Darling der Woche: Die Golden Globes müssen sich verändern

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Filmstill zu Minari (2020) von Lee Isaac Chung
Minari (2020) von Lee Isaac Chung - Filmstill

Preisverleihungen stehen immer unter Feuer. Das gehört einfach dazu. Man denke an die #OscarsSoWhite-Kampagne von 2015 und die anhaltenden Diskussionen um mangelnde Diversität. Das La La Land-Moonlight-Debakel. Marlon Brando boykottierte 1973 die Oscars und schickte stattdessen die indigene Aktivistin Sacheen Littlefeather auf die Bühne. Oder, um einmal über den Tellerrand der Filmindustrie zu schauen: Kanye West, der die Preisvergabe an Taylor Swift sprengt um allen mitzuteilen, dass seiner Meinung nach Beyoncé den VMA für das beste Musikvideo verdient hätte.

Die Kontroversen der Awards Season 2021 kommen also alles andere als überraschend. Und doch häufen sie sich gerade im Umfeld der Golden Globes derartig, dass es mal wieder an der Zeit scheint, das ganze System der großen Filmpreise zu hinterfragen.

Da wäre zum einen das Drama Minari von Lee Isaac Chung, in dem eine südkoreanische Familie nach Arkansas zieht um den Amerikanischen Traum zu leben. Der Regisseur ist Amerikaner, Hauptdarsteller Steven Yeun hat die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, Produzent ist Brad Pitts Firma Plan B und Verleiher die hippe US-Indieschmiede A24, der Drehort war in Amerika, das Thema ist as american as it gets. Und dennoch: Bei den Golden Globes darf Minari nicht in der Kategorie Bester Film antreten, kommt stattdessen in der Fremdsprachensektion unter. Der Grund: Ein Großteil der Dialoge im Film ist koreanisch. Nun ist es eurozentristisch genug, den Status des Amerikanischen an der englischen Sprache festzumachen. Noch problematischer wird das Ganze aber, wenn man sich vor Augen hält, dass sich die Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die jährlich die Golden Globes vergibt, nicht einmal konsequent an ihre eigenen Regeln hält. 2009 durfte etwa Quentin Tarantinos Inglourious Basterds um den Besten Film ins Rennen gehen, der in Frankreich spielt und Dialoge auf Deutsch, Französisch und Italienisch enthält. Der einzige offensichtliche Unterschied: Die Darsteller waren hauptsächlich weiß.

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Aber auch was Filmgenres angeht, gibt es Uneinigkeit. Das beste Beispiel: Emerald Fennells Regiedebüt Promising Young Woman mit Carey Mulligan in der Rolle einer Studienabbrecherin, die Männer rund macht, sobald sie versuchen mit ihr nicht einvernehmlichen Sex zu haben. Die Regisseurin selbst beschreibt ihren Film als schwarze Komödie und reichte ihn dementsprechend mit Unterstützung ihrer Produktionsfirma Focus Features in der Kategorie Musical/Komödie ein. Die HFPA ignorierte die Bitte und klassifizierte Promising Young Woman als Drama. Auch Ma Rainey’s Black Bottom konkurriert in der Dramasektion, obwohl Musik einen wichtigen Teil der Handlung ausmacht.

Ähnlich hart greift die HFPA mit Blick auf die Darsteller_Innen durch. Amazon wurde unter Druck gesetzt alle Stars aus One Night In Miami entweder geschlossen als Haupt- oder Nebendarsteller einzureichen. Die Newcomerin Maria Bakalova aus Borat: Anschluss-Moviefilm hingegen wurde als Nebendarstellerin angemeldet und muss nun unter den Hauptdarstellerinnen antreten.

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Nun gehören Filmpreise mit Sicherheit nicht komplett abgeschafft. Sie generieren wertvolle Aufmerksamkeit, mit etwas Glück auch für Filme außerhalb des Hollywood-Mainstreams (Parasite, anyone?), und ermöglichen es den Filmemachern gerade auf einer kleineren Ebene, den nationalen und regionalen Festivals, ihre Filme in die Kinos zu bringen oder neue Projekte zu finanzieren. Klar ist auch: In irgendeiner Form müssen Preiskategorien gefunden werden, weil die schiere Fülle an Filmen es sonst schier unmöglich macht Leistungen fair gegeneinander abzugleichen.

Was definitiv hinterfragt gehört, ist das System der anonymen Abstimmungen. Bei den Oscars stimmt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ab, die sich aus Filmschaffenden aller Professionen zusammensetzt. Bei den Golden Globes die HFPA, also genauer: ein weitgehend gesichtsloser Club von rund 100 Journalisten. Sie stimmen in jeder Kategorie für ihre Top 5. Nominiert werden die fünf Produktionen, die die meisten Stimmen erhalten haben. Nur: Woher wissen wir, wie schwer es sich die Abstimmenden gemacht haben? Ob sie überhaupt alle Filme gesehen haben? Nach welchen Prinzipien sie ihre Entscheidung treffen?

Fairer — und vor allem: näher an der Kunst — erscheint da die Praxis der Filmfestivals, die zumeist wechselnde Jurys festlegen, die miteinander in einen Dialog treten und sich nicht selten auch streiten, um am Ende einen Film auszuzeichnen, inklusive Begründung. Dass solche Modelle auch für größere Preisverleihungen funktionieren können, zeigt etwa das Beispiel der Independent Spirit Awards, die jeweils am Vorabend der Oscars von Hollywood unabhängige Produktionen auszeichnen. Auch hier stimmen die Mitglieder der Non-Profit-Organisation Film Independent über die Gewinner ab. Aber welche Filme vorab nominiert werden, entscheiden sechs wechselnde Komitees, besetzt mit Filmmenschen aller Sparten, die sich über ihre Entscheidungen gehörig in die Wolle kriegen dürfen. Das Ergebnis: eine wesentlich diversere Preisverleihung, weniger Skandalgeschrei, mehr Aufmerksamkeit für das Wesentliche: die Filme.

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