The Drop - Bargeld

Die Geschichte eines Barkeepers

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Auch "Cousin’s Marv" ist eine "Drop"-Bar, seit sie vor einigen Jahren von der tschetschenischen Mafia übernommen wurde, die in diesem Teil von Brooklyn die Kontrolle über die illegalen Geschäfte hat. Barkeeper Bob Saginowski (Tom Hardy) weiß davon, interessiert sich aber nicht weiter dafür, er ist einfach nur ein Mann, der in einer Bar arbeitet. Sein Boss (und Cousin) Marv (James Gandolfini) hingegen ist diese Übernahme der Bar durch die Tschetschenen eine Qual, die er mit sich herumträgt und nicht überwinden kann.

Dann geschehen zwei Dinge: Die Bar wird überfallen, und Bob entdeckt eines Abends in der Mülltonne seiner Nachbarin Nadia (Noomi Rapace) einen misshandelten Hundewelpen. Durch den Überfall wird Detective Torres (John Ortiz) auf einen Jahre zurückliegenden Vermisstenfall aufmerksam, bei dem der Vermisste zuletzt im "Cousin’s Marv" gesehen wurde. Er hofft, dass ihm die Aufklärung dieses Falls die gewünschte Versetzung zu den Major Crimes bringt. Im Viertel wird im Allgemeinen angenommen, dass Eric Deeds (Matthias Schoenaerts) hinter dem Verschwinden steckt – und dieser Eric Deeds behauptet nun, dass Bobs Hundewelpe ihm gehören würde.

Bob ist das emotionale Zentrum des Films, der von Tom Hardy eindrucksvoll gespielt wird. "I tend bars" betont er schon im eröffnenden Voice Over, aber von Anfang an ist zu erkennen, dass unter der Oberfläche des einfach wirkenden Barkeepers mehr schlummert. Er macht mehr – und weiß vor allem mehr. Ihn umgibt eine Einsamkeit, die erst durch den Hund und schließlich Nadia durchbrochen wird. Dabei mutet Bobs Fürsorge für Rocco – er benennt ihn nach einem Heiligen, der mit Hund abgebildet wird – niemals skurril an, sondern unterstreicht seine Fürsorglichkeit, Aufrichtigkeit und das langsame Bröckeln seiner Einsamkeit. Tom Hardys Spiel durchzieht eine intensive Spannung, die sich sehr gut mit James Gandolfinis Subtilität und Konzentration ergänzt, die Marvs unterdrückte Verzweiflung zum Ausdruck bringen.

Die langsam erzählte Handlung bringt zwar einige gute Wendungen, aber ihr fehlen die großen Überraschungen von Gone Baby Gone. Auch hat The Drop nicht die emotionale Wucht von Mystic River. Stattdessen überzeugt der Film mit seinen Schauspielern und vor allem mit seinem Stil. The Drop spielt im Brooklyn der Arbeiter, einer Welt, in der man sich abends in einer Kneipe zum Sport gucken trifft, längst verbrecherische Syndikate die Kontrolle übernommen haben – und jeder das weiß, aber keiner darüber redet. Besonders nicht mit den Cops. Diese Welt fassen Michaël R. Roskam (Bullhead) und sein Kameramann Nicolas Karakatsanis in naturalistische Farben, zugleich gibt es in kleinen Einstellungen viel zu entdecken. Die kurzen Schwenks in Bobs Haus erzählen seinen ganzen Hintergrund, wenn Marv mit seiner Schwester spricht, sind Teile seiner Vergangenheit zu erahnen. Dadurch stecken in The Drop sehr viele Subtexte, die den Film zu einem eindrucksvollen Porträt eines Viertels in Brooklyn werden lassen.

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