Kolumnen: Über die Universitis in Hollywood

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Kolumnen

Ein Beitrag von Christopher Diekhaus

Marvel hat es vorgemacht, und alle ziehen nach. Der Erfolg des Marvel Cinematic Universe, einer zusammenhängenden Reihe von Comic-Verfilmungen, spornte andere Hollywood-Giganten an, ebenfalls große Erzählwelten zu entwerfen. 2017 kämpften gleich vier derartige Universen um das Publikumsinteresse.

Thor: Tag der Entscheidung von Taika Waititi
Thor: Tag der Entscheidung von Taika Waititi

Kong: Skull Island, Guardians of the Galaxy Vol. 2, Die Mumie, Wonder Woman, Spider-Man: Homecoming, Thor: Tag der Entscheidung und Justice League — 2017 buhlten unterschiedlichste Franchise-Filme um die Gunst des Publikums und hoben die in Hollywood seit geraumer Zeit grassierende Universitis — eine Begeisterung für zusammenhängende, von etablierten Marken getragene Kinouniversen — quantitativ auf ein neues Level. 

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Trailer zu Justice League

Ganz am Anfang dieser Lawine an Großprojekten stand die Superheldenverfilmung Iron Man von 2008, die das sogenannte Marvel Cinematic Universe (MCU) einläutete. Eine durch Handlungselemente, Schauplätze und Figuren verbundene, vom Disney-Konzern verantwortete Reihe, die sich aus dem reichhaltigen Fundus der Marvel-Comics speist. Seitdem bringen die Franchise-Macher um Kevin Feig Jahr für Jahr mindestens zwei bis drei Filme auf die Leinwände, die den inzwischen auf 17 Beiträge angewachsenen gemeinsamen Erzählkosmos ständig erweitern. Kritik und Publikum zeigten sich mit dem Marvel-Treiben bislang weitestgehend einverstanden. Und auch die kreativ Verantwortlichen dürften angesichts eines Einspielergebnisses von aktuell weit über 13 Milliarden Dollar äußerst zufrieden sein.

Verwundern muss es nicht, dass sich im ständig nach Gelddruckmaschinen suchenden Hollywood andere Firmen vom Siegeszug des MCU anspornen ließen, ebenfalls größere narrative Welten zu erforschen. Allen voran Marvels ewiger Konkurrent DC, der im Vertrieb von Warner Bros. 2013 mit Man of Steel das DC Extended Universe (DCEU) aus der Taufe hob und es sukzessive um Batman v. Superman: Dawn of Justice, Suicide Squad, Wonder Woman und Justice League ergänzte. Eine Reihe, die an den Kinokassen nicht enttäuschte, während die Kritiken vom Start weg eher durchwachsen ausfielen. Hervorstechen kann aus der Gruppe dieser manchmal erschreckend schlampig erzählten Superheldenabenteuer einzig der im Sommer 2017 veröffentlichte Wonder Woman, der — inszeniert von Patty Jenkins — packende Actionsequenzen mit einer starken weiblichen Hauptfigur und einer halbwegs mitreißenden Geschichte kombinierte. Nur wenige Monate später wiederholte Justice League, die erste große Zusammenkunft der DC-Helden, allerdings alte Fehler, was für die Zukunft eher skeptisch stimmt.

Parallel zum DCEU entwickelte Warner Bros. in Zusammenarbeit mit Legendary Entertainment und dem japanischen Studiogiganten Tōhō auch das sogenannte MonsterVerse, in dem sich die ikonischen Ungeheuer Godzilla und King Kong tummeln. Im Jahr 2014 erlebte Ersterer unter der Regie von Gareth Edwards seine Leinwandwiedergeburt, während der Riesenaffe erst im Frühjahr 2017 in Kong: Skull Island in die Kinosäle zurückkehrte. Independent-Regisseur Jordan Vogt-Roberts stampfte dabei einen bombastischen, tricktechnisch überwältigenden Survival-Streifen aus dem Boden, der ungeachtet seiner Apocalypse Now-Bezüge inhaltlich aber nur Magerkost zu bieten hatte. Ob es handlungstechnisch besser wird, erfahren wir im Mai 2019, wenn mit Godzilla: King of the Monsters der nächste Beitrag anläuft.

Das Nesthäkchen unter den Universum-Schöpfern sind die Universal Studios, die im Sommer 2017 den Startschuss für ihr hauseigenes Dark Universe gaben, ein Franchise, das alten Horrorklassikern einen neuen Anstrich verpassen soll. Dass groß angelegte Kinowelten trotz der Marvel-Erfolge keine Selbstläufer sind, bewies jedoch schon der erste, mit Tom Cruise prominent besetzte Film der neuen Reihe. Die Mumie, ein lieblos zusammengepantschter Action-Horror-Mix, legte zwar keine Bauchlandung am Box Office hin, blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Nachdem schließlich vor kurzem die beiden Dark-Universe-Strategen Alex Kurtzman und Chris Morgan das Großprojekt verließen und die Vorbereitungen zu Frankensteins Braut vorerst gestoppt wurden, ist es derzeit mehr als fraglich, ob Universal wirklich an seinem Horror-Franchise festhält.

Ein generelles Ende der Produktion von großen, stetig erweiterten Reihen ist deswegen aber noch lange nicht in Sicht. Das verdeutlicht allein ein Blick auf die täglich eintrudelnden Ankündigungen über neue Fortsetzungen und Ableger. Vergessen sollten die Studios dabei allerdings nicht, dass Kino in besonderem Maße von Überraschungen lebt. Viele Blockbuster — einige Marvel-Filme miteingeschlossen — blenden das leider vollkommen aus. 

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