Darling der Woche: Ein Superheld auf der Leinwand und im Leben - Chadwick Boseman

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Die Rolle des Black Panther machte Chadwick Boseman weltberühmt. Nun ist der Schauspieler überraschend im Alter von 43 Jahren seiner Krebserkrankung erlegen. Ein Blick auf seine Rollen und ihn als Mensch.

Black Panther streckt seine Arme aus
Chadwick Boseman als "Black Panther"

Die Wellen der Trauer, die die plötzliche Nachricht des Todes des 43-jährigen Schauspielers Chadwick Boseman auslöste, ebben auch über eine Woche danach nicht ab. Fans zeigen auf YouTube ihre Zeichnungen, in denen sie ihren ‚King‘ würdigen. Die Ikorodu Bois, eine Gruppe junger, aufstrebender Filmemacher aus Nigeria, haben ein Video gedreht, mit dem sie Boseman und seine ikonischste Rolle würdigen: „Wakanda Forever“ ist ein Tribut für Schauspieler und Black Panther gleichermaßen, ein Tribut, das zeigt, welche Kraft in filmischer Repräsentation steckt. Boseman löste mit seiner Präsenz, mit seiner Arbeit im Leben diese Welle aus, die nun nach seinem Tod eine wahnsinnige Kraft entfaltet.

 

Boseman wählte seine Rollen mit Bedacht. Nach seinen Anfängen in verschiedenen Serien – darunter Law&Order, CSI: NY, Emergency Room, Lie to Me und Castle – hatte er seinen Durchbruch als Jackie Robinson im Film 42, der der erste schwarze Baseballprofi der modernen Major League war. Ein Athlet, der sich gegen weiße Verachtung durchsetzen musste, der aber immer wusste, wie gut er ist. Boseman wollte diesem großen Vorbild gerecht werden – und trainierte in den Wochen vor dem Dreh, wie ein Profi Baseball zu spielen. Auf den Athleten folgte James Brown, Boseman verkörperte den Energie geladenen Musiker, der Generationen nach ihm beeinflussen sollte, bis in die letzte Haarspitze in Get On Up. Und trainierte mit Mick Jagger: Er zeigte ihm, wie man ein Publikum in seinen Bann schlägt. Mit Marshall folgte ein weiteres Biopic, dieses Mal über eine Legende im Gerichtssaal. Boseman spielte Thurgood Marshall, den ersten schwarzen Anwalt, der Richter am Obersten Gerichtshof werden sollte.

 

Boseman in „42“ © Warner Bros.

 

Aus einem Interview mit seinem Agenten gegenüber dem Hollywood Reporter:

“The amount of time that we strategized over whether he should do a role for the betterment of humanity — it was always about utilizing his platform,” Greene added. “‘How can I give back? How will this be valuable to the Black community, and the community at large?’ He was always, ‘What will I be able to tell through this role?’ That’s how we chose almost all his roles. Somebody once said, ‘He’s playing a lot of biopic people.’ We said, ‘It didn’t hurt Leonardo DiCaprio.’”

All diesen Rollen ist gemein, dass sie nicht die stereotypen Rollen sind, die man sonst gerne schwarzen Schauspieler*innen gibt: keine Sklaven, keine Nebenfiguren, keine Kriminellen. Eindimensionale Charaktere, Menschen zweiter Klasse. Also Rollen, die den systemischen Rassismus in Amerika widerspiegeln. Nein, Chadwick verkörperte einflussreiche Persönlichkeiten, Vorreiter und Kämpfer für Gleichheit und gegen Rassismus. Nicht, dass Boseman nicht auch Rollen anderer Art angeboten worden wären – doch diese lehnte er ab. Und für die Rolle des Thoth in Gods of Egypt entschied er sich nur, da ansonsten der komplette Cast der ägyptischen Götter weiß gewesen wäre. In diesen Entscheidungen spiegeln sich seine eigenen Überzeugungen wider als Aktivist, als Mensch, als schwarzer Amerikaner.

“Chad always made sure of the integrity, the ethics, the morals. I’ve represented a lot of clients, and started a lot of clients. His commitment and loyalty was amazing. It’s not typical in Hollywood,” so sein Agent Michael Greene gegenüber dem Hollywood Reporter.

Und dann kam mit The First Avanger: Civil War das Rollenangebot, das seine weitere Karriere nachhaltig beeinflussen sollte: Chadwick Boseman verkörperte zum ersten Mal Black Panther, den ersten schwarzen Superhelden im Marvel Universum. Doch in den Avenger-Filmen war er immer noch an der Seite von weißen Superhelden zu sehen. Mit Black Panther änderte sich das. Ein fast gänzlich schwarzer Cast, ein Film, der unglaubliche 1,3 Milliarden US-Dollar einspielte. Und als T’Challa, als zentrale Figur eines Films, war seine Aufgabe plötzlich noch größer: Mit Wakanda und seiner Rolle als König eines afrikanischen Volkes ging es plötzlich auch um die Versöhnung mit der Vergangenheit, einer Vergangenheit, die zu allen Afroamerikaner*innen gehört.

Chadwick Boseman in „Marshall“ © Chestnut Ridge Pictures

 

Ma Rainey’s Black Bottom befindet sich gerade in der Postproduktion, der Start ist für 2020 geplant. Es ist wohl sein letzter Film, denn Yasuke befindet sich aktuell noch in der Vorproduktion. Zuletzt sah man Boseman in dem neuen Film Spike Lee’s — er selbst ein großer Fan von Black Panther -, den der einflussreiche und politisch engagierte schwarze Regisseur für Netflix drehte: In Da 5 Bloods ist er förmlich der ‚Engel‘ der Gruppe. Er stirbt direkt zu Beginn des Films und erscheint dann im Verlauf desselben immer wieder in halluzinatorischen Sequenzen und Flashbacks. Diese Rolle bietet die Chance, ihn posthum mit einem Oscar zu ehren. Eine Rolle, die im Rückblick fast prophetisch wirkt, ‚geistert‘ Bosemans Präsenz doch nun durch viele Köpfe und zeigt, wie viele Leben er berührt und nachhaltig verändert hat.

Ein weiterer Effekt der Welle ist der Ruf nach einem Monument Bosemans in seiner Heimatstadt Anderson in South Caroline: Eine Statue des Schauspielers soll ein 118 Jahre altes Monument, das Veteranen der Konföderierten ehrt, ersetzen. Eine Petition ist im Umlauf, die immer stärkeren Zulauf erhält. Aktuell gibt es ein Gesetz, das verbietet, konföderierte Monumente zu entwerfen. Auch das will die Petition kippen.

Boseman war eine Lichtgestalt für die afroamerikanische Community, ein Superheld schon vor seiner Rolle als Black Panther. Dass der 43-jährige an den Folgen einer Krebserkrankung starb, die er vor den meisten geheim hielt – nur Familie und einige enge Freunde wussten davon – zeugt auch auf anderer Ebene von den großen Problemen, gegen die er im Leben und mit seinen Rollen ankämpfte.

Den Schluss möchte ich Boseman selbst überlassen. Denn er verstand es am besten, seine Botschaft in die Welt zu tragen:

 

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