Darling der Woche: Kimba - Der "wahre" König der Löwen?

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Christian Neffe

Filmstill aus "Jungle Emperor Leo - Der Kinofilm". Ein weißer Löwe und eine Löwin laufen durch den Urwald.
Filmstill aus "Jungle Emperor Leo - Der Kinofilm".

Wie intensiv die Zweitverwertung alter Stoffe bei Disney seit einiger Zeit läuft, ist in diesem Jahr besonders spürbar: Mit Der König der Löwen startete kürzlich bereits die dritte Realverfilmung eines hauseigenen Zeichentrickklassikers in 2019. Dabei war man einst besonders stolz auf die Geschichte um den kleinen Simba, dessen Vater einem Komplott zum Opfer fällt und der sich Jahre später seinen rechtmäßigen Platz erkämpfen muss. Denn nach mehr als 30 Zeichentrickfilmen, die auf Märchen, Sagen oder Romanen basierten, konnte Michael Eisner endlich verkünden, dass man erstmals etwas Originäres erzählen würde. Nur stimmte das nicht so ganz.

Die mutmaßliche Vorlage war damals allerdings – insbesondere in den USA – nahezu unbekannt. Sie stammte aus Japan und war zum Kinostart von Der König der Löwen bereits 44 Jahre alt: 1950 schuf Osamu Tezuka Kimba, der weiße Löwe, dessen Geschichte er in drei Manga-Bänden erzählte. Bis 1990 wurden diese mehrfach in Serienform adaptiert.

Kimba und Simba verbinden nicht nur vier Fünftel ihres Namens, sondern auch Teile ihrer Geschichte. Jäger töten Kimbas Vater und nehmen den jungen weißen Löwen gefangen. Er entkommt, kehrt in seine Heimat zurück, macht sich neue Freunde und legt seinem bösen Onkel das Handwerk, um das Erbe seines Vaters anzutreten. Das klingt nicht nur vertraut, es sieht auch vertraut aus: Zahlreiche ikonische Bilder aus Der König der Löwen - Wolken in Form eines Löwen-Haupts, die markante Spitze des Königsfelsens oder der Held, der sich an einen Vorsprung krallt — finden sich nahezu identisch im Anime. Auch die Figuren sind sich verblüffend ähnlich, etwa das verstoßene Warzenschwein, der Mandrill-Affe mit seinem charakteristischen rot-blauen Gesicht, der quirlige Vogel als Sidekick und die junge Löwin, mit der Kimba anbandelt.  

Osamu Tezuka wurde erst durch Astro Boy international bekannt, dessen Animeserie als eine der ersten gilt, die außerhalb Japans veröffentlicht wurden und damit den weltweiten Markt öffneten. Im Jahr seines Todes, 1989, begann die Produktion für einen Kimba-Film — und auch die von Der König der Löwen, der letztlich drei Jahre vor der Jungle Emperor Leo erschien. Als Letzerer 1997 in Toronto uraufgeführt wurde, erwirkte Disney gar eine Abmahnung, die weitere Aufführungen in Nordamerika untersagte. Im Westen blieb ihm deshalb eine größere Popularität verwehrt.

Ob Der König der Löwen nun ein Plagiat oder, wie es manch reißerische Überschrift nennt, eine „dreiste Kopie“ von Kimba sei, diese These kam schon 1994 in einigen US-Zeitungen auf. Disney bestritt, dass das Studio Kenntnis vom Anime gehabt hätte: „No one associated with the film, no producer, or animator or director, has ever heard of this television series“, wurde eine Sprecherin des US-Konzerns in der St. Louis Post zitiert.

Ein aktuelles Video wirft (trotz seines drastischen Titels) jedoch ein wesentlich ambivalenteres Bild auf. Ja, es gibt unverkennbare, vor allem ästhetische Parallelen — der Plot hingegen unterscheidet sich teilweise deutlich. Möglicherweise, so die These, begann die Produktion Der König der Löwen unabhängig von Kimba, mehrere Animatoren ließen sich währenddessen - ob bewusst oder unbewusst — jedoch vom Anime inspirieren. Osamu Tezuka wiederum ließ sich für Kimba ebenfalls von einem anderen Werk inspirieren: Bambi. Ohnehin soll Tezuka den 1966 verstorbenen Walt Disney zeitlebens bewundert haben. 

Kreatives Arbeiten findet eben nicht im luftleeren Raum, gänzlich frei von Einflüssen, statt. Angesichts der Tatsache, dass Der König der Löwen zu Disneys erfolgreichstem Zeichtrickfilm avancierte, ist es jedoch umso bedauerlicher, dass dem kleinen Kimba internationale Popularität bis heute verwehrt blieb. Immerhin erfreut sich der weiße Löwe in seinem Heimatland aber nach wie vor großer Beliebtheit — etwa als Maskottchen der Baseballmannschaft Saitama Seibu Lions aus Tokyo.

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Gnislew · 22.07.2019

Na toll. Überschrift gelesen. Ohrwurm bekommen. "Kleiner weißer Löwe wir sind stolz auf dich. Alle Tiere schenken dir Vertrauen..."

Kommentare

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