Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

Morgen wird alles besser. Hoffentlich.

Eine Filmkritik von Thorsten Hanisch

Das Konzept dieses Dokumentarfilms, der in Frankreich zum Publikumsrenner wurde, ist hervorragend und beispielhaft: Anstatt ewig schwarz zu malen und uns zum tausendsten Mal zu erzählen, welche Katastrophen in den nächsten Jahrzehnten über uns hereinbrechen, taten sich die Schauspielerin Mélanie Laurent (Inglourious Basterds, Enemy) und der Aktivist Cyril Dion zusammen, fuhren mit drei Freunden um die Welt und suchten nach einer Antwort auf die Frage, was jeder von uns im Kleinen wie im Großen dazu beitragen kann, dass die Welt am besten schon morgen eine besserer Ort wird.
Sie interviewten Experten, unterhielten sich mit Farmern, Papierherstellern, Pädagogen und weiteren Menschen, die ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen, und hoffen, dass die Summe der gefundenen Lösungsansätze eine Art Leitfaden für die Zukunft ergibt.

Das ist – man kann es nicht oft genug wiederholen – grundsätzlich wirklich sehr, sehr lobenswert, es verleiht Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen schon per se eine Daseinsberechtigung und ein Anschauen lohnt sich allein schon, weil die Verschiedenartigkeit der vorgestellten Menschen und Projekte absolut faszinierend und interessant ist.

Leider gewinnt man im Laufe der etwas zu langen zwei Stunden auch ein wenig den Eindruck, dass der auch durch eine permanent affirmative Musik unterfütterte Lass-es-uns-anpacken-Optimismus den Machern ein bisschen den Blick vernebelt hat. Oder anders formuliert, aufdringliche Selbstbestätigung schiebt sich zuweilen etwas ungünstig vor den eigentlich sehr positiven Gesamteindruck.

Die Aussagen zu bösen Konzernen und sinisteren Banken hätte man ruhigen Gewissens etwas straffen können, beide sind heutzutage eh Feindbild Nummer eins. Stattdessen wäre es nicht verkehrt gewesen, hin- und wieder ein wenig die vorgestellten Lösungsvorschläge zu hinterfragen. Dass beispielsweise in Detroit, wo nur noch ein Drittel der Bevölkerung früherer Jahre lebt, urbane Gemüsezucht kein Problem ist, ist klar. Dass man derlei Projekte aber nicht gerade in übervölkerten Ballungsgebieten aufziehen kann, scheint nicht aufzufallen.

Und so hangelt sich der Film von Station zu Station und bietet lauter "Patentlösungen" an, bei denen eigentlich noch nicht gerade unwichtige Details zu klären wären. Aber die Begeisterung über das eigene Tun und das Wettern gegen die "Bösen" ist wichtiger, weswegen sich die Doku trotz edler Ambitionen ein wenig wie ein Aktivisten-Märchen anfühlt, zumal die Macher es auch nicht lassen können, sich in betont gut gelaunten Reise-Impressionen selbst als Weltverbesserer zu inszenieren.

Dennoch: Es ist zu hoffen, dass Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen auch hierzulande Erfolg hat und – das wäre der Optimalfall – vielleicht auch Impulsgeber für weitere, etwas bessere Filme dieser Art ist. Nötig wäre es unbedingt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/tomorrow-die-welt-ist-voller-loesungen