Killerman (2019)

Kleine Fische müssen zusammenhalten

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Moes vertrauter Teampartner Bobby, genannt Skunk (Emory Cohen), ist Pericos Neffe. Nun bekommen die beiden von Perico einen größeren Auftrag, der über mehrere Tage laufen soll. Doch kurz darauf ruft der Onkel den Neffen an: Das Geschäft ist an diesem Tag abgeblasen! Moe und Skunk sitzen nun auf einem Haufen Geld und Skunk schwatzt seinem widerstrebenden Partner eine Planänderung auf. Er will mit dem Geld Kokain kaufen, auf eigene Faust. Beim Treffen mit den Dealern aber tauchen plötzlich zwei Polizisten auf, die es auf die Beute abgesehen haben. Moe und Skunk entkommen, und zwar nicht mit leeren Händen. Doch auf der Flucht im Auto erleiden sie einen Unfall.

Der Thriller des Regisseurs und Drehbuchautors Malik Bader (Street Thief, Cash Only) erfindet das Genre nicht gerade neu, sondern schwelgt vielmehr genüsslich in seinen Versatzstücken und Klischees. Aber dass eine Verfolgungsjagd für die gejagten Helden schiefgehen kann, weil sie zu schnell unterwegs sind, wirkt überzeugend realitätsnah. Skunk muss sich um den verletzten Moe kümmern, der sein Gedächtnis verloren hat. Die korrupten Polizisten sind ihnen auf den Fersen. In seiner Wohnung findet Moe seine schwangere Freundin Lola (Diane Guerrero) vor, an die er sich nicht erinnern kann. Untröstlich liegt er bald in ihren Armen, offenbar funktioniert die emotionale Bindung zwischen den beiden doch noch ganz gut. Aber auch diese Szene mündet rasch in neues Leid und Moe fasst den Entschluss, Rache zu nehmen an den Bösen, die es verursacht haben.

Es fehlt nicht an Action und besonders auch an Gewaltexzessen in diesem Thriller. Moe fällt irgendwann eine Machete in die Hand – Rache allein mit Fäusten oder einer Pistole auszuüben, erscheint in dem abgegrasten Genre offenbar nicht mehr spektakulär genug. In diesem Moloch Großstadt gibt es fast keine Unschuldigen mehr, wer überleben und mit dem Strom schwimmen will, muss sich in eine Hackordnung jenseits von Moral und Recht einordnen. Gangster und Politiker befinden sich nur scheinbar auf verschiedenen Seiten der Gesellschaft. Die korrupte Polizei nimmt regelmäßig afrikanische Dealer aus, die in der Machthierarchie ziemlich weit unten stehen. Eine Noir-Atmosphäre des Verlorenseins und der Verdammnis umhüllt die beiden Freunde Moe und Skunk, die zusammenhalten müssen. Sie haben ja nur einander, aber die Erfahrung, nicht allein zu sein, erleben sie als Licht in der Dunkelheit.

Die Kamera und die Montage wirken sehr dynamisch in diesem auf analogem Filmmaterial gedrehten Thriller. Es herrscht das Prinzip ständiger Bewegung, die Zuschauer werden mehr oder weniger gezwungen, wie die Protagonisten mit Orientierungsschwierigkeiten zu kämpfen. Manchmal bekommen Bild und Ton eine ausgesprochen subjektive Qualität, indem sie Moes vom Unfall beeinträchtigen Wahrnehmungen folgen. Weil es in diesem Film viel um Eindrücke und Stimmungen geht, spielt die Musik eine wichtige Rolle. Die elektronischen Kompositionen von Julian DeMarre und Heiko Maile überzeugend mit ihrer drahtigen, treibenden Kraft.

Der Film will unterhalten und dafür sind ihm auch Klischees wie ein Bösewicht (Nickola Shreli) mit einem auffallenden Goldzahn im Gebiss nicht zu schade. Die wahre Belohnung erwartet die Genrefans mit einer überraschenden Wendung am Schluss, die in eine spannende ethische Entscheidung mündet. Ihr emotionales Gewicht lässt sich nicht so leicht ab schütteln. Und so denkt man nachher noch eine Weile über diesen Film nach, gleichgültig, ob er das auch wirklich verdient.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/killerman-2019