Themen https://www.kino-zeit.de/news-features/themen de Odessa 2018 – Fremd unter Filmfreunden https://www.kino-zeit.de/news-features/features-festivals/odessa-2018-fremd-unter-filmfreunden <span>Odessa 2018 – Fremd unter Filmfreunden</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>18.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Filmfestivals bieten Chancen für kulturellen Austausch, bergen aber auch die Gefahr, den Blick zu verengen, weil man die immer gleichen Filme sieht und mit den immer gleichen Kolleg*innen darüber diskutiert. Was aber tun, wenn sich die Gelegenheit zur Diskussion erst gar nicht bietet?</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Strassen%2C%20HN%CC%83user%20-%20alt%20und%20neu%20%283%29.JPG?itok=6J6H47Yh" width="940" height="530" alt="In Odessa" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">In Odessa</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Der Festivalbetrieb ist eine Blase. Filmkritiker*innen bewegen sich in den immer gleichen Zirkeln durch die Stadt: vom Hotel zu Spielstätte A, von Spielstätte A zu Spielstätte B und so fort, bis sie schließlich wieder im Hotel landen. Die Zeit ist knapp, Effizienz gefordert. Die kürzesten Wege und der optimale Kinosessel, ob gut zur Leinwand oder nah zum Ausgang positioniert, sind schnell gefunden. Festivalstammgäste haben meist auch ihre Stammplätze.</p> <p>Ich gehe dieses Mal einen anderen Weg. Jeden Tag wähle ich eine neue Strecke, jede Vorstellung einen neuen Sitz, um mir diese fremde Stadt Schritt für Schritt zu erschließen, aber auch, um mit möglichst vielen Sitznachbarn ins Gespräch zu kommen. Denn hier, fernab von den Filmfestivals, die ich sonst besuche, sind mir auch die Menschen fremd. Keine bekannten Kolleg*innen, kein vertrauter Klang im Ohr. Kein Englisch, Französisch oder Italienisch, kein Spanisch, Portugiesisch oder gar Deutsch. Im Zentrum höre ich einmal Hebräisch. Die Gruppe junger Männer sieht wie Touristen aus. Ob sie zum Urlaub oder wegen der Sektion über 70 Jahre israelisches Kino hier sind? Bevor ich fragen kann, sind sie weg.</p> <figure role="group"><img alt="Im Green Theatre; Foto: Falk Straub" data-entity-type="file" data-entity-uuid="69bd3d80-74a8-4c37-8f2b-c083b580a09d" src="/sites/default/files/inline-images/Green%20Theatre%20%284%29.JPG" /><figcaption>Im Green Theatre; Foto: Falk Straub</figcaption></figure><p>Mein Unterfangen ist schwerer als gedacht. Bei Filmfestivals musste ich bislang nicht viel tun. Es war nur eine Frage der Zeit, bis mich der eine oder die andere von der Seite anquatschte. Nun bin ich selbst der nervige Solist, der um eine Konversation bettelt. Doch es kommt kaum eine auf. Zwar ist jedermann freundlich, aber auch kurz angebunden. Wer nicht in Gruppen unterwegs ist, zieht sein Handy dem Austausch mit anderen vor. Über das Gesehene kann ich nur mit mir selbst diskutieren.</p> <figure role="group"><img alt="Im Green Theatre; Foto: Falk Straub" data-entity-type="file" data-entity-uuid="019519ee-61e9-4adb-83c0-24f4bcca66c1" src="/sites/default/files/inline-images/Green%20Theatre%20%281%29.JPG" /><figcaption>Im Green Theatre; Foto: Falk Straub</figcaption></figure><p>Die Sprachbarriere bewirkt aber noch etwas ganz anderes. Weil ich die Unterhaltungen um mich herum nicht verstehe, höre ich nicht hin. Ukrainisch verschwimmt zu einem Hintergrundrauschen. Ich bewege mich wie in einer Tucherglocke. Die Filme spiegeln mein Empfinden. Wie die Protagonist*innen in Lukas Dhonts <strong><a href="/film-kritiken-trailer/girl-2018">Girl</a> </strong>(2018) und Pawel Pawlikowskis <a href="/film-kritiken-trailer/cold-war-2018"><strong>Cold War</strong></a> (2018) fühle ich mich fremd, wie Sam (Anders Danielsen Lie) in Dominique Rochers spektakulär abgeklärtem Regiedebüt <a href="/film-kritiken-trailer/la-nuit-a-devore-le-monde-2018"><strong>The Night Eats the World</strong></a> (OT: <strong>La nuit a dévoré le monde</strong>) scheine ich ganz allein. Terry Gilliams <strong><a href="/film-kritiken-trailer/the-man-who-killed-don-quixote">The Man Who Killed Don Quixote</a> </strong>(2018) nach 25 Jahren „in the making and unmaking“, wie es auf der Leinwand heißt, endlich zu sehen, mutet wie ein Traum an, der sich erst fantastisch und lustvoll, schließlich zäh anfühlt, je länger er andauert.</p> <p>Träume ich oder wache ich? Während meiner Gänge durch die Stadt saugen meine Augen all die neuen Eindrücke auf und halten sich doch an Vertrautem fest. Hier in Odessa ist das vor allem Amerikanisches: die üblichen Produktanzeigen, Plakate für Filme und Serien. Vor den Vorführungen verbreitet ein Werbespot im <strong>Mission: Impossible</strong>-Stil eines schwäbischen Herstellers von Reinigungssystemen unerwartete Heimatgefühle. So fremd ich auch sein mag, wenn ich gemeinsam mit all den anderen Filmfreunden auf den Stufen der Potemkin Treppe sitze, um mir dort, wo der Kinderwagen bei Eisenstein hinabrollte, Harold Lloyds waghalsigen Aufstieg in <strong>Safety Last!</strong> (1923) anzusehen, dann sind wir alle im Kino zu Hause.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/falk-straub" hreflang="de">Falk Straub</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/terry-gilliam" hreflang="de">Terry Gilliam</a></div> <div class="field--item"><a href="/personen/lukas-dhont" hreflang="de">Lukas Dhont</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/pawel-pawlikowski" hreflang="de">Pawel Pawlikowski</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/odessa" hreflang="de">Odessa</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/sprachbarriere" hreflang="de">Sprachbarriere</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/filmfestival" hreflang="de">Filmfestival</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/ukraine" hreflang="de">Ukraine</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/filmplakate" hreflang="de">Filmplakate</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43017&amp;2=comment&amp;3=comment" token="qC64cWnWklbbxLMM4LrRIEyE_V2bxzzIcqZsFVeRZu4"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/features-festivals/odessa-2018-fremd-unter-filmfreunden" data-a2a-title="Odessa 2018 – Fremd unter Filmfreunden"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-absaetze field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <ul class="kleineklickstrecke"> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Jumanji.JPG?itok=_Dd3L8q5" width="940" height="530" alt="Werbung für &quot;Jumanji&quot;" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Werbung für &quot;Jumanji&quot;</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"></div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Lords%20of%20Sound.JPG?itok=UJbfesrZ" width="940" height="530" alt="Lords of Sound" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Lords of Sound</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"></div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/The%20Darkest%20Minds%20%281%29.JPG?itok=JZwB_QoZ" width="940" height="530" alt="The Darkest Minds" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">The Darkest Minds</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"></div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Vaping%20Bad.JPG?itok=hnE5VAh3" width="940" height="530" alt="Vaping Bad" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Vaping Bad</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"></div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> </ul> </div> </div> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Features</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/falk-straub-1" hreflang="de">Falk Straub</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-18T10:56:13Z">18.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Am Freitag begann in Odessa das 9. Internationale Filmfestival – Falk Straub berichtet für uns aus einer Stadt zwischen Tradition und Moderne und kämpft gegen Sprachbarrieren und die Festivalblase an.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Features</div> Wed, 18 Jul 2018 10:56:13 +0000 KatrinDoerksen 43017 at https://www.kino-zeit.de Haus voller Wunder und Geheimnisse https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/haus-voller-wunder-und-geheimnisse <span>Haus voller Wunder und Geheimnisse</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>18.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Fernsehserien für Kinder haben nicht unbedingt den besten Ruf. Ich selbst sollte das gewissermaßen aus professioneller Perspektive differenzierter sehen und tue mich schon schwer damit, so stark drängt sich auf den Bildschirmen der Eindruck auf, da gehe es viel zu laut, viel zu bunt und viel zu schreiend zu.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Gravity_Falls_Pilot_-_Dipper_and_Mabel.jpg?itok=CzNgPeFG" width="940" height="530" alt="Willkommen in Gravity Falls" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Disney/Super RTL</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Willkommen in Gravity Falls</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Aber es ist eben auch eine recht weltfremde Meinung, zu glauben, die Veränderungen im seriellen Erzählen, die sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt haben – schleichend auf den Bildschirmen, mit Wucht schließlich in den Streamingdiensten –, blieben aufs Fernsehen für Erwachsene beschränkt. Es war genau genommen schon immer so, dass auch Kinderserien große Geschichten zu erzählen wussten – subtil, differenziert und komplex, lehrreich, je nachdem. Man denke an <em><strong>Luzie, der Schrecken der Straße</strong></em> oder, ganz anders, <em><strong>Es war einmal ... das Leben</strong></em>. An vermeintlich harmlose, heimlich subversive Puppenshows wie <em><strong>Die Fraggles</strong></em> oder großartige historische Geschichten wie <em><strong>Die langen großen Ferien</strong></em>.</p> <figure role="group"><img alt="Es war einmal... das Leben; Copyright: Studio Hamburg Enterprises" data-entity-type="file" data-entity-uuid="36da60a9-43c5-49d1-856b-a6d91c55063b" src="/sites/default/files/inline-images/Les-globules-rouges.jpg" /><figcaption>Es war einmal... das Leben; Copyright: Studio Hamburg Enterprises</figcaption></figure><p>Und nun gibt es ausgerechnet vom Unterhaltungsgiganten Disney, dessen Fernsehsender man geradezu als Verkörperung meiner negativen Vorurteile ansehen kann (laut, grell, viel zu schnell für meine alten Augen, ach, diese Jugend von heute!), eine Serie, die alles Großartige vereint, was man sich vom TV der Gegenwart nur wünschen mag – sie ist sogar schon ein paar Jährchen alt, aber jetzt mit allen zwei gloriosen Staffeln auf Netflix verfügbar.</p> <p> </p> <h4>Durchgeknallt, pointiert und anders, als du denkst</h4> <p>Die Trickfilmserie<strong> <em>Willkommen in Gravity Falls</em></strong> verbindet einen mainstream-tauglichen Mystery-Plot mit sehr nerdigen, aber liebenswerten Figuren, cleveres serielles Erzählen, das von der ersten Folge in Staffel 1 bis zum großen Finale am Ende von Staffel 2 immer dichter und komplexer wird, und brillant versteckte popkulturelle Anspielungen zu einer einzigartigen Melange. Was leicht so düster hätte werden können wie <a href="/film-kritiken-trailer/stranger-things"><em><strong>Stranger Things</strong></em></a> ist stattdessen eher (der Titel lässt es erahnen) schräg und mysteriös wie <a href="/film-kritiken-trailer/twin-peaks-staffel-3"><em><strong>Twin Peaks</strong></em></a>, aber zugleich eine hell leuchtende, sehr, sehr witzige Serie für etwas ältere Kinder und begeisterungsfähige Erwachsene. Mit Zombies.</p> <p>Wobei diese schon in der ersten Folge dann eben nicht vorkommen: Denn Alex Hirsch, der die Serie erfunden hat, spielt erst einmal mit Erwartungen und Stereotypen im Kopf seiner Figuren. Die zwölf Jahre alten Zwillinge Dipper und Mabel Pines müssen die Sommerferien statt daheim in Kalifornien bei ihrem Großonkel (abgekürzt: „Gronkel“) Stan verbringen, der tief in den Wäldern von Oregon in der Nähe des Örtchens Gravity Falls ein Kuriositätenkabinett betreibt – ein Haus voll seltsamer Objekte und angeblich magischer oder gar außerirdischer Artefakte, für das er natürlich reichlich Eintritt nimmt. In den USA nennt man solche Orte wie den „Mystery Shack“ dann „roadside attractions“, also kleine Sehenswürdigkeiten für die Menschen auf Durchreise.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/FtGQfatWL0o?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Dipper hat aber schnell das Gefühl, dass in Gravity Falls wirklich etwas nicht ganz stimmt – vor allem nachdem er ein seltsames Buch findet, das übernatürliche Phänomene im Ort und seinen Wäldern beschreibt. Als seine Schwester vom örtlichen Friedhof einen seltsam leblos wirkenden Verehrer mitbringt, vermutet Dipper sofort einen gefährlichen Zombie hinter dem jungen Mann im Hoodie. Er bricht auf, um seine Schwester vor dem Untoten zu retten – und muss ihr stattdessen dabei helfen, der Zwangsverheiratung mit einem ganzen Stamm Gnome zu entgehen, die Mabel zu ihrer Königin machen wollen.</p> <p> </p> <h4>Die schönsten Pullover dieser Welt</h4> <p><em><strong>Willkommen in Gravity Falls</strong></em> ist voll von solchen Momenten, in denen die Erwartungen des Publikums gedreht werden – und ergänzt das durch brillant erzählte kleine (und zunehmend große) Geschichten, durch viel Wortwitz und vor allem seine großartigen Figuren. Nur selten findet man kindliche Charaktere von solcher Komplexität in einer primär sehr lustigen Kinderserie.</p> <p>Dipper scheint über weite Strecken der Serie die Handlung voranzutreiben: Seine Suche nach den Geheimnissen von Gravity Falls, vor allem durch das Notizbuch angetrieben, schiebt oft genug die Handlung einzelner Geschichten an. Vor allem aber ist er – <em><strong>Gravity Falls</strong></em> ist immer, in jeder einzelnen Folge, auch ein wenig Coming-of-Age-Geschichte – ein Junge, der gerne schon älter wäre, der sich in die etwas ältere Wendy verliebt, die in Stans „Mystery Shack“ arbeitet, der sich fragt, was eigentlich einen richtigen Mann ausmacht. In mehreren Folgen geht es, zwar sehr explizit, aber nie pädagogisch, sondern eher so durchgeknallt wie pointiert um Männlichkeit, um Gefühle und all das, was einen Fast-Teenager beschäftigt; die Serie schafft es sogar, völlig organisch eine ganze Episode über „Pickup Artists“ einzubinden, also jene Männer, die meinen, man könne Frauen mit bestimmten Tricks reihenweise ins Bett kriegen und sollte sie dabei möglichst wenig als vollwertige Menschen betrachten.</p> <figure role="group"><img alt="Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL" data-entity-type="file" data-entity-uuid="42ee52b5-f011-46a7-9111-2ab94f4885d1" src="/sites/default/files/inline-images/142020_0026.jpg" /><figcaption>Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL</figcaption></figure><p>Wenn es irgendeines Beweises bedürfte, dass solches Verhalten in <em><strong>Gravity Falls</strong></em> nicht belohnt wird, dann gäbe es das in Dippers Zwillingsschwester Mabel: Sie ist das wunderbarste Geschöpf in diesem großartigen Kosmos. Selbstbewusst, sehr albern, mutig und wesentlich stärker in sich ruhend als ihr womöglich ein paar Millimeter kleinerer Bruder. Mabel schwärmt in einem Moment für alle Mitglieder einer sehr generischen Boyband gleichzeitig und schwingt sich im nächsten, alle Gefahren missachtend, an einem Enterhaken aus dem Fenster. Darüber hinaus liebt sie Einhörner und trägt <a href="http://gravityfalls.wikia.com/wiki/List_of_Mabel%2527s_sweaters">die großartigsten Pullover</a> seit Erfindung dieses Kleidungsstückes.</p> <p>Man könnte sich noch stundenlang über die beiden freuen, oder auch über die Nebenfiguren. Da ist natürlich Gronkel Stan, der zunächst vor allem grimmig, unfreundlich und geizig wirkt – und mit jeder Folge an Tiefe und Komplexität gewinnt, bis er eine der liebenswertesten und selbstlosesten Figuren der Serie wird. Sein Gehilfe Soos (Kosename für Jesús), ein Slacker im Geiste wie in Körperform, aber gutmütig und treu. Und schließlich die bereits erwähnte Wendy, in die Dipper sehr verschossen ist – eine patente, sehr gelassene Teenagerin mit eigentümlichen Freunden, und eine weitere großartige Frauenfigur neben Mabels etwas jüngeren Freundinnen Candy und Grenda.</p> <p> </p> <h4>Bis zum Ende der Welt</h4> <p>Je mehr der ganze Ort Gravity Falls in geradezu interdimensionale Abenteuer hineingezogen wird, desto reicher und diverser wird all das, was wir als Zuschauer_innen zu sehen bekommen. Irgendwann wird klar, dass die beiden unfähigen Polizisten des Ortes nicht nur sehr gute Freunde sind, sondern wirklich nicht ohne einander sein wollen und können, und dass selbst so Antagonist_innen wie Pacifica und Gideon (Mabels Erzfeindin und ihr schleimigster Verehrer) auch andere Seiten haben.</p> <figure role="group"><img alt="Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL" data-entity-type="file" data-entity-uuid="af3a5ddc-5d6b-43d9-ad7d-c3c8bc3fd9f3" src="/sites/default/files/inline-images/maxresdefault.jpg" /><figcaption>Willkommen in Gravity Falls; Copyright: Disney/Super RTL</figcaption></figure><p>Man kann <em><strong>Willkommen in Gravity Falls</strong></em> mit allen möglichen, auch politischen Vokabeln bekleben: Die Serie ist feministisch, progressiv, offen für unterschiedliche Identitäten. Aber das geht am Kern vorbei. Der eigentliche Trick in Alex Hirschs Geschichten ist nämlich, dass die Figuren sich aus einer grundlegenden Haltung heraus weiterentwickeln: Der Bereitschaft, empathisch aufeinander zuzugehen. So muss man gar nicht mit allen Monstren kämpfen, seien sie menschlich oder anders: Es reicht oft genug, ihnen zuzuhören und ihnen einen Ausweg aus selbstgewählten Qualen aufzuzeigen.</p> <p>Füreinander da zu sein: Das ist in allen einzelnen Folgen und auch in seinem grandiosen Finale der Kern, der Dreh- und Angelpunkt dieser Serie. Am Schluss wird es nämlich richtig düster, es droht nicht weniger als das Ende der Welt – aber da werden auch die meisten Kinder schon so viel Vertrauen in die Serie gewonnen haben, dass sie über lange vier Folgen die beginnende Apokalypse aushalten können in der Gewissheit: Nächstenliebe siegt.</p> <p>Am Ende der zweiten Staffel ist ein großer Sommer in Gravity Falls vorbei, aus den Kindern werden am letzten Sommertag Teenager, und alle sind gewachsen. Und eine kleine Trickfilmserie namens <em><strong>Willkommen in Gravity Falls</strong></em> hat die Kraft, auch erwachsenen, sehr abgebrühten Filmkritikern Tränen des Glücks in die Augen treiben zu können.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/personen/alex-hirsch" hreflang="de">Alex Hirsch</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/rochus-wolff" hreflang="de">Rochus Wolff</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kinder" hreflang="de">Kinder</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/tv-serie" hreflang="de">TV-Serie</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/animation" hreflang="de">Animation</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/disney" hreflang="de">disney</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/mystery" hreflang="de">Mystery</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=43016&amp;2=comment&amp;3=comment" token="GZlKMJhePkkm_Ddnnw5spBoUubcYwVjo3QrdcFPzsWU"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/haus-voller-wunder-und-geheimnisse" data-a2a-title="Haus voller Wunder und Geheimnisse"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/rochus-wolff-0" hreflang="de">Rochus Wolff</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-20T13:45:01Z">20.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>*Willkommen in Gravity Falls*. Hier finden Sie Kinder mit Herz, Mut und seltsamen Hobbies. Disney hat eine der besten Kinderserien der letzten Jahre im Übergang zwischen den Dimensionen geparkt.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Wed, 18 Jul 2018 10:29:01 +0000 KatrinDoerksen 43016 at https://www.kino-zeit.de Odessa 2018 - Alte Pracht, moderne Tücken https://www.kino-zeit.de/news-features/features-festivals/odessa-2018-alte-pracht-moderne-tuecken <span>Odessa 2018 - Alte Pracht, moderne Tücken</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>16.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Odessa – für mich klingt der Name geheimnisvoll und verführerisch. Bilder vom Schwarzen Meer, von Bäderarchitektur und von der berühmtesten Treppe der Filmgeschichte ziehen an meinem geistigen Auge vorbei. Hier drehte Eisenstein die Szene seines <a href="/film-kritiken-trailer/panzerkreuzer-potemkin"><strong>Panzerkreuzer Potemkin</strong></a> (1925), die selbst Menschen erinnern, die nicht viel mit den bewegten Bildern am Hut haben. Sie wissen schon, die Stelle mit dem Kinderwagen. Die Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten 192 Stufen sind längst als Potemkinsche Treppe bekannt. Wahrzeichen der Stadt waren sie aber schon, bevor das Kino sie als Kulisse entdeckte.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Official%20opening%20of%20the%209th%20Odesa%20International%20Film%20Festival%281%29.jpg?itok=dZc7P5gP" width="940" height="530" alt="Eröffnungsgala des 9. Odessa International Film Festival" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">OIFF</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Eröffnungsgala des 9. Odessa International Film Festival</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Es ist diese Mischung aus Historie und Gegenwart, das Nebeneinander von alt und neu, das sich mir sofort einbrennt. Das gibt es freilich überall auf der Welt, doch in Städten wie Odessa scheint es – zumindest für meinen westlichen Blick – ausgeprägter. Schon der Flughafen ist ein Überbleibsel aus kommunistischen Zeiten mit modernem Fortsatz. Die Fahrt ins Zentrum führt vorbei an renovierten Alt- und aseptischen Neubauten. Dazwischen ist viel marode. Putz bröckelt, Wellblechdächer rosten. Während die Menschen mit ihren Smartphones in der Hand zwischen den Löchern der Gehwege Slalom laufen, sind die Stromleitungen über ihnen wild zwischen den Häusern gespannt. Streunende Hunde und Katzen erobern erst nachts die Straßen. Tagsüber dösen sie irgendwo im Schatten. Der nur ab und an vom Meer herüberwehende Wind verschafft kaum Abkühlung. In den Wohnungen übernehmen das Klimaanlagen, die an historischen Fassaden angebracht sind.</p> <figure role="group"><img alt="Klimaanlagen in Odessa; Bild: Falk Straub" data-entity-type="file" data-entity-uuid="b3c854ad-08c0-408b-bc17-6f3b53d62f7d" src="/sites/default/files/inline-images/Klimaanlagen%20%282%29.JPG" /><figcaption>Klimaanlagen in Odessa; Bild: Falk Straub</figcaption></figure><p>Alt und neu dann auch beim Festival. Eröffnung und Abschluss in feiner Abendgarderobe haben mit dem von 1883 bis 1887 gebauten Opernhaus den perfekten Rahmen. Der Festivalpalast, ein Theater mit 1260 Sitzen, in dem die Filme des internationalen Wettbewerbs gezeigt werden, ist hingegen ein Funktionsbau von 1981, dessen Foyer den Charme von Erichs Lampenladen verströmt. In puncto Atmosphäre steht er dem Berlinale-Palast in nichts nach.</p> <figure role="group"><img alt="Foyer des Festivalpalast Odessa; Foto: Falk Straub" data-entity-type="file" data-entity-uuid="dc9f5439-03ba-4b48-8825-1838b03bafeb" src="/sites/default/files/inline-images/Erichs%20Lampenladen%20%282%29.JPG" /><figcaption>Foyer des Festivalpalast Odessa; Foto: Falk Straub</figcaption></figure><p>Draußen ein ganz anderes Bild. Die Sonne strahlt, der Geruch von gegrilltem Fleisch und Fisch liegt in der Luft. An den Seiten des Vorplatzes reihen sich Streetfood-Stände aneinander. An dessen Ende wartet ein Shuttlebus, wie die Straßenbahnen der Stadt ein ziemlich altes Semester, der die Besucher von der einen zur anderen Spielstätte bringt. Hier gleicht die Stimmung mehr der eines ausgelassenen Musik- denn der eines Filmfestivals. So altbacken der Bau im Hintergrund, so modern das Geschehen davor. Bezahlt wird nur bargeldlos mit einer eigens für das Event gesponserten Karte. Automaten stehen zur Freischaltung und Aufladung bereit. Dumm nur, dass man dafür eine ukrainische Mobilfunknummer benötigt. Ausländische Besucher wie ich sind auf eine Kreditkarte, auf Standbetreiber, die es nicht so genau und dementsprechend auch Cash nehmen, oder auf den nächstgelegenen Supermarkt angewiesen.</p> <figure role="group"><img alt="Ukrainisches Geld und Festivalkarte; Foto: Falk Straub" data-entity-type="file" data-entity-uuid="f2d048bc-0c01-4eb4-8aa1-3ad5a6f2ddf6" src="/sites/default/files/inline-images/Geld%20%283%29.JPG" /><figcaption>Ukrainisches Geld und Festivalkarte; Foto: Falk Straub</figcaption></figure><p>Die konsequente Modernisierung setzt sich andernorts fort. Um unnötiges Anstehen zu vermeiden und Papier zu sparen, kann ich meine Tickets online buchen und als PDF vorzeigen. Doch was in der Theorie prima klingt, verlagert in der Praxis das Problem lediglich vom physischen in den digitalen Raum. Wer zuerst klickt, reserviert zuerst. Und so stehe ich mir bei den begehrtesten Filmen, wie schon von anderen Festivals gewohnt, die Beine vor dem „Last Minute Entrance“ in den Bauch. Statt über den Haupteingang erhalten die Zuspätgekommenen in Odessa Einlass über eine Seitentreppe, die hinter dem Gerüst ins Gebäude führt, an dem das Festivaltransparent verankert ist. Ein unerwarteter Blick hinter die Kulissen.</p> <figure role="group"><img alt="Festivalpalast; Foto: Falk Straub" data-entity-type="file" data-entity-uuid="743bdad4-100b-4339-96e9-387bef9af77d" src="/sites/default/files/inline-images/Festivalpalast%20fern%20%282%29.JPG" /><figcaption>Festivalpalast; Foto: Falk Straub</figcaption></figure><p>Dass heutzutage nichts mehr ohne intelligentes Telefon geht, zeigen die Vorführungen auf ärgerliche Weise. Obwohl davor explizit darum gebeten wird, alle Geräte auszuschalten, und obwohl Festivalpersonal während der Vorstellungen freundlich durch die Reihen geht, leuchten die Bildschirme unentwegt auf, überall klingelt und vibriert es. Manche lesen und schreiben Nachrichten, andere filmen dreist mit. Während ich in<strong> <a href="/film-kritiken-trailer/hot-summer-nights-2017">Hot Summer Nights</a></strong> (2017) und <a href="/film-kritiken-trailer/wildlife-2018"><strong>Wildlife</strong></a> (2018) sitze, zwei Regiedebüts, die in prä-smartphonischen Zeiten angesiedelt sind und dadurch auch immer das Fehlen permanenter Erreichbarkeit miterzählen, frage ich mich, was diese Menschen treibt. Warum stehen sie für einen Film eine halbe Stunde lang in einer Schlange, um danach eineinhalb Stunden auf ihre kleinen Bildschirme zu starren? Wie können sie im Anschluss ernsthaft applaudieren, wenn sie dem Werk zuvor keinerlei Respekt gezollt haben? Aber wer weiß, vielleicht sind es ja Journalisten wie ich, die in Echtzeit berichten? Ich muss kein Fortschrittsfeind sein, um das befremdlich zu finden. Schließlich kann ich die neue Technik auch nutzen und mich trotzdem an alte (Anstands-)Regeln halten. Und zum Tweeten und Retweeten ist auch nach der Vorstellung noch ausreichend Zeit. Gerade Paul Danos <strong>Wildlife</strong> beweist das. Wenn uns diese wunderbare Übung in Langsamkeit eins lehrt, dann, dass das Leben, so komplex es auch erscheinen mag, vor allem Geduld erfordert.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/paul-dano" hreflang="de">Paul Dano</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/falk-straub" hreflang="de">Falk Straub</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/odessa" hreflang="de">Odessa</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/ukraine" hreflang="de">Ukraine</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/filmfestival" hreflang="de">Filmfestival</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/panzerkreuzer-potemkin" hreflang="de">Panzerkreuzer Potemkin</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42995&amp;2=comment&amp;3=comment" token="WvYyQuCX3cIYax5Xx5uJlAyI4RKs9FFT6PiiCCdEiPU"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/features-festivals/odessa-2018-alte-pracht-moderne-tuecken" data-a2a-title="Odessa 2018 - Alte Pracht, moderne Tücken"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-absaetze field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <ul class="kleineklickstrecke"> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Filmfestival%20Tasche.JPG?itok=R7kvH4Vc" width="940" height="530" alt="Festivaltasche" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Festivaltasche</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Festivaltasche</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Potemkin%20Treppe%20%28unten%20nach%20oben%29%20%283%29.JPG?itok=dCKLQfou" width="940" height="530" alt="Treppe aus &quot;Panzerkreuzer Potemkin&quot;" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Treppe aus &quot;Panzerkreuzer Potemkin&quot;</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Die berühmte Treppe aus Panzerkreuzer Potemkin trägt noch das Gerüst der letzten Filmvorführung.</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Strassen%2C%20HN%CC%83user%20-%20alt%20und%20neu%20%281%29.JPG?itok=IkfDZslW" width="940" height="530" alt="Straße in Odessa" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Straße in Odessa</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Straße in Odessa</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Odessa%20HN%CC%83user.JPG?itok=6k7SCnvt" width="940" height="530" alt="Blick über die Dächer von Odessa" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Blick über die Dächer von Odessa</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Blick über die Dächer von Odessa</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Odessa%20Oper%20%282%29.JPG?itok=npNl5NdP" width="940" height="530" alt="Oper von Odessa" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Falk Straub</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Oper von Odessa</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Die Oper von Odessa ist Veranstaltungsort der Eröffnungs- und Abschlussgala.</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> </ul> </div> </div> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Features</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/falk-straub-1" hreflang="de">Falk Straub</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-16T11:15:54Z">16.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Am Freitag begann in Odessa das 9. Internationale Filmfestival - Falk Straub berichtet für uns aus einer Stadt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Pracht und Abriss, zwischen Kinoliebe und Handysucht.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Features</div> Mon, 16 Jul 2018 11:15:54 +0000 KatrinDoerksen 42995 at https://www.kino-zeit.de Bergman-Splitter zum 100. Geburtstag oder: Suche nach der Exilzeit in München https://www.kino-zeit.de/news-features/features/bergman-splitter-zum-100-geburtstag-oder-suche-nach-der-exilzeit-in-muenchen <span>Bergman-Splitter zum 100. Geburtstag oder: Suche nach der Exilzeit in München</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>13.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Stockholm, 30. Januar 1976: Ein scheuer Künstler mit internationaler Reputation wird mitten aus der Theaterprobe zu August Strindbergs „Totentanz“ gerissen. Ihm wird der Pass abgenommen, er muss sofort mit aufs Polizeirevier. Eine Szene wie aus Kafkas „Der Prozess“ – und doch wahr. Wie ein Krimineller wird der sichtlich verstummte Regisseur durch das schwedische Nationaltheater in Stockholm und vorbei an gespenstisch dreinsehenden KollegInnen abgeführt. Auf der Wache wird er knallhart verhört: 5 Stunden lang – nahezu ohne Pause.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Ingmar_Bergman_%281966%29.jpg?itok=vyu_4uYG" width="940" height="530" alt="Ingmar Bergman - Portrait" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Joost Evers - CC BY-SA 3.0</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Ingmar Bergman - Portrait</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Der Mann, um den es hier geht, litt nicht nur künstlerisch ein Leben lang äußerst passioniert und wie kaum ein anderer Filmschaffender im 20. Jahrhundert, sondern hatte auch im realen Leben stets seine größeren und kleineren Wehwehchen. War es wieder der Magen oder waren es dieses Mal die Gedärme? Waren es die Nieren oder doch die angeknackste Psyche? Neurologische Befunde mischten sich bei Ingmar Bergman, dem Mann, den man getrost Jahrhundertkünstler nennen darf, häufig mit psychosomatischen Leiden. Im <em>Dramaten</em> wie am <em>Bayerischen Staatsschauspiel</em> wurde für ihn – und seine im Wortsinne „inneren Leiden“ – sogar eine Extratoilette eingebaut. Was auch im Rückblick kaum verwundert: Denn irgendwie musste doch alles immer heraus aus diesem hageren Mann, aus diesem zwar autoritären, aber dennoch ungemein wirkungsmächtigen Genie der Filmkunst, das sich ab 1976 Hals über Kopf in München niederließ: Im selbstauferlegten „Exil“, wie es Bergman eigens in seinen Lebenserinnerungen <em>Laterna Magica</em> festhielt. </p> <p> </p> <h4><strong>Ein Fremder im eigenen Land</strong></h4> <p>Seine „Lebenskatastrophe“ sei das gewesen, kommentierte Ingmar Bergman Ende der 1980er Jahre seine Flucht aus Schweden, die ihn nach kurzen Umwegen über Los Angeles und Paris schließlich in die liberal-barocke bayerische Landeshauptstadt trieb. Die „heimliche Hauptstadt“ wurde München in dieser Zeit nicht nur von Politikern, Sportlern oder Unternehmern genannt, sondern ebenso von zahlreichen Theater- wie Filmschaffenden. Fassbinder war da, Kluge war da, Achternbusch war da, genauso wie beinahe alle Unterzeichner des <em>Oberhausener Manifests</em>. Dazu Enno Patalas als Leiter des Filmmuseums München sowie eine damals noch international aufgestellte Studiolandschaft namens „Bavaria“ in Geiselgasteig, wo in dieser Zeit so unterschiedliche Regisseure wie Billy Wilder, Ted Kotcheff, Dario Argento, Robert van Ackeren, Jerzy Skolimowski oder Giuliano Montaldo drehten.</p> <p><iframe height="120px" src="https://www.br.de/mediathek/podcast/embed?episode=44195" width="320px"></iframe></p> <p>Dann hörte man es sozusagen im Flurfunk des Residenztheaters: Ja, Ingmar Bergman kommt wirklich. Und nicht nur für <em>eine </em>Inszenierung! Jener asketisch-protestantische Fragensteller, der vorher noch nie einen Film oder eine Inszenierung in einer anderen Sprache als Schwedisch oder gar im Ausland realisiert hatte, möchte sich gerade in München niederlassen. Damit war dem in der Tat nicht gerade unumstrittenen Theaterimpressario Kurt Meisel ein echter Theatercoup gelungen. </p> <p> </p> <h4><strong>München als Fegefeuer </strong></h4> <p>Doch zwischen dem ebenso autoritären wie charmanten Österreicher Meisel, über den in der Münchner Theaterszene das bissige Bonmot existierte, dass er „im Hauptberuf Schauspieler, im Nebenberuf Intendant“ sei, und dem nicht minder eitlen Bergman, der ausschließlich mit einem festen Mitarbeiterstab um sich herum arbeiten wollte, musste es zwangsläufig krachen: Das war bereits im ersten „Exiljahr“ Bergmans in München greifbar und führte 1981 sogar zu Bergmans fristloser Kündigung. Der Konflikt schaukelte sich zu einem medialen Kreuzfeuer hoch, in dessen Zentrum der berühmte Exilant aus dem Norden von allen Seiten gegrillt wurde: Egal ob CSU-Kultusminister Hans Maier, SZ-Theaterkritiker wie Joachim Kaiser oder C. Bernd Sucher oder eben der saisonweise missmutiger werdende Intendant Kurt Meisel, wirklich jeder drosch von außen und beinahe ohne Pause auf den damals stark suizidgefährdeten Bergman ein, der obendrein Valium-Tabletten nahm und wenige Tage vor seiner Flucht aus Stockholm zehn Tage in einer psychiatrischen Klinik verbracht hatte. Ehrliche Empathie sieht anders aus. </p> <blockquote> <p>„Er passte gar nicht dahin! Er hätte lieber nach Hamburg gehen sollen. Hier war er wie ein Exot.“ (Robert Atzorn)</p> </blockquote> <p>Niemals zuvor – und übrigens auch nie wieder danach – wurden Bergman und seine künstlerische Arbeit dermaßen ausgebuht und von Grund auf gescholten, obwohl gerade die in dieser Umbruchszeit entstandenen Filmprojekte durchaus mehr als nur einen (neuen) Blick wert sind. Wer heute allerdings in manche Theater- wie Filmkritik aus dieser Bergmanschen Periode hineinliest, dem vergeht oft schon nach wenigen Absätzen Hören und Sagen. Ein Beispiel aus der Wochenzeitung <a href="https://www.zeit.de/1977/23/lebens-lamento">DIE ZEIT</a> vom 03.07.1977: „Das ‚Ereignis’, zu dem das Münchner Publikum mit seinen blinden Ovationen für Regisseur und Ensemble diese Inszenierung von Strindbergs „Traumspiel“ partout machen wollte, ist die erste Arbeit Ingmar Bergmans an einem deutschen Theater dennoch nicht geworden: Die Aufführung ist wenig inspiriert (und kaum inspirierend), rasch verblassen ihre Bilder in der Erinnerung, mäßiger Glanz, sie hat viele Leerstellen, tote, stumpfe Passagen, und viele Augenblicke, in welchen kein Zweifel daran besteht, dass Bergman das Stück verfehlt hat.“ </p> <p> </p> <h4><strong>Dem künstlerischen Nullpunkt entgegen </strong></h4> <p>Und jetzt wird es für den Bühnenmann Bergman, der mit dem deutschen Regietheater nach 1968 auf Kriegsfuß stand und sich stattdessen für „Werktreue“ aussprach, besonders hart: Für dasselbe Blatt war auch in den folgenden 10 Inszenierungen am Bayerischen Staatsschauspiel „klar, dass er auf der Bühne längst nichts mehr zu sagen hat. Er ist ein Mann der sechziger Jahre.“ Das „deutsche Kritiker-Corps“ arbeite eben „nicht gerade mit Samthandschuhen“ versuchte das Bergman irgendwie abzuwiegeln. Doch wer ihn tatsächlich in diesen Jahren erlebt hatte, wie beispielsweise Margarethe von Trotta, die zusammen mit ihrem damaligen Mann Volker Schlöndorff und durch deren beiderseitige Zusammenarbeit mit Sven Nykvist mehrfach Zugang zur „persona Bergman“ hatte, erinnert sich folgendermaßen: „Das hat ihn schon sehr fertig gemacht! Zuerst war er schließlich von seinen schwedischen Freunden aus der Sozialdemokratie verraten worden und dann bekam er hier in München diese schlimmen Kritiken, von den die meisten ja wirklich verheerend waren.“  </p> <figure role="group"><img alt="Das Schlangenei; Copyright: Universum Film" data-entity-type="file" data-entity-uuid="36bf3896-db30-41a0-8c32-e60287ec35e3" src="/sites/default/files/inline-images/rendition%3DSchlangenei_16x9.jpg.jpg" /><figcaption>Das Schlangenei; Copyright: Universum Film</figcaption></figure><p> </p> <h4><strong>München – Eine Hassliebe </strong></h4> <p>Es kam es noch bitterer für den lebenslang labil wirkenden Mann mit Cordhose, Flanellhemd und Strickjacke, der groteskerweise zur selben Zeit nicht müde wurde öffentlich zu betonen, dass er die Stadt München und dessen „vitales Kulturklima“ als „unerhört stimulierend“ empfand und sich parallel „eigentlich nur im Kreis seiner Schauspieler wirklich wohl fühlte“ (Rita Russek). Unterstützt durch grandios gescheiterte Filmprojekte wie <strong>Das Schlangenei</strong> (Produktion: Dino De Laurentiis und Horst Wendlandt mit einem seiner Zeit gigantischen Budget von 9,2 Millionen DM) oder dem minimal finanzierten, jedoch überaus sehenswerten ZDF-Fernsehfilm <strong>Aus dem Leben der Marionetten</strong> (1980), der bezeichnenderweise in Paris Premiere feierte, nicht in der bayrischen Filmmetropole und schon nach 3 Tagen aus den französischen Kinos verschwand, stellte sich der Kritisierte immer öfter die Frage, ob er nicht langfristig doch wieder nach Schweden zurückkehren sollte. </p> <figure role="group"><img alt="Aus dem Leben der Marionetten; Copyright: Arthaus" data-entity-type="file" data-entity-uuid="e12b10fa-066c-4592-82d7-e0c857dc7801" src="/sites/default/files/inline-images/MV5BYWE2ODMzNDUtODg3Mi00OTFmLWI4MWQtNTZmMzU3MDQ4NDRlL2ltYWdlL2ltYWdlXkEyXkFqcGdeQXVyNDkzNTM2ODg%40._V1_.jpg" /><figcaption>Aus dem Leben der Marionetten; Copyright: Arthaus</figcaption></figure><p>Dort war das Steuerverfahren längst gegen ihn eingestellt worden. Also wieder zurück auf die Insel Fårö? Und gleichzeitig heraus aus dem deutschen Kultursumpf, mitten hinein in diese bizarre Seelen- wie Felsenlandschaft, wo Bergman seit 1967 ein weithin isoliertes Wohnhaus besaß. „Er lebte dort wie ein Asket. Sein Haus lag so weit abseits, war umringt von militärischen Sperrgebiert und man musste mit der Fähre kommen: Das gefiel ihm sehr, nur dort fühlte er sich wirklich wohl“ erinnert sich Margarethe von Trotta, deren Dokumentarfilm <a href="/film-kritiken-trailer/auf-der-suche-nach-ingmar-bergman-2018"><strong>Auf der Suche nach Ingmar Bergman</strong></a> zum Bergman-Gedenkreigen 2018 in den deutschen Kinos anläuft. Und das tat er dann auch: Zuerst nur wenige Monate, um 1978 unter anderem <strong>Herbstsonate</strong> mit Ingrid Bergman in Norwegen zu drehen. Im Anschluss entstand sein facettenreiches, immer noch wenig bekanntes <strong>Fårö-Dokument</strong> (1979), ehe er sich stetig weniger Zeit für seine Inszenierungen nahm und sich spätestens seit 1981 zunehmend in die szenische Gedankenwelt von <strong>Fanny und Alexander</strong> hineinträumte, deren Dreharbeiten er schließlich 1982 erfolgreich beenden konnte. Wieder in Schweden und wieder mit (s)einem (überwiegend) festen Bergman-Ensemble. </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/oUUBe9LXfYg?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <h4><strong>Was bleibt von Bergman in München?</strong></h4> <p>Was also 1976 „als freudiger Schock“ (Joachim Kaiser) für die Münchner Kulturszene begonnen und sich innerhalb weniger Jahre zur Bergmanschen Totalkatastrophe entwickelt hatte, gelangte wenigstens zum Ende hin in geruhsamere Bahnen. In dieser Dekade, in der es im Grunde keine Sieger gab, sondern letzten Endes nur „Angst, Schande, Demütigung, Zorn und Enttäuschung“ unter allen Beteiligten herrschte, um es in den Worten des Schweden auszudrücken, taumelte Ingmar Bergman innerlich gewaltig: „Was wird aus meiner künstlerischen Identität?“ Auch wenn er nach außen hin oft genug klarstellte: „Und außerdem mag ich München sehr“, fühlte er sich in der Rückschau nie wirklich heimisch an der Isar. </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/oOxLXaxPl8g?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Fast 10 Jahre hatte er letzten Endes in der Titurelstraße 2 in München-Bogenhausen gewohnt, 1986 hatte er schlussendlich am Residenztheater ein letztes Mal inszeniert, bis er sich vollends auf seine Lebensinsel Fårö zurückzog. Bis heute erinnert an diesem spröden Hochhausbau keine Gedenktafel an den berühmten Exilanten, der dort in einem der oberen Stockwerke wohnte. Quasi mit Rita Russek als Nachbarin, die ab 1982 im fünften Stock desselben Hauses einzog und auch noch bis zum Tode Bergmans 2007 sehr regelmäßig mit ihm telefonierte oder auch in Schweden mit ihm zusammenarbeitete. </p> <p>Das ist einerseits sehr traurig, andererseits wirklich „skandalös“ (Rita Russek) und erinnert durchaus an die fatale Wurstigkeit vieler hiesiger Stadtvertreter, die sich auch in der Vergangenheit etwa schon mit Rainer Werner Fassbinder, Thomas Mann oder Freddie Mercury extrem schwertaten, denen bis heute in München öffentlich kaum gedacht wird, obwohl sie doch zweifelsfrei das kulturelle Klima der Stadt im letzten Jahrhundert irreversibel bereichert hatten. Das ist eben, so scheint es, ein typisches Münchner Paradoxon – und passt dadurch wie die Faust aufs Auge, erst recht, wenn man in diesen Tagen aufmerksam an Ingmar Bergmans Exilzeit in München zurückdenkt, die insgesamt einer Hassliebe glich: „Ich bin ein pessimistischer Optimist und ein optimistischer Pessimist“, pflegte er hier zu sagen. Besser lässt sich dieses ganze Dilemma gar nicht in Worte fassen.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/ingmar-bergman" hreflang="de">Ingmar Bergman</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/margarethe-von-trotta" hreflang="de">Margarethe von Trotta</a></div> <div class="field--item"><a href="/personen/rita-russek-0" hreflang="de">Rita Russek</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/muenchen" hreflang="de">München</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/theater" hreflang="de">Theater</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/1980er-jahre" hreflang="de">1980er Jahre</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/jubilaeum" hreflang="de">Jubiläum</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42984&amp;2=comment&amp;3=comment" token="ZnAleDeJJc3oGZCdgQtJQFSrzcuQwdP_VC5tkX450Fo"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/features/bergman-splitter-zum-100-geburtstag-oder-suche-nach-der-exilzeit-in-muenchen" data-a2a-title="Bergman-Splitter zum 100. Geburtstag oder: Suche nach der Exilzeit in München"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Features</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/simon-hauck-2" hreflang="de">Simon Hauck</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-14T06:00:00Z">14.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Am 14. Juli 2018 hätte er seinen <a href="http://www.ingmarbergman.se/en">100. Geburtstag</a> gefeiert: Ingmar Bergman. Der große Sinnsucher des Weltkinos wurde 1976 aufgrund einer Steueraffäre in seiner schwedischen Heimat ins Exil getrieben und landete auf Umwegen in München, wo er am Ende 9 Jahre lang ein Zuhause suchte – und keines fand.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Features</div> Fri, 13 Jul 2018 10:17:16 +0000 KatrinDoerksen 42984 at https://www.kino-zeit.de Die 11 besten Filme mit berühmten Bands https://www.kino-zeit.de/news-features/specials/die-11-besten-filme-mit-beruehmten-bands <span>Die 11 besten Filme mit berühmten Bands</span> <span><span lang="" about="/user/67" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Köhnemann</span></span> <span>12.07.2018</span> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/bands_multi.jpg?itok=uibtbhTo" width="940" height="530" alt="&quot;The Band&quot;, &quot;Yellow Submarine&quot; und &quot;Gimme Shelter&quot;" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">United Artists / Cinema 5 Distributing</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">&quot;The Band&quot;, &quot;Yellow Submarine&quot; und &quot;Gimme Shelter&quot;</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/bands" hreflang="de">Bands</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/musik" hreflang="de">Musik</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/talking-heads" hreflang="de">Talking Heads</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-national" hreflang="de">The National</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-dandy-warhols" hreflang="de">The Dandy Warhols</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-brian-jonestown-massacre" hreflang="de">The Brian Jonestown Massacre</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/spice-girls" hreflang="de">Spice Girls</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-ramones" hreflang="de">The Ramones</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-band" hreflang="de">The Band</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/abba" hreflang="de">ABBA</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-rolling-stones" hreflang="de">The Rolling Stones</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-beatles" hreflang="de">The Beatles</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42971&amp;2=comment&amp;3=comment" token="hP1T_Wy4OrnEfZoRmdfPr3nqZtakvuKP8Z5lcAacSQI"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/specials/die-11-besten-filme-mit-beruehmten-bands" data-a2a-title="Die 11 besten Filme mit berühmten Bands"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-absaetze field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <ul class="grosseklickstrecke"> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-video field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-videomedien view-mode-default"> <div class="field field--name-field-video field--type-file field--label-hidden field--item"> <div class="videoposter"> <img src="/sites/default/files/trailer/poster/poster_139269.jpg" alt="" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" data-video="https://www.kino-zeit.de/sites/default/files/A%20Hard%20Day%27s%20Night%20Official%20Remastered%20Trailer%20%282014%29%20-%20The%20.mp4" height="428" width="720"> </div> </div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><h4><span><span><span><span><span><span><span><strong>Yeah Yeah Yeah</strong> (1964) von Richard Lester</span></span></span></span></span></span></span></h4> <p><span><span><span><span><span><span><span>Ehe sie als animierte Helden in <strong>Yellow Submarine</strong> in Erscheinung traten, wurden <em>The Beatles</em> bereits von Richard Lester in der herrlichen Schwarzweiß-<em>Mockumentary</em> <strong>Yeah Yeah Yeah</strong> kinematografisch verewigt. Der Film, der im Original wie das dazugehörige Soundtrack-Album <strong>A Hard Day’s Night </strong>heißt, beschreibt einen „ganz normalen Tag“ im Leben von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr und fängt die <em>Beatlemania</em> humoristisch und experimentell ein; Drehbuch und Musik waren jeweils für einen <em>Oscar</em> nominiert.</span></span></span></span></span></span></span></p> <p><span><span><span><span>Im darauffolgenden Jahr kehrten die fabelhaften Vier noch einmal unter der Regie von Richard Lester zurück – diesmal in Farbe, in <strong>Hi-Hi-Hilfe! </strong></span></span></span></span><span lang="EN-US" xml:lang="EN-US"><span><span><span>(<strong>Help!</strong>).</span></span></span></span></p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/9EsGAXgL6Y4?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> </div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> </ul> </div> </div> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Specials</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/andreas-koehnemann-2" hreflang="de">Andreas Köhnemann</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-19T13:00:00Z">19.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p><span><span><span><span>Vor 50 Jahren feierte der kunstvoll-poppige Animationsfilm „Yellow Submarine“ mit Zeichentrick-Versionen der <em>Beatles</em> seine Premiere in London. Aus diesem Anlass haben wir für euch die 11 besten filmischen Werke mit berühmten Bands zusammengestellt.</span></span></span></span></p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Specials</div> Thu, 12 Jul 2018 15:00:06 +0000 Andreas Köhnemann 42971 at https://www.kino-zeit.de Kultur-WM 2018: Frankreich vs. Japan (Finale) https://www.kino-zeit.de/news-features/kultur-wm/kultur-wm-2018-frankreich-vs-japan-finale <span>Kultur-WM 2018: Frankreich vs. Japan (Finale)</span> <span><span lang="" about="/user/67" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Köhnemann</span></span> <span>12.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><h2>Frankreich vs. Japan</h2> <h2><a href="/film-kritiken-trailer/holy-motors">Holy Motors</a> vs. <a href="/film-kritiken-trailer/symbol">Symbol</a></h2></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/Finale_FRA-JPN.jpg?itok=pkDh1JJy" width="940" height="530" alt="Holy Motors/Symbol" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Arsenal Filmverleih/Alive Vertrieb und Marketing</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Holy Motors/Symbol</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><h3>1. Halbzeit:</h3> <h4>13:03 Uhr</h4> <p>Das Finale startet unter erschwerten Bedingungen, denn irgendwie hat niemand daran gedacht seit dem letzten Spiel der Japaner aufzuräumen. Deswegen liegt all der Kram, den die Puttenpenisse heraufbeschworen haben, wild in der Gegend herum: Liegestühle, Megafone, Ming-Vasen. Dennis Lavant ist schon zwei Mal bei Konterversuchen über einen Bonsai gestolpert.</p> <h4>13.11 Uhr:</h4> <p>Dies hat inzwischen dazu geführt, dass Lavant seinen Roboteranzug übergezogen hat und sich nun voller Elan zurück ins Spiel wirft. Das verwüstete Spielfeld hat Kylie Minogue derweil zu einer Muscial-Nummer inspiriert; sie ist vorerst abgelenkt. Édith Scob und Michel Piccoli wirken hingegen ebenfalls sehr spielwütig. Haben die Japaner noch ein Ass im Ärmel?</p> <p> </p> <p><strong>13:23 Uhr:</strong></p> <p>Die Japaner sind gut vorbereitet und lassen sich von Kylie Minogues Gesang genauso wenig aus der Fassung bringen wie aus den Blumenreste, die ständig die Stollen verkleben. Vielleicht fühlen sich die Franzosen hier als selbst erklärte Könige des anspruchsvollen Spiels schon zu sicher. Das ist immerhin ein Finale! Und Japans Tradition ist nicht zu verachten. Und siehe da: Lavant foult. Der Schiedsrichter entscheidet auf Elfmeter. Wie eine Schnecke schleicht der Spieler zum Punkt, legt sich den Ball vor - und schießt! Tooooor! Japan liegt 1:0 vorne. </p> <p> </p> <p>Die erste Halbzeit ist gespielt und das Kino-Zeit-Team hat vorgelegt. Jetzt seid Ihr dran.</p> <p> </p> <p><u>Spielregeln:</u></p> <p>Kommentiert unter diesem Beitrag oder auf Facebook und Twitter. Haut euer gesamtes filmisches Nischenwissen, gepfeffert mit fußballerischen Allgemeinplätzen raus! Wer macht ein Tor und warum? Wer muss auf die Ersatzbank? Alles geht, solange ihr es begründet. Das Endergebnis erfahrt ihr am Folgetag in unserer Spielübersicht.</p> <p>Und übrigens – der beste Kultur-WM-Kommentar gewinnt eine Überraschung!</p> <p>Unser <a href="/news-features/kultur-wm/unsere-kultur-wm-der-ball-rollt-die-filme-auch">Spielplan</a> zeigt euch alle Matches und Spielständen an.</p></div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kultur-wm" hreflang="de">Kultur-WM</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42968&amp;2=comment&amp;3=comment" token="aOC297Y6MYhuqDlwnrnX457BSeQnpqFV9ok_crsDs_Y"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kultur-wm/kultur-wm-2018-frankreich-vs-japan-finale" data-a2a-title="Kultur-WM 2018: Frankreich vs. Japan (Finale)"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kultur-WM</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/redaktion" hreflang="de">Redaktion</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-12T13:10:20Z">12.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Vergesst die Fussball-WM. Wir spielen Kultur-WM! Zwei Länder, zwei Filme und einen Monat lang eine Battle Royale. Es kann nur einen Gewinner geben! Die erste Halbzeit spielt das Kino-Zeit-Team, in der zweiten seid ihr gefragt. Alles geht, nichts macht Sinn. Aber Spaß. Also, lasset die Kommentare dribbeln!</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kultur-WM</div> Thu, 12 Jul 2018 13:10:20 +0000 Andreas Köhnemann 42968 at https://www.kino-zeit.de Kultur-WM 2018: Polen vs. Iran (Spiel um Platz 3) https://www.kino-zeit.de/news-features/kultur-wm/kultur-wm-2018-polen-vs-iran-spiel-um-platz-3 <span>Kultur-WM 2018: Polen vs. Iran (Spiel um Platz 3)</span> <span><span lang="" about="/user/67" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Köhnemann</span></span> <span>12.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><h2>Polen vs. Iran</h2> <h2><a href="/film-kritiken-trailer/ida">Ida</a> vs. <a href="/film-kritiken-trailer/taxi-teheran">Taxi Teheran</a></h2></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/SpielumPlatz3_POL-IRN.jpg?itok=Lje1oInq" width="940" height="530" alt="Ida/Taxi Teheran" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Arsenal Filmverleih/Weltkino Filmverleih</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Ida/Taxi Teheran</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><h3>1. Halbzeit:</h3> <h4>17:14 Uhr</h4> <p>Ein ungewöhnliches Spiel findet heute statt: denn der Schiedsrichter hat eine Assistentin: Hana, die kleine Nichte eines der iranischen Spieler, die als Hausaufgabe einen Film drehen muss. Aufgeregt läuft sie zu foulenden Fußballern und fordert sich auf sich zu entschuldigen, denn in ihrem Film darf nur Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit zu sehen sein. Der Charme der Kleinen zeigt Wirkung: das hier ist wahrscheinlich das sauberste Spiel der kompletten WM.</p> <h4>17.25 Uhr:</h4> <p>Da die "Blutige Wanda" für das Spiel gesperrt wurde, gibt es tatsächlich keine  Querulantinnen und Querulanten; alle sind fair und nett - was allerdings auch bereits dazu führte, dass diverse Tore ohne Widerstand gewährt wurden. So hat die polnische Mannschaft bereits 3 Tore zugelassen, die iranische 2. Damit führt Polen derzeit. Wird der Kampfgeist hier doch noch erwachen?</p> <p><strong>17:35 Uhr:</strong></p> <p>Bisher ist das hier alles ein typisches Spiel um den dritten Platz, beide Mannschaften sind bemüht, nicht allzu viele Fehler zu machen. Vor allem auf polnischer Seite muss man sagen, dass sich alle brav an das formale Konzept halten, das sie von Turnierbeginn gezeigt haben. Aber Anna war bisher immer für eine Überraschung gut - und so auch jetzt: Mit dem Ball gut versteckt unter ihrer Novizinnentracht läuft sie zum gegnerischen Tor und schießt den Ball ins linke Eck. Polen liegt damit 4:2 vorne.</p> <p> </p> <p>Die erste Halbzeit ist gespielt und das Kino-Zeit-Team hat vorgelegt. Jetzt seid Ihr dran.</p> <p> </p> <p><u>Spielregeln:</u></p> <p>Kommentiert unter diesem Beitrag oder auf Facebook und Twitter. Haut euer gesamtes filmisches Nischenwissen, gepfeffert mit fußballerischen Allgemeinplätzen raus! Wer macht ein Tor und warum? Wer muss auf die Ersatzbank? Alles geht, solange ihr es begründet. Das Endergebnis erfahrt ihr am Folgetag in unserer Spielübersicht.</p> <p>Und übrigens – der beste Kultur-WM-Kommentar gewinnt eine Überraschung!</p> <p>Unser <a href="/news-features/kultur-wm/unsere-kultur-wm-der-ball-rollt-die-filme-auch">Spielplan</a> zeigt euch alle Matches und Spielständen an.</p></div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/kultur-wm" hreflang="de">Kultur-WM</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42967&amp;2=comment&amp;3=comment" token="yxJbTnYBON68S1Y5PjEwhmgCddtULIRyDMIG2t9RhWo"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kultur-wm/kultur-wm-2018-polen-vs-iran-spiel-um-platz-3" data-a2a-title="Kultur-WM 2018: Polen vs. Iran (Spiel um Platz 3)"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kultur-WM</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/redaktion" hreflang="de">Redaktion</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-12T13:06:19Z">12.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Vergesst die Fussball-WM. Wir spielen Kultur-WM! Zwei Länder, zwei Filme und einen Monat lang eine Battle Royale. Es kann nur einen Gewinner geben! Die erste Halbzeit spielt das Kino-Zeit-Team, in der zweiten seid ihr gefragt. Alles geht, nichts macht Sinn. Aber Spaß. Also, lasset die Kommentare dribbeln!</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kultur-WM</div> Thu, 12 Jul 2018 13:06:19 +0000 Andreas Köhnemann 42967 at https://www.kino-zeit.de 9 Regisseure, die grandios gescheitert sind https://www.kino-zeit.de/news-features/specials/9-regisseure-die-grandios-gescheitert-sind <span>9 Regisseure, die grandios gescheitert sind</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>12.07.2018</span> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/scheitern_multi.jpg?itok=1xeTdVtC" width="940" height="530" alt="Showgirls/Southland Tales/Die Nacht des Jägers" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">VCL Communications/Universal Pictures/Koch Media</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Showgirls/Southland Tales/Die Nacht des Jägers</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/paul-verhoeven" hreflang="de">Paul Verhoeven</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/ed-wood" hreflang="de">Ed Wood</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/richard-kelly" hreflang="de">Richard Kelly</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/florian-henckel-von-donnersmarck" hreflang="de">Florian Henckel von Donnersmarck</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/lucrecia-martel" hreflang="de">Lucrecia Martel</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/michael-cimino" hreflang="de">Michael Cimino</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/david-lynch" hreflang="de">David Lynch</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/tommy-wiseau" hreflang="de">Tommy Wiseau</a></div> <div class="field--item"><a href="/personen/robert-mitchum-0" hreflang="de">Robert Mitchum</a></div> <div class="field--item"><a href="/personen/charles-laughton-1" hreflang="de">Charles Laughton</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/special" hreflang="de">Special</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/scheitern" hreflang="de">Scheitern</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/trash" hreflang="de">Trash</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/klassiker" hreflang="de">Klassiker</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42965&amp;2=comment&amp;3=comment" token="BqRzBxq8CLAppEehoZ39Dk4jEZHDqN3s0A2IqP-ob5c"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/specials/9-regisseure-die-grandios-gescheitert-sind" data-a2a-title="9 Regisseure, die grandios gescheitert sind"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-absaetze field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <ul class="grosseklickstrecke"> <li class="paragraph paragraph--type--klickstreckeklein paragraph--view-mode--grklickstrecke" data-thumb="/sites/default/files/default_kino-zeit.jpg"> <div class="field field--name-field-bild field--type-entity-reference field--label-hidden field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/1abbca4602a4d8baed735c5daca9060e%20%281%29.jpg?itok=D4dpejpn" width="940" height="530" alt="Showgirls - Bild" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">VCL Communications</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Showgirls - Bild</div> </article> </div> <div class="row"> <div class="col-md-10"> <div class="field field--name-field-text field--type-text-long field--label-hidden field--item"><h4>Paul Verhoeven</h4> <p>Paul Verhoeven ist das beste Beispiel dafür, dass man allzu schnell gefällte Urteile über Erfolg oder Misserfolg eines Regisseurs nicht immer für bare Münze nehmen sollte. Von <strong>Türkische Früchte</strong> über <strong>Basic Instinct</strong> bis hin zu <strong>Starship Troopers</strong> lösen Verhoevens Filme regelmäßig Kontroversen aus.</p> <p>Das beste Beispiel dafür ist <strong>Showgirls</strong>, seine 1995 gedrehte Geschichte einer Tänzerin aus Las Vegas. Nicht nur floppte der Film an den Kinokassen, auch die Kritiken waren desaströs: der Film sei unlogisch, kalt, voyeuristisch, warf man Verhoeven vor und nicht selten wurde er als schlechtester Film aller Zeiten bezeichnet. Erst Jahre später begannen einzelne Kritiker und Regisseure (darunter Jacques Rivette) <strong>Showgirls</strong> als völlig missverstandene Satire auf das Showgeschäft zu verteidigen. Und schließlich spülte die Auswertung im Videoverleih und auf DVD sogar das 1995 in den Sand gesetzte Geld wieder herein. Heute muss sich niemand mehr schämen <strong>Showgirls</strong> als ekstatisches antikapitalistisches Meisterwerk zu bezeichnen.</p></div> </div> <div class="col-md-2"><span class="slideindex"></span></div> </div> </li> <!-- klickstrecke eintrag --> </ul> </div> </div> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Specials</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/katrin-doerksen-1" hreflang="de">Katrin Doerksen</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-19T06:00:00Z">19.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Anlässlich des 80. Geburtstags des großartigen Paul Verhoeven haben wir auf die Karrieren einiger Filmemacher zurückgeblickt, die grandios gescheitert sind - wobei Scheitern ja ein dehnbarer Begriff ist.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Specials</div> Thu, 12 Jul 2018 11:37:23 +0000 KatrinDoerksen 42965 at https://www.kino-zeit.de Ryuichi Sakamoto - Der Klangzauberer https://www.kino-zeit.de/news-features/features/ryuichi-sakamoto-der-klangzauberer <span>Ryuichi Sakamoto - Der Klangzauberer</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>12.07.2018</span> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-06/sakamoto1.jpg?itok=WhXbdOyR" width="940" height="530" alt="Filmstill zu Ryuichi Sakamoto: Coda (2017)" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Salzgeber</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">Ryuichi Sakamoto: Coda (2017) von Stephen Nomura Schible</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><h4><b>Vom Jazz-Schüler zum Miterfinder elektronischer Popmusik</b></h4> <p>Bereits als Schüler spielte der 1952 in Tokyo geborene Ryuichi Sakamoto in verschiedenen Jazzformationen und studierte ab 1970 an der T<i>okyo National University of Fine Arts and Music</i>. Dort kam er mit klassischer Musik in Berührung, die zuvor in seinem Leben kaum eine Rolle gespielt hatte. Sein Hauptinteresse aber galt der Komposition und der Musikethnologie, die ihm neben der traditionellen japanischen Musik auch mit den überlieferten Klängen der amerikanischen und afrikanischen Ureinwohner in Berührung brachte. </p> <p>Zudem weckte das Studium auch sein Interesse an elektronischer Musik, wobei sich vor allem der Einfluss des 2016 verstorbenen japanischen Elektropioniers Isao Tomita als prägend erwies, der seit den 1960er Jahren mit dem Moog-Synthesizer und einer Unmenge an Effektgeräten, Oszillatoren, Filtern, Verstärker und einem Mellotron-Keyboard experimentiert hatte. </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/igHOaMOzzUo?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Beeinflusst von diesen kühnen Experimenten und der seltsamen Maschinenmusik deutscher Provenienz von einer Formation namens <i>Kraftwerk</i> formte er 1978 gemeinsam mit seinem Studienkollegen Yukihiro Takahashi und dem Musiker Haruomi Hosono das <i>Yellow Magic Orchestra </i>(ursprünglich von Hosono als Ein-Mann-Studioprojekt ins Leben gerufen), das zudem noch als eher inoffizielles Mitglied den Soundtüftler Hideki Matsutake führte, der Isao Tomita als technischer Assistent gedient hatte. </p> <p>Rasch avancierte das <i>YMO</i>, wie seine Fans die Formation abkürzten, zu einer Kult-Combo, die in Asien ungefähr den gleichen Stellenwert hatte wie in Europa <i>Kraftwerk</i>. Mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8yyEAks2oJg"><i>Computer Game</i></a> aus dem Jahre 1979 drangen sie sogar in die Top 20 der britischen Charts vor, ihr größter Erfolg aber war <i>Behind the Mask</i>.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/u4VMLYnH_Dc?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Bis 1984 währte die Formation, die sich im Laufe ihres Bestehens neben <i>Kraftwerk</i> und <i>Yello</i> als einer der größten Einflüsse auf die später entstehende Techno-Musik erwies. Superstars der Popmusik wie David Bowie und David Byrne von den <i>Talking Heads </i>sowie David Sylvian von der <i>Progressive-Rock</i>-Formation <i>Japan</i> wurden durch den Erfolg von YMO angezogen und suchten immer wieder die Nähe zu der Band und zu Sakamoto, so dass im Laufe der 1980er Jahre ein sich immer weiter verästelndes musikalisches Werk entstand, bei dem der Klangzauberer häufig als Gastmusiker auftrat. Ab Mitte der 1980er Jahre widmeten sich die Musiker des <i>YMO </i>vor allem ihren Solokarrieren, traten aber immer wieder gemeinsam auf und veröffentlichten 1993 das Album <i>Technodon</i>, das allerdings unter dem Namen <i>YMO</i><i> </i>auf den Markt gebracht wurde. Für die darauf folgende Tour wurden sie als <i>Not YMO</i> angekündigt.<b> </b></p> <p> </p> <h4><b>Die gleich zweifache Filmkarriere Ryuichi Sakamotos</b></h4> <p>Das niemals öffentlich vollzogene Ende hängt vermutlich auch und vor allem mit Ryuichi Sakamotos unbändiger Neugier auf neue Formen der Musik zusammen, die ihn seit Anfang der 1980er Jahre immer häufiger zum Komponisten von Filmscores werden ließ. Den Auftakt zu dieser nicht minder erfolgreichen Facette seines Schaffens bildete <b>Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence</b> von Nagisa Oshima aus dem Jahre 1983, bei dem Sakamoto nicht nur die mittlerweile zum Klassiker avancierte Filmmusik schrieb, sondern zudem mit seinem musikalischen Weggefährten David Bowie auch vor der Kamera stand. </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/LF9_9MZyQGo?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/DHy1iKBtTq4?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>1987 und 1990 folgten mit den Filmmusiken zu Bernardo Bertoluccis <a href="/film-kritiken-trailer/der-letzte-kaiser"><b>Der letzte Kaiser</b></a> und<b> <a href="/film-kritiken-trailer/himmel-uber-der-wuste-arthaus-collection">Himmel über der Wüste</a></b> zwei weitere Höhepunkte seines filmkompositorischen Werks.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/TWdyAm-nUjI?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/zVSnV8zP9z8?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p>Danach kamen weitere Kollaborationen – vor allem mit Nagisa Oshima und Bernardo Bertolucci, aber auch mit Pedro Almodovar (<b>High Heels; </b>1991), Ryū Murakami (<b>Tokyo Dekadenz</b>; 1992), Peter Kosminsky (<a href="/film-kritiken-trailer/stuermische-leidenschaft"><b>Stürmische Leidenschaft</b></a>; 1992), Brian De Palma (<a href="/film-kritiken-trailer/femme-fatale"><b>Femme Fatale</b></a>), Juni Ichikawa (<a href="/film-kritiken-trailer/tony-takitani"><b>Tony Takitani</b></a>; 2004) und Shirin Neshat (<a href="/film-kritiken-trailer/women-without-men"><b>Women without Men</b></a>; 2009).</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/videoseries?list=RD15Ne5BXTqYE"></iframe> </div> <p> </p> <p>Neben diesen größeren Werken schrieb Sakamoto die Filmmusiken zu zahlreichen Kurz- und Dokumentarfilmen, wobei sich dabei insbesondere die Schaffensphase nach 2011 als besonders fruchtbar zeigt.</p> <p>Die ungeheure Produktivität Sakamotos in den vergangenen Jahren lässt sich womöglich auch durch ein einschneidendes Ereignis erklären, das den Komponisten im Jahre 2014 ereilte: Bei einer Untersuchung wurde bei ihm Mundrachenkrebs diagnostiziert, worauf sich Sakamoto zunächst zurückzog, um gegen die Krankheit anzukämpfen. Schon ein Jahr später meldete er sich mit gleich zwei guten Nachrichten zurück: Zum einen vermeldete er, dass die Krankheit überwunden sei, zum anderen präsentierte er eines seiner eindrucksvollsten filmmusikalischen Werke, den Score zu Alejandro G. Iñárritus <a href="/film-kritiken-trailer/the-revenant-der-rueckkehrer"><b>The Revenant</b></a>, den er gemeinsam mit dem Deutschen Alva Noto aka Carsten Nicolai und Bryce Dessner erschaffen hatte:</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/Czv8J1W4yYU?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p> </p> <p> </p> <h4><b>Homo politicus</b></h4> <p>Wie für viele seiner Landsleute, bedeutete auch für Ryuichi Sakamoto die Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 (das Tōhoku-Erdbeben, der darauffolgende Tsunami und die durch die beiden Ereignisse ausgelöste Nuklearkatastrophe von Fukushima) einen grundlegenden Einschnitt. Seither engagiert sich der sonst eher zurückhaltende Sakamoto leidenschaftlich für den Atomaussteig Japans. Er ist einer der prominentesten Unterstützer der Kampagne <i>Sayōnara Genpatsu Senmannin Akushon</i> („Tschüss Atomkraft – 10.000.000-Menschen-Aktion“), mit der nach dem Reaktorunfall zu landesweiten Protesten und einer Unterschriftensammlung für den Atomausstieg geworben wurde. </p> <p>Zudem organisierte er ein Jahr später ein Benefizkonzert für die Opfer der Dreifachkatastrophe, das auch im Fernsehen und in seiner eigenen Radioshow übertragen wurde. Dabei trat unter anderem auch Kraftwerk auf, die sich mit Sakamoto wegen seiner Band <i>Yellow Magic Orchestra </i>seit jeher stark verbunden fühlen. Dabei nutzt Sakamoto sicherlich auch seine herausragende Position als Künstler mit hoher internationaler Reputation und seinen doppelten Wohnsitz in Tokyo und New York.</p> <p>Doch damit scheint Sakamotos erwachtes politisches Bewusstsein noch keine Ruhe gefunden zu haben. Als die japanische Regierung im Jahr 2015 ein neues Sicherheitsgesetz zur kollektiven Selbstverteidigung plante, das von Beginn an als gegen die eigentlich pazifistisch orientierte Verfassung Japans kritisiert wurde, gehörte Sakamoto zu den öffentlichen Kritikern des Gesetzes, das dennoch 2016 implementiert wurde. </p> <p>Zugleich setzt sich Sakamoto gegen das geltende Urheberrecht ein, das er als antiquiert und nicht angemessen für das digitale Zeitalter begreift, wie er in einem Interview mit dem <a href="https://www.theguardian.com/music/2009/may/19/turning-japanese-ryuichi-sakamoto">Guardian</a> bekannte: </p> <blockquote> <p>„For the last 100 years, only a few organisations have dominated the music world and ripped off both fans and creators. But this is an exceptional circumstance that has only existed in the last century. It started at the end of the 19th century, so if we look at human history it is a very exceptional point.“</p> </blockquote> <p>Und weiter heißt es dort: </p> <blockquote> <p>„In the old days people shared music, they didn't care who made it; a song would be owned by a village and anyone could sing it, change the words, whatever. That is how humans treated music until the late 19th century. Now with the internet we are going back to having tribal attitudes towards music.“</p> </blockquote> <p>Ryuichi Sakamoto ist ein Wandler zwischen den Welten, ein wahrer musikalischer Kosmopolit zwischen Ost und West, bei dem Stille und Schweigen einen beinahe ebenso großen Platz einnehmen wie die Macht der Töne. Sein Schaffen speist sich heute aus der Suche nach Harmonie und Einheit und ist dennoch niemals eskapistisch, sondern stets voller Bewusstsein von der Zerbrechlichkeit der eigenen wie der universellen Existenz und dem Wunsch, diese fragile Balance musikalisch wiederherzustellen. Stephen Nomura Schibles Dokumentarfilm <a href="/film-kritiken-trailer/ryuichi-sakamoto-coda-2017"><b>Ryuichi Sakamoto: Coda</b></a> reflektiert dies, zeigt einen Ausnahmekünstler von globaler Bedeutung und lädt dazu ein, dessen Schaffen neu zu entdecken. </p> <p>Wer dies rein musikalisch tun will, dem sei <a href="https://www.mixcloud.com/TheVinylFactory/vf-mix-100-ryuichi-sakamoto-by-johann-johannsson/">dieser Mix</a> empfohlen, bei dem der unlängst verstorbene Jóhann Jóhannsson dem Meister aus Japan eine musikalische Hommage zuteil werden lässt.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/personen/ryuichi-sakamoto-1" hreflang="de">Ryuichi Sakamoto</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/johann-johannsson" hreflang="de">Jóhann Jóhannsson</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/david-bowie" hreflang="de">David Bowie</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/nagisa-oshima" hreflang="de">Nagisa Oshima</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/bernardo-bertolucci" hreflang="de">Bernardo Bertolucci</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/musik" hreflang="de">Musik</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/japan" hreflang="de">japan</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/the-revenant" hreflang="de">The Revenant</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42960&amp;2=comment&amp;3=comment" token="FDSu5-ptw-EHnGMZnoaZaYhuPK6nkSvGusXTHGfgrU0"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/features/ryuichi-sakamoto-der-klangzauberer" data-a2a-title="Ryuichi Sakamoto - Der Klangzauberer"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Features</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/joachim-kurz-3" hreflang="de">Joachim Kurz</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-17T15:00:00Z">17.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Ryuichi Sakamoto gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Musiker Japans und hat auch im Bereich der Filmmusik Bemerkenswertes geleistet. Zum Kinostarts von „Ryuichi Sakamoto: Coda“ würdigt Joachim Kurz im Rahmen unserer Reihe „Film/Musik“ den Ausnahmekünstlers.</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Features</div> Thu, 12 Jul 2018 08:15:41 +0000 KatrinDoerksen 42960 at https://www.kino-zeit.de Haltungsfragen https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/haltungsfragen <span>Haltungsfragen</span> <span><span lang="" about="/user/70" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">KatrinDoerksen</span></span> <span>11.07.2018</span> <div class="field field--name-field-kurztext field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Ganz entgegen meines sonst gewohnt-gewöhnlichen Filmkritikerinnen-Daseins zwischen dunklem Kinosaal, stiller Schreibecke und der nächstgelegenen Kaffeezufuhrmöglichkeit habe ich dieses Jahr das Filmfest München völlig anders erlebt. Ich war im Hellen, denn eine Woche saß ich in der Kino-Zeit-Videobox im Gasteig, dem Zentrum des filmischen Vor-Ort-Wahnsinns, und habe eine Menge Interviews geführt.</p></div> <div class="field field--name-field-bilder field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item"><article class="media media-bildmedien view-mode-grosse-klickstrecke-940x530-"> <div class="field field--name-field-bild field--type-image field--label-hidden field--item"> <img src="/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2018-07/A-Young-Man-with-High-Potential-Frontpage.jpg?itok=cge5tcOK" width="940" height="530" alt="A Young Man With High Potential - Bild" typeof="foaf:Image" class="img-responsive" /> </div> <div class="field field--name-field-copyright field--type-string field--label-hidden field--item">Hahn Film AG</div> <div class="field field--name-field-bildunterschrift field--type-string field--label-hidden field--item">A Young Man With High Potential - Bild</div> </article> </div> </div> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field--item"><p>Der Großteil dieser Interviews hatte folgende Parameter gemeinsam: Es waren stets die RegisseurInnen, mit denen ich sprach, und es handelte sich um neue Beiträge aus dem deutschen Kino. Viele, nicht alle, wurden in der deutschen Reihe uraufgeführt. Viele, nicht alle, waren eindeutig Vertreter von etwas, das ich als politisches Kino bezeichne. Und viele, aber nicht alle, verneinten meine Frage, ob ihr Film ein politischer ist, mal mehr, mal weniger vehement. Am Anfang war ich ein wenig verdutzt. Doch je häufiger ich hörte: „Nein, nein, mein Film ist nicht politisch! Ich will ja nicht predigen oder Leute überzeugen, ich will nur eine Geschichte erzählen“, desto mehr dachte ich, hier stimmt was nicht.</p> <p> </p> <h4><strong>„ich will nur eine Geschichte erzählen …“</strong></h4> <p>Reden wir aneinander vorbei? Was ist denn ein politischer Film überhaupt? In meiner Wahrnehmung jedenfalls nicht mehr das Kino Eisensteins. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen man große Filme machen konnte, die man als politisch deklariert und die Dinge und die Menschen klar in zwei Lager teilt. Hier liegt auch der deutsche Arbeiterfilm begraben, der einst das Oben und das Unten der Gesellschaft gegenüberstellte. Doch die Linien sind nicht mehr eindeutig links oder rechts, oben oder unten, innen oder außen zu verorten. Unsere Welt ist globalisiert, komplex und sie brennt. Es ist nicht leicht, in diesem Chaos klare Fronten und Verläufe zu finden, so wie es einst einmal möglich war. Wie also soll hier politischer Film funktionieren? </p> <p>Für mich ist die Antwort tief verborgen im Kern des Filmemachens und -zeigens: Es geht um das Geschichtenerzählen. Jedes Geschichtenerzählen ist per se politisch. Damit ist jeder Erzählfilm ein politischer Film. Egal wie groß oder klein, Geschichten zu erzählen, bedeutet Stellung zu beziehen, zur Welt, in der man lebt. Es bedeutet ein Austausch von Erfahrungen und Ideen. Jede Geschichte, ob klein oder groß, persönlich und intim oder gesellschaftlich allumfassend, verweist auf eine Haltung zur Welt. Ob intendiert oder nicht, Geschichten beziehen Stellung, sie extrapolieren, analysieren, finden Metaphern, tauchen den Finger in Wunden, reflektieren gemeinsame Erfahrungen, streuen Wissen. Sie examinieren, befragen, wundern sich und geben ihrem Publikum etwas zum Ansehen, Anfühlen, Mit- und Nachdenken. </p> <figure role="group"><img alt="So was von da von Jakob Lass; Copyright: DCM" data-entity-type="file" data-entity-uuid="b040bb15-c220-4bcd-8eb0-05788237c430" src="/sites/default/files/inline-images/sowas-von-da-hamburg-2.jpg" /><figcaption>So was von da von Jakob Lass; Copyright: DCM</figcaption></figure><p>Und das tun so viele dieser neuen deutschen Filme des Filmfest Münchens. <a href="/film-kritiken-trailer/so-was-von-da"><strong>So Was Von Da</strong></a> erzählt von jungen Menschen, die sich suchen und nur in dunklen Clubs finden, welche ihnen als semi-private <em>safe-spaces</em> dienen. Und die jetzt bedroht sind vom stets hungrigen Kapitalismus, der seine eigenen Kinder frisst. <strong><a href="/film-kritiken-trailer/ende-neu-2018">Ende Neu</a> </strong>befragt die deutsche Postapokalypse nach den gängigen Standards von Männlichkeit, Macht und Gewalt, die die ganze Erde schon verschlungen haben und sich jetzt in den letzten noch stehenden Kerlen als Krebsgeschwüre durch ihre Eingeweide bohren. Ein Zerfressen werden von Hass und Gewalt, eine Metapher so dunkel und gelbgallig und so treffend für die hasserfüllten Parolenbrüller on- und offline, die die Welt brennen sehen wollen. <strong><a href="/film-kritiken-trailer/wir-haben-nur-gespielt-2018">Wir haben nur gespielt</a> </strong>zeigt Kinder zwischen imaginären Grenzen, geografischen, kulturellen, sozialen, die deren Leben und Sterben bestimmen, während die, die diese Grenzen zogen, sie aufrechterhalten und auf sie pochen, doch gleichsam wegsehen. Denn was man nicht sieht, das gibt es nicht? So wie die Toten im Mittelmeer, die sich dort zu tausenden auf dem Meeresgrund stapeln.</p> <p>Und dann ist da <a href="/film-kritiken-trailer/alles-ist-gut-2018"><strong>Alles ist gut</strong></a>, ein Film, konzipiert lang vor der #MeToo-Bewegung und jetzt mittendrin, der examinieren will, ob es nicht auch geht und emanzipiert ist, wenn Frau sich dem Opferstatus verwehrt. Ebenso in<strong> <a href="/film-kritiken-trailer/kim-hat-einen-penis-2018">Kim hat einen Penis</a></strong>. Ein Schwanz und seine ganze symbolische und echte penetrative Macht, die plötzlich, gegen ein wenig Geld, auch Frauen gehören kann. Und dann? Was wenn die Binarität und die ihr zugeschriebenen Machtverhältnisse plötzlich so einfach und schnell verwirrt werden können? Wenn schon die kleine Zweierbeziehung hier ihre Form verliert, was bedeutet das für den Rest? <a href="/film-kritiken-trailer/von-bienen-und-blumen-2018"><strong>Von Bienen und Blumen</strong></a> berichtet von der Landflucht in eine Utopie der Selbstbestimmung und dabei gleichsam auch vom Privileg, überhaupt „fliehen“ zu können. <strong><a href="/film-kritiken-trailer/yung-2018">Yung</a> </strong>sucht das Echte und die letzten Wege nach Ausdruck und Selbstbestimmung in einer Jugendgeneration, die schon von Anfang an weiß, dass sie kaum noch eine Chance hat … Die Liste geht weiter und weiter und weiter.</p> <figure role="group"><img alt="Alles ist gut von Eva Trobisch; Copyright: Trimaphilm" data-entity-type="file" data-entity-uuid="c18c0d6b-e8dc-4db9-a9fc-0bd8c93ad519" src="/sites/default/files/inline-images/Alles-ist-gut-Filmszene-p03-1200x689.jpg" /><figcaption>Alles ist gut von Eva Trobisch; Copyright: Trimaphilm</figcaption></figure><p> </p> <h4><strong>„Nein, nein, mein Film ist nicht politisch! Ich will ja nicht predigen oder Leute überzeugen …“</strong></h4> <p><a href="http://www.spiegel.de/kultur/kino/der-lange-sommer-der-theorie-irene-von-alberti-ueber-politisches-kino-a-1179998.html">In ihrem Interview mit dem Spiegel </a>beschreibt die – dezidiert politisch agierende – Filmemacherin Irene von Alberti ihr Arbeiten als nichtautoritär. Sie predigt nicht, sondern zeigt und offenbart ihre (politische) Haltung. Der kontemporäre politische Film, sei es ein so dezidierter wie von Albertis <a href="/film-kritiken-trailer/der-lange-sommer-der-theorie-2017"><strong>Der lange Sommer der Theorie</strong></a> oder eben jeder andere Erzählfilm, ganz unabhängig von seinem Ausmaß an direkten politischen Akten im Film, kann nicht mehr autoritär im Sinne propagandistischer Filme arbeiten. Dazu bedarf es einer Trennschärfe, die es nicht mehr gibt. Und wahrlich, predigen hat noch nie gut funktioniert. Zumindest nicht ohne Druck und Zwang dahinter.</p> <div class="video-embed-field-responsive-video form-group"><iframe width="854" height="480" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" src="https://www.youtube.com/embed/Kq5U_dbts4E?autoplay=0&amp;start=0&amp;rel=0"></iframe> </div> <p>Ein politischer Film braucht keinen dezidiert politischen Akt. Vielleicht ist das das Missverständnis? Niemand wird <a href="/film-kritiken-trailer/wackersdorf-2018"><strong>Wackersdorf</strong></a> absprechen, ein politischer Film zu sein. Immerhin geht es um einen Politiker. Und das in Bayern. Der sich mit Zivilcourage gegen die CSU wehrt. Auch wenn der Film in einer anderen Zeit spielt, die Parallelen zu den Seehofers dieses Landes sind eindeutig. Noch dazu korrespondiert Oliver Haffners „Heimatfilm“ so wunderbar gar nicht mit Söders Idee derselbigen als Hilfsmittel zur Entwirrung „verwirrter Köpfe“.</p> <p>Aber auch <a href="/film-kritiken-trailer/mackie-messer-brechts-dreigroschenfilm"><strong>Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm</strong></a>, <a href="/film-kritiken-trailer/a-young-man-with-high-potential-2018"><strong>A Young Man With High Potential</strong></a>, <a href="/film-kritiken-trailer/nixen-2018"><strong>Nixen</strong></a>, <a href="/film-kritiken-trailer/das-schoenste-maedchen-der-welt"><strong>Das schönste Mädchen der Welt</strong></a>, <strong><a href="/film-kritiken-trailer/safari-match-me-if-you-can">Safari - Match Me If You Can</a> </strong>sind politische Filme. Sie zeigen eine Haltung zur Welt und ihrem Geschehen. Das beginnt bei der Themenwahl und endet weit nach dem Abspann. Auch unsere Interviews sind noch Teil davon. Hier zu sagen, dass man keinen politischen Film gemacht hat und von den Themen, den Aussagen, der Haltung Abstand zu nehmen, ist eben auch ein politischer Akt. Und noch dazu ein Privileg.</p> <figure role="group"><img alt="Mackie Messer; Copyright: Wild Bunch" data-entity-type="file" data-entity-uuid="6adb2d02-d84d-4a6b-b51b-7b67f73b5663" src="/sites/default/files/inline-images/4107243.jpg-r_1280_720-f_jpg-q_x-xxyxx.jpg" /><figcaption>Mackie Messer; Copyright: Wild Bunch</figcaption></figure><p> </p> <h4><strong>Die netten Jahre sind vorbei</strong></h4> <p>Ich sage nicht, dass alle FilmemacherInnen, alle KünstlerInnen jetzt zwingend politisch agieren müssen. Aber ich frage mich, warum negieren, was eh da ist? Wo ist das Problem zu bejahen, dass die eigene Kunst politisch sei? Wieso nicht das Privileg nutzen, das man als KünstlerIn hat, mit dem man Menschen erreicht und bewegt, ihnen Welten, Ideen und ja, Haltungen eröffnet? Ist das nicht (auch) eine der Aufgaben von Kunst, vor allem in Zeiten wie diesen? Die netten Jahre sind vorbei, wir sind in einer Zeit massiver Umbrüche angekommen und Kunst ist und war schon immer ein großer und relevanter Teil des Kontemplierens und Austarierens. Ist es nicht Zeit die Verantwortung wieder zu übernehmen, sich nicht zu scheuen, sich dabei auch selbst zu hinterfragen und in den Dialog einzutreten, anstatt zu suggerieren, dass man nur eine Geschichte erzählen will? Als wäre das überhaupt möglich.</p> </div> <div class="field field--name-field-filmtags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Personen</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/personen/irene-von-alberti-1" hreflang="de">Irene von Alberti</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/jakob-lass" hreflang="de">Jakob Lass</a></div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--type-entity-reference field--label-above"> <div class="field--label">Tags</div> <div class="field--items"> <div class="field--item"><a href="/tag/filmfest-muenchen-2018" hreflang="de">Filmfest München 2018</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kolumne" hreflang="de">Kolumne</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/deutscher-film" hreflang="de">Deutscher Film</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/politischer-film" hreflang="de">Politischer Film</a></div> <div class="field--item"><a href="/tag/kommentar" hreflang="de">Kommentar</a></div> </div> </div> <section> <h4 class="label" >Kommentare</h4> <drupal-render-placeholder callback="comment.lazy_builders:renderForm" arguments="0=node&amp;1=42952&amp;2=comment&amp;3=comment" token="GjQ4M2WM2m-9d-O3zePsgHYM25rgv9--nS8A274SXHk"></drupal-render-placeholder> </section> <span class="a2a_kit a2a_kit_size_24 addtoany_list" data-a2a-url="https://www.kino-zeit.de/news-features/kolumnen/haltungsfragen" data-a2a-title="Haltungsfragen"><div class="a2a_kit a2a_kit_size_24 a2a_default_style"> <a class="a2a_button_facebook"></a> <a class="a2a_button_twitter"></a> <a class="a2a_button_whatsapp"></a> <a class="a2a_button_facebook_messenger"></a> <a class="a2a_dd" href="https://www.addtoany.com/share"></a> </div></span> <div class="field field--name-field-aktuelles-kategorie field--type-entity-reference field--label-hidden field--items"> <div class="field--item">Kolumnen</div> </div> <span class="kritiker"><a href="/personen/beatrice-behn-1" hreflang="de">Beatrice Behn</a></span>vom modul heute<time datetime="2018-07-18T08:05:45Z">18.07.2018</time> <div class="field field--name-field-logline field--type-text-long field--label-hidden field--item"><p>Beim Filmfest München hat sich Beatrice Behn  gewundert, warum viele der anwesenden RegisseurInnen politisches Kino machen, im Gespräch aber negieren, dass es politisch sei. Was ist da los? Steckt Angst dahinter? Oder reden wir aneinander vorbei, wenn wir vom „politischen Film“ sprechen?</p></div> <div class="field field--name-field-label field--type-entity-reference field--label-hidden field--item">Kolumnen</div> Wed, 11 Jul 2018 08:05:45 +0000 KatrinDoerksen 42952 at https://www.kino-zeit.de