Milos Forman

Milos Forman

Der zweifache Oscar-Gewinner Milos Forman – Beste Regie 1975 für Einer flog über das Kuckucksnest und 1984 für Amadeus – verstand es im Laufe seiner Karriere immer wieder die Bestandteile der europäischen und US-amerikanischen Filmtraditionen unter einen Hut zu vereinen.

Forman gehört zu jener Handvoll nichtamerikanischer Regisseure, denen internationaler Erfolg zuteil wurde, ohne dass man sie in die Genreschublade steckte oder ihnen der Erfolg aufgrund ihrer Herkunft gelang. Forman findet seine Themen in dem Individualismus, den menschliches Verhalten und Streben ausmacht.

Neben ihm gelangten auch drei Schauspieler mit seinen Filmen zu Oscar-Ehren: Jack Nicholson und Louise Fletcher für Einer flog über das Kuckucksnest (1976) sowie F. Murray Abraham für Amadeus (1984). 1996 erhielt Milos Forman seine dritte Oscar-Nominierung für Larry Flynt — Die nackte Wahrheit.

Als jüngster von drei Söhnen wurde Forman im tschechoslowakischen Caslav, das etwa 70 Kilometer von Prag entfernt liegt, am 18. Februar 1932 geboren. Als er neun Jahre alt war, wurden seine Eltern von der Gestapo verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht, das sie nicht überlebten. Milos wurde von Verwandten aufgezogen. Während seiner Schulzeit begann er sich für das Theater zu interessieren und begeisterte sich für die Komödien von Charlie Chaplin und Buster Keaton und die Western von John Ford. Forman studierte anschließend am Filminstitut der Prager Universität bei Ivan Passer. Nach seinem Abschluss schrieb er sein erstes Drehbuch und drehte zwei halbdokumentarische Kurzfilme.

1963 inszenierte er seinen ersten Spielfilm, eine autobiographische Geschichte über einen Teenager in einer kleinen tschechischen Stadt, namens Der Schwarze Peter (1964). Der Film wurde auf verschiedenen Filmfestivals zu einem großen Erfolg, darunter die in Cannes, Montreal und New York, und führte zu Formans erstem Besuch in den USA.

Seine beiden folgenden Filme A Blonde In Love (1965) und Der Feuerwehrball (1967) verstärkten seine internationale Anerkennung. Als sowjetische Panzer den Prager Frühling im August 1968 unter ihre Ketten nahmen, befand sich Forman gerade in Paris, wo er Verhandlungen über seine erste US-amerikanische Regiearbeit führte. Er kehrte kurz nach Prag zurück und ging dann nach New York um Taking Off (1971) zu drehen. Der Film wurde der offizielle US-amerikanische Beitrag beim Festival in Cannes, wo er den Großen Preis der Jury erhielt.

1973 gaben die Produzenten Michael Douglas und Saul Zaentz dem Regisseur eine Ausgabe von Ken Keseys Roman One Flew Over the Cuckoo’s Nest und fragten ihn, ob er die Verfilmung übernehmen wolle. Dem Film gelang es später Oscars in allen fünf Hauptkategorien auf sich zu vereinen – Bester Film, Bestes Drehbuch, Bester Darsteller und Darstellerin sowie Beste Regie für Forman selbst.

Der Romanverfilmung schloss Forman 1979 die Verfilmung des erfolgreichen Bühnen-Musicals Hair an. 1981 überedete Forman James Cagney, der längst keine Filme mehr machte, in der Verfilmung von E. L. Doctorows Roman Ragtime als Teil eines Ensembles mitzuwirken.

Acht Jahre nach Einer flog über das Kuckucksnest schloss Forman sich erneut mit Produzent Saul Zaentz zusammen und drehte in seiner Heimat Tschechoslowakei Amadeus. Der Film erhielt neben dem Regie-Oscar für Forman insgesamt acht Auszeichnungen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Oscars verleiht, einschließlich den für Bester Film.

Filmographie — Milos Forman

2011
The Ghost of Munich

2009
Dobre placená procházka (A Walk Worthwhile, Regie mit Petr Forman)

2006
Goya’s Ghosts (Goyas Geister)

1999
Man In The Moon (Der Mondmann)

1996
The People Vs. Larry Flynt (Larry Flynt — Die nackte Wahrheit)

1989
Valmont

1984
Amadeus

1981
Ragtime

1979
Hair

1975
One Flew Over The Cuckoo’s Nest (Einer flog übers Kuckucksnest)

1973
Visions Of Eight (München 1972 — 8 berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade)

1971
Taking Off

1967
Horí, Má Panenko (Der Feuerwehrball)

1965
Lásky Jedné Plavovlásky (A Blonde In Love)

1963
Cerný Petr (Der Schwarze Peter)
Bild zu Life as it is: Milos Forman on Milos Forman von Robert Fischer
Life as it is: Milos Forman on Milos Forman von Robert Fischer - Filmbild 1
Kritik

Life as it is: Milos Forman on Milos Forman (2018)

Miloš Forman, im April verstorben, erhält eine vollumfassende Würdigung: Der Filmhistoriker Robert Fischer hatte im Jahr 2000 das Glück, ein umfassendes Interview mit Forman drehen zu können – das nun in fast 2 Stunden das Œuvre des Regisseurs beschreibt.
Kritik

Ragtime

Da stört ein Schrei des Entsetzens eine US-amerikanische Unternehmerfamilie im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts am Mittagstisch auf, den in prätentiöser Übertreibung das Dienstmädchen Brigit (Hoolihand Burke) ausstößt, als sie im Garten ein nackiges, farbiges Baby entdeckt. Auf diese Weise [...]
Kritik

Hair

Bevor der junge Farmerssohn Claude Bukowski (John Savage) nach Vietnam ziehen muss – den [...]
Goyas Geister / Goya's Ghosts von Milos Forman
Goyas Geister / Goya's Ghosts von Milos Forman
Kritik

Goyas Geister

Spanien in den unruhigen Zeiten der Aufklärung und des Wandels gegen Ende des 18. Jahrhunderts: [...]