Good Boys (2019)

Die herben Vergnügungen der Großen

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

So beginnt ein turbulentes Abenteuer voller Verwicklungen, in dem die drei Freunde einen Coming-of-Age-Prozess durchlaufen. Sie haben die amerikanische Elementary School hinter sich gelassen und beginnen nun den nächsten Ausbildungsabschnitt an der Middle School oder Junior High School. Ähnlich wie der Titelheld in der Buchserie Gregs Tagebuch von Jeff Kinney und ihren Verfilmungen haben sie Angst, von den Mitschülern als uncool und doof ausgegrenzt zu werden. Es gilt das eigene Image zu pflegen, aber auch neue Konflikte mit dem oder den besten Freunden zu meistern. Max, Lucas und Thor stellen fest, dass sie trotz ihres bewährten Zusammenhalts allmählich unterschiedliche Interessen entwickeln.

Max schwärmt als einziger für ein Mädchen, nämlich für Brixlee (Millie Davis), der er auf der Party eines besonders coolen Schulkameraden begegnen wird. Thor und Lucas beteiligen sich lebhaft mit ihrem aufgeschnappten Halbwissen, mit wilden Spekulationen und Tatkraft, um Max mit seinem Problem zu helfen. Denn er muss ja nicht nur herausfinden, wie man küsst, sondern auch schauen, wie er Papas von Hannah und ihrer Freundin Lily (Midori Francis) konfiszierte Drohne wiederbekommt.

Vielleicht hilft es ja, dass die Jungs im Gegenzug am Tatort ein Täschchen in ihren Besitz gebracht haben, in dem sich eine Partydroge befindet. Hannah und Lily verstehen da keinen Spaß, sie verfolgen die Jungs gnadenlos. Diese aber sind gute Jungs, sie wissen, dass Drogen Teufelszeug sind, besonders der kindliche Lucas hat da eine ganz klare moralische Haltung. Sollte man die Drogen nicht lieber im Wald entsorgen? Aber da könnte sie ein Fuchs fressen und einem Eichhörnchen Gewalt antun…

Regisseur Gene Stupnitsky, der auch mit Co-Autor Lee Eisenberg das Drehbuch schrieb, siedelt den Witz der Komödie irgendwo zwischen Gregs Tagebuch und Superbad an. Er schöpft aus dem Kontrast der titelgebenden guten Kinder, die sich plötzlich ins Gegenteil zu verwandeln scheinen, mit Drogen hantieren, lügen, das Sexspielzeug aus dem elterlichen Schlafzimmer in die Hände kriegen. Als Produzenten sind Evan Goldberg und Seth Rogen an Bord, die Autoren der Komödie Superbad, in der es um die Bemühungen zweier Highschoolabsolventen, vor dem College noch schnell die Unschuld zu verlieren, ging.

Max, Thor und Lucas haben natürlich keine Ahnung, dass die „Wiederbelebungspuppe“, an der man das Küssen üben könnte, in Wirklichkeit anders heißt. Warum die Kette mit den roten Plastikkugeln aus dem elterlichen Schlafzimmer nach Exkrementen riecht, wissen sie nicht, aber zu etwas wird sie ja gut sein. Einiges haben die Drei bereits irgendwo aufgeschnappt und für sich uminterpretiert. Warum Mädchen Tampons verwenden und wieso es sich in der heutigen Zeit nicht mehr gehört, ein Feminist zu sein, sind nur zwei ihrer zahlreichen Behauptungen, die zum Auflachen reizen. Die Dialoge wirken zwar oft den ahnungslosen Kindern in den Mund gelegt, um Erwachsene zu ergötzen, aber es ist dem Publikum, das sich an die eigene Kindheit erinnert, auch möglich, sich mit diesen Helden zu identifizieren. Denn sie sind mit ihrer kindlichen Cleverness und Kreativität, die sie in vertrackten Situationen entfalten, ganz gut getroffen.

Im Gegensatz beispielsweise zu Mid90s über einen 13-Jährigen, der sich mit älteren Skatern anfreundet, ist Good Boys aber nicht wirklich um Authentizität und Realitätsnähe bemüht. Es geht hier mehr um das Ausschlachten von Missverständnissen, Bonmots und alterstypischen Fettnäpfchen zum Zwecke der Unterhaltung. Und das bedeutet auch, das Geschehen zu übertreiben und mit Action anzureichern. Dass die Freunde aber zu Fuß einen vielbefahrenen Highway queren, indem sie einfach mitten zwischen die Autos springen, ist für den Film kein Gewinn.

Auch hält sich die Komödie trotz der provokanten Idee, Zwölfjährige mit den Themen Sex und Drogen zu konfrontieren, an ein sehr konventionelles Gerüst. Aus diesem Grunde machen sich die Freunde irgendwann pädagogisch korrekt gegenseitig Mut, zu sich selbst zu stehen, egal, was die anderen denken. Insgesamt aber wird hier unbeschwerte Komik geboten, die sich an ein Publikum richtet, das vom Alter her in der Lage ist, von einer kundigen Warte aus über die Naivität und die Trugschlüsse dieser Jungen zu lachen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/good-boys-2019