Interviews: Christian Klandt im Interview zu "Leif in Concert - Vol. 2"

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Interviews

Ein Beitrag von Tanja C. Krainhöfer

Christian Klandt
Christian Klandt

Fast jeder kennt sie, liebt sie, verteufelt sie, die Lieblingskneipe um die Ecke, oft auch das zweite Wohnzimmer genannt, das immer zum Plaudern mit einem vertrauten Menschen einlädt und einen nicht selten bei dem kurzen Abstecher auf dem Heimweg erst bei Morgengrauen entlässt. Christian Klandt, Autor und Regisseur von „Leif in Concert – Vol. 2, zeigt mit seinem Reigen um die Irrungen und Wirrungen der Barfrau Lene (Luise Heyer) und ihrer Stammgäste Momente der sorglosen Selbstverständlichkeit vergangener Tage und lädt dabei ein zum Schmunzeln, zum Staunen, zum Wundern, vor allem aber zu einer angenehmen Verschnaufpause von dem bestehenden Ausnahmezustand.

„Trinke. Lebe. Liebe. Staune.“

 

Leif in Concert – Vol. 2, die Geschichte rund um die Barfrau Lene (Luise Heyer), ist in vielerlei Hinsicht besonders: Eine Produktion realisiert von Freunden mit noch mehr Freunden für die weltweite Gemeinschaft all derer, die sich ein Leben ohne die heimeligen Abende in ihrer Lieblingskneipe um die Ecke nicht vorstellen wollen?

Ja, es ist ein echtes Herzensprojekt und entstand mit Menschen, mit denen mich eine tiefe Freundschaft verbindet, blindes Verständnis und eine hohe künstlerische Parallelität. Allem voran René Gorski, Kameramann und Freund seit der dritten Klasse, Inga Köhler, Regieassistentin und enge Freundin, und Martin Lischke, Produzent und Wegbegleiter seit meinem ersten Tag an der Film-Uni Potsdam. Doch nicht allein mein Lieblingsteam, dieser Film ermöglichte uns viele bisherigen Weggefährten zusammenzubringen, wie Bela B. von den Ärzten, Maryam Zaree, Tilo Prückner, Florian Bartholomäi, natürlich Luise Heyer und die Bands Karl die Große, Koerper und Poorboy und dabei das Lebensmotto „Trinke. Lebe. Liebe. Staune“ zu feiern.

 

Das „Vol. 2“ im Titel verrät, dass es schon einen Teil 1 gibt?

Nein nein, der Film ist der zweiteste erste Teil aller Zeiten. Am Anfang stand die Idee für ein Kammerspiel rund um die bezaubernde Lene in ihrer kleinen Jazzkneipe irgendwo in Deutschland und ihren Begegnungen mit Menschen, die mal vergnügt, mal verzweifelt, mal verwirrt und mal verwegen durch die Nacht treiben. Beim Schreiben des Drehbuchs entstand auch noch eine spannende Hintergrundgeschichte, die in Kopenhagen spielt und die erzählt, warum Lene lange weg war und wie sie schließlich einige Stammgäste zurückholt. Eine Geschichte, die wir auch noch einmal erzählen werden.

 

Fast genau vor einem Jahr feierte Leif in Concert – Vol. 2 beim Filmfest München seine Weltpremiere und gewann dort den Förderpreis „Neues Deutsches Kino“ für die beste Produktion. Ein gelungener Aufschlag?

Absolut. Zur Premiere organisierte dann noch ein Münchner Partylöwe eigens ein Kneipen-Screening mit anschließender Feier und wir holten vier Bands des Films nach München. Man sagte mir, dass man dem Film die Freude am Filmemachen ansehen würde, „ein wunderbares Märchen“ und außerdem die beste Luise Heyer in einem Film, der man so gerne zusieht. Und dann kam auch noch der Preis für die beste Produktion, und das, obwohl der Film mit kleinem Geld und komplett independent produziert worden war.

 

Independent heißt in Deutschland, einen Film zu produzieren ohne Mittel einer Filmförderung, ohne dass sich ein Fernsehsender an den Produktionskosten beteiligt oder dass ein Kinoverleih schon zur Produktion in das Projekt einsteigt. Wie hoch war Euer Budget und wie habt Ihr es finanziert?

Wir hatten gerade einmal 40.000 Euro für 20 Drehtage, davon 17 in der Kneipe und drei für den Vorspann. Die Finanzierung stand auf drei Säulen. Wir haben privat Geld investiert, fanden Firmen und Privatpersonen, die uns als Ko-Produzenten unterstützten, und organisierten erfolgreich ein Crowdfunding. Zusätzlich haben uns Sponsoren zum Beispiel mit Technik unterstützt.

 

Dein Freund und Produzent Martin Lischke meint: „Um einen guten Film zu machen, braucht man kein Millionenbudget“. Wie siehst Du das?

Braucht man nicht unbedingt. Aber es ist immer vom Film abhängig. Bei Leif in Concert – Vol. 2 war es vor allem eine Frage der Zeit. Zum Zeitpunkt der Idee sahen wir ein Zeitfenster von vier bis sechs Monaten, in dem wir diesen Film realisieren konnten. Die Entscheidungen von Förderungen oder anderen Partner abzuwarten, hätte zu lange gedauert. Unser Entschluss, den Film alternativ zu produzieren, lag vor allem an unserer Ungeduld.

Jedoch entstehen immer mehr Filme neben dem üblichen Finanzierungsweg. Betrachtet man die Entwicklung der Filmfestivals weltweit in den letzten zehn Jahren, so stellt man fest, dass der Anteil an frei finanzierten Filmen zugenommen hat. Und das ist auch gut so. Es sind mitunter bessere Geschichten, die sich auf eine bestimmte Nische konzentrieren – unkonventionelle Sichtweisen bieten. Ich habe mal gelesen: „Fortschritt ist das Werk der Unzufriedenen“. Wie soll man das Kino weiterentwickeln, wenn ein hochfinanzierter Film Erfolg haben „muss“? Viele Filme von Rosa von Praunheim oder auch von Klaus Lemke wurden ohne Filmförderung oder eine TV-Auswertung realisiert.

 

Seit der Premiere im Sommer 2019 ist viel Zeit vergangen. Was ist seither mit Leif in Concert – Vol. 2 passiert?

Nach der Welturaufführung in München kam die internationale Premiere in Warschau und dann die Einladung zum German Currents Film Festival in Los Angeles. Danach waren wir mit dem Film noch auf Filmfestivals in Bukarest und Cluj Napoca in Rumänien. Dann wieder zurück in Deutschland stellten wir Leif auf dem Exground Filmfestival in Wiesbaden, dem Heimspiel in Regensburg, dem Filmz in Mainz und den Biberacher Filmfestspielen vor.

Und dann kam Corona! Geplant war der Kinostart für unsere Hommage an die Kiezkultur für den 16. April. Parallel dazu wäre Leif in Concert als Eröffnungsfilm vom Filmfest Achtung Berlin gelaufen und den Internationalen Grenzland-Filmtagen in Selb. Doch da waren die Kinos, wie die Musikbars und Lieblingskneipen, bereits schon wegen Corona geschlossen. Dadurch hat es ein Film erstmals in der Filmgeschichte geschafft, den Soundtrack vor dem Kinostart zu veröffentlichen.

„Leif in Concert Vol. 2“ (c) missingFILMs

 

Nun kommt Leif in Concert – Vol. 2 am 16. Juli 2020 endlich bundesweit in die Kinos, während Kneipen langsam wieder öffnen, aber Konzerte nach wie vor nur im Autokino stattfinden.

Wir versuchen, wo es möglich ist, zur Filmvorführung Gespräche mit dem Team und Livemusik-Acts zu organisieren wie zum Beispiel beim Kinosommer im Felsenkeller in Leipzig [17. Juli] oder im Weltspiegel in Cottbus [18. Juli], dort sogar mit Special Guest: Godehard Giese.

Außerdem wird es vor dem Kinostart Vorpremieren mit Filmgesprächen in Frankfurt und Düsseldorf wie Münster in Anwesenheit von Dr. Mark Benecke geben. Die Premiere ist dann im Freiluftkino Cassiopeia in Berlin in Anwesenheit von Schauspielern und Filmteam. Und dann ist Leif in Concert — Vol. 2 zu sehen in Augsburg, Berlin, Cottbus, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Ingolstadt, Karlsruhe, Kassel, Köln, Königs Wusterhausen, Leipzig, Magdeburg, Nürnberg, Regensburg, Stuttgart, Ulm und Weimar.

Es wird sicherlich ein aufregender Sommer, bevor ich mich dann zum Jahresende wieder Lene widme und der Vorgeschichte Leif in Concert — Vol. 1.

Das Gespräch führte Tanja C. Krainhöfer

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