grünlichen, bläulichen, matten und schreienden, den zwischen allen Verläufen und Schattierungen springenden Farben bilden sich gelegentlich, mal zufällig, mal systematisch kleine Inseln im Meer der Filmtropfen.</p> <p> </p> <h4><strong>In den Regalen</strong></h4> <p>Reihen, Serien, Sonderausgaben machen ihre eigene Gemeinschaft durch größere Farbfelder im Gewimmel all der anderen Farben deutlich. So findet sich etwa im Regal der Dokumentarfilme eine pastellig-ansprechende Gruppe von DVDs, auf denen sich das Werk des niederländischen Dokumentarfilmers Johan van der Keuken darbietet, ein wenig darüber stehen die zahlreichen Filme der großen Werner-Herzog-Edition. Nur eine Handvoll davon sind über Streaming-Anbieter gut zugänglich, möchte man sich aber mit diesem Regisseur ein wenig eingehender auseinandersetzen, so ist dies die Anlaufstelle. Von Johan van der Keuken gar nicht zu sprechen, gänzlich vergebens wäre es, sein reichhaltiges Werk bei einem der großen Streaming-Anbieter zu suchen.</p> <p>Ich gehe weiter, umrunde das Regal, biege in einen anderen Gang, finde dort Serien wie <a href="/film-kritiken-trailer/better-call-saul"><strong><em>Better Call Saul</em></strong></a> schräg über <strong><em>Boardwalk Empire</em></strong>, ein wenig tiefer große Mengen <strong><em>CSI</em></strong>, <strong><em>Downtown Abbey</em> </strong>und <strong><em>Game of Thrones</em></strong>. Gegenüber: Eine weitere Gruppe von Filmen, die Garrel-Kollektion mit Filmen des Franzosen Philippe Garrel, von denen ich, wie ich Auge in Auge mit ihrer mahnenden Präsenz im Regal eingestehen muss, noch immer keinen einzigen gesehen habe. Schnell weiter, doch ich bin irritiert: Inmitten der Filme von Wim Wenders – von denen ich im Gegensatz zu Garrel ganz bewusst nur wenige gesehen habe – steht plötzlich zwischen zwei Exemplaren von <strong>Lisbon Story</strong> (1994) eine verirrte <strong>Bride of Frankenstein</strong> (1935) des Regisseurs James Whale, der eigentlich ein Stück weiter unten platziert sein sollte. Kein Algorithmus kann diese, zum Glück seltenen, aber doch seltsam erfreulichen, Zufälle generieren.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/3zhqCccFsGc?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Was also finde ich? Ich entdecke auf der anderen Seite des Regals noch eine ganze Reihe Filme der indischen Regisseurin Mira Nair – von der ich zuvor noch nie etwas gehört hatte – und ich bin froh, diesen Fund gemacht zu haben. Schräg darunter vertrauteres Gebiet: All die wunderbaren Filme von Mike Newell, die mich begleiten, seit ich denken kann. Die Bibliothek weicht mit ihrem Sortiment nicht einfach von dem der Streaming-Anbieter ab, es ist nicht bloß ein Gegenprogramm anspruchsvollerer oder von irgendwem als wertvoll bestimmter Filme – besonders das Serien-Regal macht dies sehr deutlich. Vielmehr steckt im Katalog der Bibliothek in erster Linie ein anderer Gedanke: Nicht der Verkauf von Abonnements, nicht das Hinhalten vor einer sich endlos verlängernden Watchlist, nicht die kurze Aufmerksamkeitsspanne des nächsten Hypes ist ihr Feld – sondern die unbelastete Verfügbarkeit.</p> <p>Ich entdecke Filme, ganz einfach, weil sie vorhanden sind, weil sie mich aus dem Regal anblicken, mich an sie erinnern, oder sich mir völlig neu vorstellen. Auch im Streaming-Katalog kann ich natürlich Entdeckungen machen, Neues finden und mich über Altes freuen – aber dessen Breite steht doch immer im Dienst eines eindeutigen Zwecks, seine mangelnde Tiefe ist sorgsam verschleiert unter den Oberflächen perfektionierter Interfaces. <em>Oh, wie schön, ein Film von Werner Herzog!</em> – Doch nicht die Gesamtausgabe auch seiner dokumentarischen Werke. <em>Ach, schön, </em><a href="/film-kritiken-trailer/vier-hochzeiten-und-ein-todesfall"><strong><em>Vier Hochzeiten und ein Todesfall</em></strong></a><em>! </em>– Aber nicht im selben Blick die Entdeckung einer indischen Regisseurin, die zufällig alphabetisch auch im Sichtfeld steht.</p> <p> </p> <h4><strong>Jenseits der Regale</strong></h4> <p>Die Bibliothek verzaubert und obendrein kann sie preislich jeden Streaming-Anbieter abhängen, kostet der Ausweis in den meisten Städten doch etwa im Jahr so viel wie ein Streaming-Abonnement im Monat. Aber: Sie ist umständlich und unbequem – denn, oh weh, man muss das Haus verlassen, sich an Öffnungszeiten halten und den beschwerlichen Weg antreten, um zu ihr zu gelangen. Und diese Punkte sind nachvollziehbar – gerade wenn das Angebot einer kleineren Bibliothek nicht mit einer derartigen Auswahl aufwarten kann und in Zeiten des Online-Streamings große Verfügbarkeit ohne großen Aufwand möglich scheint. Doch auch in dieser Hinsicht ist noch nicht das Ende der Bibliotheken erreicht, auch hier bleiben sie lebendig – indem eigene Streaming-Angebote entwickelt werden.</p> <p>So wurde der Anbieter <a href="https://www.filmfriend.de">Filmfriend</a> im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Kostenloser Zugang für Berliner, Potsdamer und Hamburger Bibliotheksnutzer, weitere Städte sollen folgen. Das Programm, mit starkem Fokus auf deutsche Produktionen, befindet sich noch im Aufbau, weist aber schon jetzt eine beachtliche Vielfalt an Filmen und Serien auf, die anderweitig nicht zu bekommen wären und die im Raster der Streaming-Anbieter keinen Platz finden: Von wunderbaren Kinderfilmen wie Arend Agthes <strong>Flussfahrt mit Huhn</strong> (1983) oder dem Zeichentrick-Klassiker <a href="/film-kritiken-trailer/das-kleine-gespenst"><strong>Das kleine Gespenst</strong></a> (1992) über Meisterwerke wie <strong>Die Werckmeisterschen Harmonien</strong> (2000) und herausragende Filme wie <a href="/film-kritiken-trailer/kriegerin"><strong>Kriegerin</strong></a> (2011) zu Serien wie <strong><em>Lerchenberg</em></strong> (2013-2015) und einem umfangreichen Dokumentarfilmangebot, das unter anderem den Oscar-Preisträger <a href="/film-kritiken-trailer/i-am-not-your-negro"><strong>I Am Not Your Negro</strong></a> (2017) enthält.</p> <blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"> <p dir="ltr" lang="de" xml:lang="de" xml:lang="de">Am Ende dieses Boulevards der Stars befindet sich unser filmfriend-Stand beim <a href="https://twitter.com/hashtag/bibtag18?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#bibtag18</a>. Passt gut, oder? Kommt uns besuchen! (Stand D.421, Saal Europa) 😊<br /> ➡️ <a href="https://t.co/G3PGbeAxrM">https://t.co/G3PGbeAxrM</a> <a href="https://t.co/KbEnuUQOde">pic.twitter.com/KbEnuUQOde</a></p> — filmfriend - das Filmportal für Bibliotheken (@filmfriendVOD) <a href="https://twitter.com/filmfriendVOD/status/1006861560072097793?ref_src=twsrc%5Etfw">13. Juni 2018</a></blockquote> <script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><p>Mag dies erst der Anfang sein und mag es sich dabei auch nicht um eine Konkurrenz zu den internationalen Streaming-Giganten handeln – so ist dies eben auch nicht das Ziel. Wenn über das Sterben der Videotheken gesprochen wird und über die Sorge um verlorene Verfügbarkeit, bleibt die Bibliothek oft ausgespart. Es ist bedauerlich, dass Orte wie das Berliner Videodrom, jüngst durch einen Spendenaufruf mit einiger Aufmerksamkeit bedacht, sich durch die Veränderung der Medienlandschaft in Gefahr befinden. Und es ist bedenklich, dass im Angebot der Streaming-Riesen enorme Lücken enorm gut kaschiert sind und viele besondere und seltene Filme in Vergessenheit geraten. Aber: Es gibt auch andere Orte der Cinephilie, es gibt Bibliotheken, deren Angebot und eigene Magie bestehen werden. Und es gibt Veränderung, neue Streaming-Anbieter mit anderen Programmen. Es ist nicht alles verloren, im Gegenteil: Filme sind in der Bibliothek lebendig und werden es noch eine ganze Zeit bleiben.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/lars-dolkemeyer" hreflang="de">Lars Dolkemeyer</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/bibliothek" hreflang="de">Bibliothek</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/streaming" hreflang="de">Streaming</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43537&amp;2=comment&amp;3=comment" token="YSKTpHqI1QoRP3hXDCp74MfQxClDJjgZL6QPOsvwsnI"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/andere-orte-der-cinephilie" data-a2a-title="Andere Orte der Cinephilie"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/lars-dolkemeyer-1" hreflang="de">Lars Dolkemeyer</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-09-06T08:00:00Z">06.09.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Wenn über das Sterben der Videotheken und die Zukunft der Cinephilie in den Katalogen der Streaming-Anbieter gesprochen wird, bleibt ein Ort oft unerwähnt. Dabei ist es ein lebendiger Ort, der bleiben wird und den zu besuchen sich immer wieder lohnt: Die Bibliothek.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Wed, 29 Aug 2018 11:31:24 +0000 KatrinDoerksen 43537 at https://www.kino-zeit.de Good Morning America and Everyone Else https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/good-morning-america-and-everyone-else <span>Good Morning America and Everyone Else</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>28.08.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>In Spike Lee's <strong><a href="/film-kritiken-trailer/blackkklansman-2018">BlackKklansman</a> </strong>diskutieren an einer Stelle Ron Stallworth (John David Washington), im übrigen eine reale Person, der als Afroamerikaner den Ku Klux Klan tatsächlich in den 1970ern <a href="https://www.npr.org/2018/06/09/618280396/how-a-black-detective-infiltrated-the-kkk">für sieben Monate infiltrierte</a>, und sein Vorgesetzter Sergeant Trapp (Ken Garito) die Zukunft des Ku Klux Klans und die Pläne seines „Nationaldirektors“ David Duke (Topher Grace), im übrigen auch eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/David_Duke">reale Person</a>.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-08/4117_D025_13343_R_CROP.jpg?itok=UIepTSjt" width="940" height="530" alt="Filmstill zu BlacKkKlansman (2018)" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Universal Pictures International Germany GmbH</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">BlacKkKlansman (2018) von Spike Lee</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Trapp behauptet, dass es Duke und dem Klan, der von Mitgliedern im Film lieber die „Organisation“ genannt wird, nicht etwa um einen Untergrundkrieg geht, sondern vielmehr um den politischen Mainstream. Duke halte sich offiziell von Statements der Gewaltverherrlichung fern und setze stattdessen auf große politische Fragen wie Immigration, Affirmative Action und Steuerreformen, um so schlussendlich ins Weiße Haus zu kommen. Stallworth findet das eher zum Lachen. Er ist überzeugt, dass die Bevölkerung der USA niemals einen Menschen wie David Duke ins Weiße Haus wählen würde. </p> <p> </p> <h4><strong>Falsche Sicherheit</strong></h4> <p>Ein Satz, der im ersten Drittel des Films viele im Publikum auflachen lässt. Mich auch. Natürlich denke ich an Donald Trump und wie ich genau das Gleiche am Abend vor der Wahl zu einem Freund gesagt hatte. Dieser wollte nicht schlafen gehen und stattdessen die Wahlergebnisse mitverfolgen. Er befand sich in einer „Untergangsstimmung“, wie er selbst sagte. Ich schickte ihn jedoch mit Stallworths lapidaren Aussage ins Bett. Ich wähnte mich nämlich in der bequemen Sicherheit meiner eigenen vier Wände. Deswegen bin ich besonders peinlich berührt von meiner eigenen Naivität, als Sergeant Trapp entgegnet: „Wann wachst du endlich auf?“ Im Saal wird es unangenehm still und die Frage muss ich mir in den nächsten Tagen immer wieder selbst stellen. </p> <p>Die Frage fällt im Film mehrmals, wenn auch niemals wieder so direkt. Man kennt diese Anrufung auch aus Spike Lees anderen Filmen, es ist sein Markenzeichen. Jetzt scheint sie endlich in der amerikanischen Film- und Medienlandschaft, aber auch in der amerikanischen Bevölkerung Anklang zu finden. Seit der Wahl von Donald Trump hat sich vieles verändert. Damit meine ich nicht nur all die furchtbaren Dinge, die durch seine Politik erreicht wurden: getrennte Familien, inhaftierte Kinder, Menschen an der Armutsgrenze. Denn die Menschen, die nun von Trump regiert werden, wachen endlich auf. Es findet mehr Bürgerengagement statt, es gibt mehr Interesse an politischen Abläufen. Immer mehr <em>people of color</em> kandidieren für politische Posten auf lokaler und nationaler Ebene und erleben große Unterstützung von ihren Gemeinden. Viele Blogger und Einflussfiguren wie Shaun King widmen viel Zeit der Aufklärung von Korruption, aber auch der Auseinandersetzung mit Gesetzen und Reformen, um sie für ihre Mitbürger verständlich zu machen. </p> <figure role="group"><img alt="BlackKklansman; Copyright: Universal Pictures" data-entity-type="file" data-entity-uuid="e007f5bd-e46e-4ac8-a3fa-5f8ed98d02a9" src="/sites/default/files/inline-images/636691545402695669-AP-Film-Review-BlacKkKlansman.jpeg" /><figcaption>BlackKklansman; Copyright: Universal Pictures</figcaption></figure><p> </p> <h4><strong>Die Fragen der Anderen </strong></h4> <p>Auch die Filmlandschaft hat sich seit Trumps Wahl im Jahr 2016 verändert. Immer mehr <em>people of color</em> sind auf amerikanischen Leinwänden und Fernsehern präsent. Einen guten Start machte die Serienneuverfilmung des 2014 erschienenen Films <strong><a href="/film-kritiken-trailer/dear-white-people">Dear White People</a> </strong>von Justin Simiens. Für Netflix schrieb Simiens den Film in eine Serie um und beleuchtete den Rassismus an einer amerikanischen Elite-Universität aus der Perspektive unterschiedlicher afroamerikanischer Studenten. Dabei ging es nicht nur darum den Rassismus an sich bloßzustellen, wenn auch viele Vorfälle in der Serie reale Hintergründe haben, sondern auch um den Umgang der Betroffenen mit diesen Vorfällen. Dabei werden Fragen gestellt, die für die aktuelle politische Realität nicht nur in den USA, sondern auch in vielen europäischen Ländern höchste Brisanz aufweisen. Zum Beispiel: Kann ich jemanden lieben, der meine politischen Einstellungen nicht teilt? </p> <p>Diese und viele andere Fragen einer ethnisch diversen Gesellschaft werden immer mehr in amerikanischen medialen Formaten aufgegriffen. Als eine der ersten Serien machte es 2013 <a href="/film-kritiken-trailer/orange-is-the-new-black-season-1"><strong>Orange is the New Black</strong></a> mit ihrer ethnischen und genderdiversen Besetzung und der Thematisierung unterschiedlicher amerikanischer Biografien vor. Immer mehr Formate ziehen nun nach.  Nahnatchka Khans Serie <strong>Fresh off the Boat</strong> erzählt das Leben einer taiwanesischen Familie in Orlando, Florida. Dabei konzentriert sich die Sitcom des Senders ABC auf den Alltag einer vorher kaum in Florida gekannten Minderheit, hin und hergerissen zwischen Anerkennung, Amerikanischem Traum und den klassischen Problemen einer mittelständischen Familie. Dank Hari Kondabolus Dokumentation <strong>The Problem with Apu </strong>wird auch endlich die <a href="https://www.theguardian.com/tv-and-radio/2018/may/06/no-laughing-matter-can-simpsons-solve-apu-problem">rassistische Darstellung</a> des indischen Verkäufers Apu in <strong>Die Simpsons </strong>thematisiert. Apu wird im übrigen im Englischen vom weißen Hank Anzaria synchronisiert. Wie gehst du als Kind oder junger Erwachsener damit um, dass eine Serie, die du liebst, deinen kulturellen Hintergrund auf platte Klischees reduziert? </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/zGzvEqBvkP8?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <h4><strong>In Deutschland nichts Neues</strong></h4> <p>In dieser Zeit des Erwachens sind natürlich Filme wie Spike Lees <strong>BlackKklansman </strong>besonders wichtig. Sie halten nicht nur der amerikanischen Gesellschaft, sondern auch der Weltöffentlichkeit einen Spiegel vor. Ein Spiegel, der auch in Deutschland dringend gebraucht wird. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn man merkt wie groß der gesellschaftliche Widerstand gegen die Nominierung Aygül Özkans als Spitzenkandidatin der Hamburger CDU in den Bürgerschaftswahlen ist. Geradezu symptomatisch und ebenso befremdlich wirken deswegen die drei aktuell meistgelesenen Artikel auf Zeit Online: 1)“Verletzte bei rechten Protesten in Chemnitz“, 2) „Die Rechte Organisiert sich Neu“ und 3) „<a href="/film-kritiken-trailer/crazy-rich-asians"><strong>Crazy Rich</strong></a> – der wichtigste Film von dem Sie noch nie gehört haben“.</p> <p>Es ist sicher kein Zufall, dass diese drei Schlagzeilen aufeinander folgen. Der deutschen rechten Szene wird eine Hollywoodkomödie mit einer rein asiatischen Besetzung entgegengesetzt. In den USA schlug der Film aufgrund seiner Besetzung und einem überraschend hohen Budget, das meist nur Filmen mit weißer Starbesetzung vorenthalten ist, hohe Wellen. <strong>Crazy Rich</strong> wurde in der ersten Woche zum Kassenerfolg. In der zweiten fielen die Zuschauerzahlen kaum. Etwas, das für die meisten Hollywoodproduktionen beinahe unvorstellbar ist. </p> <figure role="group"><img alt="Crazy Rich; Copyright: Warner Bros." data-entity-type="file" data-entity-uuid="232f2a90-5620-464d-8a8c-5203ad23b433" src="/sites/default/files/inline-images/rich1.jpg" /><figcaption>Crazy Rich; Copyright: Warner Bros.</figcaption></figure><p>Einen deutschen Film, den man den rechten Schlagzeilen entgegensetzen könnte, sucht man leider immer noch vergeblich. Schaut man sich die aktuellen deutschen Filmstarts an, so wird man erfolglos nach <em>people of color</em> suchen. Die einzigen Schauspieler mit nicht deutschen Wurzeln findet man in Dennis Bucks <a href="/film-kritiken-trailer/asphaltgorillas-2018"><strong>Asphaltgorillas</strong></a>: Uisenma Borchu und Kida Khodr Ramadan. Sie spielt eine mongolische Killerin und er einen Berliner Gangsterboss. In unschuldigen Teeniekomödien über innere Schönheit wie <a href="/film-kritiken-trailer/das-schoenste-maedchen-der-welt"><strong>Das Schönste Mädchen der Welt</strong></a> findet man hingegen keinen einzigen nichtweißen Jugendlichen. </p> <p>Der echte Ron Stallworth sagte jüngst in einem <a href="https://www.npr.org/2018/06/09/618280396/how-a-black-detective-infiltrated-the-kkk">Interview</a>, dass es durchaus einen historischen Zusammenhang zwischen David Dukes Arbeit in den 1970ern und Donald Trumps Wahlsieg 2016 gibt. Das ist auch eine Idee, die stark in <strong>BlackKklansman</strong> vermittelt wird: Die aktuelle Welle des Rassismus in den USA ist nichts neu Entstandenes. Der Rassismus war nie weg. Vielleicht ist das eine Perspektive, die man filmisch und politisch durchaus auch auf Deutschland anwenden sollte. </p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/olga-galicka" hreflang="de">Olga Galicka</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/spike-lee" hreflang="de">Spike Lee</a></div> <div class="field--item"><a href="/personen/kida-khodr-ramadan-0" hreflang="de">Kida Khodr Ramadan</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/donald-trump" hreflang="de">Donald Trump</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/rassismus" hreflang="de">Rassismus</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/rechtsextremismus" hreflang="de">Rechtsextremismus</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/deutschland" hreflang="de">Deutschland</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/usa" hreflang="de">usa</a></div> </div> </div> <section> <h5>Meinungen</h5> <a id="comment-22924"></a> <article data-comment-user-id="0" about="/comment/22924" typeof="schema:Comment" class="comment js-comment by-anonymous"> <mark class="hidden" data-comment-timestamp="1535982798"></mark> <footer> </footer> <div class="meinung-wrapper"> <div class="row"> <div class="col-md-9"> <strong property="schema:name" datatype="">Andy</strong> <span class="trenner">&middot;</span> <span class="comment-date"><span rel="schema:author">01.09.2018</span> <span property="schema:dateCreated" content="2018-09-01T17:34:46+00:00" class="hidden"></span> </span> <div property="schema:text" class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>In Deutschland nichts Neues ?<br /> WILDES HERZ und DIE KRIEGERIN könnte man erwähnen </p> <p>USA: DIE VERLEGERIN gehört in den Kontext (und Michael Morre's Trump-Projekt)<br /> Dafür, dass seit fast zwei Jahren ein extrem polarisierender Präsident im amt ist,<br /> gibt es relativ wenig Reaktion aus Hollywood</p> </div> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderLinks" arguments="0=22924&amp;1=default&amp;2=de&amp;3=" token="iv1NVcpBio4HHXj96XR-SBdZx7ZzxJSTYKLSwLeOOtg"></drupal-render-placeholder> </div> <div class="col-md-3"> <article typeof="schema:Person" about="/user/0"> <drupal-render-placeholder callback="masquerade_render_cache_link" arguments="0=0" token="-U3TfZ0CANyFGd5NPundXqk1BlCvLjCv3ldWBWy44x0"></drupal-render-placeholder></article> </div> </div> </div> </article> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43521&amp;2=comment&amp;3=comment" token="EEr6AbX5lH0vLLfd9f7XIlzfVaSYspjx6sEcncQiu9o"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/good-morning-america-and-everyone-else" data-a2a-title="Good Morning America and Everyone Else"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/olga-galicka-0" hreflang="de">Olga Galicka</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-09-03T08:00:00Z">03.09.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>In ihrer Kolumne diskutiert Olga Galicka das Erwachen der amerikanischen Gesellschaft nach Trumps Wahlsieg und wie sich dieses Erwachen im Film niederschlägt. In Deutschland vermisst sie dieses Erwachen noch.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Tue, 28 Aug 2018 10:02:44 +0000 KatrinDoerksen 43521 at https://www.kino-zeit.de Guilty Pleasure – Über den Genuss hinter vorgehaltener Hand https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/guilty-pleasure-ueber-den-genuss-hinter-vorgehaltener-hand <span>Guilty Pleasure – Über den Genuss hinter vorgehaltener Hand</span> <span><span lang="" about="/user/67" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Köhnemann</span></span> <span>22.08.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p><strong><span><span>Lustiger Trash. Ein heimlicher Lieblingsfilm. Oder auch so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Solche und ähnliche Sätze fallen im Netz zuhauf. Sie sind Variationen eines nur scheinbar widersprüchlichen Werturteils, das sich zu erklären versucht – im Wissen um Reibung der subjektiven Einschätzung am vorgeblich Normativen. Für entsprechende Relativierungen des eigenen Geschmacks gibt es den auch hierzulande salonfähig gewordenen Begriff <em>Guilty Pleasure</em>. Er beschreibt ein Vergnügen mit Gewissensbissen. Schuldig im Sinne der Vorlieben, sozusagen.</span></span></strong></p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-08/Snakes.jpg?itok=oTT2jqGT" width="940" height="530" alt="Szene aus &quot;Snakes on a Plane&quot;" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Warner Bros. Pictures Germany</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Szene aus &quot;Snakes on a Plane&quot;</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p><span><span><span><span>Interessanterweise ist das Idiom in der englischsprachigen <em>Wikipedia</em> mit einem weiterführenden Eintrag zu Schadenfreude verknüpft. Das Vergnügen am Unglück anderer Leute sei demnach nicht weit entfernt vom zwiespältigen Genuss, den bestimmte künstlerische Werke, ungesundes Essen oder sonstige schamhafte Freuden bereiten. Überträgt man jenen Vergleich des Begriffs auf die Auseinandersetzung mit Filmen, gelangt man schnell zu einem wesentlichen Grund seiner Ablehnung: Vielen gilt das Konzept vom <em>Guilty Pleasure</em> als ärgerliches Rechtfertigungsritual für sinnliche Erfahrungen, das auf ebenso unliebsame wie meist spöttische Rezeptionsmuster hinauslaufe. Warum, fragen sie ungläubig, sollte Enthusiasmus gedrosselt werden?</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Im US-Magazin <a href="https://www.newyorker.com/books/page-turner/against-guilty-pleasure"><em>The New Yorker</em></a> ist Jennifer Szalai besonders von der Verbindung der Worte Schuld und Lust genervt. Auf befremdliche Weise sei der Begriff zugleich Überhöhung und Verunglimpfung, nämlich ein „popkulturelles Schimpfwort“, das sich in seiner ostentativen Form auch ans Revers heften lasse. Nicht sehr überraschend kommt Szalai mit ihrer historischen Verortung zum Ergebnis, dass das <em>Guilty Pleasure</em> ein Auswuchs der Postmoderne sei, worin Adam Sternbergh von der <a href="https://www.nytimes.com/2014/02/09/magazine/all-of-the-pleasure-none-of-the-guilt.html"><em>New York Times</em></a> ihr beipflichtet. Er bezeichnet den Begriff als „schädliches linguistisches Überbleibsel des 20. Jahrhunderts“ und fordert die Aufhebung sämtlicher Kunstbarrieren. Jedes Empfinden müsse gleichwertig und ohne kulturelle Hierarchien sein, heißt es.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Nun ist die ständig überwunden geglaubte Postmoderne nach wie vor Mitspielerin aller möglichen Diskurse, von hitzigen Netzdebatten und den darin gepflegten antimodernen Ressentiments bis zum marvelisierten Kinoalltag, in dem augenzwinkernde Superhelden einem Bescheid wissenden Publikum auf die Schultern klopfen. Die Idee des <em>Guilty Pleasure</em> kann sich dort voll entfalten, wo ihre Widersprüche umarmt oder Interventionen selbst schon wieder als ironische Geste gedeutet werden. Es mutet nur auf den ersten Blick sonderbar an, dass harmlose persönliche Präferenzen mit dem Etikett erklärt und entschuldigt werden. Denn niemand würde Gefallen an einer schlechten Sache kommunizieren, wenn es dabei tatsächlich um Schuldgefühle ginge.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Zumindest apologetisch kann von Schuld ohnehin nicht die Rede sein, das <em>Guilty Pleasure</em> ist keine Selbstgeißelung. Darauf zielten auch zwei Studien – ja, das Konzept hat sogar eigene wissenschaftliche Untersuchungen – der <a href="https://insights.som.yale.edu/insights/can-guilt-make-you-happy"><em>Yale School of Management</em></a> ab, die im vermeintlich schlechten Gewissen durch ebenso vermeintlich sündiges Verhalten ihrer Probanden großen Lustgewinn identifizierten: Statt das erhaltene Geld der Durchführenden für Wohltätigkeiten zu spenden, gönnten sich Testpersonen lieber einen Glücksgefühle hervorrufenden Kaffee bei <em>Starbucks</em>. Genutzt werden sollen die Ergebnisse selbstverständlich für Marketing und Werbung. <em>Guilty Pleasures</em>, lehrt die Studie, können auch ein hervorragendes Geschäft sein.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Weil das Konzept nicht nur gegen allzu wörtliche Einwände ziemlich resistent scheint, lässt es sich andererseits leicht produktiv machen. Die uneinheitliche Auslegung verrät beispielsweise wenig über den Begriff selbst oder dessen Objekte, aber einiges über jene, die ihn affirmieren. Er wirft nicht Fragen nach Recht- oder Unrechtmäßigkeit vorgeblicher <em>Guilty Pleasures </em>auf, sondern macht unweigerlich die individuellen Perspektiven seiner Anwender zum Thema. Interessant ist am Ende vielmehr, welche Ideen von Qualität und Qualitätssteigerung, von Norm und Normierung, von hoher und angeblich niederer Kunst das Vergnügen hinter vorgehaltener Hand motivieren. In jedem Fall befördern <em>Guilty Pleasures</em> die Debatte.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Gewissermaßen wird aus dem schwammigen also ein aussagekräftiger und variantenreicher Begriff. Die Videospiel-Website <a href="http://www.ign.com/articles/2012/12/26/igns-top-25-guilty-pleasure-movies"><em>IGN</em></a> bemüht zur Redaktionsauswahl der 25 besten „blamablen, aber vergnüglichen Filme“ einen Klassiker des Bescheidwissens, den „unfreiwilligen Humor“, der dem Ranking zufolge in offenbar lediglich zufällig komischen Filmen wie <a href="/film-kritiken-trailer/flash-gordon"><strong>Flash Gordon</strong></a> oder <strong>Snakes on a Plane</strong> zu finden sei (den Rest der Liste füllen erwartbare Namen von Uwe Boll bis Paul Verhoeven auf).</span></span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/vkckhcqiwM8?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p>Trailer zu <span><span><span><span><strong>Snakes on a Plane</strong></span></span></span></span></p> <p> </p> <p><span><span><span><span>Das Filmmagazin <a href="http://www.tasteofcinema.com/2016/10-more-guilty-pleasure-movies-you-shouldnt-be-afraid-to-love/"><em>Taste of Cinema</em></a> spricht wiederum von Titeln, die man besser „angstfrei lieben“ solle. Unter eine gänzlich andere Definition des <em>Guilty Pleasure</em> fallen dort Tim Burtons <strong>Mars Attacks!</strong> oder die Genreklassiker <strong>Hitcher, der Highway Killer</strong> und <strong>The Texas Chainsaw Massacre 2</strong>. </span></span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/DqtjHWlM4lQ?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p>Trailer zu <span><span><span><span><strong>Mars Attacks!</strong></span></span></span></span></p> <p> </p> <p><span><span><span><span>In einem Gastbeitrag für <a href="https://www.filmcomment.com/article/guilty-pleasures-brett-easton-ellis/"><em>Film Comment</em></a> betont Schriftsteller Bret Easton Ellis, dessen Romane zu mögen wohl auch nicht jeder schamlos zu gestehen bereit wäre, seine Aversion gegen <em>Guilty Pleasures</em>. Dazu erstellt er eine Liste von Titeln mit unter anderem Steven Spielbergs <strong>1941</strong> und John Carpenters <strong>The Fog</strong>, die vielfach negativ aufgefasst worden seien und daher vor dem unliebsamen Konzept beschützt werden müssten. Gerade als Skeptiker hat Bret Easton Ellis eine völlig eigene Auslegung des Begriffs – genau wie Regisseur Brian De Palma, der die fraglichen Titel (ebenfalls für <a href="https://www.filmcomment.com/article/guilty-pleasures-brian-de-palma/"><em>Film Comment</em></a>) „Offbeat Movies“ nennt. Gemeint sind Kanonfilme wie <strong>Der Mieter</strong> und <strong>The Naked Kiss</strong>. <em>Guilty Pleasures</em>? Immer eine Frage der Perspektive.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Natürlich kann die Verteidigung eines Werks als Antwort oder Gegenentwurf zur relativistischen Praxis gleichfalls dogmatische Züge annehmen. Der ausgestellten „Getriebenheit“ (dem angeblichen Entzücken wider besseres Wissen) weicht dann eine andere Art von Distinktion, die demonstrative Liebe zum Verschmähten. So ist es einigermaßen unwahrscheinlich, dass gewisse cinephile Kreise, die sich ironiefrei zur Staatskunst des Nationalsozialismus bekennen und dessen ästhetische Rehabilitierung einfordern, Filme von Veit Harlan und Co. als „schuldiges Vergnügen“ bezeichnen würden. Wo möglicherweise größere Einigkeit über den Begriff zu erzielen wäre, im unangenehmen Spaß an Propaganda, ist seine Ablehnung umso größer.</span></span></span></span></p> <p><span><span>Unter anderen Vorzeichen kann solchen Negationen eine kaum weniger postmoderne Attitüde bescheinigt werden, insbesondere denjenigen, die mutmaßliche oder tatsächliche Reaktionen mitdenken und sich zu ihnen positionieren (siehe Kolumne: <a href="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/ueber-die-schwierigkeit-eines-freien-blicks">über die Schwierigkeiten eines freien Blicks</a>). Weil jedes <em>Guilty Pleasure</em> eine bestimmte dominante Wahrnehmung des Gegenstands voraussetzt, besteht seine dispositive Funktion offensichtlich darin, „allgemeine Betrachtungen“ zu kalkulieren. Selbst leidenschaftliche Gegner des Begriffs kommen damit nicht an der „Mischung aus Selbstbewusstsein und Selbstgratulation“ vorbei, die Jennifer Szalai im New Yorker als sein wesentliches Merkmal ausmacht. Das <em>Guilty Pleasure</em> ist nicht nur ein hochgradig diskursiver, sondern auch unverzichtbarer Begriff.</span></span></p></div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/guilty-pleasure" hreflang="de">guilty pleasure</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/trash" hreflang="de">Trash</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/rezeption" hreflang="de">Rezeption</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43470&amp;2=comment&amp;3=comment" token="zmm47502i-vS5pq1MjTXeqTjdu7ZafC__kQQN4x7cXE"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/guilty-pleasure-ueber-den-genuss-hinter-vorgehaltener-hand" data-a2a-title="Guilty Pleasure – Über den Genuss hinter vorgehaltener Hand"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/rajko-burchardt-1" hreflang="de">Rajko Burchardt</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-08-24T13:02:05Z">24.08.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p><span><span>Den Spaß an vermeintlich schlechten Filmen oder ungesundem Essen bezeichnen viele als <em>Guilty Pleasure</em>. Vergnügen mit Schuldgefühlen? Der Begriff ist problematisch, aber aufschlussreich.</span></span></p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Wed, 22 Aug 2018 13:02:05 +0000 Andreas Köhnemann 43470 at https://www.kino-zeit.de Madonna, die Schauspielerin https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/madonna-die-schauspielerin <span>Madonna, die Schauspielerin</span> <span><span lang="" about="/user/67" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Köhnemann</span></span> <span>10.08.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p><span><span><span>Es gibt Künstler_innen, die gefühlt schon immer da waren. So geht es mir mit Madonna, die ein gutes Vierteljahrhundert vor mir geboren wurde und nun 60 wird. Ich weiß nicht mehr, wann ich zum ersten Mal einen Madonna-Song gehört habe. Ebenso weiß ich nicht mehr, wann ich Madonna zum ersten Mal in einer Zeitschrift oder im Fernsehen gesehen habe. Ich musste sie beziehungsweise ihre Musik nicht „entdecken“ oder „kennenlernen“; sie war irgendwie einfach ein völlig selbstverständlicher Teil der Kultur.</span></span></span></p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-08/MadonnaHeader1.jpg?itok=bFW9iuK6" width="940" height="530" alt="Madonna in &quot;Eine Klasse für sich&quot;" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Columbia Pictures Corporation</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Madonna in &quot;Eine Klasse für sich&quot;</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p><span><span><span>Gewiss mag nicht jede Person ihre Songs – dennoch ist Madonnas große Bedeutung für die Geschichte der Popmusik eine recht unumstrittene Tatsache. Ganz anders sieht es indes mit Madonnas Filmkarriere aus: miese Kritiken, schwache Einspielergebnisse, zahlreiche Negativpreise (darunter der <em>Razzie Award</em> als <em>Worst Actress of the Century</em> im Jahre 2000). Man könnte sagen, Madonna und Hollywood stehen miteinander auf Kriegsfuß.</span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/uaNLvjCkYDE?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p><span><span><span>Musikvideo: Madonna – <em>Hollywood</em></span></span></span></p> <p> </p> <p><span><span><span><span><span><span>Ich fand Madonna auf der Leinwand beziehungsweise auf dem TV-Bildschirm hingegen stets mindestens so faszinierend wie in ihrer Arbeit als Musikern. Weil ihre Star-Persona wirklich <em>immer</em> Einfluss auf ihre filmischen Auftritte nimmt. Madonna schlüpft nicht in Rollen, Madonna macht aus einer Rolle eine Madonna-Rolle. Das soll nicht heißen, dass sie einfach nur „sich selbst spielt“ (wer will sich schon anmaßen zu wissen, wie Madonna wirklich ist?). Vielmehr verleiht sie einer Figur durch ihre Verkörperung eine gewisse Aura, die kein Drehbuch erfassen und keine Regie herauskitzeln könnte. Madonna bringt diese Aura in ihre Rollen ein. Und ihr dabei zuzusehen, finde ich nicht weniger wunderbar, als weit nach Mitternacht zu <em>Like a Prayer</em> zu tanzen.</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span>An den ersten Film, den ich mit Madonna gesehen habe (leider nicht im Kino, sondern auf <em>RTL</em>), kann ich mich tatsächlich noch sehr gut erinnern: Es war die Sport-Tragikomödie </span></span></span><strong><span><span><span>Eine Klasse für sich </span></span></span></strong><span><span><span>(1992) von </span></span></span><span><span><span>Penny Marshall. Im Zentrum steht das Schwesternpaar Dottie und Kit (verkörpert von Geena Davis und Lori Petty), das im Jahre 1943 an der Frauen-Baseballliga teilnimmt und von dem abgehalfterten Ex-Spieler Jimmy (Tom Hanks) trainiert wird. Das ist alles recht unterhaltsam und nett – aber ich hätte dieses Werk sicherlich schon längst vergessen, wenn es Mae Mordabito (Madonna, natürlich) nicht gegeben hätte.</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span>Damals begeisterten mich vor allem Maes Witz, ihre Schlagfertigkeit und Coolness (ich war vermutlich 10 Jahre alt und hatte eine Vorstellung von Coolness, die genau dieser Figur entsprach – oder die, wenn ich nun darüber nachdenke, vielleicht auch erst von ihr entsprechend geformt wurde). Außerdem liebte ich die Art, wie die Freundschaft zwischen Mae und ihrer Team-Kollegin Doris (gespielt von Rosie O’Donnell) gezeigt wurde. Dass Madonna und O’Donnell durch diesen Film zu Freundinnen fürs Leben wurden, merkt man jeder einzelnen Szene zwischen den beiden an.</span></span></span></span></span></span></p> <figure role="group"><img alt="Eine Klasse für sich" data-entity-type="file" data-entity-uuid="4d7300f5-1f73-4867-879b-cdc4d98529ea" src="/sites/default/files/inline-images/Klasse1.jpg" /><figcaption>Bild aus <strong>Eine Klasse für sich</strong>; Copyright: <em>Columbia Pictures Corporation</em></figcaption></figure><p> </p> <p><span><span><span><span><span><span>Aus heutiger Sicht finde ich ein paar weitere Dinge an diesem Film sowie an Madonnas Interpretation äußerst erstaunlich. Mae soll ein <em>bad girl</em> sein, ein Vamp – oder welche dummen Begriffe es für diesen Rollentypus eben so gibt. A</span></span></span><span><span><span>uf dem deutschen Filmplakat wird sie als „unersättlich, unverbesserlich, ungeniert“ charakterisiert. Frauen wie Mae sind (bis heute) selten die Protagonistinnen eines Films. Wenn doch, geht es meist darum, dass sie ihren Lifestyle überdenken und letztlich zum Topf eines passenden Deckels werden (siehe <a href="/film-kritiken-trailer/dating-queen"><strong>Dating Queen</strong></a>). In Ensemblestücken findet man sie indes häufiger, so etwa in <a href="/film-kritiken-trailer/pitch-perfect"><strong>Pitch Perfect</strong></a> (in der Figur Stacie, gespielt von Alexis Knapp); an Eindimensionalität ist ihre Zeichnung dann aber üblicherweise kaum zu überbieten.</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span>Auch Mae mutet auf dem Papier wohl eher klischeehaft an. In einer Szene schlägt sie vor, ihre Brüste zu entblößen, um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen; in einer anderen Szene entgegnet sie auf den Einwand, ihr Kleid sei zu eng, dass sie ohnehin nicht plane, es lange zu tragen. Das könnten billige Gags sein; sie sind es in diesem Fall aber nicht. Vielmehr wird hier – in einem sehr amerikanischen und insgesamt recht familientauglichen Film – eine selbstbewusste, sexpositive Frau gezeigt, die nicht der Albernheit preisgegeben wird, sondern eher ihr Umfeld albern aussehen lässt: So suchen Mae und das restliche Team etwa einen Beichtstuhl auf – und als Mae an der Reihe ist, lässt der Geistliche angesichts ihrer Schilderungen entsetzt die Bibel fallen und schaut extrem schockiert drein. „Was hast du gesagt?“, fragt Doris. „Alles!“, antwortet Mae zufrieden.</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span>Ich hatte damals nicht die leiseste Vorstellung davon, was mit <em>allem</em> so alles gemeint sein könnte; doch meine Bewunderung für Mae war groß. Gelacht habe ich in solchen Momenten gewiss nicht über <em>sie</em>, sondern über die Reaktionen der anderen Figuren. </span></span></span><span lang="EN-US" xml:lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span>„</span></span></span><span lang="EN-US" xml:lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span>My name’s Mae, and that’s more than a name, that’s an attitude!”, exklamiert Mae an einer Stelle. </span></span></span><span><span><span>Mit einer anderen Schauspielerin hätte dieser Satz wie eine Behauptung wirken können; Madonna macht ihn hingegen zu einem glaubwürdigen Statement, weil sie dieser Figur alles Karikatureske austreibt.</span></span></span></span></span></span></p> <figure role="group"><img alt="Eine Klasse für sich" data-entity-type="file" data-entity-uuid="e5e88db1-91d9-45e8-90ba-8327613b51b1" src="/sites/default/files/inline-images/Klasse2.jpg" /><figcaption>Bild aus <strong>Eine Klasse für sich</strong>; Copyright: <em>Columbia Pictures Corporation</em></figcaption></figure><p> </p> <p><span><span><span><span><span><span>Zum ersten Mal im Kino habe ich Madonna wiederum im biografischen Musical-Drama <strong>Evita </strong>(1996) von Alan Parker erlebt. Auch hier muss ich zwischen damaliger Rezeption und heutiger Sicht auf den Film unterscheiden. Heute finde ich es überaus bedenklich, dass die <em>Primera Dama</em> (die <em>First Lady</em>) Argentiniens mit Madonna besetzt wurde; als 12-Jähriger hätte ich es indes völlig in Ordnung gefunden, wenn schlichtweg <em>jede</em> Rolle mit Madonna besetzt worden wäre.</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span>Was sich allerdings nicht geändert hat, ist meine Begeisterung für die Tatsache, dass Madonna diesen Film und sich selbst als Eva Perón ohne Einschränkung ernst nimmt. Das traut sich seit dem Einzug der Postmoderne in die Kunst der Kinematografie vor allem im Mainstream eigentlich kaum noch jemand. Nichts gegen Humor, nichts gegen Selbstironie. Aber es ist schon sehr langweilig, wenn sich Schauspieler_innen nur noch als lustiges Zitat begreifen (Stichwort David Hasselhoff) oder wenn sie alles mit einem Augenzwinkern leicht von sich wegzuschieben versuchen. Sich nur nicht zu sehr auf etwas einlassen, keinesfalls in die Vollen gehen und sich dadurch womöglich angreifbar machen. Diese feige Zurückhaltung ist natürlich nicht Madonnas Sache: Sie schmettert, sie kämpft, sie leidet</span></span></span><span><span><span> – und in ihren Augen ist Glut zu sehen, kein Zwinkern, nie.</span></span></span></span></span></span></p> <figure role="group"><img alt="Evita" data-entity-type="file" data-entity-uuid="6b97c8ea-e37f-486e-8c00-667b8a4edb84" src="/sites/default/files/inline-images/Evita.jpg" /><figcaption>Bild aus <strong>Evita</strong>; Copyright: <em>United International Pictures GmbH</em></figcaption></figure><p> </p> <p><span><span><span><span><span><span>Es gibt jedoch auch Filme, in denen ich den Einsatz von Madonna als gescheitert ansehe. Ob das Drehbuch, die Regie oder Madonna <em>herself</em> dies zu verantworten haben, lässt sich kaum sagen. Ein eklatanter Fall dieses Scheiterns ist <strong>Body of Evidence </strong>(1993) von Uli Edel, den ich erst viele Jahre nach seinem Erscheinen auf DVD gesehen habe und absolut enttäuschend fand. Madonna spielt eine Frau namens Rebecca, die angeklagt wird, ihren reichen Lover durch übermäßigen Sex getötet zu haben. Es gibt einige Wendungen in dieser Geschichte und ziemlich am Ende steht der Satz „I fucked you, I fucked Andrew, I fucked Frank. That’s what I do, I fuck.“</span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span><span><span>So plump wie diese Aussage ist leider das gesamte Werk – dabei hätte es hier die Möglichkeit gegeben, den Typus der <em>Femme fatale</em> zu variieren, zu modernisieren. Statt die Dämonisierung des Figurentypus (Sex = Tod!) zu reflektieren, wird sie effekthascherisch zementiert. Von der sexpositiven Mae ist das meilenweit entfernt; dennoch steckt auch in Rebecca beziehungsweise in der Interpretation dieser Figur etwas von Madonna: Nicht jede Provokation, die sie im Laufe ihrer bisherigen Karriere gewagt hat, war subtil; manches mutete gewollt und vordergründig an. So gehört auch das zu Madonna – und <strong>Body of Evidence </strong>ist filmisches Zeugnis dieser Facette.</span></span></span></span></span></span></p> <figure role="group"><img alt="Body of Evidence" data-entity-type="file" data-entity-uuid="10279b07-e2ed-4d3c-9b56-1fdc5bfb3de8" src="/sites/default/files/inline-images/Body.jpg" /><figcaption>Bild aus <strong>Body of Evidence</strong>; Copyright: <em>Neue Constantin Film</em></figcaption></figure><p> </p> <p><span><span><span><span><span><span>Andere Versuche empfand ich als geglückter: Madonna als <em>RomCom</em>-Heldin? Gerne – aber bitte mit einem schwulen Mann an ihrer Seite und mit ambivalentem Ende! <strong>Ein Freund zum Verlieben </strong>(2000) von John Schlesinger funktioniert zwar nicht in jeder Hinsicht, ist als Variante des Liebesfilms aber dennoch unterschätzt. Madonna als Bond-Girl? Warum nicht – aber natürlich nicht schmachtend, sondern als Fechtmeisterin, die sich mit dem Satz „I don’t like cockfights“ verabschiedet und sich insgesamt äußerst unbeeindruckt zeigt. Es mag nicht viel heißen, aber die beste Szene aus Lee Tamahoris<strong> James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag </strong>(2002) ist jene mit Madonna auf jeden Fall.</span></span></span></span></span></span></p> <figure role="group"><img alt="Ein Freund zum Verlieben" data-entity-type="file" data-entity-uuid="d82702c1-7a63-4bb6-b947-f3f5b8c47226" src="/sites/default/files/inline-images/Freund.jpg" /><figcaption>Bild aus <strong>Ein Freund zum Verlieben</strong>; Copyright: <em>Lakeshore Entertainment and Paramount Pictures</em></figcaption></figure><p> </p> <p><span lang="EN-US" xml:lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span>„</span></span></span><span><span><span><a href="https://www.imdb.com/name/nm0000187/bio?ref_=nm_dyk_qt_sm#quotes"><span lang="EN-US" xml:lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span>I am my own experiment. I am my own work of art</span></span></span></a></span></span></span><span lang="EN-US" xml:lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span>“, hat Madonna einmal gesagt. </span></span></span><span><span><span>Und das trifft es ziemlich gut: Sie ist keine Selbstdarstellerin, sie ist eine Künstlerin, die sich selbst in das, was sie tut – sei es ein Song, sei es ein Film –, ohne Rückhalt wirft und somit ein Teil davon wird. Das ist mal mehr, mal weniger gelungen. Aber wenn es gelingt, ist es ein Ereignis. Dann kann sie zum Vorbild eines 10-Jährigen werden, weil sie nicht einfach nur ihren Job macht, nicht einfach nur Regieanweisungen befolgt und Dialogzeilen von sich gibt, sondern eine <em>attitude</em> verkörpert.</span></span></span></p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/madonna" hreflang="de">Madonna</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/schauspielerin" hreflang="de">Schauspielerin</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/saengerin" hreflang="de">Sängerin</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/star" hreflang="de">Star</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43300&amp;2=comment&amp;3=comment" token="eCKHrSYERw6afeBIFTC-codPRfm_GNo0xzo40K8rIp4"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/madonna-die-schauspielerin" data-a2a-title="Madonna, die Schauspielerin"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/andreas-koehnemann-2" hreflang="de">Andreas Köhnemann</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-08-17T13:00:00Z">17.08.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p><span><span><span>Madonna wird 60. Als Musikerin hat sie alles erreicht. Als Schauspielerin wird sie oft belächelt oder gar verschmäht. Zu Unrecht, findet Andreas Köhnemann.</span></span></span></p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Fri, 10 Aug 2018 13:28:07 +0000 Andreas Köhnemann 43300 at https://www.kino-zeit.de Tote Mädchen. Überall. https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/tote-maedchen-ueberall <span>Tote Mädchen. Überall.</span> <span><span lang="" about="/user/67" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Köhnemann</span></span> <span>07.08.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p><span><span>Ein Mädchen mit blutleerem Gesicht, tot, in Plastikfolie gewickelt, ist wohl eines der bekanntesten Bilder der Seriengeschichte. Die tote Laura Palmer in der ersten Folge von <strong><em>Twin Peaks. </em></strong>Ein Mädchen, grausam zu Tode gekommen, verkörpert den Zusammenprall von (unterstellter) Unschuld und Verdorbenheit. Ihre Ermordung ist nun Anlass, von dem Städtchen Twin Peaks zu erzählen – und von dem ermittelnden FBI-Agenten Dale B. Cooper.</span></span></p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-08/Twin.jpg?itok=roG5-FmE" width="940" height="530" alt="Sheryl Lee als Laura Palmer in &quot;Twin Peaks&quot;" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">ABC/Spelling Ent./CBS Paramount Domestic Television</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Sheryl Lee als Laura Palmer in &quot;Twin Peaks&quot;</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p><span><span><span><span>Laura Palmer faszinierte auch mich damals – und das Geheimnis um ihren Tod hat mich bis heute nicht losgelassen. Dennoch bin ich der toten Mädchen überdrüssig. Es ist nun einmal ein allzu bequemes narratives Mittel, um beim Rezipienten sofort Gefühle zu wecken. Es verlangt nach Aufklärung und Gerechtigkeit. Deshalb ist Laura Palmer auch weder das erste noch das letzte tote Mädchen, das im Zentrum eines Rätsels stehen sollte. Schon Edgar Allan Poe schrieb, „The death of a beautiful woman is unquestionably the most poetical topic in the world“. In seinen Erzählungen kommen sie dann auch vor, die Körper von schönen Frauen, die grausam ermordet wurden. Rund 200 Jahre später hat sich an der Faszination nichts geändert. Tote Mädchen, die schön und in der Regel weiß sind, setzen eine Erzählung in Gang, ob in <strong><em><a href="/film-kritiken-trailer/true-detective-season-1">True Detective</a>, <a href="/film-kritiken-trailer/pretty-little-liars-staffel-4">Pretty Little Liars</a></em></strong><em> </em>oder<em> <a href="/film-kritiken-trailer/tote-maedchen-luegen-nicht-tv-serie-2017"><strong>Tote Mädchen lügen nicht</strong></a>.</em></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Die Serien setzen auf die Faszination für geschlagene, misshandelte und tote Körper von Frauen und Mädchen, die zugleich schön und unschuldig wirken. Ihr Tod geht einher mit einem ästhetisierten Ekel, mit dem Schönheit in etwas Grausamem gefunden wird. Jedoch sind diese toten Mädchen vor allem Anlass für eine Ermittlung, die meist von einem Mann geführt wird und deshalb letztlich von ihm erzählt. Das tote Mädchen ist ein Rätsel, sei es in <strong><em>Twin Peaks</em></strong><em> </em>oder in <strong><a href="/film-kritiken-trailer/verblendung">The Girl With The Dragon Tattoo</a>. </strong>Alice Bolin formuliert es in <em>Dead Girls</em> deutlich: „women are problems to be solved, and the problem of absence, a disappearance or murder, is generally easier to deal with than the problem of the woman’s presence.“</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Exemplarisch lässt es sich an den beiden Staffeln von <strong><em>Tote Mädchen lügen nicht</em></strong> sehen. Im Mittelpunkt der Erzählung über die Schülerin Hannah, die Selbstmord begangen hat, stand schon immer ihr Schulfreund Clay, der mithilfe der 13 Kassetten, die sie hinterlassen hat, herausfinden will, warum sie sich umgebracht hat. In der ersten Staffel kommt Hannah durch die Kassetten immerhin noch selbst zu Wort. Ihr Erleben, ihre Wahrnehmung spielt eine Rolle – untergeordnet.</span></span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/m4R8wJmb45c?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p><span><span><span><span>In der zweiten Staffel ist sie indes lediglich in den Gedanken von Clay präsent, er sieht sie, weil er ihren Tod verarbeiten muss; sie ist eine reine Projektionsfläche für ihn, an sie richtet er seinen Ärger, wenn sie seine Erwartungen enttäuscht hat, die er in ihrer Verklärung an sie gestellt hat. Clay ist in ein Ideal verliebt gewesen, das der Realität nicht standhält – und die Serie deutet an, dass Hannah vor allem wichtig war, weil sie Clay etwas bedeutet hat. Lasse ich einmal beiseite, dass die zweite Staffel von <strong><em>Tote Mädchen lügen nicht </em></strong>ohnehin unnötig war, hätte in ihr zumindest die Chance gelegen, tatsächlich Hannahs Geschichte zu erzählen. Das Leben eines Teenagermädchens, das dazugehören will und Fehler macht. Stattdessen aber geht es um Clays Leiden durch ihren Tod. </span></span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/6d1rDNec4E8?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p><span><span><span><span>Darin steckt die grundlegende Ambivalenz aller <em>Dead Girl Shows</em>: Sie tragen dazu bei, die etablierten Hierarchien zwischen den Geschlechtern zu verstärken. Die Frau ist das Opfer, der Mann der Retter, die Frau ist die Unterlegene, der Mann der Stärkere. Der Tod der Frau dient dazu, vom Mann zu erzählen. Eine Serie wie beispielsweise <strong><em>Tote Mädchen lügen nicht</em></strong> ist sich der <em>rape culture </em>und des Sexismus der Gesellschaft bewusst, indem die Footballmannschaft aber eine fast mafiöse Vereinigung und nicht mehr eine Gruppe von Teenagerjungs mit einem toxischen Maskulinitätsideal ist, verfehlt sie ihre Wirkung. Sie sagt, diese Jungs und all die Männer, die wegsehen und ermöglichen, sind die Ausnahme und nicht die Regel.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Dennoch bin ich überzeugt, dass mit Geschichten über toten Mädchen grundsätzlich Misogynie und Sexismus sichtbar gemacht werden können. Dass es möglich ist, dass sich durch diese Geschichten Frauen und Mädchen den dunklen Seiten ihres Lebens stellen können, dass sie Gespräche über Dinge in Gang setzen, über die nicht gesprochen werden soll: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, widerstreitende Gefühle über die Mutterschaft zum Beispiel. Diese Geschichten können erforschen, zu was Frauen aufgrund des konstanten Sexismus in der Lage sind – was Wut mit ihnen macht. </span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Einen Versuch unternimmt derzeit die Serie <a href="/film-kritiken-trailer/sharp-objects-mini-serie-2018"><strong><em>Sharp Objects</em></strong></a>. Auch hier gibt es eine Ermittlerfigur, allerdings ist es kein Mann, sondern die Journalistin Camille Preaker, die in ihre Heimatstadt Wind Gap zurückkehrt, weil dort innerhalb eines Jahres das zweite Mädchen verschwunden ist und später auch tot aufgefunden wird. Camille soll für ihre Zeitung über diesen Ort und das Verschwinden schreiben. Wie Rust Cohle in <strong><em>True Detective</em></strong><em> </em>wird sie von ihrer inneren Düsterheit bestimmt, von ihren inneren Dämonen. Er trinkt, um seine Tochter zu betrauern, sie trinkt wegen ihrer toten Schwester. Beide geraten an einen Mordfall, von deren Lösung sie sich Absolution versprechen – und bei beiden wird es im Verlauf der Serie immer schwieriger, ihren Dämonen zu entkommen. Preaker und Cohle haben nur ihre Vergangenheit und sind auf der Suche nach Gerechtigkeit, die sie sich durch die Aufklärung eines anderen Verbrechens versprechen. </span></span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/DgljcMqPG98?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p><span><span><span><span>Nun klingt das auf den ersten Blick wie eine reine Umbesetzung, die viele mit einer feministischen Tendenz verwechseln: ein Figurentypus, der überwiegend von Männern gespielt wird, wird mit einer Frau besetzt und damit haben wir eine „starke“ Frauenfigur. Doch das ist hinsichtlich Camille Preaker viel zu kurz gedacht: Am Ende der ersten Folge sieht man, dass sie nicht nur trinkt, um zu vergessen, sondern sich ritzt. Sie schneidet Wörter in ihren Körper. Damit nimmt <strong><em>Sharp Object</em></strong> eine sehr spezielle und vorwiegend weibliche Form der Selbstverletzung in den Mittelpunkt – und einen weiteren beschädigten weiblichen Körper.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Denn genau darum geht es der Serie: Sie will den beschädigten, verletzten weiblichen Körper zurückerobern. Diese Serie erzählt nun nicht mehr davon, wie Frauen Schaden zugefügt wird, sondern von dem Schaden, den Frauen sich zufügen. Es sind nicht mehr die toten Frauen und Mädchen, die eine seltsame, bisweilen erotische Anziehung auf den Ermittler oder die Stadt ausüben. Das tote Mädchen ist nicht mehr eine leere Hülle, durch die Männer ihre Probleme aufarbeiten können, sie wird nicht mehr benutzt, um über Maskulinität zu erzählen. Vielmehr geht es um die lebenden Frauen. Um den Schaden, den sie sich zufügen, aufgrund der Erwartungen, die an ihre Feminität gestellt werden. Weibliche Körper und Traumata werden nicht mehr mit einem männlichen Blick betrachtet, sondern mit einem weiblichen.</span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Das ist ein mutiges und schwieriges Unterfangen, das der Serie in den bisher von mir gesehenen 4 Folgen gut gelingt. Aber bei diesem Versuch schwingt immer die Gefahr mit, am Ende dann doch die alten Muster zu reproduzieren und damit nicht eine Lösung, sondern Teil des Problems zu sein. Ein bekanntes Problem: Über Sexismus zu erzählen, ohne ihn letztlich zu reproduzieren.</span></span></span></span></p> <figure role="group"><img alt="Sharp Objects" data-entity-type="file" data-entity-uuid="80b12ff5-b315-49bc-9e89-b5642278adfb" src="/sites/default/files/inline-images/sharp-objects.jpg" /><figcaption>Bild zu <em><strong>Sharp Objects</strong></em> von Jean-Marc Vallée; Copyright: <em>HBO</em></figcaption></figure><p> </p> <p><strong><em><span><span>Sharp Objects </span></span></em></strong><span><span>macht bisher zweierlei deutlich: Tote Mädchen – oder weibliche Opfer im Allgemeinen – müssen nicht aus Kriminalerzählungen verschwinden, sondern die Erzählweise muss sich verändern. Dazu gehört auch, dass der männliche Blick, der in Filmen und Serien so präsent ist, hinterfragt wird. Ein eindrückliches Plädoyer hierfür lieferte zuletzt auch <strong>The Tale<em> </em></strong>von Jennifer Fox. Allein durch die Entscheidung, die Rolle einer 13-Jährigen nicht mit einer wesentlich älteren Schauspielerin zu besetzen, lässt sofort im Bild erkennen, dass es falsch ist, wenn ein erwachsener Mann sie begehrt, dass das vermeintlich Verführerische einer 13-Jährigen allein im Blick des Täters ist.</span></span></p> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/twin-peaks" hreflang="de">Twin Peaks</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/tote-maedchen-luegen-nicht" hreflang="de">Tote Mädchen lügen nicht</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/sharp-objects" hreflang="de">Sharp Objects</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/krimi" hreflang="de">Krimi</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43255&amp;2=comment&amp;3=comment" token="MCmYk_XW5EX1xEQFmq-jV9W3vWovNi5vlFb8PXs9cbo"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/tote-maedchen-ueberall" data-a2a-title="Tote Mädchen. Überall."><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/sonja-hartl-1" hreflang="de">Sonja Hartl</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-08-13T10:51:02Z">13.08.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>“I see dead people”. Mit Laura Palmer fing sie an, die Welle der toten Mädchen im Fernsehen. Sonja Hartl hat genug davon.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Tue, 07 Aug 2018 10:51:02 +0000 Andreas Köhnemann 43255 at https://www.kino-zeit.de Im Kino über den Wolken: Grenzenlose Freiheit oder grenzenlose Zensur? https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/im-kino-ueber-den-wolken-grenzenlose-freiheit-oder-grenzenlose-zensur <span>Im Kino über den Wolken: Grenzenlose Freiheit oder grenzenlose Zensur?</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>31.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Die Motoren röhren. Hier spricht Ihr Kapitän. Kaum ist der Flieger in Richtung Urlaubsdestination gestartet, beginnt ein ganz besonderes Spektakel in Zeiten der vermeintlichen Kinokrise und rückläufiger Besucherzahlen: Reisende aller Altersklassen entdecken den Cineasten in sich und scrollen sich durch das Kinoprogramm on-demand im Vordersitz. Schnell wird klar: Hollywood hat auch hier die Oberhand, Blockbuster und Familienfilme sind in der Überzahl. Dennoch ist die Vielfalt überraschend, auch allerhand Arthousekino aus aller Herren Länder steht – meist in Originalsprache mit Untertiteln – zur Auswahl. Doch wie ist es um die deutschen Filme bestellt? Und nach welchen Kriterien werden diese ausgewählt?</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/IMG_5219.jpg?itok=KpFzvb4_" width="940" height="530" alt="Filme schauen im Flugzeug" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Urs Spörri</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Filme schauen im Flugzeug</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Bereits im Sommer 2016 hatte ich diese Fragen per E-Mail an 20 weltweit führende Fluggesellschaften, bzw. deren Pressestellen, geschickt. Inhaltlich geantwortet hatten mir damals lediglich <em>Lufthansa</em>, <em>Emirates</em> und die niederländische <em>KLM</em> – drei weitere Airlines schrieben mir mehr oder weniger deutlich, dass sie zu diesem Thema nichts beantworten wollten. Die anderen 14 Fluglinien meldeten sich nicht einmal auf Rückfrage bei mir. Das machte mich stutzig. Seitdem habe ich die (eher selten erscheinenden) Nachrichten zum Thema gesammelt und versuche nun, Stand Juli 2018, einen Überblick über die mir bekannten Fakten zu geben.</p> <p> </p> <h4><strong>Von Null bis 15: Arabische Fluglinien zeigen die meisten deutschen Filme</strong></h4> <p>Welche deutschen Filme laufen also derzeit an Bord bei den folgenden elf internationalen Fluggesellschaften? Sämtliche Titel sind einer Online-Recherche entnommen, da die aktuellen monatlichen Filmprogramme inzwischen auf den Homepages zahlreicher Airlines gelistet sind.</p></div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/urs-spoerri" hreflang="de">Urs Spörri</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/fliegen" hreflang="de">Fliegen</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/flugzeug" hreflang="de">Flugzeug</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/deutscher-film" hreflang="de">Deutscher Film</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/airline" hreflang="de">Airline</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/carol" hreflang="de">Carol</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/virtual-reality" hreflang="de">Virtual Reality</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/zensur" hreflang="de">Zensur</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43124&amp;2=comment&amp;3=comment" token="UuGtg9-x2-xAOi0XLOuDWLjUa7e6l4SNYieLCgQzcfg"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/im-kino-ueber-den-wolken-grenzenlose-freiheit-oder-grenzenlose-zensur" data-a2a-title="Im Kino über den Wolken: Grenzenlose Freiheit oder grenzenlose Zensur?"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-absaetze field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <ul class="kleineklickstrecke"> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/lufthansa_2018_0.jpg?itok=6Wj2lCnP" width="940" height="530" alt="Lufthansa - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Lufthansa</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Lufthansa - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Aktuell sind 15 deutsche Filme im Programm / Insgesamt 42 deutsche Filme von Januar bis Oktober 2018</p> <p><strong><a href="/film-kritiken-trailer/3-tage-in-quiberon">3 Tage in Quiberon</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/wer-hat-eigentlich-die-liebe-erfunden">Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/das-schweigende-klassenzimmer">Das schweigende Klassenzimmer</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/dieses-bescheuerte-herz">Dieses bescheuerte Herz</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/meine-teuflisch-gute-freundin">Meine teuflisch gute Freundin</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/3-zimmerkuechebad">3 Zimmer/Küche/Bad</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/das-wunder-von-bern">Das Wunder von Bern</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/der-ganz-grosse-traum">Der ganz große Traum</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/die-kleine-hexe">Die kleine Hexe</a><br /> Entdecke die Mandy in dir <br /><a href="/film-kritiken-trailer/hilfe-ich-hab-meine-eltern-geschrumpft">Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/jim-knopf-und-lukas-der-lokomotivfuehrer">Jim Knopf &amp; Lukas der Lokomotivführer</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/matti-und-sami-und-die-drei-groessten-fehler-des-universums">Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/nur-gott-kann-mich-richten">Nur Gott kann mich richten</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/vielmachglas">Vielmachglas</a></strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Qatar-Airways-logo-logotype-1024x768.png?itok=R503_CC-" width="940" height="530" alt="Qatar Air - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Qatar Air</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Qatar Air - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>8 deutsche Filme</p> <p><strong><a href="/film-kritiken-trailer/1000-arten-den-regen-zu-beschreiben">1000 Arten Regen zu beschreiben</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/licht">Licht</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/sommerhaeuser">Sommerhäuser</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/western">Western</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/rock-my-heart-mein-wildes-herz-2017">Mein wildes Herz</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/arthur-claire">Arthur &amp; Claire</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/drei-zinnen">Drei Zinnen</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/hot-dog">Hot Dog</a></strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Emirates-airlines.jpg?itok=h_lcMnhC" width="940" height="530" alt="Emirates - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Emirates</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Emirates - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>7 deutsche Filme</p> <p><strong><a href="/film-kritiken-trailer/es-war-einmal-indianerland">Es war einmal Indianerland</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/das-pubertier">Das Pubertier</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/sommerhaeuser">Sommerhäuser</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/die-goettliche-ordnung">Die göttliche Ordnung</a><br /><a href="/film-kritiken-trailer/aus-dem-nichts-2017">Aus dem Nichts</a><br /> Drei Zinnen<br /><a href="/film-kritiken-trailer/whatever-happens">Whatever Happens</a></strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Condor_logo.jpg?itok=lyGFeD3n" width="940" height="530" alt="Condor - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Condor</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Condor - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>4 deutsche Filme</p> <p><strong>Hot Dog<br /> Vielmachglas<br /><a href="/film-kritiken-trailer/zwei-herren-im-anzug">Zwei Herren im Anzug</a><br /> Jim Knopf &amp; Lukas der Lokomotivführer</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/KLM-Royal-Dutch-Airlines-Logo.png?itok=6QXOKUzl" width="940" height="530" alt="KLM - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">KLM</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">KLM - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>4 deutsche Filme</p> <p><strong>Arthur &amp; Claire<br /> Aus dem Nichts<br /> Sommerhäuser<br /> Drei Zinnen</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/7816dccc59759008e38a50e6cda25a7b.jpg?itok=IWsr8nAy" width="940" height="530" alt="Etihad - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Etihad</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Etihad - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>4 deutsche Filme</p> <p><strong>Das Pubertier<br /> Aus dem Nichts<br /><a href="/film-kritiken-trailer/vorwaerts-immer">Vorwärts Immer!</a><br /> Drei Zinnen</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Swiss-International-Air-Lines-logo.png?itok=UUtv2EnK" width="940" height="530" alt="Swiss Air - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Swiss Air</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Swiss Air - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>3 deutsche Filme</p> <p><strong><a href="/film-kritiken-trailer/die-kleine-hexe">Die kleine Hexe</a><br /> Jim Knopf &amp; Lukas der Lokomotivführer<br /> Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Austrian-Airlines-logo-and-wordmark.png?itok=xKtLiO4z" width="940" height="530" alt="Austrian Airlines - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Austrian Airlines</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Austrian Airlines - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>2 deutsche Filme</p> <p><strong>3 Tage in Quiberon<br /> Vielmachglas</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/british-airways-01-logo-png-transparent.png?itok=cidi-7sH" width="940" height="530" alt="British Airways - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">British Airways</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">British Airways - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>1 deutscher Film</p> <p><strong>Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/baf49a3946729f45050dfe9c2ee8fcdc.jpg?itok=Gux_T6gN" width="940" height="530" alt="Air France - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Air France</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Air France - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>1 deutscher Film</p> <p><strong>Arthur &amp; Claire</strong></p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/imagen_aeroflot_g.jpg?itok=j8z32REw" width="940" height="530" alt="Aeroflot - Logo" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Aeroflot</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Aeroflot - Logo</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>0 deutsche Filme</p> <p>Kein einziger originär deutscher Film bei über 200 Filmen in- und ausländischer Produktion</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> </ul> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type--text paragraph--view-mode--default"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Dieser (nicht repräsentativen) Erhebung zufolge sind die folgenden drei Titel in den derzeitigen Sommerferien am gefragtesten: <a href="/film-kritiken-trailer/jim-knopf-und-lukas-der-lokomotivfuehrer"><strong>Jim Knopf &amp; Lukas der Lokomotivführer</strong></a>, <a href="/film-kritiken-trailer/arthur-claire"><strong>Arthur &amp; Claire</strong></a> sowie <a href="/film-kritiken-trailer/wer-hat-eigentlich-die-liebe-erfunden"><strong>Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?</strong></a> wurden von den 11 untersuchten Fluglinien je drei Mal für deren In-Flight-Programm gebucht. Insgesamt liegt der Anteil deutscher Filme äußerst niedrig, außer bei der <em>Lufthansa</em> bewegt sich die Quote überall weit unter 5 Prozent des Gesamtprogramms. Auffällig ist, dass neben dem internationalen Spitzenreiter <em>Qatar Air </em>mit derzeit 8 deutschen Produktionen auch mit <em>Emirates</em>,<em> Etihad</em> und <em>Oman Air </em>(die aus eigener Erfahrung stets zwischen 4 und 10 deutsche Filme im Programm haben)<em> </em>international das größte Interesse an deutschen Filmen im arabischen Raum vorzuherrschen scheint. Amerikanische Fluglinien wie beispielsweise <em>Delta Airlines</em> oder <em>American Airlines</em> konnten leider nicht in die Untersuchung einfließen, da diese ihr Monatsprogramm nur auszugsweise veröffentlichen und somit keine Gesamtzahl erhoben werden kann. Stichproben jedoch zeigten, dass dort (ebenso wie bei der russischen <em>Aeroflot</em>) aktuell kein einziger deutscher Film an Bord zu sehen sein dürfte.</p> <figure role="group"><img alt="Arthur &amp; Claire; Copyright: Universum Film" data-entity-type="file" data-entity-uuid="3f24b822-4f6e-41ce-9a8a-0f075b89a737" src="/sites/default/files/inline-images/Arthur__Claire_1.jpg" /><figcaption>Arthur &amp; Claire; Copyright: Universum Film</figcaption></figure><p> </p> <h4><strong>Zwischenhändler: Kaum Komödien, keine Dramen</strong></h4> <p>Fast jede Airline verfügt über einen eigenen Kurator, der die meisten verfügbaren Filme bereits auf Filmfestivals und Filmmessen vor Kinostart gesichtet hat. Übereinstimmend bestätigten mir Vertreter von Weltvertrieben und Verleihern, dass das Hauptinteresse bei deutschen Produktionen auf Kinder- und Familienfilmen sowie (angesichts des Bezugs zur Urlaubsreise passend) auf Roadmovies und Reisefilmen liege. Deutsche Komödien hätten es dagegen schwer, deutsche Dramen ließen sich fast nie verkaufen. Was interessant ist, da diese beiden Genres ja bekanntlich neben Fernsehkrimis den Löwenanteil der inländischen Filmproduktion ausmachen. Exportweltmeister Deutschland? Im Kino keinesfalls. Stehen die vom Kurator der Fluggesellschaft gewünschten Filme fest, werden diese meist mittels Pauschalpreisen von auf In-Flight-Entertainment spezialisierten Zwischenhändlern wie <em>Spafax</em> (u.a. dem Dienstleister der Lufthansa), <em>Encore Inflight</em>, <em>Criterion Pictures</em>, <em>Global Eagle Entertainment</em> oder <em>Skyline</em> bei den Weltvertrieben eingekauft. In Einzelfällen schaltet sich auch der nationale Verleih ein, gelegentlich gibt es statt des Festpreises auch eine Minimumgarantie mit prozentualer Beteiligung. Erhebungen, wie begehrt die deutschen Filme an Bord sind, dringen kaum nach außen: <em>Emirates</em> verriet mir, dass 2016 <strong><a href="/film-kritiken-trailer/der-geilste-tag">Der geilste Tag</a> </strong>von Florian David Fitz von immerhin drei Prozent der Passagiere (auf allen Strecken der Linie weltweit) angeschaut wurde und somit der dort meistgesehene deutsche Film des Jahres war.</p> <p> </p> <h4><strong>Heikles Thema: Zensur </strong></h4> <p>Warum ich kaum Antworten durch die Fluggesellschaften bekam, ist inzwischen offensichtlich: Aus Sorge vor Kritik an der allumfassenden Zensur, die über den Wolken grenzenlos um sich zu greifen scheint. „Der Inhalt wurde für dieses Format bearbeitet“, lautet die Standard-Einblendung zu Beginn eines Filmes im Bordprogramm. Die Eingriffe in das fertige Filmwerk beginnen noch relativ nachvollziehbar damit, dass das Bildformat stets der Größe des ohnehin ja überschaubar kleinen Monitors angepasst wird. Cinemascope ist hier unerwünscht, das Bild wird beschnitten. Dass dies inzwischen selbst von Hollywood-Regisseuren eingefordert wird, bestätigte sich in einer Twitter-Konversation im November 2017 zwischen Jordan Vogt-Roberts (dem Regisseur von <a href="/film-kritiken-trailer/kong-skull-island"><strong>Kong: Skull Island</strong></a>) und Peter Asencio (dem Regisseur von <a href="/film-kritiken-trailer/keanu"><strong>Keanu</strong></a>). Vogt-Roberts beschrieb, dass er widerwillig eine zusätzliche Version mit wechselnden Seitenverhältnissen angefertigt hatte, um zumindest in bestimmten Sequenzen sein originales Framing beizubehalten. Doch entsetzt stellte er fest, dass dann ausgerechnet diese verstümmelte Version auf HBO im Fernsehen gezeigt wurde – laut Asencio kein Einzelfall: HBO zeige die Filme nur dann in der richtigen Fassung, wenn sie vertraglich dazu verpflichtet seien.</p> <figure role="group"><img alt="Carol; Copyright: Universum Film" data-entity-type="file" data-entity-uuid="bbb1c9a0-c31e-4d0a-880b-39b7e7c5a977" src="/sites/default/files/inline-images/60700c6f-1180-49b6-90ac-8e70d7f08826.jpg" /><figcaption>Carol; Copyright: Universum Film</figcaption></figure><p>Aber es bleibt längst nicht nur beim Bildformat: Zensur sei aus vielerlei Gründen nötig an Bord eines Flugzeugs, sind sich Airlines und Weltvertriebe einig – auch wenn sie es selbst ungern Zensur nennen. Sex, Gewalt, Attentate, gar lesbische Küsse und Klischees werden entweder verpixelt, herausgeschnitten oder neu synchronisiert. Manche Filme werden auf diese Weise bis zu fünf Minuten gekürzt. Den vielleicht größten Zensur-Skandal jüngerer Zeit erregte 2013 die bei <em>Delta Airlines </em>gezeigte Schnittfassung des britischen Films <a href="/film-kritiken-trailer/carol"><strong>Carol</strong></a> um ein lesbisches Liebespaar in den 1950er Jahren, gespielt von Cate Blanchett und Rooney Mara. Das US-amerikanische LGBT-Magazin <em>After Ellen </em>enthüllte 2016, dass sämtliche Sexszenen und Küsse zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren fürs Flugzeug entfernt worden seien. Fast noch skandalöser war die Antwort von <em>Delta</em>, dass das Studio direkt zwei Fassungen zum Kauf angeboten habe – und die beschnittene Version neben zwei expliziten Szenen bereits in vorauseilendem Gehorsam um sämtliche lesbischen Kussszenen gekürzt worden war, ohne dass dies durch die Richtlinien der Fluggesellschaft nötig gewesen wäre. Andere Fluglinien zeigten in der Folge des Shitstorms die unzensierte Fassung von <strong>Carol</strong>.</p> <p> </p> <h4><strong>Keine Abstürze im Flugzeug</strong></h4> <p>Sei das Vermeiden sexuell konnotierter Inhalte vor allem dem Jugendschutz geschuldet (schließlich könnten Kinder auch auf die Monitore der Erwachsenen schielen), so sind filmische Flugzeug-Gewaltakte bei den meisten Fluggesellschaften tabu. In der Fachzeitschrift <em>aeroTelegraph</em> erklärte der 50 Airlines beliefernde Dienstleister <em>IFE Services</em> im November 2013: „Wir können negative Szenen mit Flugzeugen nicht im In-Flight-Entertainment zeigen. Das schließt Abstürze, Turbulenzen oder Entführungen ein.“ Als Beispiele wurden der Katastrophenfilm <strong><a href="/film-kritiken-trailer/2012">2012</a> </strong>angeführt, bei dem der für den Film zentrale Absturz einer fiktiven Antonow An-500 fehlt oder als in <a href="/film-kritiken-trailer/world-war-z"><strong>World War Z</strong></a> mit Brad Pitt die Explosion eines Flugzeugs herausgeschnitten wurde.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/e_LpxldL8h4?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Aus Rücksichtnahme auf potenzielle Befindlichkeiten von Zielgruppen der Fluggesellschaften werden auch in der Synchronisation wie in den Untertiteln Veränderungen vorgenommen. So erklärt in <a href="/film-kritiken-trailer/up-in-the-air"><strong>Up in the Air</strong></a> der von George Clooney gespielte Vielflieger seiner Assistentin, wie man am schnellsten durch die Sicherheitskontrolle komme. Nie solle man sich hinter alte Menschen stellen, sondern stets hinter Asiaten. In der deutschen Version heißt es: „Die packen wenig ein, reisen effizient, lieben Schlupfschuhe.“ In der Flugzeugversion wird aus Asiaten „Businessleute“ – wohl weil asiatische Passagiere diese Äußerung als rassistisch einstufen könnten, vermutete der <em>aeroTelegraph</em>.</p> <p> </p> <h4><strong>Saubere Versionen für den Hausgebrauch</strong></h4> <p>Wer nun denkt, diese zensierten Fassungen seien nur ein Fall fürs Flugzeug, der irrt. Längst hat die Industrie mit Begeisterung diese Versionen für das politisch korrekte Publikum entdeckt – den Vogel schoss im vergangenen Jahr jedoch <em>Sony</em> mit seiner „Clean Version“-Initiative ab. Künftig wolle man neben der originalen Filmfassung auch eine um alle Kraftausdrücke, Sex und Gewalt bereinigte „saubere“ Version über Download- und Streamingportale zur Verfügung stellen. Eine Version „frei von erwachsenen Inhalten“, wie <em>Sony</em> den 24 Filmen von <a href="/film-kritiken-trailer/ghostbusters-2016"><strong>Ghostbusters</strong></a> über <a href="/film-kritiken-trailer/elysium"><strong>Elysium</strong></a>, <a href="/film-kritiken-trailer/white-house-down"><strong>White House Down</strong></a> bis <a href="/film-kritiken-trailer/spider-man-homecoming"><strong>Spider-Man</strong></a> bescheinigte, die man zum Einstieg ausgewählt hatte. Stilsicher reagierte der für seine unkorrekte Sprache bekannte <a href="/film-kritiken-trailer/bad-neighbors"><strong>Bad Neighbors</strong></a>-Hauptdarsteller Seth Rogen auf <em>Twitter</em>: </p> <blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"> <p dir="ltr" lang="en" xml:lang="en" xml:lang="en">Holy shit please don't do this to our movies. Thanks. <a href="https://t.co/0lpoESaIQd">https://t.co/0lpoESaIQd</a></p> — Seth Rogen (@Sethrogen) <a href="https://twitter.com/Sethrogen/status/872157050288996352?ref_src=twsrc%5Etfw">6. Juni 2017</a></blockquote> <script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><p>Auch wenn <em>Sony</em> auf den daraufhin einprasselnden Hagel an Kritik reagierte und das Vorhaben wieder zu den Akten legte – regionale US-Anbieter wie <em>ClearPlay</em> oder <em>VidAngel</em> haben den amerikanischen Markt für stark zensierte Versionen erkannt und bieten diese dort bereits seit Längerem feil.</p> <p> </p> <h4><strong>Wohin geht die Reise für Filme im Flugzeug?</strong></h4> <p>Bald dürften die Monitore im Vordersitz der Vergangenheit angehören, vermuten viele Experten. Längst experimentieren alle großen Fluglinien mit Virtual Reality-Brillen, die freilich noch bei weitem nicht mit Spielfilmqualität mithalten können. <em>Lufthansa</em> etwa hat sich aktuell das virtuelle Glasboden-Flugzeug zum Ziel gesetzt – mittels VR-Brillen und 360-Grad-Fotos und -Videos soll man sehen können, über welchen Ort man gerade im jeweiligen Moment fliegt. Und Videos zum Flugziel sollen die Reisenden bereits in entspannte Stimmung versetzen, beim Reiseziel Mauritius wurde dies testweise mittels VR-Filmen über die dortigen Strände umgesetzt. Sogar über den Sinn des Verbleibs von Fenstern wird nachgedacht: <em>Emirates</em> hat in den mittleren Erste-Klasse-Suiten im A380 erstmals Bildschirme als künstliche Fenster einbauen lassen. Dies und das Einsparen der Monitore soll mithelfen, die beengten Platzverhältnisse an Bord vergessen zu lassen und zudem Gewicht zu sparen, was letztlich wieder der Geschwindigkeit und der Einsparung beim Kerosinverbrauch zuträglich sei. Die besondere Herausforderung für Virtual Reality ist neben dem Server für eine stabile Verbindungsqualität auch der beengte Platz: Denn schließlich sollen die Passagiere nicht zu wilden Armbewegungen animiert werden, die den Tomatensaft des Sitznachbarn verschütten lassen. </p> <p>Am kuriosesten geht es übrigens in Japan zu: Dort bietet das Unternehmen „First Airlines“ für Eilige eine virtuelle Flugreise von Tokio nach New York, Paris, Rom oder Hawaii an. In nicht einmal zwei Stunden sitzt man in einem Flugzeugsetting, erhält nach realistisch nachgespieltem Boarding ein zum Zielland passendes Bordessen und sieht via VR-Brillen die Welt über den Wolken – ehe es mit einer 360-Grad-Stadtführung in der Zielstadt endet. 46 Dollar kostet der „Flug“ laut <em>Spiegel online</em> in der Business-Class, für zehn Dollar mehr erhält man einen Sitz in der First Class.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/urs-spoerri-0" hreflang="de">Urs Spörri</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-08-08T06:00:00Z">08.08.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Der Urlaub beginnt. Endlich hebt das Flugzeug ab. Umgehend stürzen sich die meisten Passagiere auf das aus Dutzenden Filmen bestehende Bordprogramm auf dem Monitor am Vordersitz. Aber welche deutschen Filme schaffen es in die internationalen In-Flight-Angebote – und wie werden diese ausgewählt?</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Tue, 31 Jul 2018 09:04:19 +0000 KatrinDoerksen 43124 at https://www.kino-zeit.de Haus voller Wunder und Geheimnisse https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/haus-voller-wunder-und-geheimnisse <span>Haus voller Wunder und Geheimnisse</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>18.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Fernsehserien für Kinder haben nicht unbedingt den besten Ruf. Ich selbst sollte das gewissermaßen aus professioneller Perspektive differenzierter sehen und tue mich schon schwer damit, so stark drängt sich auf den Bildschirmen der Eindruck auf, da gehe es viel zu laut, viel zu bunt und viel zu schreiend zu.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Gravity_Falls_Pilot_-_Dipper_and_Mabel.jpg?itok=CzNgPeFG" width="940" height="530" alt="Willkommen in Gravity Falls" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Disney/Super RTL</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Willkommen in Gravity Falls</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Aber es ist eben auch eine recht weltfremde Meinung, zu glauben, die Veränderungen im seriellen Erzählen, die sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt haben – schleichend auf den Bildschirmen, mit Wucht schließlich in den Streamingdiensten –, blieben aufs Fernsehen für Erwachsene beschränkt. Es war genau genommen schon immer so, dass auch Kinderserien große Geschichten zu erzählen wussten – subtil, differenziert und komplex, lehrreich, je nachdem. Man denke an <em><strong>Luzie, der Schrecken der Straße</strong></em> oder, ganz anders, <em><strong>Es war einmal ... das Leben</strong></em>. An vermeintlich harmlose, heimlich subversive Puppenshows wie <em><strong>Die Fraggles</strong></em> oder großartige historische Geschichten wie <em><strong>Die langen großen Ferien</strong></em>.</p> <figure role="group"><img alt="Es war einmal... das Leben; Copyright: Studio Hamburg Enterprises" data-entity-type="file" data-entity-uuid="36da60a9-43c5-49d1-856b-a6d91c55063b" src="/sites/default/files/inline-images/Les-globules-rouges.jpg" /><figcaption>Es war einmal... das Leben; Copyright: Studio Hamburg Enterprises</figcaption></figure><p>Und nun gibt es ausgerechnet vom Unterhaltungsgiganten Disney, dessen Fernsehsender man geradezu als Verkörperung meiner negativen Vorurteile ansehen kann (laut, grell, viel zu schnell für meine alten Augen, ach, diese Jugend von heute!), eine Serie, die alles Großartige vereint, was man sich vom TV der Gegenwart nur wünschen mag – sie ist sogar schon ein paar Jährchen alt, aber jetzt mit allen zwei gloriosen Staffeln auf Netflix verfügbar.</p> <p> </p> <h4>Durchgeknallt, pointiert und anders, als du denkst</h4> <p>Die Trickfilmserie<strong> <em>Willkommen in Gravity Falls</em></strong> verbindet einen mainstream-tauglichen Mystery-Plot mit sehr nerdigen, aber liebenswerten Figuren, cleveres serielles Erzählen, das von der ersten Folge in Staffel 1 bis zum großen Finale am Ende von Staffel 2 immer dichter und komplexer wird, und brillant versteckte popkulturelle Anspielungen zu einer einzigartigen Melange. Was leicht so düster hätte werden können wie <a href="/film-kritiken-trailer/stranger-things"><em><strong>Stranger Things</strong></em></a> ist stattdessen eher (der Titel lässt es erahnen) schräg und mysteriös wie <a href="/film-kritiken-trailer/twin-peaks-staffel-3"><em><strong>Twin Peaks</strong></em></a>, aber zugleich eine hell leuchtende, sehr, sehr witzige Serie für etwas ältere Kinder und begeisterungsfähige Erwachsene. Mit Zombies.</p> <p>Wobei diese schon in der ersten Folge dann eben nicht vorkommen: Denn Alex Hirsch, der die Serie erfunden hat, spielt erst einmal mit Erwartungen und Stereotypen im Kopf seiner Figuren. Die zwölf Jahre alten Zwillinge Dipper und Mabel Pines müssen die Sommerferien statt daheim in Kalifornien bei ihrem Großonkel (abgekürzt: „Gronkel“) Stan verbringen, der tief in den Wäldern von Oregon in der Nähe des Örtchens Gravity Falls ein Kuriositätenkabinett betreibt – ein Haus voll seltsamer Objekte und angeblich magischer oder gar außerirdischer Artefakte, für das er natürlich reichlich Eintritt nimmt. In den USA nennt man solche Orte wie den „Mystery Shack“ dann „roadside attractions“, also kleine Sehenswürdigkeiten für die Menschen auf Durchreise.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/FtGQfatWL0o?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Dipper hat aber schnell das Gefühl, dass in Gravity Falls wirklich etwas nicht ganz stimmt – vor allem nachdem er ein seltsames Buch findet, das übernatürliche Phänomene im Ort und seinen Wäldern beschreibt. Als seine Schwester vom örtlichen Friedhof einen seltsam leblos wirkenden Verehrer mitbringt, vermutet Dipper sofort einen gefährlichen Zombie hinter dem jungen Mann im Hoodie. Er bricht auf, um seine Schwester vor dem Untoten zu retten – und muss ihr stattdessen dabei helfen, der Zwangsverheiratung mit einem ganzen Stamm Gnome zu entgehen, die Mabel zu ihrer Königin machen wollen.</p> <p> </p> <h4>Die schönsten Pullover dieser Welt</h4> <p><em><strong>Willkommen in Gravity Falls</strong></em> ist voll von solchen Momenten, in denen die Erwartungen des Publikums gedreht werden – und ergänzt das durch brillant erzählte kleine (und zunehmend große) Geschichten, durch viel Wortwitz und vor allem seine großartigen Figuren. Nur selten findet man kindliche Charaktere von solcher Komplexität in einer primär sehr lustigen Kinderserie.</p> <p>Dipper scheint über weite Strecken der Serie die Handlung voranzutreiben: Seine Suche nach den Geheimnissen von Gravity Falls, vor allem durch das Notizbuch angetrieben, schiebt oft genug die Handlung einzelner Geschichten an. Vor allem aber ist er – <em><strong>Gravity Falls</strong></em> ist immer, in jeder einzelnen Folge, auch ein wenig Coming-of-Age-Geschichte – ein Junge, der gerne schon älter wäre, der sich in die etwas ältere Wendy verliebt, die in Stans „Mystery Shack“ arbeitet, der sich fragt, was eigentlich einen richtigen Mann ausmacht. In mehreren Folgen geht es, zwar sehr explizit, aber nie pädagogisch, sondern eher so durchgeknallt wie pointiert um Männlichkeit, um Gefühle und all das, was einen Fast-Teenager beschäftigt; die Serie schafft es sogar, völlig organisch eine ganze Episode über „Pickup Artists“ einzubinden, also jene Männer, die meinen, man könne Frauen mit bestimmten Tricks reihenweise ins Bett kriegen und sollte sie dabei möglichst wenig als vollwertige Menschen betrachten.</p> <figure role="group"><img alt="Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL" data-entity-type="file" data-entity-uuid="42ee52b5-f011-46a7-9111-2ab94f4885d1" src="/sites/default/files/inline-images/142020_0026.jpg" /><figcaption>Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL</figcaption></figure><p>Wenn es irgendeines Beweises bedürfte, dass solches Verhalten in <em><strong>Gravity Falls</strong></em> nicht belohnt wird, dann gäbe es das in Dippers Zwillingsschwester Mabel: Sie ist das wunderbarste Geschöpf in diesem großartigen Kosmos. Selbstbewusst, sehr albern, mutig und wesentlich stärker in sich ruhend als ihr womöglich ein paar Millimeter kleinerer Bruder. Mabel schwärmt in einem Moment für alle Mitglieder einer sehr generischen Boyband gleichzeitig und schwingt sich im nächsten, alle Gefahren missachtend, an einem Enterhaken aus dem Fenster. Darüber hinaus liebt sie Einhörner und trägt <a href="http://gravityfalls.wikia.com/wiki/List_of_Mabel%2527s_sweaters">die großartigsten Pullover</a> seit Erfindung dieses Kleidungsstückes.</p> <p>Man könnte sich noch stundenlang über die beiden freuen, oder auch über die Nebenfiguren. Da ist natürlich Gronkel Stan, der zunächst vor allem grimmig, unfreundlich und geizig wirkt – und mit jeder Folge an Tiefe und Komplexität gewinnt, bis er eine der liebenswertesten und selbstlosesten Figuren der Serie wird. Sein Gehilfe Soos (Kosename für Jesús), ein Slacker im Geiste wie in Körperform, aber gutmütig und treu. Und schließlich die bereits erwähnte Wendy, in die Dipper sehr verschossen ist – eine patente, sehr gelassene Teenagerin mit eigentümlichen Freunden, und eine weitere großartige Frauenfigur neben Mabels etwas jüngeren Freundinnen Candy und Grenda.</p> <p> </p> <h4>Bis zum Ende der Welt</h4> <p>Je mehr der ganze Ort Gravity Falls in geradezu interdimensionale Abenteuer hineingezogen wird, desto reicher und diverser wird all das, was wir als Zuschauer_innen zu sehen bekommen. Irgendwann wird klar, dass die beiden unfähigen Polizisten des Ortes nicht nur sehr gute Freunde sind, sondern wirklich nicht ohne einander sein wollen und können, und dass selbst so Antagonist_innen wie Pacifica und Gideon (Mabels Erzfeindin und ihr schleimigster Verehrer) auch andere Seiten haben.</p> <figure role="group"><img alt="Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL" data-entity-type="file" data-entity-uuid="af3a5ddc-5d6b-43d9-ad7d-c3c8bc3fd9f3" src="/sites/default/files/inline-images/maxresdefault.jpg" /><figcaption>Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL</figcaption></figure><p>Man kann <em><strong>Willkommen in Gravity Falls</strong></em> mit allen möglichen, auch politischen Vokabeln bekleben: Die Serie ist feministisch, progressiv, offen für unterschiedliche Identitäten. Aber das geht am Kern vorbei. Der eigentliche Trick in Alex Hirschs Geschichten ist nämlich, dass die Figuren sich aus einer grundlegenden Haltung heraus weiterentwickeln: Der Bereitschaft, empathisch aufeinander zuzugehen. So muss man gar nicht mit allen Monstren kämpfen, seien sie menschlich oder anders: Es reicht oft genug, ihnen zuzuhören und ihnen einen Ausweg aus selbstgewählten Qualen aufzuzeigen.</p> <p>Füreinander da zu sein: Das ist in allen einzelnen Folgen und auch in seinem grandiosen Finale der Kern, der Dreh- und Angelpunkt dieser Serie. Am Schluss wird es nämlich richtig düster, es droht nicht weniger als das Ende der Welt – aber da werden auch die meisten Kinder schon so viel Vertrauen in die Serie gewonnen haben, dass sie über lange vier Folgen die beginnende Apokalypse aushalten können in der Gewissheit: Nächstenliebe siegt.</p> <p>Am Ende der zweiten Staffel ist ein großer Sommer in Gravity Falls vorbei, aus den Kindern werden am letzten Sommertag Teenager, und alle sind gewachsen. Und eine kleine Trickfilmserie namens <em><strong>Willkommen in Gravity Falls</strong></em> hat die Kraft, auch erwachsenen, sehr abgebrühten Filmkritikern Tränen des Glücks in die Augen treiben zu können.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/personen/alex-hirsch" hreflang="de">Alex Hirsch</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/rochus-wolff" hreflang="de">Rochus Wolff</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kinder" hreflang="de">Kinder</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/tv-serie" hreflang="de">TV-Serie</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/animation" hreflang="de">Animation</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/disney" hreflang="de">disney</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/mystery" hreflang="de">Mystery</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43016&amp;2=comment&amp;3=comment" token="GZlKMJhePkkm_Ddnnw5spBoUubcYwVjo3QrdcFPzsWU"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/haus-voller-wunder-und-geheimnisse" data-a2a-title="Haus voller Wunder und Geheimnisse"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/rochus-wolff-0" hreflang="de">Rochus Wolff</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-24T13:45:01Z">24.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>*Willkommen in Gravity Falls*. Hier finden Sie Kinder mit Herz, Mut und seltsamen Hobbies. Disney hat eine der besten Kinderserien der letzten Jahre im Übergang zwischen den Dimensionen geparkt.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Wed, 18 Jul 2018 10:29:01 +0000 KatrinDoerksen 43016 at https://www.kino-zeit.de Gefühlte und tatsächliche Wahrheiten https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/gefuehlte-und-tatsaechliche-wahrheiten <span>Gefühlte und tatsächliche Wahrheiten</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>03.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Eigentlich wusste ich ja, dass es weniger Frauen in der Filmkritik gibt. Wenn ich mich zurückerinnere, gab es in den vergangenen Jahren eine Pressevorführung, bei der ich den Eindruck hatte, dass Frauen ungefähr die Hälfte aller Anwesenden, vielleicht sogar etwas mehr ausmachen: bei Amy Schumers <a href="/film-kritiken-trailer/i-feel-pretty"><strong>I Feel Pretty</strong></a>. Dagegen begrüßte mich eine Kollegin zu der PV von <strong><a href="/film-kritiken-trailer/rogue-one-a-star-wars-story">Star Wars: Rogue One</a> </strong>mal mit den Worten, „Herzlichen Glückwunsch, Du hast soeben die Frauenquote auf ungefähr 10 Prozent erhöht“.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/los_olympicstrlr_a52f63ed-e1473246618853.jpg?itok=EjiyTVI4" width="940" height="530" alt="Rogue One: A Star Wars Story von Gareth Edwards" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">The Walt Disney Company Germany GmbH</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Rogue One: A Star Wars Story von Gareth Edwards</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Sich bei Pressevorstellungen umzusehen reicht zunächst einmal, um subjektiv festzustellen, dass mehr Männer anwesend sind. Bei manchen Filmen – gerade im Spannungsbereich – stelle ich zuweilen einen eklatanten Unterschied fest, bei anderen Genres etwas weniger. Aber das sind eben nur Beobachtungen, die ich – und andere Kolleginnen – machen, in deutschen Großstädten. Doch nun hat eine <a href="https://annenberg.usc.edu/news/research/report-critiques-inclusion-among-film-critics">Studie der </a><em><a href="https://annenberg.usc.edu/news/research/report-critiques-inclusion-among-film-critics">USC Annenberg Inclusive Initiative</a> </em>das Geschlecht und die Ethnizität der AutorInnen untersucht, deren Kritiken bei Rotten Tomatoes bei den 100 Filmen mit den höchsten Einspielergebnissen angegeben sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von den 19,559 Kritiken stammen 77,8 Prozent von Männern, 82 Prozent von Weißen. Weiße Männer schreiben 63,9 Prozent dieser Kritiken, <em>Women of Color </em>4,1 Prozent. (Weiße Frauen 18,1 Prozent; <em>Men of Color </em>13,8 Prozent). </p> <p>Mein erster Impuls war: Natürlich, nun tut alle nicht überrascht! Endlich stand dort schwarz auf weiß, was ich gefühlt schon immer als wahr empfunden habe. Natürlich kann man Einwände gegen das methodische Vorgehen der Studie haben, natürlich könnte man anführen, dass das Problem vielleicht bei Rotten Tomatoes liegt. Aber es reicht schon ein Blick in die Kinoseiten deutschsprachiger Tageszeitungen oder fast jedes Online-Magazin um festzustellen, dass sich überall ein ähnliches Bild bietet. Nicht nur beschränkt auf das Kino – auch <a href="https://www.theguardian.com/books/2018/jun/19/vida-survey-of-gender-bias-in-literary-criticism-shows-stubborn-imbalance">Zahlen hinsichtlich der Literaturkritik</a> stellen fest, dass weiße, männliche Kritiker in der weit überwiegenden Mehrheit sind.</p> <figure role="group"><img alt="I Feel Pretty; Copyright: Concorde Filmverleih" data-entity-type="file" data-entity-uuid="5307ce0b-b33a-4227-a371-7aa982428e35" src="/sites/default/files/inline-images/Beitrag-1.jpg" /><figcaption>I Feel Pretty; Copyright: Concorde Filmverleih</figcaption></figure><p>Diese Studie ist nun hoffentlich ein weiterer Impuls, auf solche Dinge zu achten. Langsam entsteht zumindest bei Kritikerspiegeln, die gerne zu großen Filmfestivals zusammengestellt werden, ein Bewusstsein, dass man auf die Zusammensetzung der Jury achten sollte und nicht einfach seine Kumpels fragt. Erste Anzeichen gab es in Cannes, dort erzählten manche Kolleginnen, dass sie angefragt wurden, weil Publikationen gemerkt haben, dass ihr Kritikerspiegel viel zu männlich ist. Dass der Weg zu gleicher Repräsentation noch weit ist, bleibt davon ja unbenommen. </p> <p>Außerdem gab es auch innerhalb der Filmindustrie weitere Bemühungen, für mehr Diversität zu sorgen. Brie Larson verkündete bei den Crystal + Lucy Awards, dass das Sundance und Toronto Film Festival sicherstellen wollen, dass "at least 20 percent of their top-level press passes will go to underrepresented critics." Das ist ein begrüßenswertes Bestreben, zumal es nach einiger Kritik auch dahingehend erweitert wurde, dass diese KritikerInnen finanziell unterstützt werden. Das ist ein Aspekt der filmkritischen Festivalarbeit, über den nur selten öffentlich gesprochen wird: Ich muss es mir leisten können, zu einem Festival zu fahren. Reisen, Unterkunft, Verpflegung vor Ort kosten Geld; Akkreditierungen ebenso – und wenn mir dann Auftraggeber fehlen, ist es schlichtweg schon finanziell nicht zu stemmen. Hinzu kommen Hindernisse wie fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder – oder aber das Verbot, an bestimmten Orten zu stillen. </p> <figure role="group"><img alt="Das Zeiträtsel; Copyright: Disney" data-entity-type="file" data-entity-uuid="3dac1f34-ea70-49ac-a92e-91784e9da009" src="/sites/default/files/inline-images/AWrinkleInTime5a78977b4bec7_2.0.jpg" /><figcaption>Das Zeiträtsel; Copyright: Disney</figcaption></figure><p>Brie Larson sagte an diesem Abend in Los Angeles aber noch etwas anderes: Sie brauche keinen 40-jährigen weißen Mann, der ihr erzählt, dass <strong>Das Zeiträtsel </strong>für ihn nicht funktioniere. Dieser Film sei nicht für ihn gemacht. Sie will lesen, was <em>Women of Color </em>dazu schreiben, oder Kinder <em>of Color, </em>für die der Film ja gemacht wurde. Und ab hier wird es gefährlich. Fakt ist: <em>People of Color </em>und insbesondere <em>Women of Color </em>sind in allen Bereichen der Filmindustrie und auch der Filmkritik eklatant unterrepräsentiert. Daran muss sich etwas ändern. Doch diese Aussage weist in eine andere Richtung: Es gebe ein „richtiges“ Publikum für Filme und ein falsches. Will ich lesen, was eine <em>Women of Color </em>zu <strong><a href="/film-kritiken-trailer/a-wrinkle-in-time">Das Zeiträtsel</a> </strong>zu sagen hat? Natürlich. Aber genauso will ich lesen, was eine <em>Women of Color </em>zu <strong><a href="/film-kritiken-trailer/avengers-infinity-war">Avengers: Infinity War</a> </strong>zu sagen hat. Oder zu <strong>I Feel Pretty</strong>. Oder zu <strong><a href="/film-kritiken-trailer/mackie-messer-brechts-dreigroschenfilm">Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm</a>. </strong>Will ich lesen, was <strong>Das Zeiträtsel</strong> für ein Mädchen <em>of Color </em>bedeutet? Natürlich. Aber nicht als Ersatz für eine Filmkritik. Kinder sind das intendierte Publikum, aber sie können auch bei einem Kinderfilm nicht alle Implikationen sehen. Weil sie Kinder sind. </p> <p>Doch es ist nicht nur Brie Larson, die zu diesem wenigstens ungeschickten Argument greift. Nach den durchwachsenen Reaktionen auf <strong><a href="/film-kritiken-trailer/ocean-s-eight">Ocean’s 8</a> </strong>sagten Mindy Kaling und Cate Blanchett, dass die Dominanz weißer Kritiker unfair sei. Doch hier werden zwei Dinge vermischt: Die Dominanz weißer Kritiker auf Seiten wie Rotten Tomatoes muss hinterfragt und geändert werden, zumal diese Aggregatorenseite sehr viel Einfluss gerade in den USA hat. Außerdem gibt es keine objektive Filmkritik, deshalb glaube ich, dass es Filme gibt, die ich anders sehe, weil ich eine Frau bin – und deshalb anders sozialisiert bin. Aber nur weil ich eine Frau bin, wird ein schlechter Film mit einer weiblichen Besetzung nicht besser. <strong>Ocean’s 8 </strong>scheitert an einem allzu lieblosen Drehbuch, nicht an dem Geschlecht des Kritikers. (Das zeigen ja beispielsweise auch die Kritiken von Jia Tolentino im <a href="https://www.newyorker.com/culture/culture-desk/anne-hathaway-wins-oceans-8"><em>New Yorker</em></a><em> </em>, Manohla Dargis in der <a href="https://www.nytimes.com/2018/06/05/movies/oceans-8-review-sandra-bullock-rihanna.html"><em>New York Times</em></a><em> </em>oder Stephanie Zackare im <em><a href="http://time.com/5303837/review-oceans-8/">Time</a> </em>Magazin.<em> </em></p> <figure role="group"><img alt="Ocean's 8; Copyright: Warner Bros." data-entity-type="file" data-entity-uuid="1cf1e40c-445a-4d4b-8bad-5ce88d191783" src="/sites/default/files/inline-images/oceans-8_sz-862039.jpg" /><figcaption>Ocean's 8; Copyright: Warner Bros.</figcaption></figure><p>In dieser Wahrnehmung schwingt etwas mit, was mich sehr ärgert. Es gibt in der Kritik sowohl von Literatur als auch Film trotz aller Reflexion weiterhin eine Einteilung zwischen Frauen- und Männerthemen, Frauen- und Männerfilmen, Frauen- und Männergenres. Sehr verkürzt dargestellt gibt es durch die jahrhundertelange Ansammlung von Deutungshoheit und Macht bei (weißen) Männern weiterhin die Wahrnehmung, Männerthemen seien gesellschaftlich relevant und wichtig, Frauenthemen seien, nun ja, eben für Frauen wichtig. Deshalb sind Filme, die von politischen Verschwörungen und Atombomben erzählen, gesellschaftlich relevanter als ein Drama über eine überforderte Pflegerin im Altenheim. An dieser Einteilung muss sich etwas ändern – und das wird unter anderem durch diverse Stimmen in der Filmkritik geschehen. Deshalb ist es wichtig, viele Stimmen zu haben, die den Diskurs und die Deutungshoheit verändern – nicht, um Marketing für einen Film zu machen.</p> <p>Und hier ist noch sehr viel zu tun: Trotz leichter Besserungen haben weiterhin viele Filme ein bestenfalls bedenkliches Frauenbild – und ich glaube, viele männlichen Kollegen stören sich daran weniger. (Falls es gesagt werden muss: natürlich trifft das nicht auf alle Männer zu.) Das hat viel mit Empathie zu tun, lässt sich aber mühelos auf die Repräsentation von behinderten Menschen, <em>People of Color</em>, <em>LGTBQI-Personen </em>ausweiten. Weiterhin ist die Default-Einstellung dieser Welt männlich und weiß. Und je mehr diverse Stimmen es in der Filmkritik gibt, desto eher wird sich daran etwas ändern. Gerade in der Filmkritik ist es wichtig, dass Blindstellen aufgedeckt werden. Filmkritik hängt immer mit der Sozialisation zusammen. Das ist der subjektive Anteil: Mein Aufwachsen, meine Seh-Biografie, mein Umfeld beeinflussen meine Wahrnehmung – und deshalb spielt Gender hier natürlich eine Rolle. Jedoch ist eine diversere Kritik kein Garant für positive Kritiken. </p> <figure role="group"><img alt="Wonder Woman; Copyright: Warner Bros." data-entity-type="file" data-entity-uuid="023d3da1-55a7-4729-b024-fd880f396d91" src="/sites/default/files/inline-images/1-format43.jpg" /><figcaption>Wonder Woman; Copyright: Warner Bros.</figcaption></figure><p>Dahinter steckt ein Anspruchsdenken, das mit Dankbarkeit zu tun hat: Bejubele gefälligst <strong>Ocean’s 8, </strong>denn es ist endlich einmal ein <em>Heist</em>-Film mit Frauen! Aber es ist ja nicht so, als würden Hollywoodstudios diese Filme aus altruistischen Gründen drehen – und selbst falls das der Grund wäre: Die Absicht eines Films ändert nichts an seiner Qualität. Deshalb kann ich begeistert sein, mit <strong><a href="/film-kritiken-trailer/wonder-woman">Wonder Woman</a> </strong>endlich eine Superheldin auf der Leinwand zu sehen, aber genauso die Schwächen des Films erkennen. Es geht dann genau darum, diese Begeisterung zu reflektieren und zu hinterfragen. Gute KritikerInnen wissen nicht, wie ein Film bei jemand anderem ankommt. Aber sie versuchen sich vorzustellen, wie er ankommen könnte. Sie kennen den Unterschied zwischen persönlichem Geschmack und einem ästhetischen Urteil; sie würden nicht einen Film aufgrund eines Genres ablehnen oder bejubeln. </p> <p>Wenn es nun aber heißt, Filme „seien für mich gemacht“, dann fühle ich mich als Kritikerin weniger ernst genommen. Denn darin schwingt auch die Annahme mit, ich sei nur deutungsbefugt und -relevant, wenn es um Filme geht, die für mich und meinesgleichen gedacht sind. Dieses Argument kann dann bei jeder Kritik angebracht werden; letztlich bedeutet dann jede schlechte Kritik, dass sie einfach nicht von der Zielgruppe kommt. Aber es geht bei Filmkritik nicht um Zielgruppen. Das ist Marketing. Bei Kritik geht es um die Kunst. Ich brauche keine eigenen Filme, ich brauche gute Filme. Wenn ich eines gerne getan hätte, dann <strong>Das Zeiträtsel </strong>und <strong>Ocean’s 8 </strong>abzufeiern. Aber ich bin nicht blind, nur weil ich zwei X-Chromosomen habe.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/sonja-hartl" hreflang="de">Sonja Hartl</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/brie-larson" hreflang="de">Brie Larson</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/studie" hreflang="de">Studie</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/filmkritik" hreflang="de">filmkritik</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/diversitaet" hreflang="de">Diversität</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/gleichberechtigung" hreflang="de">Gleichberechtigung</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/frauen" hreflang="de">Frauen</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42875&amp;2=comment&amp;3=comment" token="HjCtQH-IaxajpWMMWCeitbB4nZhc9FeD_j56QRaac6c"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/gefuehlte-und-tatsaechliche-wahrheiten" data-a2a-title="Gefühlte und tatsächliche Wahrheiten"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/sonja-hartl-1" hreflang="de">Sonja Hartl</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-09T14:00:00Z">09.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Eine Studie hat nun bestätigt, dass Frauen und <em>People of Color </em>in der Filmkritik fehlen - und seither wird dieses Fehlen als Erklärung für schlechte Kritiken bei manchen Filmen angeführt. Aber die Idee, es gebe „richtige“ und „falsche“ KritikerInnen für Filme, ist gefährlich und ignorant, findet unsere Kolumnistin Sonja Hartl.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Tue, 03 Jul 2018 09:10:45 +0000 KatrinDoerksen 42875 at https://www.kino-zeit.de Brüderspiele https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/bruederspiele <span>Brüderspiele</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>25.06.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Während in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft gefeiert wird, sitzt der ukrainische Filmemacher Oleh Senzow seit nun 4 Jahren in Haft. Seit über 25 Tagen ist er im Hungerstreik. Auf den Straßen Russlands wird gesungen, gelacht und das eigene Team angefeuert. Nicht von einzelnen Personen, sondern von der Weltöffentlichkeit.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-06/Oleg_Sentsov%2C_Ukrainian_political_prisoner_in_Russia%2C_2015.JPG?itok=lIyWRzdM" width="940" height="530" alt="Senzow in Haft, 2015" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Antonymon - CC BY-SA 4.0</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Senzow in Haft, 2015</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Zwar gibt es Kundgebungen, die die Öffentlichkeit gerade jetzt zu diesem Thema mobilisieren wollen, doch was davon in der Strafanstalt Senzows in Irkutsk ankommt, ist unklar. Genauso unklar ist mittlerweile auch das Überleben des Filmemachers. Ob er stirbt oder lebt, liegt in den Händen einzelner. Vielleicht kann man tatsächlich nicht viel für Senzow aus der deutschen Entfernung tun. Man kann jedoch seiner Arbeit gedenken und auch fantasieren, was in den vergangenen Jahren noch alles hätte passieren können. </p> <p> </p> <h4><strong>Lieber sterben, als gehorchen</strong></h4> <p>Senzow wurde in der Hauptstadt der autonomen Region Krim, Simferopol, geboren. Dort drehte er auch seinen ersten Film <strong>Gamer,</strong> der 2012 auf dem Internationalen Filmfestival Rotterdam Premiere feierte. Positive Kritikerstimmen, Auszeichnungen, gar Vergleiche mit dem legendären russischen Regisseur Alexei Balabanow versprachen eine sichere Filmkarriere. Balabanow gab einst dem russischen Film der 1990er Jahre eine neue Perspektive und den russischen Zuschauern ein Ventil, mit den Verlusten und der Brutalität dieser Zeit umzugehen. Kein Kompliment, das zufällig oder unbedacht gemacht wird. Schon plante Senzow seinen nächsten Film <strong>Rhino</strong>. Doch als die ukrainische Regierung 2013 überraschend ankündigt, das lang erwartete Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorerst nicht unterzeichnen zu wollen, unterbricht Senzow die Arbeit am Film, um Teil der Euromaidan-Bewegung zu werden. In der Endphase dieser Krise beginnt der Krimkonflikt. Russland annektiert in kürzester Zeit die Krim, entgegen allen UN-Resolutionen. Und Senzow ist mittendrin und liefert Lebensmittel und Vorräte an Soldaten auf von russischen Einheiten blockierten ukrainischen Krim-Basen. Öffentlich erklärt er, die Krim nicht als Teil der Russischen Föderation anzuerkennen. </p> <figure role="group"><img alt="Gamer von Oleh Senzow; Copyright: Cry Cinema" data-entity-type="file" data-entity-uuid="99e08023-9ce3-4a89-a1f0-ad5a9c84b9be" src="/sites/default/files/inline-images/4fcf9d660236ddb62c8456017158615a_XL.jpg" /><figcaption>Gamer von Oleh Senzow; Copyright: Cry Cinema</figcaption></figure><p>So wird <strong>Rhino </strong>niemals fertig. Am 11. Mai 2014 wird Senzow wegen des Verdachts der Planung terroristischer Handlungen verhaftet und nach Moskau überstellt. Vorgeworfen wurde Senzow, Terroranschläge auf Brücken, Stromleitungen und öffentliche Denkmäler vorbereitet zu haben. Der Prozess dauert etwa ein Jahr. Dann wird Senzow zu 20 Jahren Lagerhaft verurteilt. Ungläubig appellieren Künstler aus aller Welt über Jahre hinweg, das Urteil fallen zu lassen. Senzow gibt bald gewissermaßen auf, will jedoch die Kontrolle über sein Leben behalten. Lieber sterbe er in Würde, als 20 Jahre lang dahinzusiechen, schreibt er in einem Brief in die Freiheit. </p> <p> </p> <h4><strong>Spielerträume </strong></h4> <p><strong>Rhino </strong>hätte das Potenzial, eine mythische Figur der Filmwelt zu werden. Denn der Vergleich von Regisseur Senzow zu Alexei Balabanow ist mehr als gerechtfertigt. Beide haben es in ihren Filmen geschafft, die Essenz der zeitgenössischen Jugend einzufangen, eine schwierige politische Zeit bis aufs Schmerzhafteste zu verdichten. In <strong>Gamer </strong>schildert Senzow das Leben des jungen Ljescha, der von seinen Freunden Koss genannt wird. Ljescha ist lethargisch, geradezu statisch und scheint immer neben sich zu stehen. Doch er hat einen Traum: er will professioneller Gamer werden. Dafür verbringt er all seine Zeit in Computerclubs. Dort lässt er auch das wenige Geld, das er hat. Die Abgeschiedenheit des Gamerlebens beruhigt ihn. Als könnte er nur da träumen von einem selbst, das er von sich in Realität nicht kennt. Statt dunklen Gängen und Gewehren erscheint er sich im Spiel manchmal selbst. Auf einer Schaukel oder vor einer Wiese. Bald fliegt Ljescha aus der Fachhochschule. Seine alleinerziehende Mutter ist ratlos. Nur Ljescha scheint zu wissen, was er machen muss: Spielen. </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/n4Ym2BSgWIk?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p>Dabei ist er so sehr in das Spiel vertieft, dass er nicht merkt, dass seine alte Schulfreundin Katja in ihn verliebt ist. Oder dass seine Freunde ihn sehr gern haben. Wenn er mit seinen Freunden oder seiner Mutter ist, dann ist er nicht wirklich da. Unbeweglich steht er in der Gegend und weiß selbst nicht, wie es um ihn geschieht. Alle scheinen etwas von ihm zu wollen und nur Ljescha selbst will eigentlich nichts. Außer spielen. Als der Traum in Erfüllung zu gehen scheint und Ljescha zu einem Wettbewerb nach Los Angeles eingeladen wird, glaubt man, das gute Ende nahe. Doch Ljescha wird nur zweiter. Ein Schlag, mit dem er nicht umgehen kann. Und von da geht es für ihn abwärts. Ljescha findet sich zunehmend in einer Welt, die er nicht versteht. Und die Welt versteht ihn genauso wenig. </p> <p> </p> <h4><strong>Rückkehr ins Leere </strong></h4> <p>Oleh Senzow hat selbst einmal einen Computerclub besessen. Dann wollte er einen Film machen. Einfach aus dem Nichts. Also verkaufte er alles und drehte <strong>Gamer </strong>als No-Budget-Produktion. Sein Held Ljescha erinnert sehr an den jungen Danila aus Balabanovs <strong>Bruder</strong>. Danila kehrte Mitte der 1990er Jahre aus dem Tschetschenien-Krieg zurück in eine Welt, die er ebenso wenig verstand wie Ljescha seine. Danila konnte nur das, was er im Krieg gelernt hatte, und überlebte so in der post-sowjetischen Großstadt. Dabei blieb er bis zum Ende genauso statisch wie Ljescha. Man könnte beide kein Stück von der Stelle bewegen. Es sei denn, sie wollten es selbst so. Für Ljescha gab es keinen Krieg, aus dem er zurückkehren konnte. Sein Kampf ist der leere Alltag einer Welt, von der er kein Teil mehr sein will. Nicht, weil er nicht leben will, sondern weil er dieses Leben nicht will. Beinahe prophetisch ist der Film, so wäre der junge Ljescha nur ein paar Jahre später während der Krimkrise Soldat geworden. Wer weiß, auf welcher Seite. </p> <figure role="group"><img alt="Bruder von Alexei Balabanow; Copyright: Kino International" data-entity-type="file" data-entity-uuid="67c8027e-eece-44b1-b2db-983bfdccea8c" src="/sites/default/files/inline-images/image-w1280.jpg" /><figcaption>Bruder von Alexei Balabanow; Copyright: Kino International</figcaption></figure><p>Man kann sich nur fragen, welche Realität Senzow uns in <strong>Rhino </strong>aufgezeigt hätte. Ein brutaler Durchbruch eines wilden Tieres in Richtung Zukunft oder doch eher ein Schlag zurück in eine Vergangenheit, die man hätte gerne zurücklassen wollen. Würde man <strong>Bruder </strong>und <strong>Gamer</strong> zeitlich umkehren, so hätte Ljescha auch der junge Danila sein können. Einer der die Welt nicht verstand, bis er Soldat wurde. Senzow verhungert, Balabanov ist tot. Die traurige Realität von Menschen, die ihre Umwelt nicht verstanden haben, ist aus dem Kino ins Leben der Filmemacher übergeschwappt. Beide Filme haben jedoch ein Bewusstsein zurückgelassen: Am Ende sind Soldaten auch nur Spielfiguren. </p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/personen/oleg-sentsov-1" hreflang="de">Oleg Sentsov</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/aleksey-balabanov" hreflang="de">Aleksey Balabanov</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/ukraine" hreflang="de">Ukraine</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/russland" hreflang="de">Russland</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/maidan" hreflang="de">Maidan</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/gefangenschaft" hreflang="de">Gefangenschaft</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/menschenrechte" hreflang="de">Menschenrechte</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42799&amp;2=comment&amp;3=comment" token="OcNnNTVgQAGEfjFIoWS1l7seBWYHJt9Rmny8dybw3_c"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/bruederspiele" data-a2a-title="Brüderspiele"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/olga-galicka-0" hreflang="de">Olga Galicka</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-06-29T06:00:00Z">29.06.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Während alle die WM feiern, verhungert der Filmemacher Oleh Senzow im Gefängnis. Olga Galicka spricht in ihrer Kolumne über seine Arbeit und ihre Bedeutung für die zeitgenössische Realität.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Mon, 25 Jun 2018 07:59:34 +0000 KatrinDoerksen 42799 at https://www.kino-zeit.de Die neue Idee des Bösen https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/die-neue-idee-des-boesen <span>Die neue Idee des Bösen</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>18.06.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Wenn man Horrorfilme mag, gerät man oft und schnell in Erklärungsnot. Wieso denn gerade Horror? Das ist doch voll gruselig/grausam/verstörend – oder total unglaubwürdig/dumm/vorhersehbar! Ja, das stimmt bedauerlicherweise ziemlich oft. Vermutlich muss man sich in keinem anderen Genre durch so viel kinematografischen Unrat wühlen, um gelegentlich mit einem richtig guten Werk belohnt zu werden. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-06/KolumneHeader.jpg?itok=89ocEf0i" width="940" height="530" alt="Hereditary - Bild" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Splendid Film/24 Bilder</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Toni Collette in &quot;Hereditary – Das Vermächtnis&quot;</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Doch was macht ein Werk zu einem „guten“ Werk? Das ist schwer in Worte zu fassen. Gewiss hat es etwas damit zu tun, ob ein Film mir etwas Neues bietet – beziehungsweise einen neuen Zugang zu etwas Altem findet. Im Bereich des Horrors bedarf es natürlich stets einer Bedrohung. Und es muss Figuren geben, die damit konfrontiert werden.</p> <p>Etliche Genre-Vertreter begehen den Fehler, das eine oder das andere allzu nachlässig zu zeichnen. Öde Spukgestalten mit austauschbarer Agenda in einem beliebigen <i>haunted house</i>, stumme Maskenmänner ohne Charakter in irgendwelchen Vorstädten oder Hütten im Wald, computeranimierte Monster aus den Tiefen des Meeres<b> </b>oder den Weiten des Alls, die letztlich immer an die Kreationen von HR Giger erinnern, jedoch nie deren Wucht erreichen … Das und Ähnliches genügt mir – und sicher auch vielen anderen – leider nicht, um intensive Spannung zu verspüren. Ebenso vermag das reizvollste Horror-Setting und die schaurigste Gefahr nicht recht zu wirken, wenn ein Personal zum Einsatz kommt, das mich überhaupt nicht interessiert: törichte Nervensägen, deren Handeln ich nicht nachempfinden kann, oder soapig agierende Familienmitglieder, an deren Verhalten mir gar nichts lebensecht erscheint.</p> <p> </p> <h4><b>Menschen in Angst</b></h4> <p>Was komplexe Horrorfilmfiguren betrifft, fallen mir insbesondere die Protagonist_innen aus den 1970er Jahren ein: etwa die von Ellen Burstyn mit Verzweiflung, Wut und bewundernswerter Energie gespielte Chris MacNeil in William Friedkins <b><a href="/film-kritiken-trailer/der-exorzist">Der Exorzist</a> </b>(1973), deren jugendliche Tochter Regan (Linda Blair) plötzlich von einem Dämon besessen ist, oder der wasserscheue, zurückhaltende Chief Martin Brody (Roy Scheider) und seine beiden aggressiveren Mitstreiter Captain Quint (Robert Shaw) und Matt Hooper (Richard Dreyfuss) im Kampf gegen einen sehr gefräßigen<b> weißen Hai</b> (1975).</p> <figure role="group"><img alt="Ellen Burstyn in Der Exorzist; Copyright: Warner Bros. Entertainment" data-entity-type="file" data-entity-uuid="2f228326-f21b-4f2c-92b0-a33c06266896" src="/sites/default/files/inline-images/Exorzist.jpg" /><figcaption>Ellen Burstyn in <strong>Der Exorzist</strong>; Copyright: <em>Warner Bros. Entertainment</em></figcaption></figure><p> </p> <p>Dies sind Figuren, um deren Wohl ich beim (wiederholten) Zuschauen tatsächlich gebangt habe, da ich mich gänzlich in deren Situationen hineindenken konnte, obschon mein Leben ein völlig anderes ist. Es sind Menschen mit Ecken und Kanten, die eigentlich auch ohne Dämonen oder Haie schon genug glaubhafte, nachvollziehbare Ängste und Probleme haben und nun in Extremsituationen geworfen werden, in welchen sie sich behaupten müssen.</p> <p>Die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, finde ich ebenfalls klug gewählt. Gewiss ist <b>Der Exorzist </b>in der Entfaltung seiner Geschichte dramaturgisch ziemlich uneben – und gewiss arbeitet <b>Der weiße Hai </b>mit einer offensichtlichen Attrappe und bedient sich einer reichlich übertriebenen Dämonisierung des titelgebenden Tieres. Doch die Art und Weise, wie die Gefahr in das städtische Heim oder den idyllischen Badeort dringt, hat(te) für mich etwas zutiefst Erschreckendes, weil das Umfeld von Chris und Regan beziehungsweise von Martin und dessen Familie individuell ausgestaltet wird. Es ist <i>deren</i> Leben, das hier völlig zerstört werden könnte; es ist <i>deren</i> drohender Verlust, dem sich die Filme ganz konkret widmen.</p> <p> </p> <h4><b>Der (grausame) Zufall möglicherweise</b></h4> <p>Was indes bei aller ausgefeilten Figuren- und Milieuzeichnung in diesen Filmen bleibt, ist die Zufälligkeit. Statt Chris und Regan oder Martin hätte es auch andere Leute treffen können, die sich mit dem Dämon Pazuzu oder dem hungrigen Killerfisch abquälen müssen. Das Böse hat im Grunde gar nichts mit den Personen, über deren Welt es hereinbricht, zu tun. Alles ist – um es mal ganz salopp zu formulieren – einfach nur richtig blöd gelaufen für das Mutter-Tochter-Duo in Georgetown beziehungsweise den Polizisten in Amity.</p> <p>Einerseits ist diese Beliebigkeit gruselig, da sie bedeutet, dass auch <i>mich</i> jederzeit eine solche Gefahr (be-)treffen könnte. Doch andererseits hat sie etwas Entschärfendes. Der Dämon kann Regan (oder <i>mir</i> oder <i>euch</i>) ausgetrieben werden; sie ist am Ende wieder eine nette, unschuldige junge Frau. Das blasphemisch und obszön herumschreiende und sich bizarr krümmende Wesen, in welches sie sich verwandelt hatte, war nie wirklich sie selbst. Zwar forderte die ganze Angelegenheit menschliche Opfer und wurde unnötigerweise in der Fortsetzung <b>Exorzist II – Der Ketzer </b>(1977) mit deutlich weniger Schwung wiederholt – aber insgesamt wird mir vermittelt: Die Dunkelheit kann bezwungen werden! Dass Regan das Gute und Pazuzu das Böse ist, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Und auch der Hai kann besiegt werden (und in den Folgeteilen dann noch mal und noch mal …). Er kann aus dem Leben der Brody-Familie bei allem Schaden, den er im Laufe von 4 Teilen zu verursachen vermag, immer wieder verschwinden. Aus diesen Filmen habe ich quasi gelernt: Wenn dich ein Dämon heimsucht, wende dich schnell an einen prominent besetzten Priester; wenn du Begegnungen mit Haien vermeiden willst, ziehe lieber nicht ans Meer.</p> <figure role="group"><img alt="Robert Shaw, Roy Scheider und Richard Dreyfuss in Der weiße Hai; Copyright: Universal Pictures" data-entity-type="file" data-entity-uuid="97be706d-2de2-4149-a40a-cbacd8911f30" src="/sites/default/files/inline-images/Hai.jpg" /><figcaption>Robert Shaw, Roy Scheider und Richard Dreyfuss in <strong>Der weiße Hai</strong>; Copyright: <em>Universal Pictures</em></figcaption></figure><p> </p> <h4><b>Das Böse bin ich – oder nicht?</b></h4> <p>In wenigen filmischen Fällen ist das Böse so eng mit den Hauptfiguren verbunden, dass die Grenzen auf unbehagliche Weise verwischen. In <b><a href="/film-kritiken-trailer/carrie-1976-blu-ray">Carrie</a> </b>(1976) von Brian De Palma entdeckt die Protagonistin das (vermeintlich) Böse in sich selbst – in zerstörerischen Kräften, die im blutigen Finale vielen Menschen das Leben kosten. Das Umfeld von Carrie White (Sissy Spacek) – die fanatisch religiöse Mutter sowie die mobbenden Mitschüler_innen – werden indes derart monströs gestaltet, dass rasch begreiflich wird: Das Böse, das sind eigentlich doch die anderen.</p> <p>Ähnliches gilt für die facettenreiche <i>Coming-of-Age</i>-Fantastik, in welcher das Vampirische, Werwölfische oder gar Kannibalische im (meist juvenilen) Personal hervorbricht. In Wes Cravens<b> <a href="/film-kritiken-trailer/a-nightmare-on-elm-street-1984">Nightmare – Mörderische Träume</a> </b>(1984) ist die Gefahr in Gestalt von Freddy Krueger zwar im Inneren – im Kopf, in den Albträumen – der adoleszenten Heldin Nancy (Heather Langenkamp), und überdies scheint der Kampf gegen den garstigen Klingenmann ziemlich aussichtslos. Aber dass eine Auseinandersetzung möglich ist, in welcher das Gute dem Bösen tapfer die Stirn bietet (und dass dabei auf die üblichen Klischees zurückgegriffen werden kann), steht zu keiner Sekunde außer Frage. So bleibt mir auch hier bei allem Unbehagen in der Identifikation mit den Hauptfiguren die Gewissheit: Ich stehe zum Glück auf der guten (oder zumindest der eindeutig besseren) Seite.</p> <figure role="group"><img alt="Sissy Spacek in Carrie; Copyright: United Artists" data-entity-type="file" data-entity-uuid="b69543ad-3648-4158-b537-defe940cfd0e" src="/sites/default/files/inline-images/Carrie.jpg" /><figcaption>Sissy Spacek in <strong>Carrie</strong>; Copyright: <em>United Artists</em></figcaption></figure><p> </p> <h4><b>Die Unschuld verlieren</b></h4> <p>In zwei Filmen, die bei mir und zahlreichen weiteren Zuschauer_innen ein veritables Trauma ausgelöst haben, liegen die Dinge hingegen etwas anders. In ihnen ist alles perfider und durchdringender. Der erste Film ist <b><a href="/film-kritiken-trailer/it-follows">It Follows</a> </b>(2014) von David Robert Mitchell. Darin erlebt die 19-jährige Jay (Maika Monroe) ihr erstes Mal – um danach von ihrem Sexualpartner zu erfahren, dass er etwas auf sie übertragen hat. „Es“ werde sie nun so lange verfolgen und zu töten versuchen, bis sie „es“ – ebenfalls auf sexuellem Wege – an eine andere Person weitergegeben habe. Sollte diese Person allerdings sterben, kehre „es“ wieder zu ihr zurück. Dabei könne „es“ die Gestalt eines jeden Menschen annehmen.</p> <p>Unfassbar gruselig ist nicht nur, dass Jay fortan tatsächlich von apathischen Personen (mal fremd, mal vertraut) attackiert wird und damit sämtliche Gewiss- und Sicherheiten für sie wegbrechen – sondern dass Jay selbst zum Bösen werden muss, um das Böse loszuwerden. Wenn sie und ihr Freund Paul (Keir Gilchrist) am Ende des Films durch die suburbanen Straßen laufen, sind sie nicht mehr die Guten, die Schuldlosen. Anders als Regan oder Martin haben sie einen Teil des Bösen in sich aufgenommen. „Es“ mag ihnen (vorerst) nicht mehr folgen; doch „es“ wird fortan immer irgendwie <i>in</i> ihnen sein. Nach der Sichtung von <b>It Follows </b>wurde ich nicht nur (vorübergehend?) <a href="https://www.kino-zeit.de/news-features/features/advent-advent-andreas-koehnemann-ueber-it-follows">zum Paranoiker</a>; die Geschichte ließ mich auch mit der Erkenntnis zurück, dass es Formen des Bösen gibt, die sich nicht vollständig überwinden lassen, die an mir und meinem Umfeld haften bleiben können.</p> <figure role="group"><img alt="Maika Monroe in It Follows; Copyright: Weltkino Filmverleih" data-entity-type="file" data-entity-uuid="01af70f7-7ede-48f9-b362-3c81c4201f14" src="/sites/default/files/inline-images/ItFollows.jpg" /><figcaption>Maika Monroe in <strong>It Follows</strong>; Copyright: <em>Weltkino Filmverleih</em></figcaption></figure><p> </p> <h4><b>Das Hässlichste kommt zum Vorschein</b></h4> <p>Noch einen kühnen Schritt weiter geht <b><a href="/film-kritiken-trailer/hereditary-das-vermaechtnis-2018">Hereditary – Das Vermächtnis</a> </b>(2018). Das Langfilmdebüt von Ari Aster schlug bereits zu Beginn des Jahres auf dem <i>Sundance Film Festival</i> hohe Wellen – aber das tat <b><a href="/film-kritiken-trailer/the-blair-witch-project-blu-ray">Blair Witch Project</a> </b>(1999) seinerzeit auch, um sich dann als enervierende Aneinanderreihung unansehnlicher Wackelkamerabilder zu erweisen, in denen ein unsympathisches Trio durch den Wald irrt und Unsinn redet. <b>Hereditary </b>wird seinem Hype indes gerecht.</p> <p>Das Werk erzählt von Trauer und Schuld(-gefühlen). Vor allem befasst es sich jedoch mit unseren Abgründen und mit den Dingen in uns, denen wir uns niemals stellen wollen, weil sie uns nicht nur Angst machen, uns nicht nur unangenehm-peinlich und zuwider sind, uns nicht nur unendlich traurig machen – sondern weil sie unser ganzes Leben, all unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und unser Selbstbild infrage stellen. Anders als in <b>It Follows </b>ist das Böse hier von Anfang an <i>in</i> den Figuren, ist untrennbar mit ihnen verknüpft.</p> <p>Wenn Peter (Alex Wolff), der Sohn der zentralen Familie, in seinem Klassenzimmer in einer Glasscheibe sich selbst mit einer diabolisch grinsenden Fratze sieht, lässt sich kaum sagen, welches Gesicht wohl Peters „wahres“ Gesicht ist. In diesem Moment wurde mir in meinem Kinosessel klar, dass <i>das</i> nun wirklich die ultimative Horror-Szene ist: Wenn man vor dem Bösen erschrickt, weil man selbst das Böse ist. Keine Auslöschungsmöglichkeit, keine Abspaltung, noch nicht einmal ein Vorher und Nachher (wie bei <b>It Follows</b>) sind abmildernd denkbar. Beim (US-)Publikum stieß <b>Hereditary – Das Vermächtnis </b>teilweise auf <a href="https://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/why-hereditary-is-dividing-movie-audiences-1118755">massive Ablehnung</a>; ich gehöre augenscheinlich zu den Menschen, die das Kino als einen Ort der rabiaten Konfrontationstherapie begrüßen.</p> <figure role="group"><img alt="Alex Wolff in Hereditary – Das Vermächtnis; Copyright: Splendid / 24 Bilder" data-entity-type="file" data-entity-uuid="38959ad9-f9e4-420e-a61d-10c5190a2e60" src="/sites/default/files/inline-images/Hereditary2.jpg" /><figcaption>Alex Wolff in <strong>Hereditary – Das Vermächtnis</strong>; Copyright: <em>Splendid / 24 Bilder</em></figcaption></figure><p> </p> <p>Gewiss gibt es immer noch gelungene Horrorfilme, die nach dem klassischen Gut-Böse-Prinzip funktionieren. Allerdings finde ich diese oft genau dann eher schwach, wenn sie die rigide Dichotomie allzu sehr hervorheben. So zum Beispiel <b><a href="/film-kritiken-trailer/a-quiet-place">A Quiet Place</a> </b>von John Krasinski. Wenn es darin um den Kampf mit dem eigenen Körper, mit den eigenen Bewegungen und Lauten geht, um den aggressiv-geräuschempfindlichen Aliens nicht zum Opfer zu fallen, ist das Werk überaus stark – da die Figuren auch ihre eigenen Feind_innen sind. Alles, was sie tun, jeder Atemzug, jede Regung, jeder Ton, kann gegen sie arbeiten. Wenn hingegen in der Kollision mit den feindlichen Außerirdischen voller Pathos selbstlose Heldentaten verübt werden oder in der Schlusseinstellung grimmig das Gewehr entsichert wird, um entschlossen ins Gefecht zu ziehen, sind das enttäuschend leere Leinwand-Posen, die mir überhaupt nichts geben.</p> <p>Ein Hai muss in der heutigen Kinolandschaft leider mindestens ein Megalodon sein, um noch als filmisches Spektakel ins Rennen geschickt zu werden (siehe <a href="/film-kritiken-trailer/the-meg-2018"><b>The Meg</b></a>); ein Dämon muss inzwischen meist schon viral gehen, um noch als Schocker angepriesen zu werden (siehe etwa <a href="/film-kritiken-trailer/truth-or-dare"><b>Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht</b></a>). Dabei reichen doch nach wie vor minimale Mittel aus, um uns im Innersten zu erschüttern – wenn es um die Angst vor uns selbst geht. Nach (Horror-)Filmen dieser Art werde ich selbstverständlich weiter suchen – und mir auf der Suche danach sicher wieder etlichen unspannenden Quatsch ansehen müssen.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/personen/maika-monroe-0" hreflang="de">Maika Monroe</a></div> <div class="field--item"><a href="/personen/sissy-spacek-0" hreflang="de">Sissy Spacek</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/ellen-burstyn" hreflang="de">Ellen Burstyn</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/horrorfilm" hreflang="de">Horrorfilm</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/it-follows" hreflang="de">It follows</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/der-exorzist" hreflang="de">Der Exorzist</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/der-weisse-hai" hreflang="de">Der weiße Hai</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42710&amp;2=comment&amp;3=comment" token="ZO9Q8ffXvH8QhUKV5yP2MjOGyp9XtjVLOR7BWcjH6mc"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/die-neue-idee-des-boesen" data-a2a-title="Die neue Idee des Bösen"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/andreas-koehnemann-2" hreflang="de">Andreas Köhnemann</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-06-22T14:00:00Z">22.06.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Horrorfilme erzählen uns seit jeher vom Bösen – und wie wir es bekämpfen. Wirklich interessant wird es aber meist erst dann, wenn wir das Böse in uns selbst erkennen.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Mon, 18 Jun 2018 09:32:44 +0000 KatrinDoerksen 42710 at https://www.kino-zeit.de