Les apaches

Verhängnisvolle Dynamik

Eine Filmkritik von Wolfgang Nierlin

Nach einem rauschhaften Disco-Besuch brechen Aziz und seine Freunde übermütig in eine abgelegene Villa in der Nähe von Porto Vecchio ein. Die Jugendlichen baden ausgelassen im Pool, betrinken sich und hören laut Musik. Dabei entladen sich zunehmend Spannungen und destruktive Energien. Einer der jungen Männer begeht einen Diebstahl, der in der Folge eine verhängnisvolle Dynamik entwickelt. Weil sich Aziz, dessen Vater als Hausmeister des Villenbesitzers arbeitet, verantwortlich fühlt, kommt es zu Spannungen unter den Jugendlichen, die sich plötzlich in einem Geflecht aus Schuld und der Angst vor Verrat verrennen.

Die diffusen Gefühle unerfahrener, naiver und dabei stark traditionell geprägter Jugendlicher, ihre übersteigerten Befürchtungen, vor allem aber ihr soziales Bewusstsein bestimmen den Fortgang der Handlung. Gedreht im fast quadratischen Academy-Format, das die Protagonisten auch bildlich in die beengten sozialen Verhältnisse einschließt, akzentuiert Thierry de Peretti immer wieder ein Wohlstandsgefälle, das die Einheimischen von den fremden Urlaubern (aus Frankreich) trennt. Zwar wirken die Milieus durchlässig, doch tatsächlich werden sie von sprachlichen und kulturellen Unterschieden bestimmt, was besonders an Mentalitäten und Geschlechtsrollenbildern ablesbar ist. Immer wieder markieren Glasscheiben eine unsichtbare Grenze, an der Illusion und Realität aufeinanderprallen. Bis sich am Schluss des Films die Blicke jugendlicher Partygäste, die eigentlich einem auf fremdes Terrain eingedrungenen, aber ausgegrenzten Einheimischen gelten, zugleich auf den Kinozuschauer richten.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/les-apaches