About A Girl

Mehr Schein als Sein

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Charleen hat Phantasien von einer Rockband im Himmel mit Hendrix, Cobain, Whinehouse; dass sie es ernst meint mit ihrer Affinität zu toten, ewigjungen Genies, zeigt sich beim etwas dilettantischen Selbstmordversuch mit Fön in der Badewanne. Dass sie es dann doch nicht sooo ernst meinte, muss alsbald klargestellt werden, es geht schließlich um eine Komödie ums Erwachsenwerden. Durch einen dramaturgischen Trick namens Zufallsbegegnung muss Charleen nicht in die Geschlossene, sondern darf, sozusagen auf Bewährung, nach Hause, trotz weiterer Suizidgefahr. Die aber ja ohnehin, das macht Monheim implizit klar, nur spielerisch ist, gespielt, ein Ausrutscher, haha, kann man ja verstehen bei dieser Chaosfamilie. Die Mama ist mit Charleens Biolehrer zusammen, der ziemlich tollpatschig ist und als Stiefvater unerwünscht; der leibliche Papa ist für sie gestorben, die Mama hatte ihn rausgeschmissen. Der Bruder ist angehender Computer-Nerd und nervt, die Oma aber ist lieb. Soweit, so klischeehaft, was das Zeichnen "schräger" Charaktere angeht. Charleen, die mit dem offiziell beglaubigten Tick, ist natürlich die Normalste dabei.

Ihr Therapeut ist schön unkonventionell, heißt sie auch mal, ihren Ellbogen abzulecken; und langsam merkt sie, dass auch andere, außerhalb der Familie, ihre Probleme haben. Jaja, zum Beispiel Klassenstreber Linus, ebenfalls Patient bei Dr. Frei, und als Figur offenbar stark angelehnt am Computer-Karl-Charakter der unsterblichen TKKG-Bücher…

Monheim grapscht sich halt so zusammen, was ihm in den Sinn kommt, wenn man sich was überlegt zum Thema lustiger Familienkonflikt. Ein bisschen seltsam ist das dann schon, die Mama verdient ihr Geld als Powerseller bei Ebay: Ist es dafür inzwischen nicht ein Jahrzehnt zu spät? Auch ergibt sich nicht wirklich reibungsvoller Konflikt, wenn alle auf derselben Ebene, wenn auch nicht mit denselben Symptomen, gestört sind. Das Ziel von Charleen jedenfalls ist es, nicht erwachsen zu werden; dramaturgisch nicht sehr ergiebig, situationskomisch aber mit Potential zum Ausschlachten, wenn es um die Peinlichkeiten der Erwachsenen geht, die immer wieder lustig dargebracht werden. Dazu dann gefühlige Gitarren-Popsongs, die den Film begleiten, und ein recht überflüssiger Voice-Over-Kommentar: Der Zuschauer wird dann schon erkennen, wann er lachen, wann er mitfühlen soll.

Dieser Mischmasch ergibt aber eben auch, dass alles wahnsinnig an der Oberfläche bleibt; selbst Todessehnsucht und Suizidversuch von Charleen; und auch ihre Verliebtheit in Linus kann man emotional nicht so recht ernst nehmen, weil mitunter auch er für die Gags des Individalgestörtseins rangenommen wird.

Man könnte sich amüsieren bei diesem Film, klar; aber man täte dies dann vor allem deshalb, weil About a Girl sich sehr viel tiefsinniger gibt, als er eigentlich ist. Die Ernüchterung folgt, wenn man merkt, dass man sich unter Niveau unterhalten hat.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/about-a-girl