Kolumnen: Vom Glück, mit euch Filme anzusehen

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Kolumnen

Ein Beitrag von Rochus Wolff

Kürzlich kam ich mit einem Vater ins Gespräch, der sich fragte, welche Filme er mit seinem kleinen Sohn ansehen solle.

Er fragte zum einen, weil das Kind erst drei Jahre alt ist — da gibt es in der Tat noch kein großes Angebot, Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig kam dann aber wohl ziemlich gut an. Zum anderen aber fragte er sich auch, falls ich ihn richtig verstanden habe, ob es wohl richtig sei, mit seinem Kind jene Filme und Serien anzusehen, die er selbst als Kind geliebt habe.

Ich habe es leider versäumt, nach dem tieferen Hintergrund dieser Skepsis zu fragen; aber ich fing daraufhin an, mir Gedanken darüber zu machen, warum wir wohl unserem eigenen (kindlichen und nur aus der Ferne erinnerten) Geschmacksurteil misstrauen könnten. Womöglich verkläre ich ja nostalgisch, was die Erinnerung von vor, naja, zwanzig, dreißig Jahren hergibt? Klar, das kann passieren — ich habe neulich in ein paar Folgen von Herr Rossi sucht das Glück und war über einiges seltsam irritiert.

Aber in den allermeisten Fällen sind doch jene Filme und Fernsehserien, die uns Eltern aus der eigenen Kindheit in Erinnerung geblieben sind, also die, die im Kopf übrig bleiben, wirklich nicht schlecht: Wickie und die starken Männer, Luzie, der Schrecken der Straße… die Liste könnte endlos weitergehen. Wäre es nun vermessen, dem Kind so die eigene Medienvergangenheit aufzudrängen? Oder sind diese alten Sachen womöglich gar nicht mehr zeitgemäß? Haben Filme eigentlich ein ästhetisches Verfallsdatum?

 

Dabei muss man sich darum keine Sorgen machen, wenn man mal gesehen hat, wie ein Kinosaal voller Kinder ausflippt, wenn Chaplin’scher Slapstick über die Leinwand flimmert. Ich spüre in mir ja manchmal den radikalen Impuls, Kinder in die Filmwelt einzuführen, indem man sie schrittweise in historisch vorgegebener Reihenfolge durch die Filmgeschichte führt — mit den ganz frühen Filmen anfangend, sich durch die Jahrzehnte in die Gegenwart hangelnd. Aber das ist dann wohl auch wieder zu verklemmt und zu wenig vom Glück der Kinomomente aus gedacht.

Egal; wenn wir Eltern mit den Kindern unsere Filmerinnerungen teilen, suchen sich die Zwerge neue, aktuelle Filme und Serien schon ganz selbständig zusammen. Wir haben es schließlich selbst nicht anders gehabt: Die Fernsehserien habe ich selbst rausgesucht (Western von gestern!), und mit den Eltern gab es ab und an gemeinsame Filmeabende, mit eben jenen Filmen, die die Eltern liebten — bei uns waren das allweihnachtlich die Sissi-Filme ebenso wie Ein Herz und eine Krone, Ich denke oft an Piroschka und dann auch mal Limonaden-Joe.

 

Was hinzukommt: Dies sind die Filme, von denen ich noch genau weiß, dass ich sie mit meinen Eltern zusammen gesehen habe — und so wird ein Film zum direkten Weg zur Erinnerung an jene Menschen, die sie mit uns geteilt haben. Zu wissen, mit wem und von wem eine Filmerinnerung kommt, wiegt im Gedächtnis oft schwerer als der Film selbst.

Das fliegende Klassenzimmer etwa — die klassische Inszenierung von 1954, in der Kästner selbst auftritt — haben meine Kinder von ihrem Großvater das erste Mal gezeigt bekommen, und schon jetzt ist es für sie ein Film, der fest mit seiner Person verbunden ist. Filme zu zeigen, gemeinsam Filme anzusehen, um stärker, enger zusammen zu sein — mit diesem Wunsch lässt sich doch jetzt ganz schön in die Weihnachtszeit gehen.

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