Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee (2020)

Gemeinsam für ein sauberes Meer

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Die Pfefferkörner sind ein Erfolgsmodell. Seit über 20 Jahren im Fernsehen und vor vier Jahren erstmals im Kino bieten die Hamburger Jungdetektive dem jungen Publikum coole Kriminalgeschichten an: Es sind die Jungen und Mädchen, die sich zusammenfinden und gemeinsam knifflige Fälle lösen, die Polizeibeamten das Staunen lehren und Bösewichten und Schurken das Handwerk legen. In ihrem neuen Fall geht es um die niederträchtigen Machenschaften eines Recycling-Unternehmers, der seine Ware einfach im Meer verschwinden lässt, das Leben vieler Meeresbewohner auf dem Gewissen hat und sich nun auch die bahnbrechende Arbeit eines Forscherteams unter den Nagel reißen will.

Alice (Emilia Flint, die schon im ersten Kinofilm mitgespielt hat) verbringt ihre Ferien bei Tarun (Caspar Fischer-Ortmann), dem Sohn der erfolgreichen Wissenschaftlerin Jaswinder Singh (Myriam Abbas). Zuerst begleiten sie diese zu ihrer Forschungsstation in Nordirland, dann auf das Forschungsschiff, welches im Hafen des kleinen Fischerorts Wesemünde in Mecklenburg-Vorpommern stationiert ist. Seit geraumer Zeit stimme etwas nicht mit seiner Mutter, vertraut Tarun seiner Freundin an – und er behält recht. In der Nacht verschwindet Jaswinder aus ihrer Koje beziehungsweise, da sind sich die Kinder sicher, sie wurde entführt. Natürlich nehmen die beiden sofort die Ermittlung auf.

Sie freunden sich schnell mit Kindern aus dem Dorf an, den Geschwistern Jonny (Leander Burat) und Clarissa (Charlotte Martz), die ihnen bei der Suche nach Taruns Mutter helfen wollen. Und auch Hanna (Linda Madita), die Tochter eines Fischers, schlägt sich bald auf ihre Seite. Schnell wird klar, dass es um mehr als nur das Verschwinden der Mutter geht. Diese forscht an einer wichtigen Sache, und ihre Ergebnisse scheinen so wertvoll zu sein, dass jemand sie stehlen und für seine Zwecke verwenden will. Die Kinder haben Jaswinders Kollegin Patrizia (Sonja Gerhardt) im Verdacht, aber auch Müllentsorger Robert Fleckmann (Heino Ferch) scheint etwas mit der Sache zu tun zu haben.

Dank dem technischen Können von Clarissa, aber auch dem Mut von Hanna und Jonny, kommt die Ermittlerbande den Machenschaften von Fleckmann recht schnell gefährlich nahe. Gut, dass Alice noch eine befreundete Detektivin, Gertrud Silber (Anna Böttcher), mit hinzuzieht. Und dann ist da auch noch Oliver (Max Riemelt) aus Jaswinders Forscherteam, der ihnen helfen könnte, den Fall zu lösen und Taruns Mutter endlich wiederzufinden.

Im Vergleich zum ersten Film hat der Nachfolger deutliche Schwächen. Er konzentriert sich zu sehr auf den Kriminalfall, ist dabei aber an vielen Stellen einfach unglaubwürdig: Warum zum Beispiel kommen die jugendlichen Ermittler in Windeseile dahinter, was es mit den Droh-E-Mails an Jaswinder auf sich hat, die Polizei aber hatte sich gar nicht darum gekümmert?

Auch lernt man die einzelnen Charaktere nicht so gut kennen, wie das in Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs der Fall war. Gerade das war, was den Film für das junge Publikum so wertvoll gemacht hat: Sie haben Lebenswelten, Probleme und Sorgen wiedererkannt, die Identifikationsfläche war groß, das Mitfiebern leicht. Die Figuren in Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee dagegen bleiben in ihren Rollen als Ermittler verhaftet, dagegen helfen auch die vereinzelten Verweise auf die Lese-Rechtschreib-Schwäche des einen oder die Existenzsorgen der anderen nur wenig.

Unter der neuen Pfefferkörner-Generation, der mittlerweile elften, sticht besonders die junge Clarissa hervor. Sie ist technisch hochbegabt und knackt jeden Computer, kopiert die Inhalte jedes Handy und sie hat diese großartige Energie, die von Beginn an überzeugt und auch junge Zuschauer absolut überzeugt. Alle Kinderrollen – bis auf Hanna, die lediglich in einem Gastauftritt zu sehen sein wird – werden auch in der auf den Film folgenden 17. Fernsehstaffel zu sehen sein.

Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee hat ein Verdienst: Erneut macht auch der zweite Film unter der Regie von Christian Theede auf Umwelthemen aufmerksam, greift damit aktuelles Zeitgeschehen und regt – in der Verpackung des Kriminalstücks – bestimmt den ein oder anderen zum Nachdenken an.

Insgesamt sorgt der Film für die gewollte Unterhaltung und Spannung, wenn auch an vielen Stellen mit eindeutig zu viel an zu eindeutig funktionaler Filmmusik. Er nimmt das junge Publikum mit in die Welt des Krimis, macht aber auch deutlich, dass das Gesehene nicht alltäglich, sondern stark konstruiert ist. Den Kindern wird es bestimmt trotzdem gefallen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/die-pfefferkoerner-und-der-schatz-der-tiefsee-2020