Specials: Gestreamt: Maria Schrader

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Specials

Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Ein Mann mit Strohhut und Zeitung, nach oben blickend, eine Frau in einem Hochzeitskleid, ein Paar auf einem Stuhl
"Vor der Morgenröte" / "Unorthodox" / "Liebesleben"

 „Wir waren eigentlich so auf dem Sprung, Premieren zu feiern, auf dem Sprung zu einem großen Festival… Die sind abgesagt. Plötzlich war so alles weg.“ Eigentlich hätte Unorthodox groß rauskommen sollen – und dann kam die Pandemie dazwischen. Diese zwang die Regisseurin Maria Schrader hart auf die Bremse zu treten, obwohl alle Systeme auf ‚GO‘ standen. Dass die Serie dann doch bei Kritik und Publikum so gut ankam und kommt, scheint Schrader schon fast überrascht zu haben. Das hört man aus einigen Interviews mit ihr heraus.

Schrader kam erst später in ihrer davor schon fast zwei Jahrzehnte währenden Filmkarriere zur Regie: Mit ihrem Namen bringt man zu allererst ihre Schauspielerei, ihre Auftritte in Filmen wie Aimee & Jaguar (1999) und Rosenstraße (2003) in Verbindung, neuerdings auch Serien wie Deutschland 83 und die beiden anschließenden Staffeln 86 und 89.

Maria Schrader in „Deuschland 83“ © Universum Film GmbH
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Schon mit 15 Jahren stand sie auf der Bühne, mit 17 Jahren gehörte die Autodidaktin bereits zum Ensemble des Staatstheaters Hannover.  Im Jahr 1983, 18 Jahre alt, ging sie dann nach Wien, um sich zur Schauspielerin ausbilden zu lassen. Doch die professionelle Ausbildung bricht sie bereits nach zwei Jahren ab und geht mit ihrem damaligen Freund und Kollegen Dani Levy, den sie in Wien kennenlernte, nach Berlin, um dort gemeinsam Filme zu machen.

Das erste gemeinsame Projekt RobbyKallePaul ist gleichzeitig ihr Debüt als Drehbuchautorin und auf der Kinoleinwand. Seitdem schrieb Schrader an verschiedenen Drehbüchern mit oder zeichnet allein dafür verantwortlich.

Über ihre Art, Drehbücher zu schreiben befragt, antwortete sie einmal, dass sie sich die Szene im Kopf vorstellen müsse, sie durchspielen in all ihren Bewegungsabläufen samt den Dialogen, nur so könne sie überhaupt schreiben. Und diese genauen Vorstellungen sind es auch, die sie als Regisseurin prägt, so Schrader in Interviews: Sie kommt mit einer konkreten Idee ans Set. Eine Regisseurin also, die auch immer Schauspielerin ist. 

 

 

Marie Schraders Filme und Serie im Stream: 

 

Meschugge (1998)

Dieser Film ist, genau genommen, nicht ihr erste Regiearbeit. Sie zeichnet jedoch für das Drehbuch von Meschugge verantwortlich. Und, so heißt es, sammelte erste Regieerfahrungen an der Seite von Dani Levy.

Schraders Charakter Lena Katz trifft im Film auf eine alte Frau, die kurze Zeit später verstirbt. Doch im Krankenhaus lernte Lena noch ihren Sohn kennen und lieben, gemeinsam gehen sie auf die Suche nach Antworten auf den plötzlichen Tod der Mutter. Diese führt die beiden in die Vergangenheit von Lenas Familie, in die Zeit des Holocaust und bis hinein in die Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau.

Bei Amazon Prime Video, im Maxdome Store, über Magenta TV und Apple TV als Leihgabe oder zum Kauf erhältlich. 

 

Liebesleben (2007)

Schraders Spielfilmdebüt ist eine Adaption des gleichnamigen Romans der israelischen Autorin Zeruya Shalev über die Affäre zwischen einer jungen, verheirateten Frau und einem älteren Mann, einem Freund ihrer Eltern. Und geht doch weit darüber hinaus, denn Ari (Radi Sherbegia) und Jaras (Netta Garti) Eltern (Tovah Feldschuh und Stephen Singer) verbergen ein verstörendes Geheimnis.

Es ziehen sich wiederkehrende Themen durch Schraders Regiearbeiten: Schon an ihrem Debüt, in Verlängerung von Meschugge, ist abzulesen, dass sie sich mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis, dem Holocaust, aber auch mit Liebesbeziehungen auseinandersetzt.

Schraders Charaktere scheinen auf der Suche zu sein: Nach einem neuen Leben, einem Sinn, ihrem Selbst. Es sind die großen Fragen, die aus all ihren Arbeiten zwischen den Schnitten heraus scheinen. 

Nur als Kauf über Amazon Prime, Apple TV, RakutenTV, Magenta TV und im Microsoft Store. 

 

 

Vor der Morgenröte (2016) 

Mit ihrer zweiten Regiearbeit bewegte sich Schrader vom Stoff zwischen den Buchdeckeln weg hin zu einer der Person, deren Name auf dem Cover steht: Vor der Morgenröte erzählte in sechs Episoden fragmentarisch die Lebensgeschichte Stefan Zweigs nach, der zu den international bekanntesten und geachtetsten Schriftstellern zu Lebzeiten gehörte. Es sind die Exiljahre Zweigs, denen sich Schrader hier annahm. Gespielt von Josef Hader, zeigt Vor der Morgenröte den Schriftsteller nach Halt suchend, entwurzelt. Und nur ganz leicht im Hintergrund rauscht ihr die Schach-Novelle Zweigs mit – eine kluge Entscheidung.

Über MagentaTV in der Flat und bei fast allen anderen gängigen VoD-Plattformen als Leihgabe oder zum Kauf erhältlich. 

 

Unorthodox (2020)

Mit Unorthodox kehren wir zurück an den Anfang dieses Textes und in die Gegenwart. Die Mini-Serie, eine Netflix-Produktion, ist lose inspiriert von der Autobiografie Deborah Feldmans, einer deutsch-amerikanischen Autorin, die sich als junge Frau entschloss, ihrer jüdisch-ultraorthodoxen Satmarer Glaubensgemeinschaft in Williamsburg, New York, den Rücken zu kehren, um nach Berlin zu fliehen.

Doch, das betont Schrader in Interviews immer wieder, enden die Parallelen zwischen Feldmans eigenem und Estys (Shira Haas) Leben in Unorthodox mit der Ankunft der letzteren in Berlin. Die Mini-Serie geht dabei nicht chronologisch vor, sondern – nicht ganz so episodenhaft wie Vor der Morgenröte – kreuzt die beiden Orte miteinander, verwebt Gegenwart und Vergangenheit. In den vier Episoden werden auch mittels dieser Montage die Kreise, die Yanky (Amit Rahav), Estys Ehemann, und sein Cousin Moishe (Jeff Wilbush) auf der Suche nach Esty in Berlin um sie ziehen, immer enger.

Die Serie wurde für ihren Respekt im Umgang mit dem ultraorthodoxen, jüdischen Glauben mehrfach gelobt; sie schafft es darzustellen, ohne zu verurteilen. Besonders ist außerdem, dass Jiddisch gesprochen wird. Die Sprache, die von wenigstens 500.000 und höchstens 1,5 mio. Menschen auf der Welt gesprochen wir und auf eine annähernd tausend Jahre währende Geschichte zurückblicken kann, wird kaum in Filmproduktionen gesprochen – und fehlt es an Repräsentation, an Sichtbarkeit dieser Menschen. Dem hat Schrader mit Unorthodox bewusst entgegengewirkt.

Nach dem weltweiten Erfolg von Unorthodox, der immer noch anhält, kann man gespannt sein, welches Projekt Maria Schrader als nächstes vom Regiestuhl aus anpackt. Man kann sicherlich noch einiges von ihr erwarten.

Die Serie ist nur über Netflix zu sehen.

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