Specials: Im Fokus: Youssef Chahine

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Specials

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Im Herbst 2021 widmet Mubi dem einflussreichsten Filmemacher der arabischen Welt eine kleine Retrospektive: Youssef Chahine.

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes / Die Erde / Tatort... Hauptbahnhof Kairo
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes / Die Erde / Tatort... Hauptbahnhof Kairo

Youssef Chahine gilt als der wohl einflussreichste Filmemacher der arabischen Welt. Aber seine Filme zu sehen, ist alles andere als einfach. Auf den in Deutschland verfügbaren Streamingportalen herrscht gähnende Leere und bei den meisten DVD- und BluRay-Boxen blinkt uns der frustrierende Zusatz temporarily out of stock entgegen. Umso schöner, dass Mubi ab September eine Reihe zu Ehren des ägyptischen Regisseurs startet.

Al-Ahram Daily / Gemeinfrei
Al-Ahram Daily / Gemeinfrei

Das größte Renommee erhielt Youssef Chahine für seine Alexandria-Trilogie. Diese begann 1978 mit Alexandria… warum?, in dem Chahine den ägyptischen Juden ein Denkmal setzt, die in den 1940er Jahren zum Auswandern gezwungen waren. Die Sehnsucht nach einem vergangenen Alexandria, die sich wie ein roter Faden durch Chahines Werk zieht, kommt nicht von ungefähr. Der Filmemacher, Sohn eines libanesischen Rechtsanwalts und einer griechischen Mutter, wurde 1926 in Alexandria geboren, besuchte dort das britische Victoria College und die Universität. Die Stadt war damals ein Schmelztiegel verschiedenster arabischer und europäischer Einwohner und Sprachen, prachtvoller Kinos, einer lebendigen Kulturszene.

„I make my films first for myself. Then for my family. Then for Alexandria. Then for Egypt.“

Dieser weltoffene Geist prägte Youssef Chahine, der im Laufe seiner Karriere wegen seiner progressiven Ansichten und seiner unverblümt geäußerten sozialen Kritik häufig mit staatlichen Zensoren aneinander geriet. Seine Filme prangern Korruption und Machtmissbrauch an, machen sich über historische und religiöse Figuren lustig. Chahine zeigt Männer, die nicht den Erwartungen der Gesellschaft und ihrer Familien entsprechen, er zeigt schwule und bisexuelle Männer ebenso wie Frauen, die offen mit ihrem Liebesleben umgehen. Das brachte dem Filmemacher immer wieder Drohungen von Islamisten ein. In vielen arabischen Ländern haben seine Filme bis heute Aufführungsverbot.

Trotzdem gilt Youssef Chahine als Vaterfigur insbesondere für das ägyptische Kino — auch, weil er ihm immer wieder internationale Aufmerksamkeit einbrachte. Seine Filme liefen in Cannes und auf der Berlinale und wurden immer wieder von der Kritik gefeiert. Seine schwerwiegenden Themen verbindet Chahine häufig mit populären Genres, insbesondere Musicals. Arabisches Liedgut kommt in seinen Filmen ebenso vor wie US-amerikanische Popmusik. Und nicht zuletzt entdeckte der Filmemacher den späteren Weltstar Omar Sharif und gab ihm seine ersten Rollen.

 

Youssef Chahines Filme auf Mubi:

 

"Tödliche Rache" von Youssef Chahine; © Mubi
„Tödliche Rache“ von Youssef Chahine; © Mubi

Tödliche Rache (1954)

Tödliche Rache war für Youssef Chahine ein Film der ersten Male. Er hatte den späteren Weltstar Omar Sharif in einem Kairoer Café entdeckt und besetzte ihn hier erstmals als Ahmed, den Sohn eines Gutsverwalters, der sich mit dem Arbeitgeber seines Vaters anlegt. Der reiche Landbesitzer hatte einst für seine Ausbildung bezahlt und ist jetzt gar nicht erfreut darüber, dass Ahmed sein Wissen an die Bauern weitergibt. Die Auflehnung der Ägypter gegen ihre Feudalherrschaft sollte für Chahine später immer wieder Thema sein. Mit Tödliche Rache präsentierte er sich aber auch erstmals einem internationalen Publikum: Bei den Filmfestspielen von Cannes 1954.

Verfügbar: Ab dem 16. September 2021 auf Mubi

 

"Tatort... Hauptbahnhof Kairo" von Youssef Chahine; © Mubi
„Tatort… Hauptbahnhof Kairo“ von Youssef Chahine; © Mubi

Tatort… Hauptbahnhof Kairo (1958)

Das Handlungsmuster einer Seifenoper bildet den Ausgangspunkt von Tatort… Hauptbahnhof Kairo. A liebt B, doch B liebt C. Ein Eifersuchtsdrama ist die Folge, bei dem der hinkende Zeitungsverkäufer Kenawi auch vor Mord nicht zurückschreckt, um seine Geliebte Hanuma dem Kofferträger Abu Seri zu entreißen. Youssef Chahine dreht den Film ausschließlich auf dem Kairoer Hauptbahnhof, füllt ihn mit realistischen Beobachtungen des Milieus. Der Film, 1958 auf der Berlinale präsentiert, bedeutete den internationalen Durchbruch für den Regisseur. Doch weite Teile des heimischen Publikums reagierten gereizt auf die sympathisierende Darstellung einer „gefallenen Frau“ und die körperliche Gewalt, die Chahine zeigte.

Verfügbar: Ab dem 23. September 2021 auf Mubi

 

"Die Erde" von Youssef Chahine; © Mubi
„Die Erde“ von Youssef Chahine; © Mubi

Die Erde (1969)

Ein weitere Mal sorgte Youssef Chahine in Cannes 1970 für große Aufmerksamkeit. Sein Bauernepos basiert auf einem Roman von Abdel Rahman al-Sharqawi und erzählt von den Bauern eines kleinen Dorfes in den 1930er Jahren, die durch einen Erlass zur Verkürzung der Bewässerungszeiten ihrer Felder in ihrer Existenz bedroht sind. Nur ein einziger Bauer trotzt den Feudalherren. Aus dem Ankündigungstext von Mubi: „Die Szene, in der er von Schweiß und Blut tropfend das Land mit seinen nackten Händen bearbeitet, zählt zu den ikonographischen Szenen der ägyptischen Filmgeschichte.“

Verfügbar: Ab dem 30. September auf Mubi

 

"Die Rückkehr der verlorenen Sohnes" von Youssef Chahine; © Mubi
„Die Rückkehr der verlorenen Sohnes“ von Youssef Chahine; © Mubi

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes (1976)

Nach Nassers Tod wird eine Amnestie erlassen, die es dem Protagonisten ermöglicht nach 12 Jahren im Gefängnis in den Schoß seiner wohlhabenden Unternehmerfamilie zurückzukehren. Alle Hoffnungen liegen nun auf ihm. Das Geschäft soll zu alter Größe zurück geführt werden, um letztlich den Traum des Vaters von einer fruchtbaren Wüste zu erfüllen. Doch der Sohn ist inzwischen ein gebrochener Mann. Mit Die Rückkehr des verlorenen Sohnes reagierte Youssef Chahine auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die nach dem Tod Nassers unter dem neuen Präsidenten Anwar Al-Sadat vonstatten gingen. Doch er erzählt davon mit bewundernswerter Leichtigkeit: Arabische Lieder und Tänze sind im Film ebenso präsent wie US-amerikanisch geprägte Musical-Elemente.

Verfügbar: Ab dem 18. Oktober auf Mubi

 

"Das Schicksal" von Youssef Chahine; © Mubi
„Das Schicksal“ von Youssef Chahine; © Mubi

Das Schicksal (1997)

Youssef Chahines 1997er Drama Das Schicksal ist ein Biopic über den Gelehrten Averroes, der im 12. Jahrhundert im muslimisch geprägten Andalusien lebte und dort zu den engsten Vertrauten des Kalifen zählte. Doch die fanatisch religiösen Kräfte erstarken immer mehr und nehmen Einfluss auf die politischen Entscheidungen des Kalifen. Unruhen sind die Folge und Averroes muss flüchten. Im Film über die Lebensgeschichte des auch unter dem Namen Abu al-Walid Muhammad ibn Rushd bekannten Philosophen spiegeln sich Leben, Arbeit und Überzeugungen des liberalen Chahine selbst, dessen Werke immer wieder mit konservativ islamischen Kräften und Zensoren aneinander rasselten.

Verfügbar: Ab dem 9. November auf Mubi

 

Die Mubi-Reihe zu Youssef Chahine wird im Herbst 2021 voraussichtlich mit weiteren Filmen fortgesetzt. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald uns neue Informationen vorliegen.

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