Into the Woods

Ein großer Märchenspielplatz

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Im Zentrum der Handlung steht ein unglückliches Bäckerspaar (Emily Blunt und James Corden), dessen Kinderwunsch unerfüllt bleibt, da seit vielen Jahren ein Fluch auf der Familie lastet. Ausgesprochen von einer Hexe (Meryl Streep), die den Eheleuten allerdings ganz unerwartet einen Besuch abstattet und ihnen die Aufhebung des Bannes in Aussicht stellt. Vorausgesetzt, den beiden gelingt es innerhalb kürzester Zeit, vier magische Gegenstände aus dem nahegelegenen Wald zu beschaffen. Voller Tatendrang bricht der Bäcker zunächst alleine auf, begegnet aber schon bald seiner Frau, die nicht untätig zu Hause warten will. Bei ihrer Odyssee durchs Gehölz treffen sie schließlich auf andere Märchenfiguren – Aschenputtel (Anna Kendrick), Rapunzel (Mackenzie Mauzy), Rotkäppchen (Lilla Crawford) und den kleinen Jack (Daniel Huttlestone) –, die mit ihren eigenen Wunschvorstellungen zu kämpfen haben.

Schwungvoll und behände springt die Eröffnungspassage von einem Protagonisten zum nächsten und führt uns allein über die Musik – für genreunerprobte Zuschauer sicherlich eine Herausforderung – in die überbordende Story-Welt ein. Schon hier deutet sich die Vermischung und Abwandlung klassischer Geschichten an, die spätestens dann unübersehbar ist, wenn die Figuren den Wald betreten und sich ihre Wege mehrfach kreuzen. Alte Gewissheiten kommen dabei ebenso zu ihrem Recht wie augenzwinkernde Brechungen, die das Schwarz-Weiß-Muster vieler Märchen genüsslich ausstellen. Die von Meryl Streep herrlich sarkastisch verkörperte Hexe entpuppt sich etwa nicht nur als Ausgeburt des Bösen, sondern darf zudem einige der witzigsten Pointen zum Besten geben. Ungewöhnlich ist sicher auch der Kurzauftritt Johnny Depps, der in überkandidelter Maskerade den Wolf als lüsternen Kinderschreck spielt.

Nimmt man das phasenweise recht düstere Szenenbild und einige – freilich in den Off-Bereich verlegte – Gewalthandlungen hinzu, stellt sich durchaus die Frage, ob die Disney-Produktion für ein ganz junges Publikum geeignet ist. Viele Anspielungen richten sich jedenfalls deutlich an ältere Kinder oder aber gleich an Erwachsene, die die ambivalenten Songtexte weitaus besser einordnen können. Als Universalbotschaft dient Into the Woods der Verweis auf die zweischneidige Natur von Wünschen. Viele Figuren jagen – zum Teil erstaunlich rücksichtslos – ihren Sehnsüchten nach, bedenken dabei allerdings nicht, dass alle Taten Konsequenzen haben und oftmals mit dem Schicksal anderer Menschen verbunden sind.

Eine kritische, rundum löbliche Haltung, die Marshall und Drehbuchautor Lapine jedoch nur bedingt überzeugend aus den Protagonisten heraus entwickeln. Stattdessen greift der Film in der zweiten Hälfte immer häufiger zu den Mitteln des Spektakels, lässt die vormalige Dynamik schleifen, legt den gesangsfreudigen Akteuren herbeikonstruierte Erkenntnisse in den Mund und nimmt damit Kurs auf merklich seichtere Gefilde. Was den Betrachter am Ende zu der Einsicht bringt, dass viele kleine Glanzmomente noch lange kein großartiges Gesamtbild garantieren.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/into-the-woods