Features: Die Ausgereisten – ostdeutsche Filmstars im Westen

Übersicht: NewsAktuellesFundstückeIn MemoriamVerlosungThemenFeaturesKommentarSpecialsInterviewsKolumnenVideo on DemandFilmgeschichte(n)OscarsKultur-WMJahresrückblickEmpfehlungenExklusivtrailer & ClipsTV-TippsStreaming-TippsBücherTrailer des TagesHartl & BehnKinotipp der WocheTrailerschauDarling der WocheFestivalsBerlinaleBerlinale 2019Berlinale 2018Berlinale 2017Berlinale 2016Berlinale 2015Berlinale 2014Berlinale 2013Berlinale 2012CannesCannes 2019Cannes 2018Cannes 2017Cannes 2016Cannes 2015Cannes 2014Cannes 2013Cannes 2012Cannes 2011DiagonaleDiagonale 2018Diagonale 2017Diagonale 2016Fantasy Film FestFantasy Film Fest 2019Fantasy Film Fest 2018Filmfest HamburgFilmfest Hamburg 2015Filmfest Hamburg 2014Filmfest Hamburg 2013Int. Hofer FilmtageHofer Filmtage 2016Hofer Filmtage 2017DOK LeipzigDOK Leipzig 2013Locarno Film FestivalLocarno 2018Locarno 2017Locarno 2016Locarno 2015Locarno 2014Locarno 2013London Film FestivalFilmfestival Max-Ophüls-PreisMax Ophüls Preis 2017Max Ophüls Preis 2016Filmfest MünchenFilmfest München 2019Filmfest München 2018Filmfest München 2017Filmfest München 2016Filmfest München 2015Filmfest München 2014Filmfest München 2013Nordische Filmtage LübeckInt. Filmfestival RotterdamRotterdam 2018Rotterdam 2016Rotterdam 2015San Sebastian Film FestivalSan Sebastian 2018San Sebastian 2017San Sebastian 2016San Sebastian 2014San Sebastian 2013Sitges Film FestivalSitges 2018Sitges 2016Sitges 2014ViennaleViennale 2017Viennale 2016Viennale 2015Viennale 2014Int. Filmfestspiele VenedigVenedig 2018Venedig 2017Venedig 2016Venedig 2015
zurück zur Übersicht
Features

Ein Beitrag von Paul Katzenberger

Mit Leichtigkeit wird heutzutage von „der deutschen Filmgeschichte“ gesprochen und dabei negiert, dass Deutschland lange Zeit geteilt war. Unsere Jahresserie „Ost/West“ sucht in der Differenz der zwei Staaten nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Filmgeschichte(n). In dieser Ausgabe im Mittelpunkt: die Filmstars, die ihre Karriere in der DDR begannen und sie nach ihrer Ausreise in der Bundesrepublik häufig erfolgreich fortsetzten.

Spur der Steine von Frank Beyer
Spur der Steine von Frank Beyer

Die DEFA, das volkseigene Filmstudio der DDR, war für ihre Filmstars von Anfang an Segen und Fluch zugleich. Sie bot etlichen von ihnen mitunter gute künstlerische Möglichkeiten, gleichzeitig war sie stets auch ein Instrument der Staatsmacht, die „Filmschaffenden“, wie sie in der DDR genannt wurden, für ihre Ideologie einzuspannen. Die staatliche Zensur und die generelle Einschränkung der Meinungsfreiheit wurden für die DEFA in den 1970er Jahren schließlich zu einem großen Problem. Denn es gab ein zweites Deutschland, in das ihre Kreativkräfte ausweichen konnten, wenn ihnen die Denkverbote zu viel wurden. Viele taten das dann auch und setzten ihre Karrieren in Westdeutschland oftmals erfolgreich fort.

Ihren ersten großen Macher verlor die DEFA 1955 an den Westen, wobei in diesem Fall politische Gründe nicht den Ausschlag gaben: Wolfgang Staudte hatte 1946 mit Die Mörder sind unter uns den ersten deutschen Nachkriegs-Spielfilm überhaupt für die DEFA realisiert, mit dem sie deutsche Filmgeschichte schrieb: Er handelt von dem ehemaligen Militärchirurgen Hans Mertens (gespielt von Ernst Wilhelm Borchert), der im zerbombten Berlin lebt und von seinen schrecklichen Kriegserlebnissen traumatisiert ist. Als er seinem ehemaligen Hauptmann begegnet, der während des Krieges ein Massaker an polnischen Zivilisten angeordnet hatte und jetzt schon wieder ein gutgehendes Geschäft führt, will er Selbstjustiz üben und ihn ermorden. Seine Freundin (in ihrer ersten Rolle: Hildegard Knef) hält ihn davon ab.

Der „Trümmerfilm“ gilt mit seinen ausdrucksstarken Bildern als Schlüsselwerk und ist zur damaligen Zeit eine der wenigen Auseinandersetzungen mit deutscher Schuld. Zudem hatte er auch großen kommerziellen Erfolg.

Auch mit Der Untertan (1951) nach Heinrich Mann und seiner Märchenverfilmung Die Geschichte vom kleinen Muck (1953), dem mit knapp 13 Millionen Zuschauern bis heute erfolgreichsten DEFA-Film aller Zeiten, gelangen Staudte große Erfolge. Doch als er sich 1955 bei den Vorbereitungen zu der Verfilmung von Bertolt Brechts Theater-Drama Mutter Courage und ihre Kinder mit Brecht wegen unterschiedlicher Auffassungen vor der Realisierung des Projekts überwarf und sich von der DEFA nicht ausreichend unterstützt sah, kehrte er dem ostdeutschen Filmstudio für immer den Rücken, um im Westen weiterhin Filme zu machen.

Filmschaffen im „besseren“ Deutschland?

Staudte blieb damit aber vorläufig eine Ausnahme. Neben ihm war Kurt Maetzig einer der produktivsten Regisseure der DEFA in ihren frühen Jahren. Er verhielt sich bis zum Ende der DDR systemkonform, wie bekannte andere DEFA-Regisseure auch. Dazu zählten Konrad Wolf, Frank Beyer und Jürgen Böttcher, die die DDR nie verließen, obwohl sie ertragen mussten, dass einige ihrer Filme wie etwa Maetzigs Das Kaninchen bin ich (1965), Beyers Spur der Steine (1966), Böttchers Jahrgang 45 (1966) und Wolfs Sonnensucher (1972) der Zensur zum Opfer fielen und erst nach dem Ende der DDR 1990 einem größeren Publikum gezeigt werden konnten.

Diese Duldsamkeit erklärt der Filmhistoriker Ralf Schenk in seiner Kleinen Geschichte der DEFA von 2006 mit dem antifaschistischen Engagement, das die Filmschaffenden und die Kulturpolitiker der DDR bei allen sonstigen Differenzen und Meinungsverschiedenheiten verbunden habe – und ihrer Überzeugung, für das „bessere Deutschland“ zu arbeiten. Das blieb sogar so, als fast die komplette DEFA-Jahresproduktion von Gegenwartsfilmen in einem drastischen Einschnitt nach dem elften Plenum des Zentralkomitees der SED im Dezember 1965 verboten wurde.

Nach dem Ende der DDR äußerte sich Maetzig rückblickend selbstkritisch über sein Schaffen im realen Sozialismus: Seine zwei Filme über den von den Nazis ermordeten Kommunisten Ernst Thälmann — Sohn seiner Klasse (1954) und Ernst Thälmann — Führer seiner Klasse (1955) bezeichnete er als „Dokumente über stalinistische Filmpolitik“, wie aus dem Sachbuch Spur der Filme – Zeitzeugen über die DEFA hervorgeht, das die Regisseurin und Autorin Ingrid Poss und der Filmhistoriker Peter Warnecke 2006 herausgaben.

Biermann und die Folgen

Der Machtantritt Erich Honeckers 1971 verband sich in weiten Teilen der DDR-Künstlerszene dann aber mit der Zuversicht auf eine liberalere Kulturpolitik und das Zulassen von mehr Meinungsfreiheit. Es sollte anders kommen: Als der systemkritische Liedermacher Wolf Biermann 1976 auf einer Konzertreise durch Westdeutschland tourte, beschloss das SED-Politbüro den lästigen Kritiker loszuwerden. Es entzog ihm die DDR-Staatsbürgerschaft und sperrte ihn aus seinem sozialistischen Heimatland aus.

Nicht nur bei Biermann war der Schock darüber groß. Seine Ausbürgerung beendete endgültig die Hoffnung auf eine gesellschaftliche Liberalisierung und löste eine riesige Protestwelle im zweiten deutschen Staat aus. 13 bekannte DDR-Schriftsteller wie Stephan Hermlin, Christa und Gerhard Wolf, Heiner Müller, Jurek Becker oder Stefan Heym protestierten mit einem offenen Brief an die DDR-Führung. Über 100 weitere prominente DDR-Bürger unterschrieben den Aufruf in den folgenden Tagen, unter ihnen auch Filmregisseure und Schauspieler wie Frank Beyer, Jürgen Böttcher, Thomas Brasch, Katharina Thalbach, Angelica Domröse, Eva-Maria Hagen, Hilmar Thate, Manfred Krug und Armin Mueller-Stahl. Das Regime reagierte mit Härte und mit Schikanen gegen die Unterzeichner des offenen Briefes, was viele von ihnen ins bundesdeutsche Exil trieb, auch etliche DEFA-Stars wie Krug, Thalbach und Hagen. Für den DDR-Film war das ein herber Verlust, während es gleichzeitig für die bundesdeutsche Filmwirtschaft ein unerwarteter Gewinn war.

Schon Staudte hatte seine in der DDR begonnene Karriere als Filmemacher in den 1960er Jahren im Westen erfolgreich fortgesetzt. Für Rosen für den Staatsanwalt, einer bissigen Satire auf die von Ex-Nazis durchsetzte bundesdeutsche Justiz der Adenauer-Ära, erhielt er 1960 den Bundesfilmpreis. Mit seinen gesellschaftskritischen Werken Herrenpartie (1964) und Heimlichkeiten (1968) fiel er in der westdeutschen Öffentlichkeit zwar durch und war deswegen fortan hochverschuldet, doch für das westdeutsche Fernsehen war das ein Gewinn. Um Geld zu verdienen, wandte sich Staudte dem Heimkino zu und feierte dort bis zu seinem Tod 1984 Erfolge: Für die ARD inszenierte er zahlreiche Folgen der Krimireihe Tatort und im ZDF war er für die Serie Der Kommissar und die Abenteuervierteiler Der Seewolf (1971) und Lockruf des Goldes (1975) verantwortlich. 1977 drehte er die 8-teilige ARD-Familienserie MS Franziska über das Leben einer Binnenschifferfamilie auf dem Rhein, die vom Publikum sehr gut angenommen wurde.

Die DDR-Filmschaffenden, die in den 1970er Jahren oft in Folge der Ausbürgerung Wolf Biermanns nach Westdeutschland kamen, konnten sich dort häufig ebenfalls etablieren. Katharina Thalbach, die schon als Kind in DDR-Fernsehfilmen mitgespielt hatte und eine erfolgreiche Theater- und Filmdarstellerin war, erhielt 1978 ihre erste westliche Filmrolle von Margarethe von Trotta in deren erstem eigenständigen Spielfilm Das zweite Erwachen der Christa Klages und wirkte seither in mehr als 100 west- und gesamtdeutschen Produktionen mit, unter anderem in Volker Schlöndorffs oscarprämierter Verfilmung von Günter Grass‘ Roman Die Blechtrommel (1979).

Thalbachs Partner Thomas Brasch, der eine zentrale Rolle in Annekatrin Hendels Doku Familie Brasch von 2018 spielt, hatte sich in der DDR einen Namen als Schriftsteller gemacht und begann im Westen überhaupt erst als Filmemacher zu arbeiten. Für seine Regiearbeit Der Passagier von 1988 konnte er Tony Curtis für die Hauptrolle gewinnen. Das Drehbuch für den Film hatte er gemeinsam mit dem Schriftsteller Jurek Becker verfasst, der die DDR ebenfalls in Richtung Westen verlassen hatte.

Einem breiten westlichen Publikum machte sich Manfred Krug nach seiner Aussiedlung aus der DDR im Sommer 1977 bekannt. Krug, der in der DDR nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Sänger eine Berühmtheit war, verkörperte im westdeutschen Fernsehen viele Jahre lang gleichzeitig unterschiedliche Charaktere: Großer Beliebtheit erfreute er sich etwa in der Rolle des unkonventionellen Rechtsanwalts Robert Liebling in der Fernsehserie Liebling Kreuzberg, für die die Drehbücher ebenfalls zum Teil sein enger Freund Jurek Becker beitrug. Auch in der NDR-Kindersendung Sesamstraße war Krug zu sehen, ebenso wie als Kommissar Paul Stoever an der Seite von Charles Brauer im NDR-Tatort. Als dieser trat Krug von 1984 bis 2001 41-mal auf, womit er zeitweise der dienstälteste Kommissar der Krimireihe war.

Der Regisseur und Schriftsteller Egon Günther, der sich ebenfalls offen gegen die Ausbürgerung Biermanns ausgesprochen hatte, verließ die DDR 1978, nachdem seine radikale Fernsehadaption von Gottfried Kellers Wiedertäufer-Novelle Ursula vom Regime verdammt und weggeschwiegen worden war. Der Regisseur und Schriftsteller, den die Zeit in ihrem Nachruf nach seinem Tod 2017 als „DEFA-Avantgardist“ bezeichnete, der mit Filmen Der Dritte (1971) und Die Schlüssel (1974) gezeigt habe, welche Freiheit in der DDR zeitweise möglich war, drehte nach seiner Übersiedlung in den Westen mit der TV-Miniserie Exil (1980) nach der Vorlage von Lion Feuchtwangers gleichnamigen Roman oder der Literaturverfilmung Morenga (1985) konventionellere Filme als zuvor in der DDR.

Einen eigenen Weg: Armin Mueller-Stahl

In künstlerischer Hinsicht besonders erfolgreich verlief die Karriere von Armin Mueller-Stahl, nachdem dieser die DDR 1980 verlassen hatte – ebenfalls in Folge seiner Solidarität mit Wolf Biermann. Mueller-Stahl, der zwischen 1973 und 1976 als der ostdeutsche Agent Werner Bredebusch in der DDR-Fernsehserie Das unsichtbare Visier große Popularität im sozialistischen Deutschland genossen hatte, knüpfte in der Bundesrepublik bald wieder an frühere Erfolge an. 1981 war er neben Barbara Sukowa in Rainer Werner Fassbinders Liebeskomödie Lola zu sehen und 1982 in Fassbinders Drama Die Sehnsucht der Veronika Voss neben dem einstigen DEFA-Schauspieler Hilmar Thate, der die DDR auch wegen seines Protestes gegen die Ausbürgerung Biermanns verlassen hatte.

Mueller-Stahl setzte im Westen erneut seine eigenen künstlerischen Vorstellungen durch, wie er das auch schon in der DDR getan hatte. Den Agenten Bredebusch hatte er etwa als Abenteuerfigur interpretiert und nicht wie von den DDR-Oberen gewünscht als Genossen, „der nur spurt und gehorcht“, wie er dem MDR später sagte.

Im Westen verweigerte er sich nun den Gesetzen des Marktes und schlug Mitte der 1980er Jahre lukrative und exponierte Angebote für die Hauptrollen in den Fernsehserien Schwarzwaldklinik und Der Alte aus, obwohl er sich damit in die Herzen des deutschen Fernsehpublikums hätte spielen können und das die finanziellen Sorgen, die er damals hatte, schlagartig beseitigt hätte, wie er Gabriele Michel für deren Buch Armin Mueller-Stahl. Die Biographie von 2011 anvertraute. Aber die Rollen waren ihm zu seicht: „Es hätte wohl auch das Aus meiner schauspielerischen Entwicklung bedeutet.“

Stattdessen übernahm er anspruchsvolle Rollen in Autorenfilmen von deutschen Filmemachern wie Hans-Christoph Blumenberg (Tausend Augen, 1984), Herbert Achternbusch (Rita Ritter, 1984) oder Alexander Kluge (Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit, 1985). Auch international bekannte Regisseure wie Patrice Chéreau (Der verführte Mann — L’Homme blessé, 1983), Andrzej Wajda (Eine Liebe in Deutschland, 1983), István Szabó (Oberst Redl, 1985) oder Agnieszka Holland (Bittere Ernte, 1985) besetzten ihn in ihren Filmen.

Trotz dieser erfüllenden Engagements wurde Mueller-Stahl mit Westdeutschland nicht richtig warm. Ihn habe die freiwillige Schnüffelei der Bundesrepublikaner gestört, sagte er in einem Gespräch mit der Zeit 2014: Das habe ihn daran denken lassen, wie die Deutschen einander unter den Nazis zu Feinden geworden sein und wie sie sich im zweiten Deutschland abgehört hätten. „Im dritten Deutschland erreichte mich schon sehr bald die Nachricht eines Journalisten, der wissen wollte, warum ich einem Stasigeneral ein Autogramm gegeben hätte. Wenn er innerhalb von 14 Tagen keine Antwort bekäme, würde er das veröffentlichen. Oder die Produzenten im Westen, die dem Ostler zeigen wollten, wer das Sagen hat. Da dachte ich: Schnell weg. Ich will jetzt wirklich fliegen.“

1989 flog Mueller-Stahl dann tatsächlich, und zwar in die USA, wo er das schaffte, was keinem anderen deutschen Schauspieler bislang geglückt ist: eine erfolgreiche Karriere sowohl in beiden deutschen Staaten als auch in Hollywood hinzulegen. Sein US-Debüt in dem Drama Music Box – Die ganze Wahrheit unter der Regie von Oscar-Preisträger Costa-Gavras geriet für den damals knapp Sechzigjährigen sofort zum Erfolg. Er spielte den ungarischen Einwanderer Mike Laszlo, der in den USA beschuldigt wird, in Budapest kurz vor Kriegsende eigenhändig Juden ermordet zu haben. An der Seite von Jessica Lange verstand es Mueller-Stahl in dem Film meisterhaft, den Zuschauer bis fast zum Schluss in Zweifel über die die Schuld oder Unschuld des Emigranten zu versetzen.

Der Erfolg prädestinierte Mueller-Stahl für die Zusammenarbeit mit weiteren großen Regisseuren des US-amerikanischen Kinos. Barry Levinson, der 1989 für Rain Man einen Oscar bekam, holte ihn 1990 für die Darstellung des polnisch-jüdischen Großvaters Sam Krichinsky in dem Drama Avalon. Jim Jarmusch gab Mueller-Stahl die Gelegenheit, sein komödiantisches Talent in dem Episodenfilm Night on Earth (1991) zu demonstrieren, in dem er den ostdeutschen Taxifahrer und früheren Zirkusclown Helmut Grokenberger spielt, der in New York über die Runden zu kommen versucht. Scott Hicks ermöglichte Mueller-Stahl 1997 sogar eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle, weil er ihn in seinem ebenfalls oscarnominierten Biopic Shine – Der Weg ins Licht über den australischen Pianisten David Helfgott als dessen Vater besetzte. Und in seinem mit Stars gespickten Thriller Tödliche Versprechen – Eastern Promises versetzte David Cronenberg den früheren DDR-Schauspieler Mueller-Stahl in die Lage neben Stars wie Viggo Mortensen, Vincent Cassel und Naomi Watts zu brillieren.

Neben seinen Engagements in Hollywood sagte Mueller-Stahl nun auch immer wieder dem deutschen Fernsehen zu – allerdings für deutlich anspruchsvollere Produktionen als Der Alte oder die Schwarzwaldklinik. 2001 übernahm er die Hauptrolle des Thomas Mann in Heinrich Breloers ARD-Dreiteiler Die Manns – Ein Jahrhundertroman sowie 2008 die Rolle des Konsul Jean Buddenbrook in Breloers Buddenbrooks, der Fernsehverfilmung von Thomas Manns gleichnamigen Roman.

Es passt zu dieser deutsch-deutschen Schauspielerkarriere, dass der damals 78-jährige Mueller-Stahl sie zu ihrem Ende hin mit der Verfilmung eines Klassikers der deutschen Literatur krönte, der sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR zum Bildungskanon gehörte.

1 / 0
Tags
Bohemian Rhapsody
Bohemian Rhapsody
Kolumnen

Kreativität ist Arbeit

Wenn auf der Leinwand gezeigt werden soll, dass Musikerinnen oder ihre Werke etwas Besonderes [...]

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.