Specials: Körperlichkeit in all ihren Facetten: Frühe männliche Filmstars - im Stream

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Specials

Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Die Körperkomik und das perfekte Timing des Charlie Chaplin, die durchdringenden Augen und Eleganz des Rudolph Valentino: Über einige der ersten, männlichen Filmstars und wo man ihre Filme finden kann. 

Der Tramp und ein Kind, ein Liebespaar, ein Musketier
"Charlie Chaplin in The Kid" / "Rudolph Valentino in The Eagle" / "Douglas Fairbanks als D'Artagnan"

In einem früheren Special habe ich mich bereits den Gesten und Blicken der weiblichen Filmstars, der großen Diven der ersten Filmstunde gewidmet. Nun sind die Männer an der Reihe. Darunter sind so bekannte Namen wie Charlie Chaplin, aber auch möglicherweise heute eher vergessene Leinwandgrößen wie Rudolph Valentino.

Dieses Special widmet sich den Individuen und ihren Filmen – eine Einordnung in die Zeit, mehr Kontext zum Stummfilm und zum Produktionssystem liefert das Special zu den weiblichen Filmstars.

 

 

What a Tramp!

Charlie Chaplin. Schon allein der Name reicht meist aus, um das Bild des watschelnden, schnauzbärtigen Pantomimen, des „Tramp“ – Chaplins Leinwand alter Ego – wachzurufen. Chaplin ist sicherlich einer der wenigen männlichen Filmstars der Stummfilmzeit, die man zum einen heute noch kennt und derer, die es geschafft haben, auch im Tonfilm erfolgreich zu sein. Wenn auch in Chaplins Fall in seiner ganz eigenen Manier.

Charles Chaplin © public domain via
Wikimedia Commons

Doch Chaplin begann seine Karriere nicht im Film – wie bei so vielen frühen Filmstars hat er seine ersten Erfahrungen im Theater gemacht. Der frühe Tod seines Vaters, da war Charles Spencer Chaplin gerade einmal 10 Jahre alt, und die kurz darauf einsetzende Krankheit der Mutter, nötigten Charles und seinen jüngeren Bruder dazu, selbst auf die Bretter zu steigen. Nach ersten Theaterengagements hatte Charles die Chance, im Vaudeville als Komiker aufzutreten. Mit dem Fred Karno Repertoire ging er dann im Jahr 1910 in die USA. Chaplin war ein Hit bei amerikanischen Zuschauer*innen. Als die Kompanie dann 1912 in die USA zurückkehrte, wurde ihm 1912 ein Vertrag beim Film angeboten. Mit einer Gage von 150$ begann er dann endlich Ende 1913, Filme zu drehen – und wurde direkt zur Sensation! Schnell war klar, dass er mehr für seine Leistungen verlangen konnte.

Nach verschiedenen Stationen und einer ganzen Reihe von Filmen entschied sich Chaplin 1917, seinen eigenen Weg zu gehen. Er wollte mehr Unabhängigkeit – im sich gerade formierenden Studiosystem schon eine kleine Rebellion.

Sein erster Film unter eigener Regie und mit eigenem Distributionsdeal in der Tasche war A Dog’s Life, den es in Gänze auf YouTube zu sehen gibt:

1919 tat sich Chaplin dann mit weiteren Leinwandgrößen der Zeit zusammen – Mary Pickford, Douglas Fairbanks und D.W. Griffith –, um United Artists zu gründen. Dieses Unternehmen ermöglichte es den einzelnen Talenten, komplette Kontrolle über ihre Filme auszuüben, einzigartig im Studiosystem, wo Stars keine rechte an ihren Filmen haben. Der letzte Film, den Chaplin im Rahmen seines ersten Vertrags noch drehte, war The Kid. Der Film findet sich in Gänze auf YouTube:

Chaplins Stern stieg über die Jahrzehnte immer höher und lieferte uns Meisterwerke der Stumm- und Tonfilmzeit wie Goldrausch (1925) (in der Flat bei Mubi, auf allen gängigen Streaming-Plattformen als Leihgabe oder zum Kauf erhältlich),  Moderne Zeiten (1936) (auf allen gängigen Streaming-Plattformen als Leihgabe oder zum Kauf erhältlich) Der große Diktator (1940) (in der Flat bei Mubi, auf allen gängigen Streaming-Plattformen als Leihgabe oder zum Kauf erhältlich) und weniger bekannte Filme wie Lichter der Großstadt (1931) (auf ausgewählten Streaming-Plattformen erhältlich), Der Zirkus (1928) (auf ausgewählten Streaming-Plattformen erhältlich), Die Nächte einer schönen Frau (1923) (auf ausgewählten Streaming-Plattformen erhältlich).

 

Vom Komödianten zum Actionhelden

Douglas Fairbanks habe ich bereits erwähnt. Auch er begann seine Karriere – wie kann es anders sein – im Theater, als Amateur mit nur 12 Jahren. 20 Jahre später stand er dann zum ersten Mal vor einer Filmkamera. In den 1910er Jahren arbeitete er im komödiantischen Fach, und das mit großem Erfolg.

Douglas Fairbanks © public domain
via Wikimedia Commons

1916 lernte er dann Mary Pickford kennen, ebenfalls einer der großen weiblichen Stummfilmstars, die Zeit ihres Lebens auf kindliche Charaktere adaptiert war. Sie begannen eine Affäre, da beide zu dieser Zeit noch mit anderen Partner*innen verheiratet waren. Nachdem Fairbanks Pickford ein Ultimatum stellte, ließ sie sich wie zuvor schon er scheiden, sodass die beiden dann im Jahr 1920 heiraten konnten. Ihr gemeinsames Anwesen wurde schnell zu dem Hot-Spot der damaligen Hollywood-Prominenz. Fairbanks galt als „King of Hollywood“ und er und Pickford waren die beiden ersten Schauspieler*innen, die sich auch dem Hollywood Walk of Fame verewigen durften. Nach Fairbanks zu frühem Tod im Jahr 1939 ging der Titel an Clark Gabel über.

Nach seinen ersten Rollen in den Komödien viel schnell auf, dass er vital und athletisch war – perfekt also, seinen Körper stärker einzusetzen. Er erkannte dies und wurde so zu einem der ersten Actionhelden der Filmgeschichte. Beginnend Ende der 1910er Jahre, verkörperte er bis in die 1920er Jahre hinein so bekannte Figuren wie Zorro in Das Zeichen des Zorro (1920), Robin Hood in Robin Hood (1922), sogar Don Juan und immer wieder D’Artagnan, wie etwa in Der vierte Musketier (1922). (Die Links führen zu Vollversionen der Filme auf YouTube.)

Er spielte auch den Dieb im gleichnamigen Film Der Dieb von Bagdad (1924): 

Fairbanks schaffte den Sprung zum Tonfilm jedoch nicht. Schon fast 50, passte seine Rolle des schneidigen, wendigen und aktiven Abenteurers nicht mehr zu seiner körperlichen Verfassung – und so wurde er ersetzt. Das Publikum verließ ihn.

Geblieben sind bis heute seine Filme und die wahnsinnige Ausstrahlung des ersten „King of Hollywood“. Darunter sind auch der Abenteuerspaß Der Seeräuber (Verlinkung zu YouTube) (1926) und der frühe Film Down to Earth (ebenfalls Verlinkung zu YouTube) (1917) und sein zweiter Tonfilm Reaching for the Moon (1930).

 

 

Ein Leben in Ehrlichkeit

William „Billy“ Haines – der Name hat heute kaum Wiedererkennungswert. Dem Filmpublikum de 1920er Jahre war er sehr wohl und sehr gut bekannt, gehörte zu den beliebtesten Schauspielern der Stummfilmzeit und feierte mehrere, kommerzielle Erfolge.

William Haines © public domain
via Wikimedia Commons

Nachdem er 1922 einen Talentwettbewerb gewonnen hatte, kam er zum Film. Als frisch gebackener Contract-Playor von Goldwyn Studios war es an ihm, den Entscheidungen desselben Folge zu leisten. Sprich die Rollen zu spielen, die man für richtig für ihn hielt bzw. für seine Star Persona. Als Goldwyn sich mit Metro und Louis B. Mayor Productions zusammentat entstand, bekanntermaßen, eines der größten und mächtigsten Studios: MGM. Und wie kein anderes verstand es MGM, seine Schauspieler*innen ein Image zu verpassen. So versuchte man im Fall Haines, ihn als den romantic interest von Joan Crawford zu etablieren. Dreimal spielten die beiden Seite an Seite. Damals eine bekannte Praxis, gab es doch schon andere Leinwandpaare wie etwa Greta Garbo und John Gilbert, ein anderer der ganzen großen der frühen Filmjahre. Doch die Verkupplung auf der Leinwand wollte nicht so recht Feuer fangen, das Publikum lehnte die Versuche ab und nach dem dritten gab dann auch das Studio auf.

Woran lag es? Sicher ist, dass die Zusammenarbeit zwischen den Studios und Haines keine einfache war, denn Haines versteckte Zeit Lebens nie seine Homosexualität, sondern lebte offen mit seinem Partner Jimmie Shields zusammen — so offen, wie es denn damals eben möglich war. Unerhört. Sein Widerwillen, sich selbst und die Liebe seines Lebens zu verleugnen waren dann auch die Ursache dafür, dass im Jahr 1932 sein Vertrag – trotz erfolgreicher Umstellung auf den Tonfilm – nicht verlängert wurde. Denn er weigerte sich, wie für viele homosexuelle Schauspieler*innen zu der Zeit üblich, eine Scheinehe zum Schutz seines Stardoms einzugehen.

So begann seine Karriere als erfolgreicher Innenarchitekt und Designer, Interessen, denen er schon neben seiner Schauspielerei gefolgt war.

Der charmante Billy Haines ist in den späten Filmen seiner Karriere The Marines are Coming (1934) und Young and Beautiful (1934) im Stream zu sehen (beide Links führen zu den Filmen auf YouTube). Und passenderweise gibt es auch Just a Gigolo (1931) zu sehen, in dem Haines gegen eine arrangierte Ehe aufbegehrt. 

 

Latin Lover

Eigentlich wären es die vielen Ungereimtheiten um einen der interessantesten, kontroversesten und wahrscheinlich auch beliebtesten Schauspieler wert, Rudolph Valentino, seinen Lieben, seinen Filmen, seinem Image und Fans einen eigenen Beitrag zu widmen. Aber fürs erste müssen wir uns mit diesem kürzeren Beitrag hier begnügen.

Rudolph Valentino © public domain
via Wikimedia Commons 

Italienischer Herkunft, kam er in seiner Jugend in die USA, da er – verkürzt gesagt – seiner Familie ordentlich Ärger in der Heimat berietet hatte und Übersee lernen sollte, auf sich allein gestellt zu sein. Nach ersten Versuchen abseits der Glanzlichter trat er bald als Tänzer auf und ging auch bald schon zum Film. Die Drehbuchautorin June Mathis zeichnet für die Entdeckung Valentinos verantwortlich, und drängte Rex Ingram darauf, ihn in Die vier Reiter der Apokalypse (1921) zu besetzen. Quasi über Nacht wurde Valentino zum Star, nachdem der Film in den Kinos angelaufen war.

Valentino galt als das Gegenstück Fairbanks: Nicht hart und abenteuerlustig, sondern ein Sexsymbol, der Latin lover, den Scharen von Frauen und auch Männern anhimmelten. Seine italienische Herkunft, sein Aussehen und sein Leben trugen zu dem Exotizismus bei, der ihn umschwebte und den so viele an ihm anziehend fanden. Ihm wurde jedoch von der Presse vorgeworfen, eine verweichlichte und weibliche Männlichkeit auszustrahlen – Urteile, die Valentino ärgerten, jedoch nichts an seiner Popularität änderten.

Auch Valentinos Karriere war zu kurz, starb er doch im Alter von 31 Jahren an einem Magengeschwür. Sein Tod löste weltweit eine Hysteriewelle aus, viele gingen freiwillig in den Selbstmord.

Valentino ist online in seinen Paraderollen zu bewundern: Sowohl The Sheik (1921) als auch Blood and Sand (1922) (Dorothy Arzner zeichnet für den Schnitt verantwortlich) und The Eagle (1925) sind verfügbar. Außerdem findet man den etwas unbekannteren Film The Conquering Power (1921) im Stream. (Alle hier hinterlegten Links führen zu den ganzen Filmen auf YouTube.) 

 

Und der erste Oscar ging an…

…Emil Jannings. Das ist die Antwort auf die Frage, wer als erster Schauspieler den Oscar als bester Hauptdarsteller bekam. Der Schauspieler deutschamerikanischer Wurzeln, der später die österreichische Staatsbürgerschaft annahm, kann auf eine lange Karriere in Theater und Film zurückblicken. Eine Karriere nicht ohne Kontroversen, avancierte Jannings nach einem kleinen Karriereknick Anfang der 30er Jahre in der NS-Zeit erneut zum Filmstar.

Emil Jannings © public domain
via Wikimedia Commons

Seine Filmkarriere begann Jannings in 1914 – sein letztes Projekt, den Film Wo ist Herr Belling?, der nie fertig gestellt wurde, (1945) überlebte Jannings um 5 Jahre. Nach ersten kleineren Rollen machte ihn die Darstellung von Ludwig XV. in dem Lubitsch Film Madame DuBarry (1919) über die Grenzen Deutschlands bekannt. Aufgrund dieses Ruhms verließ er das Theater für ein paar Jahre und konzentrierte sich auf den Film: viele weitere Rollen in Produktionen seines Freundes Ernst Lubitsch folgten. Seine Mitwirkung in diesen legte ihn jedoch auf die Rolle des dekadenten Herrschers oder gemeinen Schurken fest. Eine Festlegung, die es ihm mit Mit F.W. Murnau’s Der letzte Mann (1924) und Varieté (1924) zu brechen und somit sein Image etwas zu überarbeiten.

Er entwickelte sich zum Darsteller von Charakteren, die an ihrer Männlichkeit, an Erwartungen und Konventionen scheitern, Charaktere, die nicht auf den ersten Blick Sympathie erregen. Sympathien, die scheinbar auch bei Paramount wachgerufen worden waren und das Studio dazu veranlassten, Jannings einen Dreijahresvertrag anzubieten. 

Im Rahmen seiner USA-Zeit entstanden die beiden Filme, für die er mit dem Academy Preis ausgezeichnet wurde: Der Weg allen Fleisches (1927) und Der letzte Befehl (1928). Zurück in Berlin drehte er den Film, mit dem ihn wohl die meisten noch bis heute in Verbindung bringen. Aber nicht aufgrund seiner Mitwirkung, sondern weil der Film den Durchbruch Marlene Dietrichs besiegelte: In Der blaue Engel verfällt er als Professor hoffnungslos der Nachtclubsängerin Lola.

Frei zugänglich oder über Streaminganbieter ist leider sonst keiner der genannten Filme, man findet jedoch The Eyes oft he Mummy (1918), in dem auch Pola Negri zu sehen ist, online.

 

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