Streaming-Tipps: Gestreamt: William Castle

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Streaming-Tipps

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Allen, denen der Sommer zu heiß ist, jagen wir mit den Filmen von B-Movie-Meister und Gimmick-King William Castle diese Woche einen eiskalten Schauer über den Rücken.

The House On Haunted Hill/Homicidal/The Tingler
The House On Haunted Hill/Homicidal/The Tingler

Filme in 3D, wackelnde Sitze, Geruchserlebnisse — man könnte den Eindruck bekommen, das seien Erfindungen des 21. Jahrhunderts, in dem das Kino neben dem Internet mit seinen vielfältigen Streamingangeboten immer heftiger ums Überleben kämpfen muss. Aber mitnichten! Seit den 1940er Jahren schaltete und waltete in Hollywood etwa ein Filmemacher, der schon bald als King of Gimmicks in die Filmgeschichte eingehen sollte.

Ralph Crane - Public Domain
Ralph Crane — Public Domain

Der 1914 als William Schloss in New York City geborene William Castle war schon immer seinen eigenen Wegen gefolgt. Nachdem er mit 11 Jahren verwaiste, verließ er im Alter von 15 die Schule, um für’s Theater zu arbeiten: Nachdem er das Stück Dracula mit Bela Lugosi gesehen hatte, ließ er nichts unversucht um den Schauspieler zu treffen, der ihn schließlich als Bühnen-Assistent für eine Tour vorschlug. So war der Grundstein einer langen Karriere gelegt. Bei Columbia Pictures erkannte man Castles Talent und stellte ihn als Regisseur an, wo er sich einen Namen machte, weil er B-Movies schnell und ohne das Budget zu überziehen herunter drehen konnte.

Doch innerhalb des Studiosystems fühlte Castle sich in seinen Ambitionen beschränkt und begann schließlich unabhängig Filme zu drehen, die sein größtes Vermächtnis werden sollten. Denn um auf sich und sein Werk aufmerksam zu machen, warf er die Marketingmaschine an und baute Gimmicks in seine Filme ein: Vibrierende Sitze, im Kino von der Decke fallende Plastikskelette, sogar eine Abstimmung über das finale Schicksal eines Bösewichtes, im Grunde ein Prototyp des interaktiven Film- und Serienerlebens.

Die oftmals persönlichen finanziellen Risiken, die er dabei einging, zahlten sich aus. William Castles Filme erfreuten sich nicht nur guter Besucherzahlen. Auch Regisseure wie Alfred Hitchcock oder John Waters sollten ihn später als wichtigen Einfluss nennen. So rang sich Hitchcock etwa dazu durch Psycho zu drehen, nachdem er den kommerziellen Erfolg der B-Horrormovies von Castle und Roger Corman registrierte. Und Waters ließ sich sogar dazu hinreißen zu schreiben: „William Castle was my idol. His films made me want to make films… William Castle was God.“

 

William Castles Filme im Stream:

 

Just Before Dawn (1946)

Eine Low-Budget-Krimireihe des Studios Columbia Pictures war in den 1940er Jahren die zehnteilige Crime-Doctor-Serie mit Warner Baxter in der Rolle eines Kriminellen, der nach einer Amnesie zum Kriminalpsychologen Dr. Ordway wird und als solcher Fälle löst und Patienten hilft. Just Before Dawn ist der sechste Film der Reihe, der Zweite unter Regie von William Castle, in dem der Fall eines Vergifteten gelöst wird. Danach verfilmte der Regisseur noch weitere Teile der Reihe - auf YouTube online stehen ebenso Crime Doctor’s Man Hunt, Crime Doctor’s Gamble und Crime Doctor’s Warning.

Verfügbar auf: YouTube

 

Die Lady von Shanghai (1947)

Genau, DIE Lady von Shanghai — die von Orson Welles. William Castle kannte den Regiemeister, weil er Jahre zuvor einmal das Stony Creek Theatre in Connecticut gemietet hatte, in dem Welles sein Stück Too Much Johnson aufführte. Der Film noir mit Rita Hayworth als unglücklicher Ehefrau (und berüchtigt für ihr kürzer geschnittenes, blondiertes Haar) basiert auf einem Buch, von dem es gerüchteweise heißt, Castle habe sich selbst zuerst die Adaptionsrechte gesichert. Welles habe die Story dem Studioboss Harry Cohn nur pitchen sollen, wurde dann aber selbst zum Regisseur ernannt, obwohl er das Buch nie gelesen hatte. Castle kam immerhin die Aufgabe der Assistenzregie zu: Von ihm stammen viele der Second-Unit-Aufnahmen, on location gedrehte Straßeneinstellungen.

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The Fat Man (1951)

Mit The Fat Man adaptiert William Castle 1951 ein Radiohörspiel und machte daraus einen Film noir mit keinem Geringeren als Rock Hudson als Hauptverdächtigem im Fall eines ermordeten Zahnarztes. Ihm auf der Spur ist der körperlich ziemlich gewaltige Privatdetektiv Runyan (J. Scott Smart). Inzwischen ist The Fat Man in der Public Domain.

Verfügbar auf: YouTube

 

Hollywood Story (1951)

Für mehr Aufmerksamkeit sorgte schon der im selben Jahr gedrehte Film noir Hollywood Story — ein Versuch der Universal Pictures, an den Erfolg des 1950er Sunset Boulevard vom Konkurrenten Paramount Pictures anzuknüpfen. Im Film kauft ein New Yorker Theaterproduzent (Richard Conte) ein altes Stummfilmstudio in Hollywood und ist fasziniert vom unaufgeklärten Mord an einem Stummfilmregisseur, der dort stattgefunden hat. Als er versucht die Geschichte zu verfilmen, gerät er selbst in Gefahr. Bis auf das Finale hält sich Hollywood Story dabei weitgehend an die realen Fakten im Fall des 1922 ermordeten Regisseurs William Desmond Taylor. Außerdem ist der Film eine Hommage an die Stummfilmära mit kleinen Auftritten zahlreicher alter Stars, die am Set jedoch alle chronisch unterbezahlt wurden.

Verfügbar auf: YouTube

 

Das Haus auf dem Geisterhügel (1959)

Mit Das Haus auf dem Geisterhügel begann für William Castle die Zeit der Independent-Horrorproduktionen und der Gimmicks. Vincent Price ist in der Rolle eines exzentrischen Millionärs zu sehen, der fünf Gäste zu einer verfluchten Party lädt: Wer von ihnen eine ganze Nacht im Haus des Horrors übersteht, bekommt von ihm 10.000 US-Dollar. Eigentlich gruselig genug. Was die Leute aber so richtig in die Kinos zog, war ein eigens entworfenes Gimmick namens Emergo: Damit konnte in einigen Kinosälen mithilfe eines komplizierten Aufhängesystems ein Plastikskelett während korrespondierender Szenen über das Publikum hinwegfliegen.

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Schrei, wenn der Tingler kommt (1959)

Ein Wiedersehen mit Vincent Price (und auch mit dem Drehbuchautoren Robb White) gab es in Schrei, wenn der Tingler kommt, heute ebenfalls ein Klassiker des Camp und (dank des kommerziellen Erfolg von Castles Vorgängerfilm) wiederum produziert von Columbia. Der Horrorfilm erzählt von einem Wissenschaftler, der einen Parasiten namens Tingler entdeckt: Ein tausendfüßlerartiges Viech, das sich von menschlicher Angst ernährt. Wie in Frankenstein beginnt der Film mit einer vorangestellten Warnung des Regisseurs höchstselbst. Als Gimmick diente Percepto!, ein unter dem Kinositz angebrachter Buzzer, der in bestimmten Szenen zu vibrieren begann. Castle engagierte sogar Schauspieler, die in den Kinos schrien und Ohnmachtsanfälle vortäuschten. Mit seinen Marketingstrategien, aber auch auf der Handlungsebene reflektierte er so stets auch das zunehmend schwierige Geschäft der Kinos und der ganzen Filmbranche mit.

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Mörderisch (1961)

Nachdem sich Alfred Hitchcock unter anderem von Das Haus auf dem Geisterhügel zu seinem Meisterwerk Psycho hatte inspirieren lassen, setzte William Castle Hitch wiederum in Mörderisch ein Denkmal: Darin erschüttern grausame Morde eine Kleinstadt in Kalifornien, die zu einer prominenten ortsansässigen Familie in Verbindung zu stehen scheinen. Heute gilt Mörderisch mit seiner kaum zu übersehenden Kritik am Patriarchat vielen als William Castles bester Film, unter anderem gehört John Waters zu seinen größten Fans. Das eingebaute Gimmick ließ diesmal dem Publikum die Wahl: Vor dem Finale baute Castle eine 45-sekündige Pause ein, in der eine Stimme die Zuschauer informierte, sie könnten jetzt den Saal verlassen und ihr Geld zurückerstattet bekommen, sollten sie zu große Angst haben den Film zu Ende zu sehen. Wer sich tatsächlich die Blöße gab, musste gelben Fußspuren in die sogenannte „Coward’s Corner“ folgen, wo eine Krankenschwester einem einen Blutdrucktest anbot.

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The Spirit Is Willing (1967)

The Spirit Is Willing gehört zu den späteren Filmen von William Castle — eine in Farbe gedrehte, harmlos-sympathische Gruselkomödie über eine Familie, die sich für den Sommer in einem Haus an der Küste New Englands einmietet. Das Problem: Dort hausen auch schon drei Poltergeister, die das Gebäude für sich beanspruchen. Doch nur der Sohn der Familie (Barry Gordon) kann sie sehen — und steckt für allen Tumult, den die Geister anrichten, den Ärger ein. Auf diese Weise entwickelt sich der Film zu einer Coming-of-Age-Parabel. Und die Moral von der Geschicht: Die Welt ist einfach schrecklich ungerecht.

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