Kolumnen: Das Jahr der guten Frauenfiguren

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Kolumnen

Ein Beitrag von Maria Wiesner

Normalerweise predigt Maria Wiesner, dass Männer selten gute Frauenfiguren schreiben. Aber 2017 hat sie dann doch einige Male überrascht.

Wonder Woman von Patty Jekins
Wonder Woman von Patty Jenkins

Wenn das Kino in den vergangenen Jahren eine Sache in Fülle bereithielt, dann waren es schlecht geschriebene Frauenrollen. Manche waren zwar schön anzusehen, aber in dem, was sie taten, nicht nachvollziehbar — hübsche Männerfantasien eben, die oft den Wunsch hinterließen, dass man doch wenigstens eine Frau ins Drehbuchschreiberteam gelassen hätte, um den Figuren ein bisschen Glaubwürdigkeit einzuhauchen. 

Wer sich jetzt noch fragt, wie so schlechtes Schreiben aussieht, der möge sich noch einmal Zu guter Letzt ansehen: Shirley MacLaine und Amanda Seyfried spielen da gegen ein mittelmäßiges Drehbuch und ebensolche Regie an, die jede Figuren- und Handlungsentwicklung mit ausgedehnten „Ich-liege-auf-dem Bett-und-starre-zu-melancholischer-Musik-an-die-Wand“-Szenen einleiten. Doch nicht alle Filme liefen 2017 nach diesem Schema ab. Überraschenderweise nahmen Männer ihre Frauenrollen ziemlich ernst. 


Trailer zu Wonder WomanAlles begann in Cannes, wo der französische Arthouse-Altmeister Philippe Garell L`amant d`un jour vorstellte. Natürlich geht es um Liebe, natürlich ist das alles in wundervollem Schwarz-Weiß gedreht, natürlich könnte die Konstellation der Figuren nicht stereotyper sein — älterer Professor geht Beziehung zu junger Studentin ein, die freundet sich mit seiner Tochter im gleichen Alter an -, und doch vertraut Garell seinen Frauenfiguren hier soweit, dass er sie komplex anlegt. Sie sind stark und verletzlich gleichzeitig, und vor allem dürfen sie reden, auf Augenhöhe mit den Männern — und nirgends wird schöner über Liebe und Beziehungen geredet als in französischen Schwarz-Weiß-Filmen. 

Das an sich hätte noch die rühmliche Ausnahme im Kinojahr sein können. Dann kam Venedig und dort gleich zwei weitere Überraschungen. Zum einen hatte dort Three Billboards outside Ebbing, Missouri seine Premiere, in dem Regisseur Martin McDonagh der großartigen Frances McDormand die Leinwand überlässt. Die nimmt als Mildred Hayes Rache für den Tod ihrer Tochter wie es sonst nur Männern im Western erlaubt ist: stark, mit schwärzestem Humor und unbeirrbarer Konsequenz. Und gerade als man darüber jubelte, dass es doch nun doch endlich großartige Rollen für Frauen über 30 im Filmbusiness gibt, setzt Guillermo del Toro noch eins drauf. The Shape of Water nimmt alle in den Fokus, die im klassischen Hollywood-Plot in Nebenrollen ihr Dasein fristen: die Putzfrauen im CIA-Geheimlabor und den schwulen Werbezeichner. Und am Ende sind es genau jene, die sonst marginalisiert werden, die die Welt retten. Ist das nicht die Grundidee eines jeden Superhelden-Films, könnte man nun einwenden. Durchaus, aber hier sind die Helden eben eine Taubstumme, eine Schwarze und ein Homosexueller. In welchem Superhelden-Film gab es das bisher schon? 

Da wir schon bei Superhelden sind, darf an dieser Stelle natürlich auch Wonder Woman nicht unerwähnt bleiben. Ebenfalls eine Überraschung meines Kinojahrs. Ja, von einer Frau gedreht, aber wenn man die Diskussion verfolgte, gegen wie viel Widerstand aus der männlichen Führungsetage sich der Film durchsetzen musste, dann passt er durchaus in diese Aufreihung. Ich sah ihn mit zwei Freundinnen und wir alle stellten uns am Ende die gleiche Frage: Fühlen sich Männer die ganze Zeit so, wenn sie Superhelden-Filme schauen? Wir hätten danach gern wie zehnjährige Jungen unsere Mäntel als Capes umgeschlungen, um sie im Fahrradwind flattern zu lassen. Das passiert mit einem, wenn man sich plötzlich mit der Hauptfigur identifizieren kann. Was hingegen passiert, wenn man eine so großartige Figur wie Diana Prince in die Hände eines mittelmäßigen Regisseurs wie Zack Snyder legt, wissen wir spätestens seit Justice League: Wonder Woman wird zur Mutti, die sich um alle kümmern muss, trägt dabei kaum mehr als einen Gürtel und in unpassenden Momenten wird ihr obendrein auch gern mal unter diesen viel zu kurzen Rock gefilmt. 

Meiner ewigen Predigt, dass es einfach mehr kluger Frauen in der Regie und beim Drehbuchschreiben bedarf, um gute Frauenfiguren ins Kino zu bekommen, setzte in diesem Jahr übrigens ausgerechnet die kluge Petra Volpe (Die göttliche Ordnung) entgegen: „Natürlich kann auch ein Mann eine tolle Frauenrolle schreiben. Oder eine Frau eine schlechte. Ich glaube, Menschen schreiben einfach unterschiedlich gute oder schlechte Drehbücher.“ Wenn dem so ist, so war 2017 einfach ein ausgesprochen gutes Jahr für gute Drehbuchschreiber und mutige Regisseure — egal welchen Geschlechts. Wenn man sich die politische Lage dieser Tage ansieht, dann brauchen wir derzeit mehr solcher Geschichtenerzähler. Ich hoffe auf weitere Überraschungen 2018.

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