Die schlechtesten Filme 2017

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Ein Beitrag von Beatrice Behn

Sie waren haarsträubend, schrecklich, langweilig oder ergaben gar keinen Sinn – aber wenn man so viele Filme wie unser AutorInnen schaut, bekommt man auch immer eine ordentliche Dosis Kino des Grauens ab. Wir haben all unsere AutorInnen gefragt, welche für sie die schlechtesten Filme des Jahrgangs 2017 waren. Hier sind ihre Antworten:

Platz 10: Verborgene Schönheit – Sehr gut versteckt

Wir haben ja schon vieles gesehen. Vor allem aus dem Bereich „moralisch erbaulicher Arthousefilm“. Aber Verborgene Schönheit ist hier doch eine Perle des Grauens. Oder in den Worten unseres Autors Christopher Diekhaus: „Wie hat es dieser Film bloß auf die Leinwand geschafft? Wahrscheinlich vor allem, weil er einen imposanten Cast zu bieten hat. Was uns gleich zur nächsten Frage führt: Warum haben sich arrivierte Darsteller wie Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet und Helen Mirren tatsächlich für einen derart verkorksten Stoff begeistern können? Eine Antwort lässt sich beim besten Willen nicht finden, da Verborgene Schönheit eine seltsame, um nicht zu sagen fragwürdige Erbauungsmoral mit formelhaften Drehbuchwendungen und schrecklichen Kitschanflügen verbindet.


(Trailer zu Verborgene Schönheit)

 

Platz 9: Baywatch – Lass gut sein!

Viel Tiefgang hatte man ja nicht erwartet, allerdings erhoffte sich so manche/r eine interessante Neuauflage in Sachen Inhalt. Denn das Original war, neben den trashigen, dünnen Inhalten, vor allem bekannt durch seinen eklatanten Sexismus. Doch selbst das hat nicht geklappt. Sonja Hartl konstatiert: „Jedoch wird Sexismus nicht weniger sexistisch, wenn Frauenfiguren (von Charakteren kann man hier wahrlich nicht sprechen) auf der Leinwand darüber lachen, zumal diesen Witzen jegliches subversives oder selbstbewusstes Moment fehlt. Hinzu kommt dafür durch das ständige Messen von Dwayne Johnson und Zac Efron noch etwas Homophobie, damit Witze darüber gemacht werden, dass ein Mann den Penis eines anderen berührt hat – oder besonders „weiche“ Namen erhält. Und dass der dickliche neue Rekrut die Zielscheibe für die meisten Witze (inklusive eines Penis-Gags, der schon vor Verrückt nach Mary nicht lustig gewesen wäre) ist, überrascht dann auch wenig. Deshalb gelingt es Baywatch, wirklich auch die niedrigsten Ansprüche zu unterbieten, und ist noch nicht einmal das erhoffte Trash-Unterhaltungsspektakel, sondern ein rückschrittlicher und gähnend langweiliger Film.


(Trailer zu Baywatch)

 

Platz 8: Ghost in the Shell – Eine Qual, vor allem für LiebhaberInnen des Originals

Wer das Original kennt, wird in Sanders’ Ghost in the Shell wirklich leiden und wahrlich nur noch Shell und kaum noch Ghost erkennen“, schreibt Beatrice Behn in ihrer Kritik des amerikanischen Remakes, denn dieses vermochte nicht annähernd die philosophische Tiefe des Originals auch nur anzukratzen. Hinzu kommt, dass selbst die oberflächliche Thriller-Story, die hier im Mittelpunkt steht, an vielen Stellen nur mäßig funktionierte. Den Film in diese Liste katapultiert aber vor allem die regelrecht rassistische Idee, dass der ideale Körper, selbst wenn er vollständig kybernetisch ist, ausschließlich ein Körper sein kann, der weiß sein kann und keinesfalls einer anderen Ethnizität angehören könnten. Und noch dazu: wenn es denn ein Frauenkörper ist, dann bitte einer, der hübsch aussieht und ordentlich Kurven an den richtigen Stellen hat.


(Trailer zu Ghost in the Shell)

 

Platz 7: Die Schöne und das Biest – Mach, dass es aufhört!

Es ist schwer, sich zu entscheiden, was denn an Die Schöne und das Biest nun das Schlimmere ist: die totale Langweile der Remake-Wiederholungsstrukturen, die kaum etwas am Original geändert haben, außer, dass es jetzt eine Live-Action-Verfilmung mit sehr viel CGI ist, oder der Fakt, dass die Änderungen, die eingefügt wurden, zum Teil katastrophale Aussagen treffen. Ach, am besten lassen wir hier Hartl & Behn noch mal dazu sprechen:

 

 

Platz 6: Hacksaw Ridge – Nicht einmal Gott kann das retten

Mit einem Kriegsfilm meldete sich Mel Gibson dieses Jahr zurück und zwar einem, den Beatrice Behn vor allem als „Fetischfilm über zerfetzte Körper mit einer messianischen Botschaft, die nicht von Weitem winkt, sondern einem mit dem Kreuz ins Gesicht schlägt“ bezeichnete. Und in der Tat, es ist kaum auszuhalten, wie kriegs- und zerstörungsgeil der Film ist. „Explodierende Gehirne, weggeschossene Gesichter, Gedärme, zerfetzte Beine, Menschen, die bei lebendigen Leibe schreiend verbrennen etc. Gibson fetischisiert die Zerstörung von Menschenleben und Krieg derart und in einer solch ausgesprochen voyeuristischen und genießerischen Ästhetik, dass man ihm nur schwer abnehmen kann, dass er hier einen Anti-Kriegsfilm gemacht haben will.“ Da kommt dann auch die eigenartige christliche Message nicht allzu weit, zumal diese aus der Hauptfigur eine Messias macht, dies aber dadurch tut, dass er andere Menschen abwertet.


(Trailer zu Hacksaw Ridge)

 

Platz 5: Passengers – Stalking, statt Liebe

Passengers ist wohl eines der besten Beispiele für die Gefahren, die entstehen, wenn man es mit der Diversität nicht so ernst nimmt. Zwei Männer haben sich hier einen Film ausgedacht, der eine dramatische Science-Fiction-Liebesgeschichte sein soll, doch sie haben nie eine Frau gefragt, ob das, was sie als romantisch empfinden, beim anderen Geschlecht auch so ankommt. Die KritikerInnen und ZuschauerInnen gaben ihnen dann die Antwort. Wer sich fragt, wie es zu solchen Massen an Frauen kommen konnte, die #metoo rufen, der findet hier auch seine Antwort. Beatrice Behn schreibt: „Es ist nicht Jims fatale Entscheidung per se, die Passengers das Genick bricht, sondern die absolute Weigerung des Films, über die Grenzen des üblichen Liebesfilmes hinauszugehen und sich aus dieser Matrix zu befreien, die in diesem besonderen Falle so herzzerreißend schrecklich anzusehen ist, weil sie Figuren und ZuschauerInnen zwingt, einen Akt der Gewalt gegen eine Frau in Romantik und heterosexuelle Zweisamkeit umzumünzen, alldieweil jede/r Beteiligte sieht und weiß, dass die Frau gar keine andere Wahl hat.


(Trailer zu Passengers)

 

Platz 4: Bad Moms 2 – Zum Eierstöcke rausreißen

Jon Lucas und Scott Moore sind wahrlich keine filmischen Feingeister“, schreibt Falk Straub in seiner Kritik und diese Einordnung der Macher von Bad Moms und Bad Moms 2 ist absolut korrekt. Hatte der Vorgänger wenigstens noch ein paar helle Momente und krude Aussetzer, die zum Lachen animierten, so ist der zweite nicht nur ein billiger Fusel-Aufguss mit Weihnachtshopping, sondern verliert sogar das klitzekleine emanzipatorische Moment, das es mal in sich trug. Wer Bad Moms 2 guckt, schaut Frauen dabei zu, wie sie ihre absurden Ideen von Mutterschaft in Alkohol ertränken und trotzdem weiter machen im Hamsterrad des Mutterseins. Jetzt noch schlimmer, denn zu den Müttern kommen noch die Mütter der Mütter. Hilfe!


(Trailer zu Bad Moms 2)

 

Platz 3: Transformers 5 – Puff, Pöff, Explosion

Irgendwas mit Robotern. Und Autos. Explosion! Verfolgungsfahrt! Transformation! Dann rührselige Musik für den Moment, in dem die Familie als wichtigstes Gut hervorgehoben wird. Dann scharfe Weiber und mehr Explosionen. Leichter Nachgeschmack, der an die Artus-Sage erinnert. Mehr Explosionen. Wir wären eingeschlafen, wäre es nicht so laut gewesen. Ob Michael Bay deswegen immer so viele Explosionen einfügt? 


(Trailer zu Transformers 5)

 

Platz 2: Justice League – Kann man machen, ist dann aber Scheiße

Ein alternder Grummelvati in Latex-Kleidung, eine Frau in extrakurzem Rock, ein hypermaskuliner Muskelprotz, ein Quoten-Diversity-Cyborg und ein metrosexueller lustiger Nerd, der Angst vor allem hat, ziehen los, um den einzigen Superhelden zu retten, dessen Kräfte alle anderen übertrumpfen und damit den ganzen Sinn von Justice League faktisch zum Erliegen bringt. Immerhin konnte Sonja Hartl noch einen einzigen positiven Punkt entdecken: „Abgesehen davon finden sich all die Schwächen der vorhergehenden Teile auch in Justice League: eine Geschichte, die nicht ganz so viele plot holes hat wie Batman v. Superman: Dawn of Justice, aber immer noch schwach ist; ein Bösewicht, der keinen Reiz oder Bedrohlichkeit über das schiere Ausmaß seiner Gestalt hinaus hat; und Figuren, die kaum Charakter entwickeln können.


(Trailer zu Justice League)

 

Platz 1: Django – Ein Leben für die Musik – Was? Ist? Das?

Hier zitieren wir unsere Autorin Beatrice Behn, deren Wut auf diesen Film auch fast ein Jahr später noch ordentlich nachhallt: „Es ist zum Schreien, solch einen Film im Jahr 2017 noch immer sehen zu müssen, zumal er auch noch Eröffnungsfilm der Berlinale war. Ein Werk voller Gesten, das politisch sein will, es sich aber nicht traut und doch lieber irgendwo zwischen Feel-Good-Movie und Drama changiert. Ein Film, der keine Stellung bezieht, sondern lieber von vornherein eine traurige, aber unabwendbare Opferrolle lanciert, der voller Nichts von Szene zu Szene wandert und bei dem man sich fragt, was das eigentlich soll. Und noch dazu wird Django nun als DER Film positioniert, der den Sinti- und Roma-Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal setzt – obwohl Reinhardt hier einfach ein Platzhalter ist oder als Aufhänger für das Thema an sich benutzt wird, um noch einen Film über Nazis und seine Opfer zu machen. Denn Nazis gehen immer. Und wenn’s dazu noch gute Musik gibt, umso besser.


(Trailer zu Django – Ein Leben für die Musik)

 

Es zieht sich ein roter Faden durch die Filme, die wir dieses Jahr als die schlechtesten markiert haben, und dieser ist erstaunlich stringent. Viele dieser Filme sind unbedacht, oberflächlich, ja geradezu fahrlässig im Umgang mit ihren Figuren und den Ideen, die diese verkörpern. Die meisten von ihnen scheitern eklatant am Umgang mit Figuren, die anders sind als ihre Macher. Es sind die Frauenfiguren, die Homosexuellen, die Devianten, sprich die, die sich der normierten Matrix entziehen und die eigentlich von ihren Schöpfern verlangen, über den Tellerrand zu blicken und die eigenen Privilegien zu checken. Das Publikum und auch wir KritikerInnen sind inzwischen hellhörig geworden. Wir haben keine Lust mehr auf Gleichmacherei, Sexismus, Rassismus und Figuren, die nicht dreidimensional, ambivalent und ehrlich sein dürfen. Wir sind schon gespannt, wie es im nächsten Jahr weitergeht.

 

Welche Dokumentarfilme als die besten des Jahrgangs bei Kino-Zeit gelten, lest ihr hier.

Und hier sind unsere besten Filme des Jahres.

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