Darling der Woche: Über verpassten Stardom und tausend Gesichter: Eleanor Parker

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Eleanor Parker, Schauspielerin, Diva aus Hollywood. So glamourös hätte sie in Erinnerung bleiben können. Aber heute erinnert sich kaum noch jemand an die schöne Frau, die am 09. Dezember 2013 im Alter von 91 Jahren verstarb. Eine Ursachensuche.

Eine junge Frau hinter Maschendraht.
Still "Frauengefängnis (Caged)"

Hollywood – Sinnbild für das Golden Age der Filmgeschichte. Viele der großen Namen aus diesem glamourösen und erfolgreichen Zeitalter des Films sind heute noch präsent, haben sich dem gesellschaftlichen Gedächtnis fest eingeschrieben, sind in Stein und Stern gemeißelt. Wir bestaunen sie, bewundern sie, träumen von ihren auf Zelluloid gebannten Abbildern – gemacht für die Ewigkeit.

Geblieben sind uns neben den Werken auch große Namen – von Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Produzent*innen. Audrey Hepburn war der erste große Name den ich kennen und schätzen lernte. Mit der Zeit kamen Lauren Bacall, Rita Hayworth, Vivien Leigh, Doris Day, Greta Garbo, Judy Garland, Katherine Hepburn, Grace Kelly uvm. dazu. Ich lernte sie in Großaufnahme kennen, wurde vertraut mit ihrer Mimik, ihrer Aura, ihrem Glamour. Eine filmische Starpersona, geschaffen von Hollywood, die sie unsterblich machte. Es geht eine Aura und Faszination von ihnen aus, die bis heute überlebt hat. 

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Porträt Eleanor Parker @Warner Bros.
(via Wikimedia Commons)

Doch was musste zusammenkommen, dass eine junge Frau zum Star wurde? Reicht ein schönes Gesicht? Es gab viele Entdeckungen, viele hübsche Gesichter, denen Hollywood eine Karriere als Filmstar versprach. Doch nicht für alle konnte dieses Versprechen eingelöst werden. Das spiegelt sich vor allem in der langen Liste der Contract-Player wider. 

Einer dieser Namen lautet Eleanor Parker. Eine unglaublich talentierte Schauspielerin, als Darstellerin den schwierigen Rollen zugetan. Und gleich zu Beginn ihrer Karriere wird sie geschnitten, herausgeschnitten aus einem Film, Sinnbild für ihre folgende Karriere. Ein mehr als unvorteilhafter Start.

 

Im Gefängnis

Heute steht dieser Name allerdings nicht nur hinter Filmtiteln und neben großen Schauspielkolleg*innen, sondern auch für drei Oscar-Nominierungen. Die Academy hat ihr Talent also mehrfach gewürdigt. In ihrer Tragik erinnert sie ein wenig an andere ewig Zweite.

Eine dieser Nominierungen hat sie für ihre ihre verstörend und überzeugende Rolle in Caged (1950) bekommen, einem ebenfalls fast vergessenen Frauengefängnisfilm. In diesem porträtiert sie eine Frau, die ihr ganzes Selbst erst verliert und dann neu zusammensetzen muss. Trotzdem gehört sie nicht zu unserem Kanon der weiblichen Stars des Golden Age. Wieso?

Sie selbst sagte 1988 in einem Interview gegenüber dem Toronto Star, sie sei „vor allem eine Charakterdarstellerin“. Sie habe „auf der Leinwand so viele verschiedene Menschen gespielt, dass sich (ihre) eigene Persönlichkeit nie entfalten konnte.“ Ihrer eigenen Meinung nach stand ihr also sie sich selbst am meisten im Weg. Die von ihr darzustellenden Charaktere haben ihr zu viel abverlangt, haben keine Star-Persona übrig gelassen. Verschwand Eleanor hinter Marie Allen (Caged) vollkommen, erinnert man sich deswegen an „The Baroness“ von Meine Lieder, meine Träume (1965) (The Sound of Music) und nicht an die Schauspielerin?

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Still — Eleanor Parker als „The Baroness“ in „Meine Lieder, meine Träume“ @Robert Wise Productions

Diese tiefgreifende Verschmelzung, ihr unglaubliches Talent als Schauspielerin, hätte und hat bestimmt ihre Vermarktbarkeit als möglicher Star sabotiert – Studios sind gnadenlos. Anders als bei ihren Kolleginnen, die trotz der Rolle immer noch Marilyn, Audrey oder Grace waren, gab sie Eleanor auf. Ein fehlendes, wiedererkennbares Gesicht, zu umfassende Wandelbarkeit, nicht mangelnde Schönheit oder Talent könnten sie selbst mit Vergessen bestraft haben. Noch tragischer, dass sie das Gefühl hatte, sich selbst verloren zu haben.

Die Nachrufe in den Zeitschriften sprechen von ihr immer zu allererst als „The Baroness“ in Meine Lieder, meine Träume (1965) (The Sound of Music). Selbst noch im Tod wird sie von einem größeren Image, jenem von July Andrews, überschattet. Eine Ironie, die sie aus ihrem Leben noch hinein in den Tod verfolgt. Selbst in diesem Moment muss sie die Charakterkarte spielen – der Platz, der ihr aufgrund ihres Talents, rechtmäßig zugestanden hätte, wird ihr weiterhin verwehrt. Das Star-System, die Studios sind weiterhin präsent, jahrelang zurückliegende Entscheidungen beeinflussen noch unsere heutige Rezeption.

Sie spielte bis in die 90er Jahre hinein verschiedene Rollen in Film und Fernsehen. Doch erinnert wird sie für keine von diesen.

 

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Eleanor Parker an der Seite von Janet Leigh — Still aus „Scaramouche, der galante Marquis“ (1952) @MGM

Eine Frau von Tausend Gesichtern 

Eleanor Parker – A Woman of a Thousand Faces, so lautet der Titel des von Doug McLelland verfassten Buches über sie. – Wäre das nicht ein Slogan gewesen, aus dem man als Marketingexperte hätte Kapital schlagen können? Nicht in Hollywood. Ein fehlendes Gesicht, zu umfassende Wandelbarkeit — nicht mangelnde Schönheit oder Talent. Somit stand ihr letztendlich ihre größte Fähigkeit als Schauspielerin, nämlich umfassend mit einer Rolle zu verschmelzen im Weg, ein Star zu werden. Bedauert sie den verpassten Weltruhm? Denn Stardom hält nicht nur Glamour, sondern auch Entbehrungen und ungewollte Aufmerksamkeit parat. Wir können sie nicht mehr fragen. 

Und was ist schlimmer: die eigene Persönlichkeit an Charaktere, an die Liebe zum Film zu verlieren oder an die Profitgier der Studios? Was bleibt wirklich für die Ewigkeit?

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