Features: Jóhann Jóhannsson - Der Klang der Stille, der Lärm der Geräusche

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Ein Beitrag von Joachim Kurz

Anfang des Jahres verstarb der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson völlig überraschend in seiner Wohnung in Berlin. Anlässlich unsere Jahresreihe zu den Wechselwirkungen von Film und Musik erinnert Joachim Kurz an den Ausnahmekünstler.

Jóhann Jóhannsson
Jóhann Jóhannsson

Als die Nachricht vom Tode Jóhann Jóhannssons am 9. Februar dieses Jahres über die Ticker der Nachrichtenagenturen lief, war ich geschockt. Da starb einer viel zu früh, fast in meinem Alter, ganz allein irgendwo in einer Wohnung in Berlin, fernab seiner Familie. Und er starb auf dem vermutlich vorläufigen Höhepunkt seines Schaffens.

Gerade erst hatte ich ihn und seine Sounds für mich entdeckt, hatte mich eingehört in seine Klanglandschaften, in diese ganz eigentümliche, intuitiv wirkende Musik, die viel mit Momenten der Stille und Wiederholung arbeitete und so sofort aus der Masse der Filmscores herausstach.

„I’m obsessed with the texture of sounds and interested in minimal forms with how to say things as  simple as possible, how to distill things into their primal form.“

 

Mit diesen Worten beschreibt Jóhann Jóhannsson selbst sein künstlerisches Credo, das ihn in verschiedenen Werkphasen begleitet hat, ganz gleich ob in seinem Solowerk oder auch bei seinen verschiedenen Zusammenarbeiten für Theater-, Tanz-, Film- oder reine Musikprojekte.

Der 1969 in Reykjavik geborene Jóhannsson, dessen Vater als Programmierer für IBM arbeitete, wuchs im engen Kosmos der isländischen Hauptstadt auf, wo wegen der begrenzten Einwohnerzahl Zusammenarbeiten über alle Kunstgattungen hinweg an der Tagesordnung waren. Kein Wunder also, dass er sich weniger für althergebrachte Traditionen eines individuellen Virtuosentums begeisterte, sondern durch die vielfältigen Einflüsse verschiedenste Stile, Genres und Konzepte über alle Grenzen hinweg miteinander kombinierte und scheinbar Unvereinbares aufeinanderprallen ließ.

Zunächst hatte Jóhann Jóhannsson Posaune und Klavier studiert, doch das enge Korsett der klassischen Musik wurde ihm schnell zu eng und er wandte sich deshalb der Literatur zu — ohne deshalb freilich von der Musik zu lassen. Nach ersten Schritten bei der Shoegaze-Indierockband Daisy Hill gründete er 1999 gemeinsam mit Gleichgesinnten das Künstlerkollektiv Kitchen Motors, eine Formation, die bewusst darauf abzielte, die Grenzen zwischen Klassik, Pop, Rock, Avantgarde und Jazz aufzulösen.

Über diese Verbindungen entstanden erste Kompositionen für Theaterstücke, im Jahre 2000 folge die erste Filmkomposition zu Íslenski draumurinn, zwei Jahre später folgte das erste Album Englabörn, das ebenfalls seine Grundlagen in einer Komposition für das Theater hatte. Im zunächst zweijährigen Abstand folgte nun Album auf Album, zwischendrin entstanden Projekte wie das Apparat Organ Quartet, Konzeptalben wie Fortlandia und andere musikalische Werke, die sich keinem festen Genre zuordnen ließen.

Apparat Organ Quartet — Konami

 

Jóhann Jóhannsson & The Formalist Quartet — The Cause Of Labour Is The Hope Of The World

 

IBM 1401 -  A User Manual’s Film

 

Seine Arbeit für den Film nahm erst ab dem Jahr 2013 und dem Beginn der Zusammenarbeit mit Denis Villeneuve Fahrt auf. Und eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass Jóhann Jóhannsson mit vergleichsweise wenigen Scores bereits als einer der großen Erneuerer der Filmmusik galt. Insgesamrt für 15 Filme wird er als Komponist geführt — das ist im Vergleich zu vielen anderen großen Komponisten eine geringe Zahl.

Sicario Soundtrack — The Beast

 

Neben den bekannten Zusammenarbeiten mit Denis Villeneuve und James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit / The Theory of Everything; Vor uns das Meer / The Mercy) sowie seiner Komposition für Darren Aronofskys Mother! (die allerdings aus dem Film entfernt wurde) gab es in seinem Schaffen für das Kino aber auch immer wieder vermeintlich kleinere Projekte, zu denen er seinen Beitrag leistete — so etwa der computeranimierte Kurzfilm Schädlinge / Varmints von Marc Craste aus dem Jahre 2008 oder der Dokumentarfilm Viel Gutes erwartet uns / meget godt i vente von Phie Ambo aus dem Jahre 2014, der auf der Berlinale 2015 zu sehen war.

Die Entdeckung der Unendlichkeit Soundtrack

 

Nicht auszudenken, wie der Soundtrack von Denis Villeneuves Blade Runner 2049 geklungen hätte, wenn sich das verantwortliche Hollywood-Studio dazu durchgerungen hätte, den Score dem Klangerneuerer Jóhannsson anzuvertrauen, statt mit Hans Zimmer auf Nummer Sicher zu gehen. Schließlich verband den isländischen Komponisten und den kanadischen Regisseur bereits seit drei Filmen (Prisoners, Sicario, Arrival) eine fruchtbringende künstlerische Gemeinschaft, die in Arrival ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte.

Arrival Soundtrack — First Encounter

 

Nach seinem Tode sind noch drei Filme erschienen, die Jóhannssons unverkennbare Handschrift tragen: James Marshs Vor uns das Meer, Garth Davis‘ Maria Magdalena und als donnernder Schlussakkord der brachiale Horror-Metal-Soundtrack zu Panos CosmatosMandy. Auch wenn dies keinesfalls so beabsichtigt sein dürfte: Mit diesem Score, seinem letzten, hat der isländische Komponist einen dröhnenden musikalischen Abschiedsgruß an die Welt hinterlassen

Children of the New Dawn (aus Mandy)

 

Wer mehr von Jóhann Jóhannsson hören will, sollte sich für den Anfang diesen hörenswerten Mix von Dave Howell zu Gemüte führen und anschließend mit einem weiteren Mixtape des Komponisten selbst fortfahren, in dem er seine musikalischen Einflüsse versammelt hat.

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Bild aus "Love Story" von Arthur Hiller
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