In Memoriam: Miloš Forman gestorben

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In Memoriam

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Miloš Forman - Portrait
Miloš Forman - Portrait

16.04.2018: Miloš Forman ist tot. Der Filmemacher ist am vergangenen Samstag nach kurzer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben. Das teilte seine Ehefrau Martina der tschechischen Nachrichtenagentur ČTK mit.

Weltruhm erlangte Forman durch seine oscarprämierten Filme Einer flog über das Kuckucksnest und Amadeus, seine Filmkarriere begann allerdings schon viel früher als Teil der tschechoslowakischen Neuen Welle.

Als Absolvent der Prager Filmakademie drehte er zunächst einige Dokumentarfilme bevor er mit Der schwarze Peter 1964 sein Spielfilmdebüt gab. Es folgten Die Liebe einer Blondine und Der Feuerwehrball, die Miloš Forman umgehend auch internationale Aufmerksamkeit bescherten. Für Die Liebe einer Blondine, die Geschichte einer Fabrikarbeiterin aus der Provinz, die einem Jazz-Pianisten nach Prag folgt, erhielt der Regisseur seine erste Oscarnominierung.

 

Wie später in seinen amerikanischen Filmen interessierte sich Forman auch in dieser frühen Phase bereits für die kleinen Leute, für Außenseiter und Träumer. Damit weckte er das Misstrauen der Zensurbehörden, die in seinen Filmen eine Bedrohung kommunistischer Werte vermuteten. Mit Repressalien hatte der Regisseur zu diesem Zeitpunkt bereits seine Erfahrungen: als er 7 Jahre alt war, wurde sein Vater von der Gestapo abgeführt — er sah ihn nie wieder. Drei Jahre später wurde auch die Mutter geholt. Beide Eltern starben in Konzentrationslagern der Deutschen.

In den späten 1960er Jahren emigrierte Miloš Forman nach Amerika. Das Timing hätte nicht besser sein können: als er auf eine Einladung hin für Verhandlungen nach Paris reiste, marschierten die Truppen des Warschauer Pakts in Prag ein.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Forman zu einer der interessantesten Stimmen der Ära New Hollywood. In Einer flog über das Kuckucksnest mit Jack Nicholson konnte der Regisseur noch einmal seine Erlebnisse in der ČSSR verarbeiten.

 

Auch in seinen späteren Filmen widmete sich Miloš Forman immer wieder einem existenziellen Gefühl der Entfremdung und der Verteidigung der Grundrechte, wusste subtil zu provozieren. So wurde beispielsweise sein Film Larry Flynt – Die nackte Wahrheit über den Meinungsfreiheitsprozess des Hustler-Herausgebers kontrovers diskutiert. Daraufhin erklärte Forman einmal:

„Als die Nazis und die Kommunisten in die Tschechoslowakei kamen, haben sie zuerst den Pornographen und den Perversen den Krieg erklärt. Alle haben applaudiert: Wer will schon, dass Perverse durch die Straßen rennen? Aber dann plötzlich war Jesus ein Perverser, war Shakespeare pervers, war Hemingway pervers. Es fängt immer mit Pornografen an, das öffnet die Tür ein wenig — aber dann ist sie für alle möglichen Arten von Verfolgung offen.“

 

Für Criterions Pressespiegel The Daily sammelt David Hudson hier übrigens zahlreiche englischsprachige Nachrufe und Texte zum Tode Miloš Formans.

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