Empfehlungen: Streaming-Tipp für Kinder: Sonnenallee

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Streaming-Tipps

Ein Beitrag von Rochus Wolff

Sonnenallee - Trailer

In dieser Rubrik will ich ab und an auch in die Kiste der Filmgeschichte greifen um (mehr oder minder große) Klassiker hervorzuheben und zu schauen, ab wann sie sich auch mit Kindern anschauen lassen.

„Sie urinieren auf den antifaschistischen Schutzwall!“ Zugegeben, es braucht ein wenig historische Grundierung, um die Tragweite dieses Satzes mit zu verstehen, wenn Micha und Mario von einem Stasi-Beamten vorgehalten wird, das Andenken antifaschistischer Kämpfer und überhaupt eigentlich alles in den Schmutz zu ziehen – dummerweise wurden sie nämlich beim Pinkeln vom Balkon von einem Fotografen der „Bild“ beobachtet und prompt auf die Titelseite des Klassenfeindorgans gebracht.

Regisseur Leander Haußmann hat zusammen mit Thomas Brussig das Drehbuch geschrieben, ihre Lebenserfahrung aus der DDR steckt drin, und zugleich ist der Ende der 1990er entstandene Sonnenallee schon Rückblick mit besserem Wissen, ohne dass er der seinerzeit gerne bemühten „Ostalgie“ nachhinge – dafür ist er nicht nur zu ironisch, sondern vor allem zu theatralisch. Haußmann, der Theatermensch, lässt seine jugendlichen Hauptfiguren spürbar in Kulissen agieren, eine Ecke der Sonnenallee direkt an der Mauer, am Grenzübergang. Ein paar heruntergekommene Altbauten, eine große „Plaste – Elaste“-Werbeschrift, solcherlei – und an Michas Jugendzimmerwand haufenweise Pop-Schnipsel, die aber die Sehnsucht nach der in Musik gegossenen Freiheit des Westens noch nicht so gut einfangen wie Michas Langarmshirt mit dem selbst geschriebenen Schriftzug „Rock & Pop“.

Vor allem anderen ist Sonnenallee natürlich ein Zeitbild: Die unterschiedlichen Besucher_innen aus dem Westen, die verschiedenen Tricks, mit denen sich die Menschen die DDR aushaltbar machen – der Schrecken, Möglichkeiten und Wirkung von Stasi und Schüssen an der Grenze werden dabei unter manchmal etwas flapsigem Humor meist nur angedeutet. Je mehr man weiß, desto abgründiger werden diese Anspielungen.

Haußmann und Brussig setzen dem, manchmal albern, manchmal grotesk, manchmal mit großer Ernsthaftigkeit, Sorgen, Leidenschaft und Rebellion der Jugend entgegen, die sich nicht so leicht einhegen lassen wollen. Die Jungsclique, die im Zentrum steht, weiß, was politisch passiert. Eigentlich wollen sie aber nur an Mädchen und (westliche) Musik denken. Allerdings sind sie für die (wie stets schon etwas gelassener im Leben stehenden) Mädchen zu schüchtern und ungelenk.

Es ändert sich, anders gesagt, nur etwas, wenn die Frauen das in die Hand nehmen. Vorher gibt es viel wohlige Fremdscham und historische Anspielungen, die Kinder ab 12, die schon einmal ein wenig über die DDR und die Berliner Mauer gehört haben, schon einordnen können.

FSK 6, empfohlen ab 12 Jahren

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