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Filmgeschichte(n)

Der unendliche Streit

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

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Still aus "Die unendliche Geschichte"
Still aus "Die unendliche Geschichte"

Bis heute erzählt man sich, wie entgeistert Michael Endes Frau war, als sich der Filmproduzent Bernd Eichinger bei einem Treffen mit dem Autoren nicht etwa auf die Toilette zurückzog, sondern sich an den selbstgepflanzten Bäumen im Garten der Endes erleichterte. Im Nachhinein wird sich auch der Schriftsteller geärgert haben, dass er diese Begegnung nicht als Warnschuss ernstgenommen hatte.

Dass Autoren mit den Verfilmungen ihrer Bücher nicht einverstanden sind, ist keine Seltenheit. Stephen King fand, Stanley Kubrick sei mit seiner Version von Shining komplett am Thema vorbeigeschrammt, Stanisław Lem verabscheute beide Kino-Adaptionen seines Werks Solaris. Das vielleicht bekannteste deutsche Beispiel für eine solche Meinungsverschiedenheit zwischen Urheber und Filmteam ist der Fall Die unendliche Geschichte.

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Bald nach seiner Veröffentlichung im Jahre 1979 hatte sich der Roman, an dem Michael Ende so lange geschrieben hatte, zum Verkaufsschlager entwickelt, der nicht nur begeisterte Leser auf den Plan rief, sondern auch ambitionierte Filmproduzenten. Der Schriftsteller hatte den Stoff bereits an Dieter Geissler verkauft — doch dieser merkte recht schnell, dass er den Aufwand der Verfilmung nicht würde stemmen könnte und war deswegen froh, als der junge Bernd Eichinger einstieg.

Die Fans des Romans waren mehrheitlich nicht begeistert von der Idee Phantásien bald auf der großen Leinwand zu sehen, doch das Projekt eilte in riesigen Schritten voran. Zunächst sah es so aus, als würde Helmut Dietl bei Die unendliche Geschichte Regie führen, doch sein Drehbuchentwurf kam bei den Geldgebern in der USA nicht an — mein einigte sich auf eine Trennung. Ende, der sich bei der Verfilmung ein Mitspracherecht gesichert hatte, machte sich sogleich daran gemeinsam mit dem neuen Regisseur Wolfgang Petersen ein weiteres Drehbuch aufzusetzen.

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Nur spielte diesmal Eichinger selbst nicht mit. Für zu vergeistigt hielt er das Manuskript, um in den Staaten Erfolge zu feiern. Er schrieb es um zu einer Art Disneyversion der unendlichen Geschichte, die sich nicht um Lücken und logische Schnitzer in der Geschichte scherte. 60 Millionen DM wurden in die Produktion gepumpt, die dennoch technisch nicht auf der Höhe der Zeit wirkte. Dennoch wurde der Film zu einem weltweiten kommerziellen Erfolg — und Michael Ende war um seinen Schlaf gebracht. „Es ist eine unsägliche Geschichte daraus geworden,“ resignierte er.

„Was an Fantasie in diesem Film enthalten ist, übersteigt kaum das Niveau eines mittleren Nachtclubs.“

Als wäre der Filmtitel selbst ein böses Omen, verlor der Schriftsteller wenig später ein Großteil seines Vermögens, weil sein Finanzberater Fehlinvestitionen getätigt hatte. Bis heute, gut 40 Jahre nach Kinostart, laufen außerdem vor Gericht Streits um die Merchandising-Rechte. Der Kläger: der Sohn des Filmproduzenten Dieter Geissler. Eben eine unendliche Geschichte.

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