Fundstücke: Ilya Khrzhanovskys Mammutprojekt "Dau" erscheint diesen Herbst

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Fundstücke

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Dau - Filmstill
Dau - Filmstill

12.07.2018: Eine neue Website ist aufgetaucht: dau.xxx. Was auf den ersten Blick ominös wirkt, beinhaltet bisher nichts weiter als ein Video in vier verschiedenen Sprachen und die Möglichkeit sich in eine Mailingliste einzutragen.

Bei dem Video handelt es sich um einen ersten Trailer zu Dau, ein experimentelles Mammutprojekt des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky. Der Film soll vom Leben des sowjetischen Physikers und Nobelpreisgewinners Lev Landau handeln und ist bereits seit 2006 in Planung — als bisher größte Ko-Produktion mehrerer europäischer Staaten mit Russland. Aber diese Worte reichen nicht, um die Dimensionen von Dau begreiflich zu machen.

Wenn man den spärlich gesäten Berichten vom Set Glauben schenken darf, handelt es sich bei dem Projekt nämlich um eine Art Truman Show in real life. Hunderte Menschen — darunter Arbeiter und Angestellte, aber auch berühmte Künstler und Wissenschaftler würden dafür auf Jahre in eine künstliche Stadt in der Ukraine ziehen, die aussieht wie aus der Sowjetunion der 1950er Jahre.

In dieser Stadt - Charkiw im Nordosten der Ukraine — wurde ein riesiges Set errichtet, von dem alle nur als „das Institut“ sprechen. Die Kameras dort laufen unaufhörlich, so dass laut Trailer bisher 700 Stunden Filmmaterial aufgenommen und zu diversen Spielfilmen, Serien und Dokumentarfilmen weiterverarbeitet wurden.

Bereits im Jahre 2011 erschien eine ausführliche Reportage in der GQ, für die Michael Idov sich nach Charkiw begeben hatte. Damit er am Set nicht auffiel, verpasste man ihm selbst Kleidung und eine Frisur der 1950er Jahre. Sein Text liest wie eine Passage aus einem dystopischen Roman: 

„According to a glossary of forbidden terms posted right in front of me on the wall, the set is to be referred to as the Institute. Likewise, inside the Institute, there are no scenes, just experiments. No shooting, only documentation. And there is certainly no director. Instead, Ilya Khrzhanovsky, the man responsible for this madness, is to be referred to as the Head of the Institute or simply the Boss.“

Außerdem war über den Film 2017 im Telegraph zu lesen — der Text nennt Marina Abramović als eine der kollaborierenden Künstler_Innen. Zuletzt berichtete Monopol, Khrzhanovskij habe in Zusammenarbeit mit Chris Dercon den Bau einer Mini-Sowjetunion komplett mit eigener Währung und Zollkontrolle auf dem Berliner Rosa-Luxemburg-Platz geplant. Die Weltpremiere hätte dann in der Volksbühne stattfinden sollen. Bis heute sind gesicherte Informationen über Dau jedoch rar. Der Trailer auf der Website gibt als Veröffentlichungszeitraum lediglich Herbst 2018 an.

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