Filmgeschichte(n): Ring of Fury - Ein "Juwel" Singapurs

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Filmgeschichte(n)

Ein Beitrag von Christian Neffe

Ring of Fury
Ring of Fury

Singapur, der gerade einmal 725 Quadratkilometer große Inselstaat am südlichen Ende der Malaiische Halbinsel, hat eine überaus lebendige Filmlandschaft. Die Anzahl der Kinobesucher schwankte in den vergangenen Jahren stets um die 20-Millionen-Marke — und das bei gerade einmal 5,7 Millionen Einwohnern. (Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2019 bei 83 Millionen Einwohnern lediglich 110 Mio. Kinokarten verkauft). Und auch die Anzahl der Filme, die vor Ort entstehen, ist beachtlich. Das war nicht immer so: Nach einem Zusammenbruch der lokalen Studios um 1970 hat sich erst seit den frühen 1990ern wieder eine reichhaltige Filmproduktion etabliert. Ebenso reichhaltig ist jedoch auch die Geschichte der Zensur in Singapur.

Der regierenden, konservativen People’s Action Party (PAP) gelang es zwar, die Ökonomie im Land seit den 60ern derart anzukurbeln, dass Singapur heute als eines der reichsten Länder der Welt gilt (2019: Platz 4) — doch dieser Prozess ging mit einer starken Kontrolle des sozialen Lebens sowie der Rede-, Meinungs- und Kunstfreiheit einher: Auf dem Press Freedom Index landete Singapur 2020 auf Platz 158 von 180.

Im Filmbereich waren und sind von dieser Zensur allem voran Werke betroffen, in denen Homosexualität thematisiert wird und die mehr oder minder explizite Sex-Szenen enthalten. Bis zur Einführung eines eigenen Systems zur Alterseinstufung im Jahre 1991 war die Zensur noch umfassender — und erwischte 1973 den bis dato (und bis heute) einzigen Martial-Arts-Film Singapurs: Ring of Fury. Der wurde, so beschreibt es das Asian Film Archive (AFA), wegen seiner Darstellung von „gangsterism and vigilantism at a time when Singapore was aggressively ‘cleaning up’ its national public image“ verboten. Und blieb es gut 32 Jahre lang.

Aus heutiger Sicht erscheinen diese Vorwürfe freilich maßlos überzogen: Ring of Fury erzählt die Geschichte von Fei Pah, gespielt vom Karate-Meister Peter Chong, dessen Familie einer Gruppe Krimineller zum Opfer fällt und der daraufhin auszieht, in die Geheimnisse der Kampfkunst eingeführt zu werden und Vergeltung zu üben. Eine in diesem Genre wohlbekannte und -bewährte Plot-Struktur also, die klar von Bruce Lees Fist of Fury (1972) inspiriert wurde — und leider auch ein guter Grund für die Zensoren, der Aufführung des Films einen Riegel vorzuschieben.

„It’s a real story of Singapore in the late 1960s when we still had gangs around collecting protection money. (But the censors) said that you can’t take the law into your hands.“ — Hauptdarsteller Peter Chong

Bis in die frühen Nullerjahre wurde Ring of Fury deshalb von nahezu niemandem gesehen — dem Vernehmen nach soll Chong die einzige Kopie in einem Kühlschrank aufbewahrt haben, die er aus Ausgleich dafür erhielt, dass ihm die Produzenten kein Honorar zahlen konnten. Erst 2005 verließ der Film diesen Tresor — für eine Aufführung bei einem örtlichen Filmfestival. Zwölf Jahre später, 2017 also, wurde Ring of Fury schließlich vom AFA, das den Film als „a gem of Singaporean genre cinema“ beschreibt, umfassend und in 4K restauriert. 

Gut möglich, dass es Ring of Fury ohne dieses Verbot zu einem Kultfilm oder gar Genre-Klassiker geschafft hätte — und die örtliche Filmlandschaft noch lange vor ihrem Revival zu Beginn der 2000er angekurbelt sowie zu internationaler Bedeutung gebracht hätte. Zumindest ersteres könnte nun mit einiger Verzögerung doch noch gelingen: Das AFA hat Ring of Fury vor kurzem auf YouTube gestellt, wo er für die gesamte Welt zu sehen ist. Ein Blick lohnt sich, denn der Film wartet trotz seiner schematischen Handlung mit einer eindrucksvollen Bildsprache auf.

Weitere Einblicke in die Geschichte von Ring of Fury bietet ein Beitrag des AFA-Archivars Chew Tee Pao, der sich 2019 mit Regisseur James Sebastian traf. Und auch Tony’s Long March, eine Reportage über den zweiten Regisseur Tony Yeow, ist in diesem Zusammenhang sehenswert.

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