Darling der Woche: Sammo Hung - Hongkongs "großer, großer Bruder"

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Christian Neffe

Sammo Hung in "Ip Man 2"
Sammo Hung in "Ip Man 2"

Man möchte es kaum glauben, dass dieser Mann bereits 70 Jahre alt wird — und ebenso wenig, dass er geschlagene 60 davon an Filmsets verbracht hat. Doch selbst mit ergrautem Haar und dem Gehstock, den er sich aufgrund einer Knie-OP inzwischen zulegt hat, scheint Sammo Hung noch lange nicht an irgendeine Art von Ruhestand zu denken. Nein, dieser Mann hat wohl einfach zu viel Spaß am Filmemachen — und überdies noch mehr als genug Zeit, um an seinem Legendenstatus zu feilen. Schließlich ist es allem voran Sammo Hung zu verdanken, dass das Hongkonger Martial-Arts-Kino ein breites Publikum im Westen erreichte.

Vielen mag angesichts dieser Aussage statt Sammo Hung zwar eher der Name Jackie Chan einfallen — doch abgesehen davon, dass die Werdegänge beider Männer ohnehin nicht wirklich voneinander zu trennen sind, ist Hung nicht nur der quantitativ aktivere, sondern auch kreativ vielfältigere Akteur der beiden. Die Filmdatenbank IMDB listet für ihn 199 Auftritte als Schauspieler (59 mehr als für Chan), noch relevanter als Hungs Arbeit vor der Kamera war und ist sie aber dahinter. Man könnte sagen, das wurde ihm bereits in die Wiege gelegt, wurde Hung doch am 7. Januar 1952 als Sohn eines Paares geboren, das in der Hongkonger Filmlandschaft für Kostüme verantwortlich zeichnete. Nach seinen ersten Rollen in den frühen 1960ern — erstmals stand er im Alter von neun Jahren vor der Kamera — begann Hung 1966 (14 Jahre war er da gerade alt) beim Shaw Brothers Studio zu arbeiten und zeigte schon dabei großes Interesse an der Arbeit mit Kameras. Und nebenher war dieser Job auch eine angenehme Abwechslung zum knüppelharten und gestrengen Alltag an der China Drama Academy, an der Hung lebte, lernte und (körperlich) litt.

Innerhalb der nächsten acht Jahre wirkte Hung an sage und schreibe 30 Filmen mit — zunächst als Stuntman, später als Stunt Coordinator und schließlich als Action-Regisseur. Der Durchbruch vor der Kamera kam 1973 im Bruce-Lee-Klassiker Enter the Dragon als erster Gegner des Hauptdarstellers. Parallel zu seinem Freund und ehemaligen Mitschüler Jackie Chan leitete Hung schließlich eine zunächst subtile, bald aber umso deutlichere Revolution im Hongkonger Actionkino ein: Er brach das epische, oft im historischen Setting spielende Genre auf, etablierte komödiantische Elemente und verlegte die Handlung in urbane Gebiete. Auf einmal waren die Kämpfe nicht mehr (nur) brutal, sondern auch verdammt lustig — Kung-Fu meets Buster Keaton, könnte man sagen.

Was Hung damals vor allem an inszenatorischer Pionierarbeit leistete, definierte das Martial-Arts-Kino der 80er neu — und befeuerte nicht zuletzt auch die Hong Kong New Wave. 1983 schließlich kam zusammen, was zusammengehörte, wenn auch nur für fünf Jahre: Unter dem Spitznamen „The Three Dragons“ produzierten die ehemaligen Schulgefährten Hung, Jackie Chan und Yuen Biao eine Reihe international erfolgreicher Martial-Arts-Filme, unter anderem Der Superfighter, Powerman 1, 2 und 3, The Powerman, Project A, Project B und Action Hunter. Waren Chan und Hung zusammen vor der Kamera zu sehen, dann meist als gute Freunde und schlagkräftiges Duo — Chan als der agile Kampfkomiker, Hung als der nicht minder agile, aber etwas tollpatschige Beleibtere, der aufgrund seiner Statur unterschätzt wird, nur um dann umso mehr zu überraschen. Zu dieser Zeit avancierte Hung zum berühmtesten Darsteller Hongkongs, gründete mehrere Produktionsgesellschaften, verhalf später erfolgreichen Filmschaffenden zu ihren ersten Engagements und drehte weiter unermüdlich Filme. 

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Anfang der 90er flachte Hungs Erfolg — im Gegensatz zu dem von Jackie Chan — ab, was sich erst wieder mit seinem Auftritt in Chans Mr. Nice Guy von 1997 änderte, dem die Hauptrolle in der US-Serie Martial Law (1998-2000) folgte, die zwar durchaus Erfolg beim Publikum genoss, aber nach 44 Folgen bereits eingestellt wurde. Doch auch danach ließ Hung nicht die Finger vom Filmgeschäft. Er chereografierte etwa Kung Fu Hustle, war in In 80 Tagen um die Welt erneut neben Jackie Chan zu sehen (beide 2004) und trat in drei der Ip Man-Filme als Lehrmeister und ebenbürtiger Konkurrent des Protagonisten auf. Wie breit Hungs Portfolio noch immer gefächert ist, zeigen seine jüngsten zwei Filme: So durfte er als einer von sieben Hongkonger Regie-Veteranen ein Segment aus dem Film Septet: The story of Hong Kong inszenieren — und steht derzeit mit Paris Hilton (!) für einen Film namens China Game vor der Kamera.

Jackie Chan mag hierzulande zwar die bekanntere Martial-Arts-Ikone sein — Hung jedoch hat im Laufe seiner 60 Karrierejahre deutlich tiefere (wenn auch weniger sichtbare) Spuren hinterlassen und in weitaus mehr filmischen Teildisziplinen gewirkt. Das bezeugen auch die Spitznamen der zwei: Wurden beide bis zu ihrer gemeinsamen Arbeit an Project A (1983) „Dai Goh“ — „Großer Bruder“ — genannt, erhielt Hung von da an die Bezeichnung „Dai Goh Dai“ — „Großer, großer Bruder“.

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