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Jahresrückblick

Ein Beitrag von Bianka Piringer

In Dokumentarfilmen über Extremsportler geht es regelmäßig um die Jagd nach Sensationen. Die kostbarsten Momente aber entstehen, wenn die Akteure die Freiheit des eigenen Geistes erfahren.

Durch die Wand - Bild
Durch die Wand - Bild

Bei ihren Versuchen, neue Rekorde in unwegsamem oder lebensfeindlichem Gelände aufzustellen, suchen Extremsportler nicht nur die Grenzen des physisch Machbaren. Oft genug überschreiten sie zumindest aus Sicht der selbst einen Adrenalinstoß verspürenden Zuschauer die Schranken, die der gesunde Menschenverstand zieht. Auch Durch die Wand kreist stark um die Frage, wie irre das Unterfangen seiner Akteure ist. Die beiden Freikletterer Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson bescheren dem Publikum eine beglückende Erkenntnis, während sie als Erste ihrer Disziplin die knapp 1000 Meter hohe, senkrechte Dawn Wall am El Capitan im amerikanischen Yosemite Nationalpark bezwingen wollen.

Der ganze Film der Regisseure Josh Lowell und Peter Mortimer steckt voller Überraschungen. Seine beiden Protagonisten passen menschlich nicht so ganz in das Bild des strahlenden Überfliegers. Tommy Caldwell erzählt vom Trauma einer Entführung durch Rebellen in Kirgistan und wie schwer es ihn belastete, dass er zur Notwehr greifen musste. Später schnitt er sich auch noch ganz profan beim Heimwerken den Zeigefinger ab – und gab seine Profi-Karriere im Freiklettern trotzdem nicht auf. 

Als Tommy Caldwell 2009 einen Teampartner sucht für sein allgemein als unmöglich eingeschätztes Traumprojekt, die Dawn Wall zu erklimmen, meldet sich als einziger Kevin Jorgeson. Der Boulderer hat keinerlei Erfahrung mit großer Höhe. Er lässt sich wie ein Anfänger anleiten in Dingen wie Seiltechnik und der Montage der Portaledges, an der Steilwand hängender Zeltvorrichtungen, in denen die Kletterer übernachten. 

 

Sechs Jahre lang bereiten sich die beiden Kletterer immer wieder vor Ort vor und nehmen die Besteigung schließlich trotz geringer Erfolgsaussichten Ende 2014 in Angriff. Sie wollen alle Abschnitte gemeinsam schaffen und während der auf etwa zwei Wochen veranschlagten Dauer nicht vom Fels absteigen. Nachdem es Tommy Caldwell am achten Tag in der Wand gelingt, die berüchtigte Traverse zu meistern, eine lange horizontale Strecke in besonders glattem Fels, berichtet die New York Times mit einer Titelgeschichte. Am Fuße des Berges versammeln sich Medienvertreter aus der ganzen Welt und immer mehr Privatpersonen, die das Ereignis aus nächster Nähe verfolgen möchten. Kevin Jorgeson aber scheitert. 

Der Boulder-Profi stürzt drei Tage lang an der Traverse immer wieder ins Seil, seine Finger sind wund, er muss pausieren, dann probiert er es wieder, scheitert bei vier Versuchen in einer einzigen Nacht. Die Augen der Welt sind auf die beiden Männer gerichtet, der Druck ist enorm. Soll Tommy Caldwell sein Projekt nach all den Mühen etwa aufgeben? Kevin Jorgeson will seinem Erfolg nicht im Wege stehen. Tommy Caldwell klettert zunächst weiter, entscheidet sich jedoch plötzlich um: Er will den Aufstieg nicht allein meistern! Die beiden Freunde sitzen wieder zusammen im Portaledge und nehmen sich zwei Ruhetage. Tommy will so lange warten, bis Kevin die Traverse schafft. Das Handy fällt ihm hinunter – so ist er für Journalisten nicht mehr erreichbar. 

Dies ist der geradezu sensationelle Wendepunkt in einer Geschichte, die schließlich glücklich ausgeht. Die beiden Sportler definieren ihr Abenteuer selbst, treiben seinen Aberwitz noch ein gutes Stückchen weiter. Trotz aller Strapazen und Zweifel scherzen sie wie Jugendliche. Dieses Erleben von Freiheit teilt sich den Zuschauern elementar mit. Auch im Extremsport muss es nicht stur auf direktem Wege auf ein Ziel zugehen, können die Vorstellungen, worin die Herausforderung wirklich besteht, variieren. Diese beiden Akteure entdecken den Unterschied zwischen Getriebensein und dem individuellen Beschreiten von Neuland. Eine solche Erfahrung lässt sich auch im Alltag fern von schwindelerregenden Höhen gut gebrauchen.

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