Darling der Woche: 100 Jahre Altersvorsorge à la Hollywood

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Christian Neffe

Filmstill zu Sunset over Hollywood (2018)
Sunset over Hollywood (2018) von Uli Gaulke

„We take care of our Own“. So lautete das Motto vor exakt 100 Jahren, als Mary Pickford mithilfe der Unterstützung von Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks und D.W. Griffith im Jahre 1921 den Motion Picture Relief Fund gründete. Das Ziel: Gemeinsam Kolleginnen und Kollegen, die im Umfeld Hollywoods arbeiteten, auf Spendenbasis aushelfen, falls sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Was damals nicht gerade selten geschah.

Was zunächst als einfache Spendenbox begann, wurde in den späten 1920ern und frühen 30ern stark ausgebaut, denn die Probleme häuften sich. Vor allem der aufkommende Tonfilm brachte zwar einerseits neue Stars hervor, trieb andererseits aber auch zunehmend mehr Filmschaffende in den Ruin, die diesen Wandel nicht hatten kommen sehen oder sich ihm nicht anpassten. Pickford kam eine Idee, die angesichts ihres solidarischen Leitgedankens wie etwas klingt, das in den USA doch eigentlich wenig Anklang hätte finden müssen: Alle Studioangestellten, die mindestens 200 Dollar die Woche verdienten, sollten ein halbes Prozent ihres Einkommens spenden, um das Fehlen sozialer Abfederungssysteme zu kompensieren. Und so kam es dann auch.

Die Aktivitäten der Stiftung wurden in den Folgejahren immer umfangreicher, und 1941 schließlich wurde ein Gelände gefunden und eingeweiht, auf dem noch heute das spendenfinanzierte „Motion Picture & Television Country House and Hospital“ steht — ein Seniorenzentrum für Filmschaffende, die es Zeit ihrer Karriere nicht zum ganz großen Vermögen geschafft haben und sich deshalb keine Villa am Sunset Boulevard leisten können. Oder die im Alter einfach nur unter ihresgleiches sein möchten.

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Vor allem Letzteres scheint bei der inzwischen zum Motion Picture & Television Relief Fund (MPTF) umbenannten Stiftung (um auch Fernsehschaffende miteinzubieziehen) zunehmend wichtiger geworden zu sein: In einer Zeit, in der digitale Kontakte analoge immer mehr ersetzen, ist die unmittelbare Verbindung zu Menschen, die in einem ähnlichen beruflichen Umfeld arbeiteten und es vielleicht noch immer tun, schließlich umso wertvoller geworden. Das ist zumindest ist eine der Erkenntnisse, die man der Dokumentation Sunset over Hollywood entnehmen kann, die derzeit in der ARD-Mediathek zum Streamen bereitsteht.

Regisseur Uli Gaulke porträtiert darin mehrere Bewohner*innen der Residenz am Mulholland Drive, zeigt uns ihren Alltag und ihre Lebensgeschichten. Mit dabei sind unter anderem Connie Sawyer, Gene Faulker und Daniel Selznick — Schauspieler*innen, Produzent*innen, Menschen in der Postproduktion. Sie alle tragen ihren Beruf noch in sich, schreiben weiterhin Geschichten, drehen Filme, bewerben sich bei Castings und treffen sich regelmäßig, um gemeinsam an Projekten, und sei es auch nur zum Spaß, zu arbeiten. So wird hier beispielsweise eine Fortsetzung zu Casablanca gebrainstormt — kurzum: Die Residenz, bestehend aus vielen kleinen Wohnhäusern und ganz viel Grün, ist ein Ort, an dem alle Beteiligten auch im hohen Alter noch ihre Kreativität ausleben können. Und das sogar besser als vor der Rente, denn hier sind sie frei von Studioaufträgen und -zwängen.

Die Doku wird dabei — wie in einer guten alten Romanze nach Golden-Age-Hollywood-Schema — auch mal recht sentimental, was man ihr aber verzeihen kann. Was man ihm hingegen verzeihen muss, ist, dass sie die sozialen Probleme außerhalb der Residenz gnadenlos ausblendet. Wer das kann, bekommt mit Sunset over Hollywood passend zum 100-jährigen Bestehen des Motion Picture & Television Relief Fund unter diesem Link hier eine warmherzige, berührende Doku über einen Ort, an dem sich auf kleinem Gebiet so viel Kreativität versammelt hat wie an sonst wohl keinem anderen Ort dieser Welt.

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