Filmgeschichte(n): Aufs richtige Pferd gesetzt

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Filmgeschichte(n)

Ein Beitrag von Christian Neffe

Aus der Geschichtskiste: Im Juni 1878 legte ein Fotograf mit dunkler Vergangenheit den Grundstein für etwas, das wir heute Film nennen. Und machte Sallie Gardner zum ersten Star dieses Mediums.

The Horse in Motion
The Horse in Motion

Zwölf Frames, die ein neues Medium begründeten: Auch wenn Arbeiter verlassen die Lumière-Werke (1895) gemeinhin als Geburtsstunde des Films gilt, so legte ein gewisser Eadweard Muybridge bereits 17 Jahre zuvor den Grundstein dafür. Chronofotografie nannte sich das damals noch. Wie immer bei derartigen Erfindungen stand aber kein ästhetisch-künstlerisches Interesse im Vordergrund, sondern ein wissenschaftliches: Es sollte herausgefunden werden, ob die vier Beine eines Pferdes beim Galopp zu irgendeinem Zeitpunkt allesamt in der Luft sind. Spoiler: Sie sind es.

Frances Benjamin Johnston, Public domain, via Wikimedia Commons
Eadweard Muybridge (c) Public domain

Die Initialzündung kam vom US-amerikanischen Industriellen und Politiker Leland Stanford, der sich für den genauen Bewegungsablauf seiner Pferde interessierte (und dem Vernehmen nach eine Wette bezüglich der Pferdebeine und der Luft am Laufen hatte). So wandte er sich an den Natur- und Reisefotografen Muybridge, der nach einigem Zögern — er war überzeugt, der Stand der Fototechnik ließe eine klare Aufnahme bei derart schnellen Bewegung nicht zu — einwilligte. 1873 der erste Versuch mit einem Tier namens Occident, das langsam an der Kamera vorbeitrabte, über und an zahlreichen weißen Laken vorbei, die für mehr Helligkeit und damit eine Belichtungszeit von einer fünfhundertstel Sekunden sorgen sollten. Das Ergebnis war ein einzelnes, unscharfes Bild — Muybridge war nicht zufrieden, Stanford feierte es als ersten großen Erfolg. Das Foto wurde nie veröffentlicht.

1877 der zweite Versuch, bei dem dank verbesserter Technik eine scharfe Aufnahme von Occident in hohem Tempo gelang — und ein Jahr später der große Wurf: Sallie Gardner hieß das Tier, das Muybridge im vollen Galopp (rund 60 km/h) auf Stanfords Farm in Palo Alto per Reihenaufnahme festhalten wollte. 24 Kameras mit rund 70 Zentimetern Abstand wurden installiert, ausgelöst durch Stolperdrähte auf dem Weg des Pferdes. Die Belichtungszeit war inzwischen auf eine zweitausendstel Sekunde geschrumpft. Ein Triumph für Muybridge, für Stanford — und für ein neues Medium namens Film, das daraus hervorgehen sollte. Ein Triumph, der nun genau 143 Jahre zurückliegt: Im Sommer 1878 entstanden mehrere Reihenaufnahmen, die bekannteste von ihnen am 19. Juni.

Muybridge race horse animated

Für Pferdebesitzer*innen und -forscher*innen lieferten die Bilder den endgültigen Beweis: Tatsächlich befinden sich alle vier Beine des Tiers während des Galopps für einen kurzen Moment in der Luft. Allerdings nicht, wie zuvor vor allem in Gemälden abgebildet, wenn sie vom Körper wegstreckt sind, sondern wenn sie sich unter dem Torso des Pferdes befinden. Klingt profan, war jedoch eine mittelgroße Sensation. Und brachte dem Vernehmen nach einige Pferde-Maler zum Weinen.

Ein wichtiger Schritt war aber noch zu bewältigen: das Abspielen dieser Bilder auf solche Weise, dass daraus die Illusion einer flüssigen Bewegung entsteht. Ermöglicht wurde das durch eine weitere Erfindung Muybridges ein Jahr später. Das sogenannte Zoopraxiscope, eine Glasscheibe, auf deren Rand Zeichnungen und Fotografien abgedruckt waren und die durch die Drehung der Scheibe eben jene Illusion erzeugten. Der früheste Vorläufer des Filmprojektors, der Thomas Edison als Inspiration für sein Kinetoskop diente.

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In den folgenden Jahren dokumentierte Muybridge die Bewegungsabläufe weiterer Tierarten — Kamele, Esel, Panther — und auch von Menschen, ging damit auf Vortragsreisen und versuchte, die Fehler früherer künstlerischer Darstellungen dieser Abläufe herauszuarbeiten. Ein Pionier der Fotografie und des Films, dessen Privatleben allerdings eine grausame Anekdote bereithält: 1874 erschoss er den Liebhaber seiner Frau, wurde vor Gericht gestellt und trotz eines Schuldeingeständnisses freigesprochen. Begründung: „justifiable homicide“ — entschuldbarer Totschlag. Das letzte Mal, dass dies in Kalifornien vorkam.

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