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Pixar-Zauber: Die Favoriten der Redaktion

Ein Beitrag von Redaktion

Mit „Lightyear“ geht Pixar in gewisser Weise in der Zeit zurück und erzählt einen Film, der noch vor „Toy Story“ stattfindet. Das ist der Redaktion Grund genug, um die fünf Lieblingsfilme des Studios zu rekapitulieren.

Meinungen
Pixar

Platz 5: Oben

Gibt es einen schöneren Auftakt eines Pixar-Films als diesen? Für mich nicht. In einem Prolog durcheilt Oben das Leben seines alten Protagonisten und setzt so eine Backstory, nach der man schon ganz auf der Seite des alten Griesgrams Carl ist, der sich dann später auf das Abenteuer seines Lebens begeben wird. Das allerdings nicht ganz freiwillig. 

Dass der Film die Träume und zerplatzten Hoffnungen seines Protagonisten so explizit an den Anfang stellt, könnte man nun als Schwäche auslegen. In diesem Fall aber packen sie das Publikum direkt am Herz und lassen es nicht mehr los. Erst durch diesen Auftakt wird Carls Verbitterung, die nach und nach wie ein Panzer von ihm abfällt, fühl- und verstehbar, wird die zarte Freundschaft, die zwischen ihm und dem Boy Scout Russell entsteht, umso anrührender, weil der ihm nicht ganz freiwillig dabei hilft, seine Träume in Erfüllung gehen zu lassen. 

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Zugegeben: Das alles ist mehr melancholisch als wirklich lustig (zumindest auf Dauer), aber Oben atmet für mich den Geist und vor allem die Herzenshaltung alter Komödien aus der Feder eines Charlie Chaplin oder anderer Kinogrößen. Eine Herzlichkeit und Wärme, die diesen Film definitiv zu einem großen Werk für Jung und Alt macht — ein Film, der nicht nur auf der Leinwand die Generationen verbindet und überwindet. 

(Joachim Kurz)

Platz 4: Rot

Die 13-jährige Meilin Lee wächst Anfang der 2000er in Toronto auf — und allein dieses Setting markiert bereits ein kleines Novum im Pixar-Katalog. Nicht weil es irgendwie besonders wäre, sondern weil Regisseurin und Co-Autorin Domee Shi (die zuvor den überragenden Pixar-Short Bao inszenierte) hier ganz offen(sichtlich) biografische Erfahrungen einfließen lässt. Auch sie lebte als Jugendliche in Toronto — und auch sie dürfte es in dieser individualistischen Gesellschaft mit ihren kultur-traditionellen chinesischen Wurzeln in der Pubertät nicht allzu leicht gehabt haben.

Und so mag die Handlungsprämisse des Films (eine Jugendliche will zu einem Boyband-Konzert, doch die Mama hat etwas dagegen, will lieber ihr „kleines Mädchen“ behalten) trotz des Kniffes (ein Familienfluch sorgt dafür, dass sich Meilin bei Stress in einen riesigen Roten Panda verwandelt) gerade für Pixar-Verhältnisse nicht innovativ sein. Die Ausführung jedoch ist ein Brett: Der Humor ist gerade überdreht und (selbst)ironisch genug, um nicht nervig zu sein; das Tempo ist absolut treibend, aber nicht zu hektisch; das Finale, eine Verbeugung vor den alten Godzilla-Streifen; und Meilins Panda-Form ist die fraglos flauschigste Bildschirmerfahrung aller Zeiten.

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Ach ja, und wie offen und gleichzeitig clever der Film insbesondere das Thema „Veränderung des (weiblichen) Körpers in der Pubertät“ angeht, das kommt ja auch noch obendrauf.

(Christian Neffe)

Platz 3: Wall-E

Nach all den Jahren, so heißt es im Trailer zu diesem Film, hat der kleine Roboter, der eigentlich nichts anders tun sollte, als die Welt aufzuräumen, einen Defekt entwickelt: Persönlichkeit. Selten hat eine Tagline das Herz eines Filmes so gut zusammengefasst: Dieser kleine Roboter, dieser Wall-E hat so viel Persönlichkeit, dass man diese Blechbüchse die ganze Zeit umarmen möchte. Nachdem der Mensch seinen Lebensraum vollkommen zugemüllt hat, soll ein kleiner Roboter aufräumen — ganz allein. Da soll man nicht irrewerden? Wall-E dreht durch, aber auf so sympathische Art und Weise. Letztlich beginnt der Film als Erzählung über Einsamkeit und Spurensuche: Was steckt eigentlich in all diesen Dingen drin, die wir so ansammeln? Wall-E sieht oft einen Wert, wo wir einfach nichts mehr sehen.

Der naive Blick auf den „Müll“ öffnet unsere Augen auf all die kleinen Erinnerungen, auf die Schönheit der menschlichen Existenz in den Dingen. Die Liebesgeschichte zwischen Wall-E und dem Roboter Eve, ja zuvor bereits die Freundschaft mit der Kakerlake, ist von so viel Menschlichkeit durchdrungen, die sich völlig ohne Worte vermittelt. All das steht im harten Kontrast zu den völlig verblödeten Menschen im Film, die sich selbst nicht mehr zu helfen wissen und einfach stumpf vor sich hin konsumieren. Am Ende könnten wir dann die Welt wieder bevölkern und man fragt sich schon, ob die Erde nicht ein besserer Ort wäre, würde es mehr Wall-Es und Eves geben.

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Wall-E ist in seiner Konzentration auf die Dramaturgie des Stummfilms eines der ganz großen Meisterwerke des Animationsfilms: Berührend, menschlich und im Grunde ziemlich gesellschaftskritisch.  

(Sebastian Seidler)

Platz 2: Alles steht Kopf

Man muss wahrscheinlich einen Detektiv engagieren, um irgendjemanden zu finden, der/die Alles steht Kopf nicht mag. Wo man bei Pixar zuvor noch Tiere, Autos und Spielzeuge zum Leben erweckte, waren es nun Gefühle. Genauer gesagt die fünf Kernemotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel, die im Kopf der jugendlichen Riley an der Schwelle zur Pubertät eine große Krise zu bewältigen haben. Denn wo bislang Freude die unangefochtene Anführerin war, gerät ihre Position nun ins Wanken, und die vermeintlich „schlechteren“ Emotionen bekommen mehr und mehr Einfluss.

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Doch genau darum geht es schließlich in Alles steht Kopf: die Erkenntnis, dass auch weniger positive Erlebnisse und Gefühle fest zum Leben gehören. Eine Botschaft, die sowohl für Kinder wie auch Erwachsene wichtig ist und hier auf unheimlich kreative Weise vermittelt wird. Man erinnere sich nur an die „Hirnsektionen“ für das abstrakte Denken, für das Erinnern und Vergessen — und überhaupt: Die scheinbar völlig selbstverständliche Art und Weise, wie das Regieduo Pete Docter (auch Drehbuch) und Ronaldo del Carmen komplexe psychologische Konzepte in eine nachvollziehbare Maschinerie aus Arbeitsprozessen überführt, ist schlicht brillant. Großes Animationskino!

(Christian Neffe)

Platz 1: Ratatouille

Eine Wanderratte als (heimlicher) Star-Koch in einem Pariser Gourmet-Restaurant – das ist, zugegebenermaßen, eine etwas sonderbare Prämisse. Aber was das Regie-Duo Brad Bird und Jan Pinkava sowie das gesamte kreative Team hinter diesem Film aus der Idee machen, ist einfach wunderbar. Die Kamerafrau Sharon Calahan hat etwa, was die Präsentation des Essens betrifft, eine gewisse „Appetitlichkeit“ angestrebt – und wir können nur sagen: Das ist ihr vortrefflich gelungen! Ratatouille ist ein Werk, in dessen Welt wir uns unmittelbar begeben wollen, um gutes Essen in gemütlicher Atmosphäre zu genießen.

Außerdem ist es schön, dass der Film es sich nicht allzu leicht macht. Es fällt nicht schwer, fröhliche Mäuse, lustige Spielzeugfiguren oder kleine Roboter ins Herz zu schließen. Aber die Ratte wurde von der Filmgeschichte bisher nicht unbedingt mit Liebe überschüttet. Selbst in der Harry-Potter-Reihe erweist sich die vermeintlich nette Hausratte – Vorsicht, Spoiler! – letztlich als gar nicht so nett. Ratatouille hingegen zeigt, dass Ratten und Menschen zauberhafte Freundschaften schließen können. Eine der kühnsten und tollsten Botschaften des Pixar-Universums, würde ich behaupten.

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Und außerdem gibt es neben den tierischen Figuren auch noch einen ganz hervorragenden menschlichen Antagonisten, der uns als Kritiker:innen natürlich besonders auffällt: Anton Ego, ein snobistischer Griesgram und Restaurantkritiker, der im Laufe des Plots eine hübsche Entwicklung durchläuft. Gefällt uns!

(Andreas Köhnemann)

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