Filmgeschichte(n): Beauty wrote the Beast: Ruth Rose und King Kong

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Filmgeschichte(n)

Ein Beitrag von Christian Neffe

King Kong und die weiße Frau, 1933
King Kong und die weiße Frau, 1933

It wasn’t the airplanes. It was Beauty killed the Beast.

Mit diesen beiden Sätzen wird der Klassiker King Kong und die weiße Frau (wie auch das 2005er-Remake von Peter Jackson) beschlossen. Und es könnte kaum bessere Schlusssätze für diese Geschichte geben. Denn allein durch dieses knappe Dutzend Worte wird aus dem wilden, ungezähmten Monster King Kong letztendlich ein großer Liebender, ein einfühlsames Wesen, das uns Mitleid und Empathie abringt. Am Ende sind es nicht die Menschen, denen unser Mitgefühl gilt, sondern der riesige Affe, der gewaltsam seiner Heimat entrissen und in New York zur Publikumsattraktion degradiert wird, der sich aus dieser Knechtschaft befreit und schließlich eines tragischen Todes stirbt.

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Es war kein Autor von Weltruhm, der diese beiden Sätze schrieb, sondern eine Autorin, die im Gegensatz zu ihrem in die Kinogeschichte eingegangenen Werk aus der öffentlichen Erinnerung nahezu verschwunden ist: Ruth Rose, die zwar nicht völlig allein für das Skript zum legendären Creature Feature von 1933 zuständig war, es jedoch vollendete und damit maßgeblich für den heutigen Klassikerstatus dieses Film verantwortlich ist. Und deren Biografie eine nicht zu vernachlässigende Parallele zum Skript von King Kong, insbesondere der weiblichen Hauptfigur Ann Darrow, aufweist:

Denn nicht nur begann auch Roses Karriere als Schauspielerin, mit 14 Jahren auf dem Broadway, wo sie sich einige Jahre auf der Bühne verdingte. Auch galt ihr Interesse dem Erforschen und Bewahren der Tierwelt: Als Mitglied und Historikerin der New York Zoological Society (heute die Wildlife Conservation Society) war sie 1926 Teil einer Expedition des Naturforschers William Beebe auf die Galapagosinseln - der sich auch der Kameramann Ernest Schoedsack anschloss. Rose und Schoedsack begegneten sich dort erstmals, verliebten sich und heirateten später.

Ruth Rose mit Schauspieler Otis Skinner, 1920 (c) Public Domain

Das liest sich nun wie die möglich Vorlage zum Drehbuch von King Kong liest, war letztlich aber wohl „nur“ eine große Inspiration für Roses Arbeit daran. Noch bevor sie engagiert wurde, waren es zwei Männer, die den Grundstein für das Skript legten: Edgar Wallace (ja, der Edgar Wallace, der aber noch vor Fertigstellung des Drehbuchs 1932 starb) und James Ashmore Creelman. Dessen finaler Entwurf war King-Kong-Regisseur Merian C. Cooper jedoch erzählerisch zu lahm, zu blumig, zu dialoglastig.

Cooper, der bereits mit Schoedsack zusammengearbeitet hatte und sich mit ihm den Regieposten für King Kong teilte, engagierte deshalb dessen Gattin Rose für die Finalisierung des Skripts. Die strich überflüssige Szenen heraus, zog das Tempo ordentlich an und füllte das Gerüst mit heute noch ikonischen Szenen und Zitaten - so auch den oben erwähnten Schlusssätzen. Und: Sie schrieb die Figuren um, machte Jack Driscoll zu einem fiktionalen Abbild ihres Mannes, Carl Denham zu einem von Cooper — und sicherlich auch Ann Darrow in gewisser Hinsicht zu einem von sich selbst.

 

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Nach dem bahnbrechenden Kassenerfolg von King Kong und die weiße Frau ließen weitere Arbeiten nicht lange auf sich warten: Rose schrieb die Skripte zu Blind Adventure und King Kongs Sohn (beide 1933, inszeniert von Schoedsack), zu She — Herrscherin einer versunkenen Welt (1935) sowie Der Untergang von Pompeji (1935, Regie: Cooper und Schoedsack). Danach endete ihre Karriere als Autorin eigener Drehbücher abrupt, es folgten lediglich noch das Skript zu Panik um King Kong (1949), jeweils eine „based on“-Erwähnung im Abspann der 1976er- und 2005er-Remakes sowie eine sehr späte Adaption ihres Werks Mein großer Freund Joe (1998) — 20 Jahre nach ihrem Tod im Jahre 1978. Allerdings: Über die Jahre hinweg wurde sie immer wieder mit der Überarbeitung von Drehbüchern beauftragt — und drückte Hollywood auf diese Weise noch über Dekaden hinweg ihren Stempel auf. 

Trotz dieses Einflusses scheint Rose heute weitestgehend in Vergessenheit geraten zu sein. Anlässlich ihres nun anstehenden 125. Geburtstags — Rose wurde am 16. Januar 1896 geboren — und des seit einigen Jahren sichtbaren Trends, Filme über historisch relevante, im Nebel der Vergangenheit verblassende, bisher aber nur männliche Drehbuchautoren zu drehen - etwa Trumbo oder erst kürzlich Mank -, geben wir Hollywood an dieser Stelle mal einen Wink mit dem Zaunpfahl. Interessanter Stoff, bei dem Biografisches und Fiktionales miteinander verwoben wird, wäre im Falle von Ruth Rose jedenfalls vorhanden.

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