Specials: Gestreamt: Xavier Dolan

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Specials

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Das viel beschworene kanadische Wunderkind Xavier Dolan ist inzwischen auch schon über 30. Aber seine Filme haben nichts von ihrer stürmischen Wucht verloren.

Laurence Anyways / Mommy / Herzensbrecher
Laurence Anyways / Mommy / Herzensbrecher

„Ein Wunderkind!“ jubelte die Presse, als 2009 das Regiedebüt eines gewissen Xavier Dolan in der Quinzaine des Réalisateurs lief. Inzwischen ist der Québecer über dreißig, hat eine für sein Alter nach wie vor stattliche Filmografie vorzuweisen, erlebte große Sternstunden und setzte Projekte mit Anlauf in den Sand. Wie die meisten seiner Kollegen. Und doch bleibt an den Filmen von Xavier Dolan etwas Besonderes. Einfach, weil man seinen Stil innerhalb von Sekunden wiedererkennt.

Georges Biard - CC BY-SA 3.0
Georges Biard — CC BY-SA 3.0

1989 in Montreal geboren spielte der Sohn einer Lehrerin und eines ägyptischstämmigen Sängers schon im Alter von vier Jahren in seinen ersten Werbespots mit und trat bis in seine Jugend hinein immer wieder in Serien, Kurz- und Spielfilmen auf. Nur selbst gedreht hatte er nie — und als siebzehnjähriger Schulabbrecher auch nie eine Filmschule von innen gesehen. Aber das hat einen berufenen Filmemacher schließlich noch nie abgehalten.

Mit I Killed My Mother begann 2009 der Siegeszug des Xavier Dolan, der in seinen ersten Karrierejahren ein beachtliches Tempo an den Tag legte. Ein Film folgte auf den anderen und zementierte seinen Status als Wunderkind, dem aber immer auch eine melancholische Düsternis anhaftete. Er rechne damit früh zu sterben, deswegen sei er so produktiv, erklärte Xavier Dolan einmal in einem Interview. Dieses Äbgründige findet sich auch in seinen Filmen wieder, die meist autobiografisch inspiriert sind. Seine Protagonisten (die er oft auch selbst spielt) sind häufig schwule junge Männer, die mit ihren eigenen Gefühlen, mit gesellschaftlichen Vorurteilen und immer wieder auch gegen übermächtigen Mutterfiguren ankämpfen.

Der dystopischen Note setzt Xavier Dolan, der nebenbei auch im französischsprachigen Kanada als Synchronsprecher arbeitet, seinen exaltierten Stil entgegen. Style over substance, kritisieren Skeptiker nicht selten. Aber die Videoclipästhetik, die exzentrischen Farben und Kostüme, die eklektischen Soundtracks und Spiele mit den Bildformaten sind nie Selbstzweck. Vielmehr schaffen sie einen hypnotisierenden filmischen Raum, in dem die Gefühle der Protagonisten endgültig zu verschmelzen scheinen mit dem Mitteilungsbedürfnis des Regisseurs selbst. Hat man einmal Feuer gefangen, kann man sich davon nur schwer wieder lösen.

 

Xavier Dolans Filme im Stream:

 

I Killed My Mother (2009)

Mit seinem Regiedebüt zementierte Xavier Dolan umgehend seinen Status als Regiewunderkind. Im Alter von nur 17 Jahren schmiss er die Schule, zog zuhause aus und schrieb ein Drehbuch, in dem er die schwierige Beziehung zu seiner Mutter verarbeitete. Teils selbst finanziert und ohne Vorkenntnisse gedreht flogen dem Film über einen Teenager (gespielt von Dolan selbst), der seine Mutter (Anne Dorval) vor seiner Klassenlehrerin als tot ausgibt, auf den Festivals die Herzen von Publikum und Kritik zu. Das besondere: I Killed My Mother war zwar durchtränkt von stilistischen Referenzen an die Größen der Filmgeschichte, Doland entwickelte daraus jedoch eine ganz eigene, unverwechselbare Sprache.

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Herzensbrecher (2010)

In seinem zweiten Spielfilm erzählt Xavier Dolan von einem verzwickten Liebesdreieck: Marie (Monia Chokri) und Francis (abermals Dolan selbst) verlieben sich beide in den blond gelockten Nicolas (Niels Schneider), der mal auf ihre Avancen einzugehen scheint, um sie im nächsten Augenblick wieder kühl zurückzuweisen. Der Tanz der drei Protagonisten ist im Grunde wie von einem alten Hasen mit Erfahrung inszeniert, so sicher sitzen die Dialogzeilen, die mal begierigen, mal frustrierten Blicke. Und gleichzeitig sprudelt Herzensbrecher geradezu über vor den frischen Einfällen des Nachwuchsfilmemachers: Dolan selbst sorgte auch für Kostüme, Schnitt und Ausstattung.

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Laurence Anyways (2012)

Volle 159 Minuten nimmt sich Xavier Dolan in seinem dritten Spielfilm Zeit um eine Beziehung an einem Wendepunkt zu erforschen. Fred (Suzanne Clément) und Laurence (Melvil Poupaud) sind ein exzentrisches Pärchen und schwer verliebt. Dann offenbart Laurence sich eigentlich als Frau zu fühlen und das ab sofort auch nach außen hin zeigen zu wollen. „Unsere Generation kann das aushalten“, schleudert Fred allen Skeptikern entgegen und versucht, ihre Beziehung am Leben zu erhalten. Aber leicht wird es nicht. Angesiedelt im Montréal der späten 1980er Jahre, mit der entsprechenden Mode und einem eklektischen Soundtrack wird Laurence Anyways zu einer extrem stilisierten, schillernd reflektierenden Discokugel von einem Film.

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College Boy (2013)

Mit seinem ohnehin collagenartigen Stil war Xavier Dolan im Grunde von Anfang an dafür prädestiniert Musikvideos zu drehen. Für die französische New-Wave-Band Indochine lieferte er 2013 einen Clip zu College Boy ab, der umgehend eine Kontroverse auslöste und in einigen Ländern zensiert wurde. Mit Antoine Olivier Pilon, dem späteren Hauptdarsteller aus Mommy, in der Hauptrolle erzählt er von Mobbing an einer Schule, das völlig aus dem Ruder läuft. Mit einem ans Kreuz genagelten Teenager und blutigen Schusswunden ist das Video tatsächlich viel brutaler als Dolans Spielfilme und ein bildgewaltiges Statement gegen homophobes bullying.

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Sag nicht, wer du bist (2013)

Im Thriller Sag nicht, wer du bist! spielt Xavier Dolan selbst einen jungen Mann, der zur Beerdigung seines Geliebten aufs Land zu dessen Mutter (Lise Roy) fährt, die allerdings keine Ahnung vom homosexuellen Liebesleben ihres Sohnes hatte. Zum unvorhergesehenen Faktor bei diesem Besuch wird der ältere Bruder Francis (Pierre-Yves Cardinal), der alles daran gesetzt hat, vor seinen Eltern eine Fassade aufrecht zu erhalten die nun zu bröckeln droht. Dolan verkneift sich hier seine üblichen Stilspielereien und bricht die Form des Films regelrecht minimalistisch bis auf den Kern herunter. Er konzentriert sich darauf eine bedrohliche Situation zu kreieren und überzeugte damit sogar sonstige Skeptiker seiner Arbeit.

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Mommy (2014)

Eigentlich gehört Mommy ja unbedingt ins Kino — das Spiel mit Bildformaten kommt erst auf der großen Leinwand so richtig zur Geltung. Aber für den Anfang ist der bisher großartigste Xavier-Dolan-Film auch im Stream eine kleine Offenbarung. Er spielt in einem zukünftigen Kanada, in dem laut Regierungsbeschluss schwer erziehbare Kinder und Jugendliche von ihren Eltern in die Obhut geschlossener Anstalten gegeben werden dürfen. Steve (Antoine-Olivier Pilon) ist so ein Kandidat — erst die Nachbarin Kyla (Suzanne Clément) bringt eine Balance in die schwierige Beziehung zwischen ihm und seiner verwitweten Mutter (Anne Dorval). In Mommy finden sich wieder allerlei typische Dolanerismen: die exzentrische Mutterfigur, die Musikvideoästhetik, allerlei Spielereien mit knalligen Formen und Farben. Aber der Filmemacher beweist diesmal auch ein sensibles Gespür für zarte Momente.

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Hello (2015)

Sein zweites Musikvideo drehte Xavier Dolan für die Sängerin Adele und verzichtete dabei auf das Skandalpotential. In sepiagetünchten Bildern voller Patina zeigt er, wie Adele in ein leerstehendes, von einer dicken Staubschicht überzogenes Haus zurückkehrt. In Rückblenden erzählt er parallel von einer Beziehung, die dort einst in die Brüche ging.

Zu sehen auf: YouTube

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Einfach das Ende der Welt (2016)

Mit Einfach das Ende der Welt bewies Xavier Dolan schließlich die Reife ein beeindruckendes (und durchaus einschüchterndes) Ensemble französischer Charakterdarsteller als Familie zu inszenieren, ohne dabei je die Kontrolle aus der Hand zu geben. Der Stoff ist eigentlich ein Theaterstück, das der AIDS-kranke Jean-Luc Lagarce geschrieben hat. Ein Stück über die unmögliche Kommunikation zwischen Familienmitgliedern: Der Theaterautor Louis (Gaspard Ulliel) war seit zwölf Jahren nicht mehr zuhause. Nun ist er heimgekehrt, sterbenskrank. Um seiner Familie zu sagen, dass der Tod kommen wird, unausweichlich. Bei Dolan wird der dialoglastige Theaterstoff jedoch zu einem rein filmischen, sinnlichen Erlebnis. Erstmals arbeitet er hier etwa mit sehr intensiven Großaufnahmen, die uns ein Gefühl davon geben wie die Figuren ihre Welt wahrnehmen.

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Matthias & Maxime (2019)

In seinem neustem Film sind wieder alle Zutaten eines typischen Dolan-Films enthalten: Ein queeres Thema, eine vertrackte Mutterbeziehung im Hintergrund, ein Ensemble schöner Menschen, stilsicher in Szene gesetzt. Matthias & Maxime handelt von zwei Freunden seit Kindheitstagen, die sich voneinander verabschieden, weil Max (Dolan selbst) nach Australien geht. Vorher erklären sie sich aber noch bereit im Kurzfilm einer Freundin mitzuspielen, für den sie sich küssen sollen. Dieser Moment lässt lange verdrängte Gefühle an die Oberfläche steigen. Joachim Kurz schreibt: „Matthias & Maxime ist auch eine Ode an die Freundschaft, die verschiedene Formen und Rituale durchexerziert. Und es ist ein Film über jene Zeit, wenn die Jugend eigentlich schon vorbei ist, man aber gerne noch ein wenig daran festhalten will, weil diese Lebensphase so voller Freiheiten steckt und voller Möglichkeiten.“

Zu sehen auf: Wenn alles gut geht ab dem 18. März 2021 in den Kinos.

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