Ich bin dann mal weg

Leider nicht verschollen

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Dem Reiz des Bestsellers können sich Produzenten nur selten entziehen. Was in Buchform funktioniert hat, so das Kalkül, muss doch auch ein entsprechendes Publikum ins Kino locken können. Selbst, wenn keine Geschichte erzählt wird, sondern Seite über Seite nur die Introspektive eines Wanderers zum Besten gegeben wird. Zugegeben, der Wanderer ist Hape Kerkeling, was seine Beobachtungen und Erkenntnisse geringfügig humorig macht, als Film funktioniert Ich bin dann mal weg aber überhaupt nicht.
Der Stress hat Hape Kerkeling in die Knie gezwungen. Er muss ein paar Monate kürzer treten und kommt auf eine mehr oder minder brillante Idee: Er will den Jakobsweg beschreiten. Fast 800 Kilometer bis Santiago de Compostela sind es. Alleine macht sich Hape auf den Weg, nur seine eigenen Gedanken und ein Büchlein dabei, in dem er sie zu Papier bringen will. Ob er da schon geplant hat, das Ganze später in Buchform auszuwerten? Man weiß es nicht, aber gelohnt hat es sich. So sehr, dass man nun David Striesow zusehen soll, wie er sich über den Jakobsweg müht.

Striesow sieht Kerkeling zwar kaum ähnlich, ist aber zumindest sympathisch. Man ist also grundsätzlich bereit, ihm auf diese Pilgerreise zu folgen. Allein, es ist ein langweiliges Unterfangen, vermutlich ähnlich dem Pilgern selbst, abgesehen von den Mühen und den Schmerzen natürlich; der Film erfordert dafür vor allem Sitzfleisch. Denn obwohl er mit 90 Minuten Laufzeit eher kurz ist, fühlt er sich lang an. Und das nicht nur, weil die fast schon monotonen Monologe der Hauptfigur frei von Erkenntnisgewinn und Substanz sind, sondern auch, weil der Film noch aufgebauscht werden musste.

Offenbar reichte die Pilgerreise alleine nicht, deshalb werden noch Rückblicke auf Hapes Kindheit geboten. Mit der Haupthandlung haben diese rein gar nichts zu tun, aber sie helfen, das Ganze auf abendfüllende Länge zu strecken. Dabei wäre weniger hier mehr gewesen – und auch das dröge Unterfangen wäre zumindest schneller vorbei gewesen.

So quält man sich mit Kerkeling auf der Pilgerreise, lernt nicht allzu komplexe Figuren kennen, sieht ihn mal weinen und trifft auf eine Gestalt, die eine Einbildung oder göttlicher Sendbote sein könnte. Oder einfach nur dem Nichts an Handlung ein wenig Mysterium mit auf den (Jakobs)weg geben soll.

Einziger Pluspunkt des Films ist im Grunde der Jakobsweg selbst. Die Landschaften, auf denen hier im Schneckentempo marschiert wird, sind schön. Das macht auf der Leinwand schon was her – weit mehr, als die Geschichte, die keine ist. Denn es passiert im Grunde nichts. Alles, was passiert, ist internalisiert. Das funktioniert als Buch, nicht jedoch als Film. Ich bin dann mal weg ist nicht nur eine Enttäuschung, vor allem ist er langweilig. Aber vielleicht ist er auch das filmische Pendant des Jakobswegs selbst. Man muss ein bisschen leiden, um ans Ziel zu kommen. Das Ziel hier ist natürlich nicht eine Form von göttlicher Erleuchtung, sondern einfach nur das Verlassen des dunklen Kinosaals ...

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/ich-bin-dann-mal-weg