Kolumnen: Wenn Filme zum Flüstern mit Fremden verführen

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Kolumnen

Ein Beitrag von Marie Anderson

Wer nur ins Kino geht, um sich „in Ruhe“ einen Film anzuschauen, wird Kommunikation im Kino als störend empfinden. Doch zu einem öffentlichen Kinoerlebnis kann auch das Interesse für die Reaktionen der anderen Zuschauer_innen oder gar ein angenehmer Austausch mit Fremden gehören …

Im Kino
Flüstern im Kino

Meistens wechsle ich für einen Kinobesuch vom ländlichen in den urbanen Raum, seit etlichen Jahren in unterschiedlichen Konstellationen: Mit der Girls-Gang etwa hatten wir uns gezielt Stolz und Vorurteil ausgesucht, der sehr gut besucht war. Auf Wim Wenders‘ Bis ans Ende der Welt hatte ich mit meinem einstigen Musik-Freund schon hingefiebert, wobei wir letztlich insgesamt zu fünft am Sonntagabend in der Spätvorstellung saßen.

Aaltra, mäßig frequentiert, hatte ich einem besonders lieben Freund bei unserem wöchentlichen Treffen schlichtweg aufgezwungen, der ihn fürchterlich fand, während ich vor Vergnügen grölte. Muxmäuschenstill hatte ich seinerzeit zufällig mit meiner extrem kommunikativen italienischen Freundin angeschaut, die anschließend sofort die Botschaft Jan Henrik Stahlbergs im sozialen Raum der Nordstadt erprobt hat. In Inside Llewyn Davis war ich mit drei Kindern gelandet, nachdem — welch Glück für mich! — an diesem Abend alle Popcornkinoprogramme ausverkauft waren. Das junge Publikum war wider Erwarten begeistert, und der klingende Soundtrack des Films wurde noch Wochen später rauf und runter gehört und gesungen. Santa Sangre habe ich als glühende Verehrerin von Alejandro Jodorowsky mangels williger Begleitung allein angeschaut, doch während der Vorstellung haben sich die drei anwesenden Zuschauer_innen dann zusammengesetzt, um sich ergriffen über die Wucht der Geschichte auszutauschen. 

Diese und auch weitere Kinobesuche meist länger vergangener Zeiten haben eins gemeinsam: Während der Vorstellung ergaben sich im Kinosaal Kommunikationen unter den Besucher_innen, die deutlich über den gelegentlich geflüsterten Austausch mit den bekannten Sitznachbarn hinausragten, von beantworteten Zwischenrufen bis hin zu reihenübergreifenden Wechselworten, die ausnahmsweise jedoch nicht störend wirkten, sondern erstaunlicherweise spürbar zum gemeinschaftlichen Unterhaltungswert beitrugen. Dieses rare kleine Kinophänomen, das meinen Erfahrungen nach allerdings immer seltener in Erscheinung tritt, aber beizeiten dennoch den Hauch der filmischen Leinwandkraft unmittelbar interaktiv ins Publikum zu strömen vermag, ließ sich auch im Kinojahr 2017 wieder einmal signifikant beobachten: Fikkefuchs brachte recht rasch das emotional geprägte Gemurmel und Geflüster im Kinosaal in Wallung, mit ansteigender Tendenz, wobei sich nicht wenige Zuschauer_innen offenbar kräftig für die Kommentare in ihrer Umgebung interessierten, wohl um ihre eigene Befindlichkeit nicht zuletzt geschlechtsspezifisch zu überprüfen.


Trailer zu Fikkefuchs

Und beim Verlassen der Vorstellung ergaben sich einige Plaudereien untereinander und mit dem Kinopersonal, die angenehm die doch allgemein schwindende Wirkungsmacht öffentlicher Filmvorführungen heraufbeschworen. Der Kinobesuch als gemeinschaftliches Event über das pure Anschauen eines Films hinaus lässt beizeiten kleine Kinogeschichten jenseits der Leinwand entstehen, die bestens geeignet sind, die Kommunikationskultur im urbanen Raum anzukurbeln. Mehr davon auch im kommenden Kinojahr — für alle, die sich im Kino nicht nur „ungestört“ einen Film anschauen wollen!

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