Specials: Gestreamt: Charlie Kaufman

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Specials

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Heute startet auf Netflix der neue Film des gefeierten Drehbuchautors und Regisseurs Charlie Kaufman — I’m Thinking of Ending Things. Bevor es losgeht, schauen wir noch einmal zurück auf seine Filmografie — und wo wir seine Werke online sehen können.

Being John Malkovich / I'm Thinking of Ending Things / Anomalisa
Being John Malkovich / I'm Thinking of Ending Things / Anomalisa

„Für gewöhnlich liefert ein Drehbuchautor sein Skript ab und verschwindet dann. Das ist nichts für mich. Ich möchte vom Anfang bis zum Ende beteiligt sein.“ So erklärte Charlie Kaufman 2004 in einem Interview mit der Seattle Post seine Arbeit. Kein Wunder, dass er es damit in Hollywood, wo Drehbuchautoren traditionell unter Wert verkauft werden, einen eher schwierigen Stand hat. Dabei wird Kaufman von seinen Fans und den wenigen Regisseuren, die regelmäßig mit ihm arbeiten, geradezu kultisch verehrt.

Anna Hanks - CC BY 2.0
Anna Hanks — CC BY 2.0

Charles Stuart „Charlie“ Kaufman, 1958 in New York City geboren, studierte Film und schrieb danach seine ersten Texte für das Humormagazin National Lampoon bevor er zum Fernsehen ging. Doch hinter den Kulissen der großen Comedyserien gab es Probleme: Schon damals war Kaufmans Stil unkonventionell und er selbst ein eher schüchterner Typ. So wurde sein Material häufig stark abgeändert oder gar nicht erst produziert.

Der Ruhm kam erst, als Kaufman das Drehbuch zu Spike Jonzes Regiedebüt Being John Malkovich schrieb und dafür eine Oscarnominierung erhielt. In den folgenden Jahren sollte er immer wieder mit Jonze und dem Franzosen Michel Gondry zusammenarbeiten und erarbeitete sich seinen Ruf auf Autor, der klug mit Zeitebenen spielt und mithilfe seiner unkonventionellen Erzählstrukturen Fragen nach der menschlichen Identität verhandelt: Wer bin ich und wie nimmt die Welt mich wahr? Im Einklang mit meiner eigenen Selbstwahrnehmung? Schließlich begann er selbst vereinzelt Regie zu führen: der postmoderne Ensemblefilm Synecdoche, New York wird in zahlreichen Listen als einer der besten Filme des bisherigen 21. Jahrhunderts gehandelt.

Nur der kommerzielle Erfolg stellte sich nie so recht ein — und damit bleibt es für Charlie Kaufman bis heute schwierig seine Projekte zu finanzieren. In diesem Fall ist es tatsächlich einmal ein Glück, dass es Netflix gibt. Dort erscheint dieser Tage Kaufmans neuer Film unter eigener Regie: I’m Thinking of Ending Things.

 

Charlie Kaufmans Filme im Stream:

 

Being John Malkovich (1999)

Mit Being John Malkovich gelang Charlie Kaufman der große Aufschlag in Hollywood — und Spike Jonze gleich mit. Sein Regiedebüt erzählt von einem erfolglosen Puppenspieler (John Cusack), der bei seinem neuen Job ein Portal entdeckt, dass ihn direkt in den Kopf des Schauspielers John Malkovich führt. Der Film war bei seinem Erscheinen um die Jahrtausendwende ein echter mind fuck und er ist es zweifelsohne auch heute noch. Absolut nichts in Being John Malkovich ist vorhersehbar. Selbst die Darsteller*Innen waren entgegen ihres gewöhnlichen Typs gecastet: Cameron Diaz etwa, sonst als blonde Schönheit in RomComs bekannt, trug hier einen roten Wuschelkopf und liebte ihre Schimpansen mehr als ihren Mann.

Verfügbar auf: Zum Leihen und Kaufen auf Amazon, iTunes, Freenet Video und Microsoft

 

Human Nature — Die Krone der Schöpfung (2001)

Nach Spike Jonze gab Charlie Kaufman auch der Karriere von Michel Gondry einen Schubs und schrieb ihm einen Debütfilm, der jedoch nicht an den Erfolg von Being John Malkovich anknüpfen konnte. Patricia Arquette spielt darin eine Frau mit außergewöhnlich starker Körperbehaarung, die eine Beziehung mit einem einsamen Psychologen (Tim Robbins) beginnt. Bei einer Wanderung begegnen sie einem Wilden (Rhys Ifans), den sie für ein Experiment zivilisieren wollen. Auf charmante Weise vermag auch Human Nature zu überraschen, doch insgesamt wirkten seine quirks ein wenig erzwungen.

Verfügbar auf: In den Abos von Joyn und Maxdome; Zum Leihen auf Amazon und Videobuster

 

Adaption (2002)

Adaption ist der ultimative postmodern-selbstreflexive Drehbuchautorenfilm. Charlie Kaufman hatte den Auftrag das Buch The Orchid Thief zu adaptieren, litt jedoch an einer Schreibblockade und begann genau dies im Drehbuch zu thematisieren: So spielt also Nicolas Cage einen blockierten Drehbuchautoren namens Charlie Kaufman, der an einer Drehbuchadaption festhängt. Verwirrend? Es geht noch weiter: Charlie hat einen Zwillingsbruder namens Donald (ebenfalls von Cage verkörpert), der derweil mit einem klischeehaften Serienkillerscript einen Hit landet. Kaufman verwischte die Grenzen zwischen Realität und Fiktion so endgültig, dass er den Namen des fiktiven Bruders mit auf das Script schrieb und ihm den Film widmete. 

Verfügbar auf: In den Abos von Starzplay und Rakuten TV; Zum Leihen und Kaufen auf Amazon, Sky Store, iTunes, Google Play, Microsoft, Videoload und Maxdome

 

Geständnisse — Confessions of a Dangerous Mind (2002)

Noch ein Regiedebüt aus der Feder Charlie Kaufmans: George Clooneys Geständnisse — Confessions of a Dangerous Mind basiert auf den Memoiren des Showmasters und Herzblatt-Erfinders Chuck Barris, der möglicherweise gleichzeitig ein Auftragskiller auf der Gehaltsliste des CIA war. Der Film galt damals als eines der vielversprechendsten Regiedebüts eines Schauspielers — doch Kaufman selbst war damit nicht zufrieden. Er nahm Clooney übel, dass dieser ihn kaum in den Dreh involvierte und nicht abgesprochene Änderungen am Script vornahm, obwohl er ursprünglich begeistert vom Entwurf gewesen war. Clooney gab später zu, in Kaufmans Script seien einige „funky“ Szenen enthalten gewesen, die nie grünes Licht in einer Studioproduktion erhalten hätten. Geständnisse — Confessions of a Dangerous Mind ist ein toller Film — aber was hätte er wohl sein können?

Verfügbar auf: Zum Leihen und Kaufen auf Amazon, Videoload und Maxdome

 

Vergiss mein nicht (2004)

Abgefahrener wurde es dafür wieder in Charlie Kaufmans nächster Zusammenarbeit mit Michel Gondry: Eine unvergessliche Tragikomödie über einen Mann (Jim Carrey), der nach der Trennung seine Freundin (Kate Winslet) vergessen will und sich daher in Behandlung bei einer Firma gibt, die Erinnerungen löschen kann. Vergiss mein nicht ist ein wilder Ritt quer durch die Realitäts- und Erinnerungsebenen, wurde zu Gondrys erfolgreichstem Film und erntete einen Oscar für das Beste Originaldrehbuch. Dabei hätte Kaufman beinahe aufgegeben, nachdem er Christopher Nolans Memento gesehen hatte und thematische Ähnlichkeiten feststellte. Am Ende macht vor allem das Können, mit dem der Autor die verschiedenen Genreeinflüsse ausbalanciert den Film zu einem der besten des 21. Jahrhunderts: Science-Fiction, Thriller und Beziehungsdrama.

Verfügbar auf: Im Abo von Sky Ticket und Sky Go; Zum Leihen und Kaufen auf Amazon, Sky Store, iTunes, Google Play, Videobuster, Videoload, Chili und Sony

 

Moral Orel (2005-2009)

Es heißt Charlie Kaufman habe ohne einen Credit an der ersten Episode von Moral Orel mitgeschrieben, einer Stop-Motion-Sitcom, die ursprünglich auf dem Kabelsender Adult Swim ausgestrahlt wurde. Die Show von Dino Stamatopoulos, den Kaufman schon seit der gemeinsamen Arbeit hinter den Kulissen der Sketchsendung The Dana Carvey Show kannte, handelt von einem 11-jährigen Jungen, der durch seinen extrem naiven christlichen Glauben immer wieder für Schwierigkeiten in seiner Kleinstadt Moralton im fiktiven Bible-Belt-Bundesstaat Statesota sorgt. Eine gnadenlose satirische Abrechnung mit religiösem Fundamentalismus.

Verfügbar auf: YouTube

 

Anomalisa (2015)

Mit Anomalisa führte Charlie Kaufman erstmals seit Synecdoche, New York wieder Regie und adaptierte dafür sein eigenes Theaterstück über einen einsamen Mann, der alle Menschen als identisch wahrnimmt bis er in einem Hotel auf eine einzigartige Frau trifft. Die Schauspieler, die ursprünglich auf der Bühne standen, darunter David Thewlis und Jennifer Jason Leigh, kehrten für den Film zurück, um die per Stop-Motion animierten Figuren zu synchronisieren. Um Anomalisa außerhalb des Studiosystems realisieren zu können, hatte Kaufman eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die auf Kickstarter in Windeseile das benötigte Geld zusammenbrachte. Das Ergebnis lässt einen kaum los. Wie Kaufman selbst mit Puppen unsere tief sitzenden Ängste identifizieren und in Geschichten gießen kann, ist je nach Laune beruhigend oder verstörend.

Verfügbar auf: Zum Leihen und Kaufen auf Amazon, iTunes, Google Play, Microsoft, Raketen TV, Videoload, Chili, Maxdome und Sony

 

I’m Thinking of Ending Things (2020)

Am 4. September startet der neue Film von Charlie Kaufman auf Netflix, auch diesmal war er zugleich Drehbuchautor und Regisseur. In I’m Thinking if Ending Things unternimmt eine junge Frau (Jessie Buckley) trotz aller Zweifel an ihrer Beziehung einen Roadtrip mit ihrem neuen Freund (Jesse Plemons), um dessen Eltern (Toni Collette und David Thewlis) kennenzulernen. Eingeschneit auf deren Farm beginnt sie bald alles zu hinterfragen, was sie über ihn, die Familie und sich selbst weiß. Auch hier werden unkonventionelle Konzepte von Zeit wieder eine große Rolle spielen — und viel mehr wissen wir eigentlich noch gar nicht. Der Trailer lässt allerdings vermuten, dass uns Kaufman wieder ordentlich die Hirnwindungen verknoten wird.

Verfügbar auf: Im Abo von Netflix

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