50 Jahre indigenes kanadisches Filmschaffen entdecken

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Original Artwork von Eruoma Awashish
Original Artwork von Eruoma Awashish

Dank des National Film Boards von Kanada schließen sich aktuell zahlreiche klaffende Lücken in unserem Filmwissen. Der Filmproduzent und -verleiher in öffentlicher Hand hat nämlich im vergangenen März ein Portal eingerichtet, auf dem Filme von indigenen Regisseuren kostenlos abrufbar sind.

Für unseren Darling der Woche qualifiziert sich das National Film Board of Canada damit nicht nur, weil es uns eine weitere Mediathek for free zur Verfügung stellt. Sondern vor allem, weil die Organisation ein Vorreiter in Sachen Diversität ist. Zum Beispiel hat das NFB sich zur Aufgabe gemacht bis 2019 Parität der Geschlechter herzustellen. Im Mittelpunkt soll heute aber der sogenannte Indigenous Action Plan stehen.

Im Rahmen eines Drei-Jahres-Plans sollen mindestens 15% des Budgets des NFB an Projekte von indigenen Regisseuren vergeben werden. Herzstück des Plans ist außerdem die neue Streamingplattform, auf der über 200 Filme aus den Jahren 1968 bis 2017 versammelt sind - vom zweistündigen Drama über preisgekrönte Dokus bis hin zu Animationsfilmen und experimentellen Kurzfilmen. Zusätzlich finden sich dort Lehrmaterial, Biografien der Filmemacher, Blogposts und regelmäßig neu kuratierte Playlists. Außerdem wurden seit April 2017 über 700 Community Screenings mit Filmen aus der Sammlung abgehalten. Die Tour lief unter dem Titel #Aabiziingwashi (#WideAwake).

Aber was gibt es nun eigentlich genau zu sehen? Ein Tipp ist zum Beispiel der 1987er Dokumentarfilm Foster Child von Gil Cardinal, der sich mit der Kamera auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern macht und dabei mit 35 Jahren erfährt, dass er seine Wurzeln bei den Métis hat, einer Ethnie, die von europäischen Pelzhändlern und indigenen Frauen abstammt.

Foster Child, Gil Cardinal, provided by the National Film Board of Canada

Ein weiteres Highlight ist der 1993 Dokumentarfilm Kanehsatake: 270 Years of Resistance von Alanis Obomsawin, der neben zahlreichen weiteren Preisen auch als erster Dokumentarfilm überhaupt die Auszeichnung des TIFF für den Besten kanadischen Langfilm einstrich. Die Regisseurin schafft darin eine filmische Chronik der Oka-Krise von 1990, bei der Mohawk-First-Nation-People mit der Gemeinde Oka in der Provinz Québec aneinander gerieten. Ein Golfplatz sollte damals auf Land ausgedehnt werden, das die Mohawk für sich beanspruchten. Barrikadenkämpfe waren die Folge und lösten eine Reihe gewalttätiger Auseinandersetzungen von First Nation People Kanadas und dem Staat aus.

Kanehsatake: 270 Years of Resistance, Alanis Obomsawin, provided by the National Film Board of Canada

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