Bocksprünge

Stress im Beziehungsreigen

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Mit Dialogzeilen wie diesen überrascht die köstliche Komödie Bocksprünge. Sie ist ein wenig anders als sonstige Untreuegeschichten, zugespitzter, mutiger. Ob das damit zusammenhängt, dass der Schauspieler Eckhard Preuß sein Regiedebüt ohne Fernsehbeteiligung und Förderung drehen konnte? Die Wortgefechte jedenfalls sind so frei von Glättungsversuchen, dass sie wie aus dem echten Leben gegriffen wirken, widersprüchlich, unausgegoren, voller spritziger Aha-Erlebnisse. Und dass hier wirklich noch Leute unterm Bett oder hinter dem Vorhang versteckt werden, entpuppt sich als Glücksfall für die Dramaturgie. Denn so purzeln mehr Enthüllungen, wird die Geschichte auf ihren Humor eingedampft. Die Seitensprünge und der Liebeskummer ereignen sich in einer kleinen Gruppe, in der die Personen unterschiedliche Verbindungen zueinander haben. Maya und Doris zum Beispiel sind in erster Linie beste Freundinnen, so dass ihr Konflikt die Gruppendynamik nur befördert, statt den Kreis gleich zu sprengen.

Eckhard Preuß schrieb mit seinem Co-Autor Butz Buse den meisten Hauptdarstellern die Rollen auf den Leib. Er selbst gibt die zentrale Figur des Wuschelkopfs Udo, dem man einfach nicht böse sein kann, weil er aus dem Bauch heraus handelt, gar nicht so viel anders als Pu der Bär. Seinen Lieblingsspruch beim Sex, "Nicht so viel quatschen!", können da schon mal drei Frauen an einem Tag zu hören bekommen. Udo ist seit 14 Jahren mit Doris verheiratet, einer korrekten, nachgiebigen und nicht ohne Grund verunsicherten Frau.

Die junge Valerie, die immer ein sonniges Lächeln zeigt, verliebt sich in den einsamen Frauenarzt Rudolf (Friedrich Mücke). Der ist skurril genug gezeichnet, dass man ihm ein ernsthaftes Problem zutraut. Als Beichtvater, Handleser und melancholischer Macho fungiert der Barmann (Jochen Nickel). Sein mürrisch-wissender Gesichtsausdruck scheint zu sagen, dass die Leute für Beziehungen einfach nicht mehr geschaffen sind.

Dieses ausgelassene Boulevardstück präsentiert sich betont zeitlos. Viele Schauplätze in München – die Isarauen, ein kleines Arthouse-Kino, das altehrwürdige Gemäuer einer Uniklinik – sehen aus wie eh und je. Gut zu wissen, dass manche Dinge die schnelllebigen Zeiten überdauern und dass die Menschen immer noch über die gleichen Geschichten vom Ertapptwerden lachen. Andererseits aber sind die Charaktere auch deutlich in der Gegenwart verankert. Sie verhalten sich rational und verständnisvoll, selbst wenn es dramatisch wird. Dabei wirken sie dann auf komische Weise neben der Spur.

Die kurzen Szenen werden oft musikalisch verbunden, so dass sie beinahe wie Tanzstücke wirken. Mit der Zeit flacht die reizvolle Spannung ein wenig ab und wenn der Arzt einer in der Kneipe abgestürzten Frau zu ihrer Schwangerschaft gratuliert, wähnt man sich vorübergehend im Paradies der Bedenkenlosen. Aber insgesamt kommt man dennoch in den Genuss einer fulminanten kleinen Komödie mit Seltenheitswert.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/bockspruenge