Specials: Jahresrückblick - Filmische Trüffel: Niemals Selten Manchmal Immer

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Specials

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

2020 nähert sich seinem Ende. Man möchte sagen: zum Glück. Für niemanden, auch nicht für Kinofreunde, war es ein leichtes Jahr. Wir lassen es dennoch aus cineastischer Sicht Revue passieren. Heute mit Eliza Hittmans Niemals Selten Manchmal Immer.

Niemals Selten Manchmal Immer - Trailer 2 (deutsch)

Kinoschließungen und -startverschiebungen, kurzfristige Veröffentlichungen auf DVD und Streaming-Plattformen — das ein oder andere filmische Highlight konnte da schon mal etwas untergehen. In unserem Jahresrückblick 2020 heben wir deshalb unter anderem filmische Highlights hervor, die man leicht hätte verpassen können. Heute: Eliza Hittmans Niemals Selten Manchmal Immer.

In einer Szene aus Niemals Selten Manchmal Immer schaltet eine Frauenärztin einen alten Fernseher ein. Sie hat ein Video eingelegt: The Hard Truth, in dem zu Ultraschallaufnahmen aus einer Gebärmutter von alten Männern in Anzügen erklärt wird, wieso eine Abtreibung moralisch nicht vertretbar sei. Der neue Film von Eliza Hittman bildet zu diesem Video die inhaltliche und stilistische Antithese. Das ist schon das ganze Konzept. Hittman erzählt von der siebzehnjährigen Autumn (Sidney Flanigan) aus einer Kleinstadt in Pennsylvania, die eines Tages entdeckt, dass sie schwanger ist. Der Mutter (übrigens gespielt von Singer/Songwriterin Sharon Van Etten), die in dem Bundesstaat zu einer Abtreibung ihre Einverständniserklärung geben müsste, wagt sie sich nicht anzuvertrauen. Nur ihrer Cousine Skylar (Talia Ryder), die sie mit auf eine Busfahrt nach New York City nimmt, wo in einer Spezialklinik der Eingriff auch noch in der 18. Woche vorgenommen werden kann.

Eliza Hittman gehört spätestens seit Beach Rats zu den interessantesten Independentfilmemacherinnen der Vereinigten Staaten. Vornehmlich widmet sie sich in ihren Filmen marginalisierten Jugendlichen, ihr Stil schrammt dabei knapp am Dokumentarischen vorbei. Für Niemals Selten Manchmal Immer erhielt sie auf der Berlinale den Großen Preis der Jury und auf dem Sundance Film Festival den Spezialpreis der Jury für ihren Neorealismus.

Verwunderlich ist das nicht: In grobkörnigen 16mm-Aufnahmen hält Kamerafrau Hélène Louvart darin eine trostlose Umgebung fest, arbeitet mit minimalistischen Mitteln. Nur wenige Regisseur*Innen vermögen es ein minutenlanges Zwiegespräch in einem schmucklosen kleinen Raum so zu inszenieren, dass es am Ende den emotionalen Glutkern des ganzen Films bildet. Die Szene, die Niemals Selten Manchmal Immer seinen Namen gibt, entfaltet so eine Kraft: Eine Betreuerin befragt Autumn darin nach ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt und der Moment wird in seiner rohen Intensität nur noch übertroffen von der Verhörszene am Ende von Hirokazu Kore-edas Shoplifters.

Autumns Erleben steht exemplarisch für das Schicksal zahlloser Frauen in den USA und auf der ganzen Welt: Die Angst davor sich mit seinem Problem an die eigene Familie zu wenden. Ärzte, die ihren Patientinnen Informationen vorenthalten, um ihre Entscheidungen zu beeinflussen. Die räumlichen und finanziellen Hürden für Frauen aus ländlichen Gegenden, die gezwungen sind für Hilfe und unvoreingenommenes Verständnis weite Wege auf sich zu nehmen. Gekürzte Mittel und Anfeindungen gegenüber Einrichtungen wie Planned Parenthood. Im finsteren politischen Klima des Jahres (ein Blick ins benachbarte Polen reicht dafür) traf Niemals Selten Manchmal Immer so einen besonders wunden Punkt.

Niemals Selten Manchmal Immer kann auf Amazon vorbestellt werden.

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