Sex Tape (2014)

Beziehungsauffrischung mit Folgen

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Im Mittelpunkt des Films steht das Ehepaar Annie (Cameron Diaz) und Jay (Jason Segel). Zwei Menschen, die sich aufrichtig lieben, im Alltag aber immer seltener Zeit für leidenschaftliche Momente haben. Um ihre Beziehung sexuell aufzupeppen, parkt Annie eines Abends ihre Kinder bei deren Oma und schlägt Jay nach einigen gescheiterten Beischlafversuchen vor, ihren Akt ganz einfach mit dem iPad zu filmen. Wie sich zeigt, eine grandiose Idee. Das Ergebnis ist ein dreistündiger Sex-Marathon, bei dem das Pärchen diverse Stellungen aus einem How-to-do-it-Manual durchexerziert. Kurze Zeit später ist jedoch guter Rat teuer, da das pikante Video aufgrund eines Synchronisationsfehlers plötzlich auf die gebrauchten iPads gelangt, die Jay an Bekannte verschenkt hat. Dummerweise befindet sich unter den Betroffenen auch der Spielzeugfabrikant Hank Rosenbaum (Rob Lowe), für den die erfolgreiche Bloggerin Annie in Kürze arbeiten könnte. Ohne lange nachzudenken, stürmen die verzweifelten Eheleute los, um die Geräte zurückzuholen, bevor irgendjemand auf ihr schlüpfriges Filmchen aufmerksam wird.

Cameron Diaz und Jason Segel, die unter Kasdans Regie bereits gemeinsam für Bad Teacher vor der Kamera standen, wirken als "unverhoffte Pornodarsteller" durchaus sympathisch, verfallen aber des Öfteren in einen unnötigen Overacting-Stil, der das bedingungslose Mitfiebern zumindest ansatzweise stört. Weitaus gravierender sind allerdings die Drehbuchschwächen, die sich spätestens nach dem flott inszenierten Einstieg offenbaren. Auch wenn einige Einfälle und Wendungen sicher nicht schlecht sind, gibt es letztlich viel zu wenige Momente, in denen der Film seine überdrehte Prämisse angemessen auskostet. Nicht selten schwankt die wenig gehaltvolle Handlung zwischen kalkulierter Provokation – derbe Zoten werden immer wieder bemüht – und biederer Gefühlsduselei, sodass die Freizügigkeit, die Sex Tape eigentlich propagiert, in vielen Fällen bloß behauptet erscheint. Im letzten Drittel ist die schematische Plot-Entwicklung dann nur noch ärgerlich, da auf billigste Weise ein Happy End herbeigezimmert wird.

Umso deutlicher stechen die Szenen hervor, die sich durch anarchischen Humor und eine konsequent selbstironische Überspitzung auszeichnen. Gemeint sind hier vor allem die Auftritte von Nebendarsteller Rob Lowe, der seine Schauspielkarriere Ende der 1980er Jahre bekanntermaßen mit einem handfesten Sex-Tape-Skandal fast zum Erliegen brachte. Als vermeintlich biederer Geschäftsmann, in Wahrheit aber zügelloser Exzentriker ist der mittlerweile 50-jährige Mime Dreh- und Angelpunkt der witzigsten Passage im ganzen Film, wobei vor allem Hanks Größenwahn – Stichwort: verfremdete Szenen aus berühmten Disney-Klassikern – für einige Lacher gut sein dürfte. Eine kleine, aber gelungene Besetzungsüberraschung hält auch das Finale bereit. Nachhaltig aufwerten kann sie das zu diesem Zeitpunkt arg konstruierte Geschehen aber nicht.

Unter dem Strich erinnert die zweite Zusammenarbeit von Cameron Diaz und Jason Segel in mancherlei Hinsicht an die im Mai veröffentlichte Krawallkomödie Bad Neighbors, die einen vollkommen abgedrehten Nachbarschaftsstreit versprach, sich dann aber zwischen provokanten Eskalationen, platten Handlungsvolten und arg konventionellen Hollywood-Mustern verfing. Überraschen müssen die ähnlich gelagerten Unzulänglichkeiten bei beiden Filmen nicht, schließlich war Bad Neighbors-Regisseur Nicholas Stoller neben Kate Angelo und Jason Segel an der Entwicklung des Sex Tape-Drehbuchs beteiligt.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/sex-tape-2014