Paradise Hills (2019)

Prinzessin im goldenen Käfig

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Dieser Fantasythriller ist der erste Spielfilm, bei dem die Spanierin Alice Waddington Regie führt. Er schwelgt auf romantische Weise in den Prinzessinnenträumen junger Mädchen und Frauen und bricht sie auf die beklemmende Erkenntnis herunter, dass auch Prinzessinnen Gefangene sind. Sie müssen ihre Rolle spielen in einer Welt, in der andere das Sagen haben, reiche Männer, die eigenen Eltern. Uma hat sich erdreistet, den Antrag eines Traumprinzen zurückzuweisen, nun ist sie hier. Ihre drei neuen Gefährtinnen haben auf andere Weise versagt. Die Sängerin Amarna (Eiza González) wollte ihre eigene Musik machen, was dem Management nicht gefiel. Chloe (Danielle Macdonald) ist für den Geschmack ihrer Mutter zu dick. Die Dritte im Bunde, Yu (Awkwafina), leidet unter Panikattacken.

Die Leiterin des Zentrums wird Herzogin (Milla Jovovich) genannt. In den prächtigsten Gewändern, beispielsweise einem weißen Kleid mit üppiger Schleppe, ähnelt sie einer Märchenkönigin. Ihre sanfte Stimme aber kann, wenn sie sich angegriffen fühlt, ins Gegenteil kippen: Diese Königin ist eine böse, wie Schneewittchens Stiefmutter. Oder wie die Fee, die Dornröschen verwünschte. Rote Rosen schmücken manchmal das Gewand der Herzogin, während die anderen alle in Weiß gekleidet sind. Ein Hauch von Die Frauen von Stepford durchzieht das Geschehen und macht sich im Verlauf stärker bemerkbar, während Umas Misstrauen wächst. Mit Amarna, die sich zu ihr hingezogen fühlt, will sie die Insel heimlich in einem Boot verlassen. Doch ihre Pläne werden vereitelt.

Auch thematische Vergleiche mit Jordan Peeles Horrorfilm Wir bieten sich an. Denn in den Dialogen der Mädchen fallen Bemerkungen über ihre Stellung in einer strikten Klassengesellschaft. Später erfahren sie, dass es nicht nur eine Ober- und Unterschicht, sondern auch Parias gibt, deren größter Wunsch es ist, dem Hunger zu entkommen und sich in die herrschende Gesellschaft zu integrieren.

Die zentrale These der Unfreiheit der Töchter hindert diesen Film nicht daran, zugleich Wohlgefühl mit seinen prächtigen Bildern zu verbreiten. Denn er versteht sich vor allem als Ausstattungsfilm, der die Sinnlichkeit und den visuellen Einfallsreichtum feiert. Alice Waddington hat früher Modefilme gedreht und in der Werbung gearbeitet. Schon allein die Kostüme, die die Herzogin und die Mädchen tragen, sind eine Schau. Sie wirken einerseits sehr märchenhaft, aus einem anderen Jahrhundert, andererseits höchst stylish. Manchmal tragen die jungen Insassinnen eine Art Geschirr aus weißen Lederriemchen am Oberkörper, das mittelalterlich inspiriert ist, aber auch zu Charakteren aus einem Sci-Fi-Weltallabenteuer passen würde. Das Gebäude, in dem sie therapiert werden, erinnert mit seinen Arkaden an die Alhambra in Granada. Die Waschbecken scheinen aus Porzellan gefertigt zu sein, die Wasserhähne haben die Gestalt goldener Schwäne.

Staunend lässt man sich quasi an der Hand nehmen und durch diese Ausstattungsschau führen, die der Realität so radikal enthoben ist. Oft sind die schönen Elemente auf schräge Weise verfremdet, gar gebrochen, ohne dass ihre Wirkung versagt. So beginnt der Film mit einer luxuriösen Hochzeitsfeier, in der die prächtig gekleidete Braut einen merkwürdigen Gesichtsschmuck trägt, der wie ein Schutzgitter anmutet oder ein Maulkorb.

Was das Publikum mit all den irrwitzigen Eindrücken anstellt, bleibt ihm letztlich selbst überlassen. Sie sind wohl in erster Linie für eine junge weibliche Zielgruppe konzipiert, spiegeln deren Träume, regen sie zum Erproben eigener Fantasien an, lassen sie aber auch über soziale Rollen und Rollenerwartungen reflektieren. Idylle und geistige Rebellion ergeben eine dynamische, schillernde Mischung. Dieser Film wirkt wie ein künstlerischer Entwurf, ein Experiment, ein Spaziergang im Garten der Visionen, welcher offenbar hauptsächlich unternommen wurde, um Inspirationen zu sammeln.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/paradise-hills-2019