Filmgeschichte(n): Die späte Rache der Navajo

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Filmgeschichte(n)

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Still aus "Reel Injun"
Still aus "Reel Injun"

Wer gelegentlich einmal Filme abseits des US-Mainstreams schaut, kommt an ihnen nicht vorbei: Untertitel. Sie ermöglichen es uns, Filme zu verstehen, derer Sprachen wir nicht mächtig sind, erteilen Leuten das Wort, deren Kulturen marginalisiert sind und schaffen Verständnis, wo das Geld nicht für zahllose Sprachfassungen reicht. Umso schwerer fällt ins Gewicht, wenn die Untertitel einmal fehlen.

Als in der Berliner Pressevorführung zu Valeska Grisebachs Film Western die Untertitel ausfielen, dachten die meisten Zuschauer, das gehöre zum Konzept. Schließlich geht es um die Einsamkeit eines deutschen Bauarbeiters in Bulgarien, da hebt die babylonische Sprachverwirrung die Orientierungslosigkeit erst so richtig hervor. Der hübsche Nebeneffekt eines technischen Fehlers.

Filmgeschichtlich betrachtet hat die fehlende Übersetzung der Textzeilen als irrelevant erachteter Nebenfiguren aber auch einige grimmige Nuancen. Bestes Beispiel: eben der Western. Wenn in den Filmen schon einmal tatsächlich Native Americans in Sprechrollen besetzt wurden und man nicht einfach Englisch rückwärts abspielte oder die Darsteller irgendeine Fantasiesprache von sich geben ließ, kümmerte sich kaum jemand darum, welche Worte in Navajo, Sioux oder Irokesisch gesprochen wurden.

Die Filme richteten sich an ein weißes Publikum, es würde, davon ging man aus, ohnehin niemand die indigenen amerikanischen Sprachen verstehen. Der Regisseur Neil Diamond deckt in seinem 2009er Dokumentarfilm Reel Injun auf, wie einige Natives auf diese Weise doch noch zu ihrer Rache kamen, indem sie etwa vor laufender Kamera Witze rissen wie hier in Raoul Walshs 1964er Die Blaue Eskadron:

 

Das derartige Ignoranz alles außerhalb des eigenen Horizonts betreffend längst nicht der Vergangenheit angehört, bewiesen vor vier Jahren einige Künstler, die ein subversives Graffiti in die gefeierte Serie Homeland einschmuggelten. Angeheuert, um die Sets authentischer erscheinen zu lassen, verzierten sie, von der Crew gänzlich unbemerkt, eine Wand mit dem arabischen Schriftzug “Homeland is racist“, um gegen die Fehlrepräsentation der muslimischen Welt in der Serie zu protestieren.

 

Fehlende Untertitel können aber auch bewusst als Stilmittel eingesetzt werden. Dass weder die Figuren, noch die Zuschauer etwa die Worte des Native American in Kelly Reichardts Neowestern Meek’s Cutoff verstehen, verweist auf eine viel größere Kluft als eine schlichte Sprachbarriere. Und manchmal erweisen sich fremde Zungen in Filmen auch als Insider, die das durchschnittlich gebildete westliche Publikum zuerst einmal außen vorlassen. In Kenya zum Beispiel war die Begeisterung groß, als das Publikum den sullustanischen Piloten Nien Nunb in Die Rückkehr der Jedi-Ritter in Kikuyu sprechen hörte.

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