Der geilste Tag

Weder zum Leben noch zum Sterben

Eine Filmkritik von Andreas Günther

Der geilste Tag beginnt in einem Hospiz, das zum Sterben nicht schöner sein könnte. Dafür sorgt das ins Pittoreske gewendete Leiden der Bewohner und vor allem das Licht, das sogar an trüben Tagen durch die Fenster bricht. Dieses Goldgelb, das dem Honigaufstrich der Frühstückswerbung abgeschaut ist, legt sich als Zwang zum Genießen über den ganzen Film. Sehr schnell erfasst es die beiden Krebspatienten im Zentrum.

An Schläuchen hängend, trauert Konzertpianist Andi (Schweighöfer) einer Karriere nach, für die er geübt hat, die aber wegen seiner Erkrankung nie Wirklichkeit wurde. Benno (Fitz) dagegen hat zwar viel gelebt, aber auch nicht das gekriegt, was er wollte: mit Mona (Alexandra Maria Lara) und der gemeinsamen Tochter Leni eine Existenz aufzubauen. Das hat er versemmelt, und nun heiratet sie in Südafrika einen anderen. Mit einem Tumor im Kopf, der ihn von einer Sekunde auf die andere einschlafen lässt, sinnt Benno darauf, Mona noch einmal zu sehen. Mit Andi bricht er aus dem Hospiz aus und fliegt ans andere Ende der Welt, mit dem geplanten gemeinsamen Selbstmord mittels eingeschmuggelter Pistole als Exitstrategie.

Nach einfühlsamem Klamauk klingt das, doch die Umsetzung fällt so beliebig aus wie das Gitarrengeklimper, das Fahrstuhlmusik ähnlich die Eskapaden von Andi und Benno begleitet. Umständlichkeit und vergebliche Anläufe zu irgendwas sollen Gelächter produzieren, beispielsweise wenn Andis Sauerstoffflaschen nicht in den Kofferraum des schicken Sportwagens passen, mit dem es zum Flughafen geht. Die Polizistendarsteller bei der Sicherheitskontrolle müssen das Lachen übernehmen, wenn Benno witzelt, das so einer wie der Andi im Rollstuhl doch wohl kaum in Bürotürme fliegen wird, oder? Ausgerechnet was turbulent und haarsträubend sein soll, erzeugt einen ernüchternden Nachgeschmack ereignisloser Bemühtheit.

Die anschließende Wohnmobiltour durch Südafrika ist nicht komisch, sondern nur tragisch, weil weder Sinnsuche noch der Hunger nach dem Exzess zu mehr als flauen Witzen reicht. Das liegt nicht nur daran, dass der umtriebige Fitz die Fußstapfen seines Erfolgsfilms Vincent will Meer auslatscht. Genialer Unsinn ist immer auch ermutigender Zerrspiegel der Welt. Dieser Unsinn zeigt jedoch eine Welt, die trotz allen Wettstreits um Aufregung so fade ist, dass sie sich weder zum Leben noch zum Sterben eignet.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-geilste-tag